Beschatteter Grüntee – einfach nur ein Splin oder doch etwas ganz besonderes?


Jeder, der sich etwas näher mit dem Thema Grüntee beschäftigt und beispielsweise immer mal wieder eine neue Sorte ausprobiert, stolpert relativ bald über den Begriff „Schattentee“. Dahinter verbergen sich grüne Tees, die zu einem Teil ihres Wachstums, vor allem aber in der Zeit direkt vor der Ernte, beschattet werden. Dies wird teilweise relativ aufwändig praktiziert, in dem ganze Teeplantagen mit riesigen Netzen, Bambus- oder Strohmatten abgehängt werden. Alles nur, um die Blätter vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen.

Beschatteter Grüntee - einfach nur ein Splin oder doch etwas ganz besonderes?

Aber verändern sich mit den Lichtverhältnissen tatsächlich auch Geschmack und Aroma des Tees? Und das auch noch in so einem Ausmaß, dass der Teetrinker später tatsächlich einen Unterschied zum „sonnengereiften“ Tee erkennt? Oder ist das ganze doch eher nur eine Art Splin, ein „Modegag“. Ein simpler Weg, um Tee als etwas Besonderes zu verkaufen? Schließlich lässt sich mit dem Prädikat Spezialität gleich ein höherer Preis verlangen. Nun, die wahren Kenner und Liebhaber zumindest sind schon lange davon überzeugt, dass diese Schattentees ein ganz besonders feines Aroma haben. Aber was steckt wirklich dahinter?

Inzwischen hat auch die Wissenschaft eine Antwort auf diese Frage. Untersucht und beurteilt wurden nicht nur die sensorischen Eigenschaften verschiedener Teesorten, auch die Inhaltsstoffe wurden genauestens unter die Lupe genommen. Und die Ergebnisse waren eindeutig. Die Schattentees haben den Teegenießern wirklich einiges zu bieten, mehr noch, als „normale“ Grüntees.

Untersucht wurden vier verschiedene Arten Tees, die sich nur in ihrer Beschattungsdauer (0, 15, 18 und 20 Tage) unterschieden. Bei den sensorischen Untersuchungen zu Geschmack und Aroma lagen die Schattentees ganz klar vorne. Was aber fast noch mehr überraschte, war die Tatsache, dass die fehlende Sonneneinstrahlung scheinbar auch zu einem Plus an zahlreichen gesunden Inhaltsstoffen, wie Vitamine, Mineralien und Antioxidantien zu führen scheint. Zudem gab es eine eindeutige Korrelation zwischen Beschattungsdauer und Konzentration dieser wertvollen Inhaltsstoffe.

Sicher liegt den Teeproduzenten viel an Geschmack und Aroma ihres späteren Endproduktes und auch eine möglichst hohe Konzentration an gesunden Inhaltsstoffen ist eine gute Werbung. Dennoch stehen diese Gesundheitsbooster doch wohl eher nur an zweiter Stelle. So wird ein Tee ganz sicher nicht deswegen möglichst lange beschattet.

Viel mehr benötigt die Festlegung der Beschattungsdauer ein äußerst feines Fingerspitzengefühl der Teehersteller und ist absolut abhängig von der Sorte.

Es gibt drei klassische Schattentee-Sorten: Kabusecha, Gyokuro und Matcha. Ersterer ist ein sogenannter Halbschattentee. Wie der Name schon verrät, ist es in der Zeit direkt vor der Ernte das Ziel, etwa 50% des Sonnenlichts, das auf den Kabusecha fällt, abzufangen. Und dies für etwa 10 bis 14 Tage. Hat man alles richtig gemacht, erhält man einen grünen Tee, der dem Sencha einerseits sehr ähnelt, andererseits aber auf der Zunge einen langanhaltenden süßen Geschmack hinterlässt.

Gyokuro und Matcha sind nahezu identisch. Beide werden bereits 20 Tage vor Erntebeginn möglichst vollständig beschattet. Erst bei der Verarbeitung nach der Ernte gibt es Unterschiede. Gyokuro bedeutet übersetzt „edle Tautropfen“ und wer diesen Tee bereits einmal probiert hat, kann diesen Namen verstehen. Das Aroma ist zart und fein, der Geschmack dennoch vollmundig und kräftig. Auch der Matcha überzeugt mit einem süßen, cremigen Erlebnis auf Zunge und Gaumen. Kein Wunder, dass dieser Tee früher nur Mönchen und dem Hochadel zugänglich war.

Fazit

Sicher gibt es auch unter den Teeherstellern sogenannte schwarze Schafe, denen der Profit wichtiger ist, als alles andere. Im ersten Moment könnte man meine, ob Schatten oder nicht, das kann nicht so entscheidend sein, dass man tatsächlich einen Unterschied im Endprodukt schmeckt.

Sowohl erfahrene Teeliebhaber, als auch neuerdings die unbestechliche Wissenschaft sind da allerdings anderer Meinung. Und denkt man einmal genauer darüber nach, dann ist diese Antwort doch auch naheliegend. Pflanzen, und Teesträucher sind da absolut keine Ausnahme, benötigen das Sonnenlicht, um ihre Lebenswichtigen Stoffwechselvorgänge am Laufe zu halten. Fehlt die direkte Sonneneinstrahlung, müssen die Pflanzen sich anpassen, um dieses Defizit auszugleichen. Und dadurch werden eben die Inhaltsstoffe verändert, ebenso wie Geschmack und Aroma.

 

Bildnachweis: Beschatteter Grüntee © Thinkstock: Zoonar

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