Bei dem Huang Shan Mao Feng handelt es sich, wie der Name bereits verrät, um einen Mao Feng aus dem Gebiet des "Gelben Berges" (Huang Shan), in der Provinz Anhui. Genauer gesagt handelt es sich dabei um das Original. Anders als bei zahlreichen anderen Tees, vor allem, wenn es sich um beliebte Spezialitäten handelt, handelt es sich beim Mao Feng keineswegs um einen Tee mit langer und bewährter Tradition. Seine Geschichte beginnt erst 1875, ist deswegen aber nicht minder erfolgreich. Seit dem 18. Jahrhundert wurde grüner Tee nicht mehr nur für den Eigenbedarf, sondern mehr und mehr auch für den Export nach Europa, angebaut und produziert. Das Ergebnis der steigenden Nachfrage in unseren Breitengraden war die Tatsache, dass grüner Tee nach und nach knapper wurde. Nachvollziehbar, dass die Chinesen nicht auf ihren geliebten und in ihrer Kultur und ihrem Alltag so fest verankertem Tee verzichten wollten. Andererseits waren die Einnahmen aus Europa auch ein guter Zugewinn. So kam ein findiger Teehändler, der in dem Gebiert des Gelben Berges zu Hause war, auf die Idee, künftig einfach auch die zarten Knospen von Teepflanzen in relativ großen Höhen ernten zu lassen. Diese lagen um einiges höher, als die Bereiche, in denen üblicher Weise geerntet wurde. Der Teehändler produzierte daraus grünen Tee in Form eines gerösteten Tees, nannte ihn in Anlehnung an sein Äußeres Mao Feng, was so viel wie "haarige Spitzen" bedeutet und verkaufte ihn quasi als eine Art "Notlösung" an die Europäer. Doch schnell machte dieser neue Tee unter Teefans und -liebhabern die Runde und wurde immer beliebter. Innerhalb kürzester Zeit hatte er eine große Fangemeinde und war zu einer echten Spezialität geworden. Eigentlich gedacht, um die scheinbar unwissenden Europäer zufrieden zu stellen und den "echten" Grüntee selbst behalten zu können, wurde der Mao Feng auch in seiner Heimat immer bekannter und beliebter. Bald wurden die Erntegebiete für diesen neuen Tee rund um den Mao Feng immer größer.

Legende oder Wahrheit?

Da es sich bei der Geschichte des Mao Feng noch um eine vergleichsweise junge Geschichte handelt, sind die Fakten recht eindeutig belegbar. Tatsache ist definitiv, dass mit steigender Nachfrage aus Europa logischer Weise die Bestände an grünem Tee knapper wurden. Wenn der Bedarf steigt, wird das gewünschte Gut entweder knapper, oder man findet einen Weg, auch das Angebot zu vergrößern. Da es sich bei Tee um ein Naturprodukt hat, sind die Möglichkeiten der Produktionssteigerung relativ begrenzt. Die Teeblätter wachsen nicht schneller oder dichter, nur weil das gerade für die Teehändler so besser wäre. Auch die Anbaugebiete sind nicht beliebig erweiterbar. In die Höhe auszuweichen, war in der Bergregion des Huang Shan die einzige Möglichkeit. Streitbar ist dennoch das Motiv des Teehändlers. Einen neuen Tee zu entwickeln, dennoch aber scheinbar nicht wirklich von dessen Qualität überzeugt zu sein und ihn deshalb lieber ins Ausland zu verkaufen, erscheint nicht besonders nett und höflich zu sein. Inwieweit diese Gedankengänge allerdings tatsächlich den damaligen Geschehnissen entsprechen, ist fraglich. Vielleicht dachte der Teehändler nur, die heimische Teekundschaft sei zu kritisch seinem neuen Tee gegenüber. Grüner Tee hat eine uralte Tradition in China, es gibt sogar länger als das Reich an sich. Es wäre durchaus verständlich, dass die Chinesen einen neuen grünen Tee eher skeptisch sehen würden.

Fazit

Es muss also nicht unbedingt Respektlosigkeit den Europäern gegenüber oder Profitgier gewesen sein, was den Teehändler dazu bewegte, einen neuen Tee zu kreieren und ihn ins Ausland zu verkaufen. "Der Zweck heiligt die Mittel", könnte in diesem Fall wohl ein passendes Zitat sein. Schließlich hat der Huang Shan Mao Feng auch hierzulande einen ausgezeichneten Ruf und eine nicht gerade kleine Fangemeinde. Und inzwischen genießt er auch in seiner Heimat einen ausgezeichneten Ruf. Längst gehört der Mao Feng ganz offiziell zu den 10 besten Tees Chinas. Ein wunderbares Beispiel also, wie Zufall und Ideenreichtum zunächst eine Notlösung entstehen lassen, die dann aber so gut ist, dass man sie bereits kurze Zeit später nicht mehr missen möchte. Bildnachweis: Huang Shan Mao Feng © WONG SZE FEI - Fotolia.com

Die Geschichte: Wie Mao Feng zur Spezialität wurde

Huang Shan Mao Feng (黄山毛峰) gehört heute zu den zehn klassischen Tees Chinas – aber seine Entstehungsgeschichte ist keine Geschichte des geplanten Erfolgs, sondern der glücklichen Notlösung. Die Überlieferung besagt: In der Qing-Dynastie produzierten die Teebauern am Gelben Berg hauptsächlich minderwertigere Tees für lokale Märkte. Als ein Händler namens Xie Yu Da im 19. Jahrhundert einen neuen Abnehmermarkt in Shanghai und auf der Exportmesse suchen musste, aber mit seinen üblichen Produkten keinen Erfolg hatte, begann er zu experimentieren. Er ließ die jüngsten, feinsten Knospen des Frühjahrs sorgfältig pflücken und minimalistisch verarbeiten – wenig Röstung, schonende Trocknung. Das Ergebnis war ein Tee von außergewöhnlicher Feinheit, der die Qualität des Terroirs vollständig entfaltete.

Das Terroir des Gelben Berges: Natürliche Grundlagen der Qualität

Der Huang Shan (Gelber Berg) in Anhui ist ein UNESCO-Welterbe und eines der spektakulärsten Gebirge Chinas. Für den Teeanbau sind die natürlichen Bedingungen ideal: Höhe von 700–1200 Metern reguliert Temperatur (kühl, langsames Wachstum = mehr Aromen), permanenter Nebel filtert UV-Strahlung und regt die Teepflanze zur Produktion von mehr L-Theanin und Catechinen an, frisches Bergquellwasser für Bewässerung, mineralreicher, gut drainierter Boden vulkanischen Ursprungs. Diese Kombination ist für den charakteristischen Charakter des Mao Feng verantwortlich: frisch, orchideenartig-blumig, mit einer markanten Süße im Abgang. Die Spezialität, die Xie Yu Da aus der Not heraus kreierte, war in Wirklichkeit ein Spiegel des außergewöhnlichen Terroirs.

Huang Shan Mao Feng heute: Authentizität und Markt

Mao Feng ist heute einer der meistgefälschten chinesischen Tees. Sein Name ist nicht durch eine strenge geografische Angabe geschützt – „Mao Feng" bedeutet nur „Haarspitzen" und beschreibt die Teeblatt-Form. Viele Produzenten außerhalb Huang Shans verwenden denselben Namen für minderwertigen Tee. Echter Huang Shan Mao Feng erkennt man an: dem Herkunftsnachweis (Huang Shan, Anhui), der typischen spitzen, leicht gedrehten Blattform mit silbrigen Härchen, dem frischen Orchideen-Duft, der angenehmen Süße und dem fehlenden Bitteron. Qualitätsbewusste Käufer sollten auf zertifizierte Händler mit Direktbezug aus der Huang Shan-Region setzen.

Häufig gestellte Fragen zu Huang Shan Mao Feng

Wann ist die beste Zeit, Mao Feng zu kaufen?
Die Ernte des Jahres ist nach April/Mai verfügbar. Pre-Qingming-Ernte (vor 5. April) ist die feinste und teuerste.

Wie unterscheidet sich Mao Feng von anderen Grüntees?
Das charakteristische Orchidee-Aroma und die natürliche Süße ohne Bitterkeit sind einzigartig für Huang Shan Terroir-Mao Feng.

Kann man Mao Feng auch kalt aufbrühen?
Ja – Cold Brew Mao Feng (10g/Liter, 8–12 Stunden kalt) ergibt einen sanft süßlichen, floralen Eistee ohne Bitterkeit.

Wie viele Aufgüsse gibt Mao Feng?
2–3 Aufgüsse; der zweite oft mit vollstem Aroma. Danach wird der Tee schwächer.

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