Der Nobelpreis ist ein fester Begriff. Er gehört zu den höchsten Auszeichen, wenn er nicht DIE höchste Auszeichnung überhaupt ist, die man vor allem in der Welt der Wissenschaft bekommen kann. Aber auch als Schriftsteller oder Politiker beispielsweise kann man sich unter Umständen Hoffnungen auf diese Ehrung machen. Was viele dagegen noch nicht wissen, ist die Tatsache, dass der Nobelpreis so eine Art "Stiefbruder" hat, den Ig-Nobel-Preis. Ignoble kommt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt "unwürdig", "unedel" und sogar "schmachvoll". Und in der Tat haben sich bisher wohl nicht viele darum gerissen, genau diesen Anti-Nobelpreis verliehen zu bekommen. Denn schon allein die Verleihung ist nicht wesentlich weniger schmachvoll, als die Auszeichnung selbst. So werden die Auftritte der Preisträger auf der Bühne grundsätzlich mit Buh-Rufen begleitet während allerhand "flugfähiges Material" nach ihnen geworfen wird. Teebeutel gehören dabei zu den beliebtesten Gegenständen. Aber wer sind nun die armen Wissenschaftler, die so für ihre Arbeit verspottet werden und sind ihre Leistungen wirklich so schlecht, dass sie solch eine Schmach verdienen? Nun, ein Norwegischer Arzt beispielweise, der im Jahre 1999 den Ig-Nobel-Preis in Medizin verliehen bekam, hatte untersucht welche Gefäße seine Landsmänner bevorzugen, wenn es darum geht eine Urinprobe abzugeben. Wen das Ergebnis interessiert: es waren Heringsgläser, Marke Delikat Apetittsild. Im selben Jahr, also 1999, spielte Tee allerdings nicht nur als Wurfmaterial zur Schmachvergrößerung eine Rolle. So wurde der Preis im Bereich Physik beispielweise an zwei britische Wissenschaftler verliehen. Len Fisher aus Bath hatte eine optimale Methode entwickelt, Biskuit in Tee einzutauchen und sein Kollege Jean-Marc Vanden-Broeck aus East Anglia hatte Berechnungen angestellt, wie die Tülle einer Teekanne geformt sein muss, damit sie nicht tropft. Und selbst im Bereich Literatur stand der Tee ein weiteres Mal im Mittelpunkt. Die British Standards Institution wurde für eine Sage und Schreibe sechs Seiten umfassende Abhandlung "geehrt", die aufs Ausführlichste sämtliche technische Details beschrieb, wie eine Tasse Tee richtig und ordentlich zubereitet wird.

Legende oder Wahrheit?

Den Ig-Nobel-Preis gibt es tatsächlich und auch die jeweiligen Preisträger sowie die Gründe, weshalb sie ausgezeichnet wurden, sind sorgfältig aufgelistet und lassen sich ohne Probleme im Internet etwa nachvollziehen und auch Jahre später noch lesen. Auch von dem Krawall und dem Radau, der auf diesen Preisverleihungen regelmäßig herrscht, wird ausführlich berichtet. An der Glaubwürdigkeit dieser Geschichte gibt es also nichts zu rütteln. Dann sollte man aber wenigstens noch klären, weshalb Tee dabei scheinbar so im Mittelpunkt steht. Mögen die jeweiligen Gremiums-Mitglieder etwa keinen Tee? Oder ist vielleicht doch alles nur Zufall?

Fazit

Verliehen wird der Ig-Nobel-Preis von einer sechsköpfigen Jury in Harvard. Sie befasst sich alljährlich nach eigenen Aussagen mit möglichst "blödsinnigen Forschungen" ihrer Kollegen weltweit. Normalerweise hat Forschung ja den ehrenwerten Zweck oder zumindest Wunsch, unser aller Leben irgendwie zu verbessern. Als Mediziner möchte man beispielsweise endlich ein wirksames Mittel gegen Krebs finden und nicht belegen, in welchen Heringsgläsern Urinproben abgegeben werden. Sicherlich hat sich schon der ein oder andere Teetrinker darüber geärgert, wenn sein Keks vom Tee so vollgesogen war, dass er abgebrochen ist und ein Teil in der Tasse schwamm. Oder wenn ausgerechnet die besonders schöne Teekanne so sehr tropft, dass sie fast nicht zu gebrauchen ist. Und natürlich wollen wir alle wissen, wie wir unseren Tee zubereiten müssen, damit er möglichst gut schmeckt und am besten alle wertvollen Inhaltsstoffe enthält. Aber muss man dazu gleich seitenlange Abhandlungen schreiben und wochen-, vielleicht sogar monatelange Forschungen betreiben? Sicher war es wohl eher so, dass die Ig-Nobel-Preis-Verleiher der Meinung waren, ihre Kollegen hätten ihre Zeit sinnvoller und besser nutzen können und nicht, dass sie aus Abneigung Tee gegenüber allein in einem Jahr dreien davon ihren Anti-Preis verliehen. Und mal ganz ehrlich, ist es nicht so, dass oft gerade die Unvollkommenheit den Tee ausmacht? Macht es nicht viel mehr Spaß und lernt man nicht wesentlich effektiver, wenn man selbst austeste, wie man seinen Tee zubereiten muss, dass er einem persönlich am besten schmeckt? Der eine mag seinen grünen Tee möglichst mild und lässt ihn nur kurz ziehen, der andere dagegen schätzt eine gewisse Bitterkeit und lässt die Blätter deshalb etwas länger im Wasser. Und auch Teekanne spiegeln oft unsere Persönlichkeit wider. Schlicht und einfach oder doch lieber bunt gemustert, ist eben Geschmackssache. Und dabei weckt das Auffangen der Teetropfen mit dem Finger nach dem Einschenken gleich auch noch die Vorfreude. Schließlich kann man selten so ungestraft schon mal naschen, ehe die Gäste etwas bekommen. Bildquelle: Smiling woman dipping a biscuit into her coffee/lightwavemedia/fotolia.com

Tee und Wissenschaft: Wenn Forschung ausgezeichnet wird

Tee hat die Wissenschaft in vielen Bereichen beflügelt. Obwohl es keinen direkten Nobelpreis für Tee-Forschung gibt, haben Entdeckungen rund um Tee-Inhaltsstoffe die Forschungsgemeinschaft nachhaltig geprägt. Die Isolierung von Catechinen und EGCG (Epigallocatechingallat) in den 1950er und 1960er Jahren öffnete das Tor zur modernen Polyphenol-Forschung. Wissenschaftler wie Michiyo Tsujimura, die erste japanische Frau mit Doktortitel in Agrikulturchemie, widmete ihre Karriere der Teeforschung und isolierte 1929 als erste Person das Catechin aus grünem Tee. Diese Grundlagenforschung legte das Fundament für alles, was wir heute über die gesundheitlichen Wirkungen von Tee wissen.

Tee in der Kulturgeschichte der Auszeichnungen

Tee war in der Geschichte immer wieder Objekt von Preisen und Auszeichnungen, wenn auch nicht im Nobel-Format. Kaiserliche Teewettbewerbe in China (Dou Cha, 斗茶) waren gesellschaftliche Ereignisse, bei denen Teequalität und Zubereitungskunst bewertet wurden. Der Gewinner eines Teewettbewerbs konnte seinen Tee zu Premiumpreisen verkaufen und erhielt kaiserliche Patronage. In der Qing-Dynastie wurden jährlich bestimmte Teegüter für die kaiserliche Tee-Steuer nominiert – eine Art inoffizielle staatliche Qualitätsauszeichnung. In der Moderne vergeben internationale Wettbewerbe wie der World Tea Award oder regionale Tee-Meisterschaften Auszeichnungen. In Japan werden herausragende Teemeister mit dem Titel „Lebendiges Nationalschatz" geehrt.

Der Witz des Unedlen: Tee, Demut und Wahrhaftigkeit

Es gibt eine Anekdote, die im Teekontext gerne erzählt wird: Ein bekannter Gelehrter erhielt einen renommierten Preis und feierte dies mit einem ausgedehnten Teefest. Ein bescheidener Teebauer aus den Bergen, der von dem Fest hörte, schickte einen einfachen Beutel gewöhnlichen Grüntees als Geschenk. Der Gelehrte war zunächst beleidigt – bis er den Tee trank und feststellte, dass es der beste Tee war, den er je getrunken hatte. Der Teebauer hatte ihm seinen besten Tee geschickt, ohne Etikett, ohne Aufheben. Dieser schlichte Akt der Wahrhaftigkeit war, so erkannte der Gelehrte, würdiger als alle Preise der Welt. Die Geschichte mahnt: Echter Wert braucht keine Auszeichnung.

Häufig gestellte Fragen zu Tee und Auszeichnungen

Gibt es internationale Tee-Wettbewerbe?
Ja – World Tea Award, Global Tea Championship, Japan Tea Competition und viele regionale Wettbewerbe vergeben jährlich Auszeichnungen für beste Teequalitäten.

Was ist ein „Living National Treasure" in Japan?
Ein Titel des japanischen Staates für Meister traditioneller Handwerke. Einige Tee-Meister und Töpfer (die Teeschalen herstellen) wurden damit ausgezeichnet.

Welche Teesorte hat die meisten Auszeichnungen gewonnen?
Taiwan-Oolongs und japanischer Gyokuro gewinnen regelmäßig internationale Wettbewerbe. Aber auch chinesische Longjing und Jin Jun Mei sind preisgekrönt.

Ist teurer Tee immer besser?
Nicht unbedingt – Preis spiegelt Seltenheit und Handarbeit wider, aber nicht immer den subjektiven Geschmack. Ein einfacher Bio-Grüntee kann persönlich besser passen als ein Tee für hundert Euro.

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