Legende oder Wahrheit?
Tatsache ist jedoch, dass selbst die eigenen Sinneseindrücke trügen und ein falsches Bild erzeugen können. Was allein die Intensität betrifft, unterscheidet sich die anregende Wirkung von Kaffee und Tee nicht. Noch vor einigen Jahren, hieß es, im Kaffee sei Koffein, im Tee dagegen Teein enthalten, Heute ist längst bewiesen, dass es sich dabei um ein und die selbst Substanz handelt. Warum sollte Koffein also einmal stärker und einmal schwächer wirken, nur weil es aus einer anderen Pflanze stammt? Aber wie kommt es dann, dass so viele Menschen völlig unbeirrbar davon überzeugt sind, dass ihnen Tee beim Wachwerden nicht hilft? Die Gesamtintensität ist es also nicht. Die Erklärung für diesen Mythos liegt durchaus in den Unterschieden zwischen Tee- und Kaffeepflanze begründet. Im Kaffee ist das Koffein in der Regel frei gelöst. Deshalb entfaltet es seine Wirkung sofort. Man fühlt sich wacher, aufmerksamer und teilweise spürt man sogar einen beschleunigten Herzschlag.Im Tee allerdings ist das Koffein häufig an die Gerbstoffe gebunden. Von diesen wird es erst im Darm gelöst, gelangt dann allerdings sofort in die Blutbahn und beeinflusst von dort aus vor allem Gehirn und Nervensystem. Koffein im Tee wirkt also später, dafür aber auch nachhaltiger. Davon abgesehen schützen die Gerbstoffe die Schleimhäute des Verdauungstrakts. So klagen Teetrinker selbst bei größeren Mengen an konsumiertem Tee wesentlich seltener über Sodbrennen oder Magenschmerzen, wie die Kaffeetrinker dies tun. Wie viel Koffein in einem Tee enthalten ist, hängt sehr stark von der jeweiligen Teeart ab. Während eine Tasse weißer Tee etwa nur 6 - 25 mg Koffein enthält, sind es bei grünem Tee stolze 60 mg, bei Matcha sogar 64 mg. Auch Kaffee variiert bei dieser Konzentration stark, je nach Sorte und Herkunft. So kann man eher schwachen Kaffee mit 40 mg Koffein ebenso finden, wie Kaffee mit der dreifachen Konzentration, also 120 mg. Tee verfügt über ein großes Sortiment an Sorten wie z.B Rooibos Tee, Schwarzer Tee, Kräutertee, Früchtetee, Grüntee oder Matcha Tee.Fazit
Um schnell wach zu werden, ist Tee also tatsächlich ungeeignet. In diesem Fall sollte man dem Kaffee den Vorzug geben. Möchte man jedoch lieber einen langanhaltenden Effekt um auch später noch leistungsfähig zu sein, dann ist Tee eindeutig die bessere Alternative. Häufig wird Kaffee bereits zum Frühstück getrunken. Irgendwann im Laufe des Vormittags, spätestens aber nach der Mittagspause kommt ein Leistungstief, dass häufig ebenfalls mit Kaffee aufgefangen wird. Geht es nachmittags dann wieder hoch her, droht der Tag lang zu werden, der Feierabend erst sehr spät zu kommen, trinken viele ganz leicht einmal fünf, sechs Tassen Kaffee am Tag oder mehr. Sinnvoller wäre es da durchaus und vor allem auch Magenfreundlicher, statt Kaffee wenigstens zwischendurch einmal Tee zu trinken. Durch die nachhaltigere Wirkung auf unsere Leistungsfähigkeit hat man länger etwas vom gewünschten Effekt und schont dabei zudem seinen Magen. Die meisten Tees kommen aus Japan, Indien oder China. Die Zubereitung ist meist die gleiche wie auch hier zulande. Man behauptet sogar das Tee beim abnehmen hilft! Vitamine liefert er sicher und unserem Herz schadet er auch nicht. Es muss ja nicht immer gleich eine regelrechte Glaubensfrage ausarten: Tee oder Kaffee? Man sollte sich einfach bewusst sein, dass es bei diesen beiden Getränken einige Gemeinsamkeiten, aber eben auch Unterschiede gibt. Wenn man dann auch noch weiß, wo diese liegen, kann man sich Gedanken machen, was für einen selbst um jeweiligen Moment die bessere Alternative ist. Davon abgesehen entscheiden zu guter Letzt ja auch immer noch der eigene Geschmack und die individuellen Vorlieben. Trotzdem sollte man nicht einfach pauschal das eine als das bessere oder schlechtere bezeichnen. Dies wäre eine allzu oberflächliche Beurteilung, die weder Tee noch Kaffee gerecht werden würde.Bildnachweis: Kaffee wirkt viel stärker als Tee © jedi-master - Fotolia.comKoffein in Tee richtig nutzen: Tipps für optimale Wirkung
Auch wenn Kaffee mehr Koffein enthält, kann man das Koffein im Tee durch Zubereitungsanpassungen gezielt steuern. Ein kurzer erster Aufguss (30 Sekunden bei 80°C) löst primär Koffein und wenig L-Theanin – wer dieses erste, koffeinreichere Wasser behält und trinkt, bekommt einen energiereicheren Tee. Ein späterer Aufguss (3–4 Minuten bei niedrigerer Temperatur) enthält dagegen mehr L-Theanin und weniger Koffein für einen entspannteren Effekt. Gyokuro und Matcha – durch Beschattung besonders L-Theanin-reich – haben proportional mehr beruhigende Aminosäure zur Koffeinwirkung, was den „Tee-Fokus" ohne Überreizung erklärt. Für morgendliche Energie: Schwarztee oder Pu-Erh mit kurzer Ziehzeit und kochendem Wasser.
Koffeinwirkung im Vergleich: Warum Tee „sanfter" ist
Kaffee enthält 80–120 mg Koffein pro Tasse, Schwarztee 40–70 mg, Grüntee 20–45 mg. Aber die rohen Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. L-Theanin im Tee – 10–30 mg pro Tasse – beeinflusst die Koffeinwirkung grundlegend: Es erhöht die Alpha-Hirnwellenaktivität, die mit entspannter Wachheit assoziiert ist, und verlangsamt die Koffeinabsorption. Das Ergebnis: Tee wirkt weniger spike-artig als Kaffee, kein schneller Anstieg und kein jäher Abfall, dafür länger anhaltende, ruhigere Energie. Klinische Studien bestätigen, dass die L-Theanin-Koffein-Kombination besser für Aufgaben geeignet ist, die anhaltende Konzentration erfordern als Koffein allein.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Jiaogulan Tee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu chinesische Teekultur. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Yan Cha Felsentee.
Historische Betrachtung: Die Entdeckung der Koffeinwirkung
Das Koffein selbst wurde erst 1819 durch den deutschen Chemiker Friedlieb Ferdinand Runge isoliert und benannt – zuvor wusste man natürlich von der belebenden Wirkung von Kaffee, Tee und Kakao, ohne die Substanz zu kennen. Interessanterweise wurde Koffein im Tee (ursprünglich „Thein" genannt) zunächst für eine andere Verbindung gehalten, bevor Mulder 1838 nachwies, dass Thein und Koffein identisch sind. Diese Entdeckung veränderte die medizinische Betrachtung von Tee erheblich: Statt einer mysteriösen „Belebungskraft" hatte Tee nun eine wissenschaftlich erklärbare Wirksubstanz. Die Teemedizin des 19. Jahrhunderts schwankte zwischen Überbegeisterung (Tee als Wundermittel) und Ablehnung (Tee als gefährliches Nervenstimulans) – ein Spiegel der gesellschaftlichen Ambivalenz gegenüber psychoaktiven Substanzen.
FAQ: Kaffee wirkt stärker als Tee
Hat Matcha mehr Koffein als Kaffee? Pro Tasse nein: Matcha enthält 40–80 mg, Kaffee 80–120 mg. Pro Gramm Trockensubstanz hat Matcha sogar mehr Koffein als Kaffeebohnen – aber man trinkt von Matcha deutlich kleinere Mengen.
Warum bekomme ich von Kaffee Herzrasen, von Tee nicht? Das L-Theanin im Tee puffert die sympathomimetische Wirkung des Koffeins ab. Es hemmt die angstreiche Komponente der Koffeinwirkung, während es die kognitive Wachheit erhält.
Welcher Tee hat das meiste Koffein? Matcha und Gyokuro – durch lange Beschattung besonders koffeinreich – gefolgt von jungem Schwarztee wie Darjeeling First Flush und Assam CTC.
Kann Tee eine vollständige Kaffee-Alternative sein? Für Koffeinempfindliche: absolut ja. Starker Schwarztee oder Matcha können den Morgenkaffee ersetzen, mit sanfterer, länger anhaltender Wirkung. Für sehr starke Koffein-Abhängige: der Wechsel braucht eine Übergangsphase.
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