Der Huang Shan Mao Feng ist ein grüner Tee vom Gelben Berg in der chinesischen Provinz Anhui und zählt heute zu den zehn berühmten Teesorten Chinas. Sein Name bedeutet haarige Spitzen. Dabei begann seine Geschichte 1875 fast als Notlösung. Dieser Beitrag erzählt die Entstehung nach, ordnet sie ein und erklärt Anbau, Geschmack und Zubereitung.

Steckbrief
Pflanze/BasisCamellia sinensis, Grüntee aus Anhui (Region Huang Shan)
Koffeingehaltca. 20-40 mg pro Tasse (250 ml)
Geschmacksprofilmild, blumig, leicht nussig mit feiner Röstnote
Wassertemperatur70-80 °C, nicht kochend
Ziehzeit2-3 Minuten
Dosierung1 TL (ca. 2-3 g) pro Tasse
Aufgüsse2-3
Preisspanneca. 8-20 € pro 100 g

Was Huang Shan Mao Feng ist

Beim Huang Shan Mao Feng handelt es sich, wie der Name verrät, um einen Mao Feng aus dem Gebiet des Gelben Berges (Huang Shan) in der Provinz Anhui, und zwar um das Original. Mao Feng bedeutet haarige Spitzen und beschreibt die feinen weißen Härchen auf den jungen Knospen, aus denen der Tee gepflückt wird.

Anders als viele chinesische Spezialitäten blickt dieser Tee nicht auf eine jahrtausendealte Tradition zurück. Seine Geschichte beginnt erst 1875, was ihn nicht weniger erfolgreich macht. Längst zählt er offiziell zu den zehn berühmten Tees Chinas und steht damit auf einer Stufe mit Klassikern wie dem Lung Ching.

Von der Notlösung zur Spezialität

Seit dem 18. Jahrhundert wurde grüner Tee zunehmend für den Export nach Europa angebaut. Die steigende Nachfrage führte dazu, dass guter Grüntee knapper wurde. Verständlich, dass die Chinesen nicht auf ihren in Kultur und Alltag verankerten Tee verzichten wollten, die Einnahmen aus Europa aber willkommen waren.

So kam ein findiger Teehändler aus der Region um den Gelben Berg auf die Idee, künftig die zarten Knospen aus deutlich höheren Lagen ernten zu lassen. Aus diesen Knospen produzierte er einen leicht gerösteten Grüntee, nannte ihn nach seinem Aussehen Mao Feng und verkaufte ihn zunächst als eine Art Notlösung an die Europäer. Verwandte Sagen über den Mao Feng erzählt der Beitrag Eine unglückliche Liebe und Mao Feng.

Anzeige

Mythos oder Wahrheit?

Da es sich um eine vergleichsweise junge Geschichte handelt, sind die Fakten gut belegbar. Sicher ist: Mit steigender Nachfrage aus Europa wurden die Grüntee-Bestände knapper. Da Tee ein Naturprodukt ist, lässt sich die Produktion kaum beliebig steigern, die Blätter wachsen nicht schneller, und die Anbaugebiete sind begrenzt. In der Bergregion des Huang Shan blieb nur der Ausweg in die Höhe.

Streitbar ist allein das Motiv des Händlers. Einen neuen Tee zu entwickeln, ihn aber lieber ins Ausland zu verkaufen, wirkt zunächst wenig schmeichelhaft. Womöglich fürchtete er jedoch nur die kritische heimische Kundschaft, die einem neuen Grüntee skeptisch gegenüberstand, schließlich hat grüner Tee in China eine sehr lange Tradition.

Anbau und Verarbeitung in Höhenlagen

Der Tee wächst rund um den Gelben Berg in vergleichsweise hohen Lagen, wo Nebel, kühle Nächte und nährstoffreiche Böden die Knospen langsam reifen lassen. Geerntet werden im Frühjahr ausschließlich die jungen, noch behaarten Triebspitzen, meist eine Knospe mit einem zarten Blatt.

Für die Verarbeitung wird das Blattgut kurz erhitzt, um die Enzyme zu deaktivieren und die Oxidation zu stoppen, anschließend vorsichtig geröstet und getrocknet. Diese schonende Röstung verleiht dem Tee seine feine, leicht nussige Note. Mit der Zeit wurden die Erntegebiete für den begehrten Mao Feng immer weiter ausgedehnt.

Geschmack und Zubereitung

Huang Shan Mao Feng schmeckt mild, blumig und leicht nussig mit einer dezenten Röstnote und kommt fast ohne Bitterkeit aus. Damit dieses feine Profil zur Geltung kommt, sollten Sie das Wasser auf 70 bis 80 Grad abkühlen lassen, denn kochendes Wasser macht den Aufguss schnell kratzig.

Rechnen Sie etwa einen Teelöffel auf eine Tasse und lassen Sie den Tee nur zwei bis drei Minuten ziehen. Die zarten Knospen vertragen zwei bis drei Aufgüsse, wobei der zweite oft besonders aromatisch ausfällt. Wer tiefer in die Welt der chinesischen Tees eintauchen möchte, findet im Beitrag China und Tee einen breiteren Überblick.

Anzeige

Häufige Fragen

Was bedeutet Huang Shan Mao Feng?
Huang Shan steht für den Gelben Berg in der Provinz Anhui, Mao Feng bedeutet haarige Spitzen. Der Name verweist auf die feinen weißen Härchen der jungen Knospen, aus denen der Tee gepflückt wird.

Warum gilt der Tee als Notlösung?
Im 19. Jahrhundert wurde guter Grüntee durch den Export knapp. Ein Teehändler erntete daraufhin Knospen aus hohen Lagen und verkaufte den daraus gewonnenen Mao Feng zunächst als Behelfslösung an Europa.

Gehört Huang Shan Mao Feng zu den berühmten Tees Chinas?
Ja. Trotz seiner erst 1875 beginnenden Geschichte zählt der Huang Shan Mao Feng heute offiziell zu den zehn berühmten Teesorten Chinas und genießt auch in seiner Heimat hohes Ansehen.

Wie bereitet man Huang Shan Mao Feng zu?
Etwa ein Teelöffel pro Tasse mit 70 bis 80 Grad heißem Wasser übergießen und zwei bis drei Minuten ziehen lassen. Die Knospen vertragen zwei bis drei Aufgüsse.

Wie schmeckt Huang Shan Mao Feng?
Der Tee schmeckt mild, blumig und leicht nussig mit einer feinen Röstnote und kaum Bitterkeit. Zu heißes Wasser kann den Aufguss jedoch kratzig wirken lassen.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:

AS

André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.