Legende oder Wahrheit?
Prinzipiell könnten beide Geschichte einen gewissen wahren Kern haben, auch, wenn wohl sicher auszuschließen ist, dass ein Kaiser die Farbe der Blätter beeinflussen konnte, oder dass eine Fee ihre Hände im Spiel hatte. Die Tatsache allerdings, dass diese beiden Geschichten so unterschiedlich sind, legt wohl doch eher die Vermutung nahe, dass irgendwann einmal die Frage auftauchte, warum die Blätter genau dieser Teepflanze rötlich sind und sich irgendjemand eine Geschichte dazu ausgedacht hat. Vielleicht war dies gerade zum Ende einer Hungersnot im Wuyishan, als die Pflanzen sich gerade wieder erholten und neu zu wachsen begannen. Vielleicht haben gerade dann die wenigen, neuen Blätter an einem sonst kahlen Strauch einen phantasievollen Menschen zu der Geschichte mit dem alten Mann und seinem Gehstock inspiriert. Vielleicht war zur Zeit, als die zweite Geschichte auftauchte, in einer anderen Region die Kaiserin erkrankt und sie fühlte sich durch das Trinken von Tee tatsächlich wieder besser. Möglich ist vieles und wie bei den meisten anderen Sagen, Mythen und Legenden aus alten Tagen, wird man wohl auch hier nie ganz belegen können, wie es nun wirklich war. Aber das ist auch eigentlich gar nicht notwendig.Fazit
Bei solchen Geschichten geht es wohl keinem darum, geschichtliche Fakten und Tatsachen zu berichten. Viel bedeutender ist es doch, gemütlich bei einer Tasse Tee beisammen zu sitzen und sich zu unterhalten. Und was wäre passender, als über den jeweiligen Tee zu sprechen? Ist ist immer schön, zu wissen, wie etwas seinen Namen bekommen hat, warum ein Tee ausgerechnet so heißt, wie er heißt. Anders, als in Indien etwa, wo der Tee einfach nach seinem Anbaugebiet benannt wird, haben die meisten Tees in China so mystisch und märchenhaft klingende Namen, das man die Geschichten dahinter einfach hören möchte. Dabei sind diese Geschichten viel mehr, als eine reine Märchenstunde. Sie sind ein Stück chinesische Kultur und Tradition. Sie gehören zu China, wie bei uns etwa die Geschichte der Lorelei oder das Lied der Nibelungen. All diese Mythen verdeutlichen auch immer, welch große Bedeutung Tee in China schon seit langer Zeit hat und wie eng Religion, Tradition und Tee auch heute noch miteinander verbunden sind. Bildnachweis: Da Hong Pao© Oliver Timmermann - Fotolia.comDa Hong Pao – Zubereitung des Kaisertees
Da Hong Pao (大红袍, „Großer Roter Umhang") ist einer der legendärsten und begehrtesten Oolongtees der Welt, der aus dem Wuyi-Gebirge in der chinesischen Provinz Fujian stammt. Er gehört zur Kategorie der Yan Cha (Felsen-Tees) und ist für sein komplexes, mineralisches, röstiges Aroma bekannt. Für die Zubereitung ist das Gongfu-Cha-Verfahren ideal: kleine Ton-Teekanne (Yixing) oder eine Gaiwan, sechs bis acht Gramm Tee auf 100-120 ml Wasser, kochendes Wasser (100 Grad). Der erste Aufguss (Waschwasser) wird direkt abgegossen, um Staub zu entfernen und die Blätter zu öffnen. Dann: 20-30 Sekunden Ziehzeit für den ersten Aufguss, mit jedem weiteren Aufguss die Zeit leicht verlängern. Da Hong Pao lässt sich acht bis zehn Mal oder mehr aufgießen und entfaltet mit jedem Aufguss neue Aromaschichten. Das Ergebnis ist ein tiefambraner, komplexer Tee mit Röst-, Mineral-, Blumen- und Fruchtaromen.
Die Geschichte des Dankbaren Kaisers und des Da Hong Pao
Die namensgebende Legende des Da Hong Pao ist eine Geschichte der Dankbarkeit: Ein Kandidat für die kaiserliche Prüfung erkrankte schwer auf dem Weg nach Peking. Ein Mönch des Tianxin-Klosters im Wuyi-Gebirge gab ihm Tee von vier besonderen Teepflanzen auf einem Felsen – und der Kandidate genas vollständig. Er bestand die Prüfung brillant und kehrte zum Kloster zurück, um dem Tee zu danken. Er legte seinen roten Umhang – Zeichen seines neuen kaiserlichen Ranges – um die vier Teepflanzen, die ihm das Leben gerettet hatten. Daher der Name: „Großer Roter Umhang". Die vier mutmaßlich originalen Mutterpflanzen existieren noch heute im Wuyi-Gebirge und sind als Nationalschatz Chinas unter strengem Schutz. Der Tee, der direkt von diesen Urpflanzen geerntet wird, ist unbezahlbar – zuletzt für umgerechnet 1,2 Millionen US-Dollar pro Kilogramm versteigert.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Qualitätsstufen und Arten von Da Hong Pao
Es gibt dramatische Qualitäts- und Preisunterschiede beim Da Hong Pao. Echter Da Hong Pao von den Wuyi-Mutterpflanzen: nicht kommerziell erhältlich, nur noch für Staatsgäste und Museen. Da Hong Pao aus dem Wuyi-Gebirge von Klonstöcken der Originalpflanzen: hohe Qualität, hoher Preis. Da Hong Pao aus der Wuyi-Region allgemein: mittlere bis gute Qualität, erkennbar am charakteristischen Felsaroma (Yan Yun). Kommerzielle Da-Hong-Pao-Mischungen: oft aus anderen Oolong-Regionen, preisgünstig, aber ohne das charakteristische Wuyi-Terroir. Für Teeeinsteiger bieten mittlere Qualitäten ein erschwingliches Kennenlernen. Für Teekenner ist echter Wuyi-Da-Hong-Pao ein unvergessliches Erlebnis mit seinem einzigartigen Mineralprofil, das das Terroir der Felsen widerspiegelt.
Häufige Fragen zu Da Hong Pao
Warum ist Da Hong Pao so teuer?
Die Legende der Urpflanzen, das begrenzte Anbaugebiet im Wuyi-Gebirge, die aufwändige Verarbeitung und die hohe internationale Nachfrage machen echten Da Hong Pao zu einem der teuersten Tees der Welt. Echter Wuyi-Da-Hong-Pao kostet Tausende Euro pro Kilogramm.
Wie erkenne ich echten Da Hong Pao?
Echter Wuyi-Da-Hong-Pao hat ein charakteristisches Yan-Yun-Aroma (Felsenmineralität), ein langanhaltender Nachklang und ein komplexes Profil aus Röst-, Frucht- und Blumennoten. Preis und Herkunftsangabe sind wichtige Indikatoren.
Wie viele Aufgüsse sind möglich?
Guter Da Hong Pao lässt sich acht bis zehn Mal oder mehr aufgießen. Mit jedem Aufguss entfalten sich neue Aromaschichten. Das Gongfu-Cha-Verfahren ist ideal für diese Mehrfachaufgüsse.
Enthält Da Hong Pao viel Koffein?
Als mittelstark oxidierter Oolong enthält Da Hong Pao moderat Koffein – mehr als Grüntee, weniger als Schwarztee. Durch das Gongfu-Verfahren mit kurzen Ziehzeiten wird weniger Koffein extrahiert als bei normaler Zubereitung.
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