Da Hong Pao – ein ganz besonderer Dank


Vor allem in China gibt es zahlreiche Mythen und Legenden, in denen erzählt wird, wie einzelne Teesorten zu ihrem Namen gekommen sind. Zum Teil gibt es sogar mehr als eine, wie zum Beispiel im Falle des Da Hong Pao. Da Hong Pao bedeutet „Große Rote Robe“ und ein Blick auf solch einen Teestrauch lässt bereits erahnen, was der Grund für diesen Namen war. Ganz besonders mit der richtigen Sonneneinstrahlung leuchten die Teeblätter wunderbar rot. Darüber, wie es dazu kam, gibt es zwei ganz unterschiedliche Geschichten, die nur das Ende, den Teestrauch mit den roten Blättern, gemeinsam haben.

Da Hong Pao

Im Norden der Provinz Fujian liegt das Wuyishan, ein Gebirge, das mittlerweile ein Naturschutzgebiet ist. Wer früher in solch einer Gegend überleben wollte, hatte es oft sehr schwer und war den Naturgewalten schutzlos ausgeliefert. Nicht selten kam es zu Hungersnöten. Eines Tages half eine junge Frau einem alten Mann während solch einer Hungersnot. Sie teilte ihr verbliebenes Essen mit ihm und rette ihn dadurch vor dem sicheren Hungerstod. Aus Dank dafür, steckte er seinen hölzernen Gehstock in die Erde und schon bald wuchsen erste zarte Teeblätter daran. Die Teefee, die diese Geste des Dankes unterstützen wollte, verlieh ihnen ihre rote Farbe, damit die Blätter dieses Teestrauches immer daran erinnern sollten, dass man in Notzeiten helfen, aber auch dankbar sein sollte. Dem Kaiser gefiel dieser neue Teestrauch ganz außerordentlich und so ließ er anordnen, dass der Strauch in seinen Hof verpflanzt werden sollte. Doch schon kurze Zeit später war der Strauch aus dem Garten des Kaisers verschwunden und wuchs, als wäre er nie wo anders gewesen, wieder im Wuyishan.

Die zweite Legende über den Da Hong Pao dagegen besagt, dass die Kaiserin sehr schwer erkrankt war. Der Kaiser bangte um das Leben seiner geliebten Frau. Der Hofarzt versuchte alles, um seine Patientin zu retten. In seiner Verzweiflung versuchte er alles Mögliche und kochte sogar einen neuen Tee für sie. Schnell fühlte sich die Kaiserin wieder besser und war schon bald wieder völlig gesund. Aus Dank über die Rettung und Heilung seiner Frau, schenkte der Kaiser dem Teestrauch seine rote Robe.

Legende oder Wahrheit?

Prinzipiell könnten beide Geschichte einen gewissen wahren Kern haben, auch, wenn wohl sicher auszuschließen ist, dass ein Kaiser die Farbe der Blätter beeinflussen konnte, oder dass eine Fee ihre Hände im Spiel hatte. Die Tatsache allerdings, dass diese beiden Geschichten so unterschiedlich sind, legt wohl doch eher die Vermutung nahe, dass irgendwann einmal die Frage auftauchte, warum die Blätter genau dieser Teepflanze rötlich sind und sich irgendjemand eine Geschichte dazu ausgedacht hat.

Vielleicht war dies gerade zum Ende einer Hungersnot im Wuyishan, als die Pflanzen sich gerade wieder erholten und neu zu wachsen begannen. Vielleicht haben gerade dann die wenigen, neuen Blätter an einem sonst kahlen Strauch einen phantasievollen Menschen zu der Geschichte mit dem alten Mann und seinem Gehstock inspiriert. Vielleicht war zur Zeit, als die zweite Geschichte auftauchte, in einer anderen Region die Kaiserin erkrankt und sie fühlte sich durch das Trinken von Tee tatsächlich wieder besser.

Möglich ist vieles und wie bei den meisten anderen Sagen, Mythen und Legenden aus alten Tagen, wird man wohl auch hier nie ganz belegen können, wie es nun wirklich war. Aber das ist auch eigentlich gar nicht notwendig.

Fazit

Bei solchen Geschichten geht es wohl keinem darum, geschichtliche Fakten und Tatsachen zu berichten. Viel bedeutender ist es doch, gemütlich bei einer Tasse Tee beisammen zu sitzen und sich zu unterhalten. Und was wäre passender, als über den jeweiligen Tee zu sprechen? Ist ist immer schön, zu wissen, wie etwas seinen Namen bekommen hat, warum ein Tee ausgerechnet so heißt, wie er heißt. Anders, als in Indien etwa, wo der Tee einfach nach seinem Anbaugebiet benannt wird, haben die meisten Tees in China so mystisch und märchenhaft klingende Namen, das man die Geschichten dahinter einfach hören möchte.

Dabei sind diese Geschichten viel mehr, als eine reine Märchenstunde. Sie sind ein Stück chinesische Kultur und Tradition. Sie gehören zu China, wie bei uns etwa die Geschichte der Lorelei oder das Lied der Nibelungen. All diese Mythen verdeutlichen auch immer, welch große Bedeutung Tee in China schon seit langer Zeit hat und wie eng Religion, Tradition und Tee auch heute noch miteinander verbunden sind.

 

Bildnachweis: Da Hong Pao © Oliver Timmermann – Fotolia.com

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