Ostfriesische Teekultur


Sicher kann die Ostfriesische Teekultur was die Geschichte betrifft, nicht mit der Chinesischen mithalten, aber in der so gesehen sehr kurzen Zeit seit der Tee in Ostfriesland getrunken wird, hat sich die Teezeit, im regionalen Dialekt „Teetied“ genannt, so etabliert, dass man sie ebenfalls als Teekultur ernst nehmen muss. Getrunken wird quasi ausschließlich Ostfriesentee, Mischungen aus schwarzen Tee die Dank des Anteils an Assam sehr dunkel und kräftig sind. Einer Statistik aus dem Jahr 2008 zu Folge, haben die Ostfriesen mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 290 Litern pro Jahr (immerhin der zwölffache Wert des Gesamtdeutschen Durchschnitts), weltweit den meisten Tee konsumiert und liegen damit noch vor den Chinesen und Japanern.

Die ostfriesische Teekultur ist zwar noch jung im Vergleich zu anderen Teekulturen, aber der pro Kopf Konsum ist sehr beachtlich.

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

In Ostfriesland ist es auch heute noch üblich, jedem Gast oder Besucher, egal wie lange oder kurz er bleibt, zur Begrüßung eine Tasse Tee anzubieten und ihn somit willkommen zu heißen. Diese Tradition ist dort so fest verwurzelt, dass selbst diejenigen, die neu nach Ostfriesland gezogen sind, diese Angewohnheit schnell annehmen und selbst wenn ein Ostfriese seine Heimat verlässt, vergisst er diese nette Geste nicht.

Auch bei der Ostfriesischen Teekultur ist die richtige Zubereitung des Tees von entscheidender Bedeutung. Zwar hat sie nicht solch große Wandlungen durchlaufen, wie beispielsweise die Chinesische, allerdings sind ihr Neuentwicklungen wie etwa die eines speziellen Sahnelöffels oder auch der Zuckerzange für den Kandiszucker zu verdanken.

ostfrisische-teekultur

Der Ablauf der Teezeremonie

Auch in Ostfriesland wird die Teekanne zunächst mit heißem Wasser ausgespült und vorgewärmt. Danach werden die Teeblätter dosiert und in die Kanne gegeben. Man rechnet einen Teelöffel pro Gast und einen weiteren „für die Kanne“. Wichtig ist den Tee mit nicht mehr kochendem Wasser zu übergießen und die Kanne nur bis zur Hälfte füllen. Abgedeckt zieht der Tee so drei bis vier Minuten, erst dann wird die Kanne ganz gefüllt.

Sofort im Anschluss wird der Tee durch einen Sieb in eine Servierkanne umgefüllt. Er kann auch direkt in die Tassen gefüllt werden. Dann wird in der Regel ein kleiner Handsieb oder ähnliches benutzt um die Blätter zurück zu halten. Bevor der Tee allerdings in die Tassen kommt, wird ein Stück Kandiszucker hineingelegt.

Nun ist es Zeit für die Sahne. Ursprünglich wurde der Rahm genutzt, der sich nach einiger Zeit auf frisch gemolkener Rohmilch bildet. Heutzutage wird aber fast ausnahmslos Sahne verwendet. Am besten mit einem speziellen Sahnelöffel wird ein Schuss frische Sahne ganz vorsichtig und langsam vom Rand in die Tasse gegeben. Es soll eine richtige „Wolke“ im Tee entstehend. Deshalb sollte auch nicht umgerührt werden.

Die Höflichkeitsregeln sehen vor, dass jeder Gast mindestens drei Tassen Tee trinkt. Weniger käme einer Beleidigung des Gastgebers gleich. Möchte man keinen Tee mehr, so signalisiert man dies in Ostfriesland in der Regel völlig wortlos, indem man einfach die Tasse umgekehrt auf die Untertasse stellt. Auch der Löffel bedeutet, in die Tasse gelegt, dass bitte nicht mehr nachgeschenkt werden soll.

Teegeschirr und Zubehör

Nachdem nicht nur der Tee, sondern auch Porzellan aus China nach Europa gelangt war, waren die Menschen hierzulande schnell davon überzeugt, dass sich dieses neue Material besonders gut zur Zubereitung von Tee eignet. Spätestens als es auch in Deutschland möglich war, Porzellan herzustellen und in Dresden erfolgreich Kannen, Tassen, Teller und sonst allerlei schöne Dinge produziert wurden, war der Siegeszug des Porzellan nicht mehr aufzuhalten.

In Ostfriesland waren interessanter Weise zwei Dekore aus der thüringischen Wallendorfer Porzellan-Manufaktur besonders beliebt. Das eine hatte Verzierungen in einem Blauton, das andere trug eine rote Rose als Kennzeichen. Andere Dekore gab es zwar auch, waren aber bei Weitem nicht so sehr verbreitet. Ein komplettes Teegeschirr bestand zur damaligen Zeit aus einer Teekanne, Tassen (ursprünglich noch ohne Henkel), einer Teedose in der der Tee aufbewahrt wurde und, da Siebe erst später zum Einsatz kamen, eine Spülschale, um die Tassen vor dem Wiederbefüllen auswaschen und von Teeblättern befreien zu können.

Schnell etablierten sich auch Stövchen zum Warmhalten des Tees als Zubehör der Teestunde. Für einige gehört auch Gebäck, das zum Tee gereicht wird, ebenso selbstverständlich dazu.

Bedeutung der Teezeremonie

Wie wichtig und von welch großer Bedeutung die Teezeremonie in Ostfriesland ist, begreift man wohl erst dann wirklich, wenn man eines der zahlreichen Museen zu diesem Thema besucht hat. Sogar eine Statue wurde dem Thema „Teetied“ gewidmet. In Leer steht die Teelke, eine junge Frau mit Teekanne und Tasse in der Hand. Die Namenswahl der jungen Dame ist allerdings keine Anlehnung an das Wort „Tee“, sondern ein in Ostfriesland früher ganz gängiger Name.

Tee zu trinken ist in Ostfriesland also definitiv nichts, was man mal eben so schnell mal zwischendurch oder im Vorbeigehen macht. Nur mit der entsprechenden Zeit, wird Tee auch zum großen Genuss.

ostfrisische-teekultur

Bildnachweis: Ostfriesische Teekultur – © Barbara deVincent – Fotolia.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.