Wenn die Nase verstopft ist und der Atem schwer fällt, greifen viele zur scharfen Ingwerknolle. Verantwortlich für ihre Schärfe sind die Gingerole, denen krampflösende Eigenschaften zugeschrieben werden. Tatsächlich haben Laboruntersuchungen einen Einfluss auf die Bronchialmuskulatur beobachtet. Was davon belegt ist, wie Sie einen kräftigen Ingwertee aufbrühen und wann Vorsicht geboten ist, lesen Sie hier mit nüchternem Blick.

Was in der Ingwerknolle steckt

Die Schärfe des Ingwers (Zingiber officinale) stammt vor allem von den Gingerolen, allen voran dem 6-Gingerol. Beim Trocknen und Erhitzen wandeln sich diese teilweise in Shogaole um, die noch schärfer schmecken. Dazu kommen ätherische Öle wie Zingiberen, die für den zitronig-würzigen Duft sorgen, sowie Vitamin C, Magnesium und Gerbstoffe.

Es ist dieselbe Stoffgruppe, die im Mund und Rachen das wärmende Gefühl auslöst und vielen bei Frösteln und Halskratzen angenehm ist. Frischer Ingwer enthält mehr Gingerole, getrocknetes Pulver dafür mehr Shogaole. Den klassischen Aufguss aus dünnen Scheiben behandeln wir ausführlich im Beitrag zum Ingwertee.

Ingwer und die Atemwege: Was die Forschung zeigt

Bei einem Asthmaanfall verengen sich die Bronchien, weil die glatte Muskulatur der Atemwege verkrampft. Genau hier setzten Laboruntersuchungen an: An isoliertem menschlichem Bronchialgewebe zeigte sich, dass bestimmte Ingwerbestandteile die glatte Muskulatur entspannen und die Wirkung gängiger Bronchien-erweiternder Wirkstoffe ergänzen können.

Wichtig zur Einordnung: Solche Zellversuche sind kein Beweis für eine Wirkung beim Menschen im Alltag. Ingwer ist kein Ersatz für ein Asthmaspray oder andere verordnete Medikamente. Wer unter Atemwegserkrankungen leidet, sollte die Behandlung niemals eigenmächtig ändern. Ingwertee bleibt ein wärmendes Genussmittel, das die Flüssigkeitszufuhr unterstützt — mehr lässt sich seriös nicht versprechen.

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Traditionelle Anwendung der scharfen Wurzel

In der Volksheilkunde wird Ingwer seit Jahrhunderten geschätzt. Traditionell verwendet wird er vor allem bei Übelkeit und Reiseübelkeit; auch viele Schwangere greifen in den ersten Wochen zu Ingwer gegen morgendliche Übelkeit. Der Ingwerwurzelstock ist im Europäischen Arzneibuch als Zingiberis rhizoma monographiert.

Bei Sportlern gilt die Knolle als Geheimtipp gegen Muskelkater, was auf die wärmende, durchblutungsfördernde Schärfe zurückgeführt wird. Ob Ingwer dabei wirklich hilft, ist nicht eindeutig belegt — eine kritische Betrachtung dieser Frage finden Sie im Artikel Hilft Tee bei Muskelkater?. Sicher ist: Ein warmer Aufguss tut bei Erkältungsbeschwerden subjektiv gut, ähnlich wie es der Beitrag über Tee und Rotaviren einordnet.

Ingwertee Schritt für Schritt zubereiten

So gelingt ein kräftiger Aufguss: 1. Etwa 3 bis 4 cm frischen Ingwer waschen und mit Schale in dünne Scheiben schneiden — direkt unter der Schale sitzen die meisten Gingerole. 2. Die Scheiben in eine Tasse oder Kanne geben. 3. Mit rund 250 ml kochendem Wasser übergießen. 4. Abgedeckt fünf bis zehn Minuten ziehen lassen; je länger, desto schärfer.

5. Die Scheiben herausnehmen und nach Belieben mit einem Spritzer Zitrone abrunden. 6. Honig erst einrühren, wenn der Tee auf Trinktemperatur abgekühlt ist, da Hitze die Honigaromen zerstört. Über den Tag verteilt lassen sich so mehrere Tassen genießen. Frischer Ingwer entfaltet dabei deutlich mehr Aroma als getrocknetes Pulver.

Frisch oder getrocknet kaufen

Frischen Ingwer erkennen Sie an einer prallen, glatten Knolle ohne schrumpelige oder weiche Stellen. Im Gemüsefach des Kühlschranks hält er sich rund drei bis vier Wochen; eingefroren bleibt er noch länger verwendbar und lässt sich gefroren leichter reiben. Bio-Ware ist sinnvoll, wenn Sie die Schale mitverwenden.

Getrockneter Ingwer und Pulver sind praktische Alternativen, schmecken aber milder und etwas anders im Charakter. Eine besonders aromatische Variante ist der grüne Ingwer, der jünger geerntet wird und milder ausfällt. Wer es unkompliziert mag, findet auch fertige Beutelmischungen, die jedoch oft weniger Gingerole enthalten als frische Knolle.

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Wann Zurückhaltung angebracht ist

So wohltuend Ingwer ist, er bleibt scharf und nicht jeder verträgt große Mengen. Bei empfindlichem Magen, Sodbrennen oder Gallensteinen kann er Beschwerden verstärken. Die Bundesinstitute raten zudem in der Schwangerschaft zu maßvollem Verzehr, da hohe Dosen diskutiert werden — als grobe Orientierung gelten dort selten mehr als rund 2 Gramm getrockneter Ingwer pro Tag.

Auch wer blutverdünnende Medikamente einnimmt, sollte größere Mengen mit der Ärztin oder dem Arzt absprechen, da Ingwer die Blutgerinnung beeinflussen kann. Bei hohem Fieber, anhaltender Atemnot oder starken Beschwerden gehört man grundsätzlich in ärztliche Behandlung — ein Tee ist dafür kein Ersatz.

Häufige Fragen

Hilft Ingwertee bei Erkältung?
Ingwertee ist ein wärmendes Hausmittel, das Flüssigkeit liefert und subjektiv guttut. Eine Erkältung lässt er nicht verschwinden. Die belebende Schärfe der Gingerole wird traditionell bei Halskratzen und Frösteln geschätzt.

Kann Ingwer bei Asthma helfen?
Laboruntersuchungen an Bronchialgewebe haben eine entspannende Wirkung beobachtet. Ein Beleg für den Alltag ist das nicht. Ingwer ersetzt kein Asthmaspray, und verordnete Medikamente sollten Sie niemals eigenmächtig absetzen.

Woher kommt die Schärfe des Ingwers?
Von den Gingerolen, vor allem dem 6-Gingerol. Beim Trocknen und Erhitzen entstehen daraus die noch schärferen Shogaole. Diese Stoffe lösen auch das typische wärmende Gefühl im Mund aus.

Wie viel Ingwer pro Tag ist sinnvoll?
Für die meisten Menschen sind ein paar Tassen unproblematisch. In der Schwangerschaft wird zu Zurückhaltung geraten; als Orientierung gelten selten mehr als rund 2 Gramm getrockneter Ingwer am Tag.

Frischer oder getrockneter Ingwer für Tee?
Frischer Ingwer enthält mehr Gingerole und schmeckt aromatischer, getrockneter dafür mehr scharfe Shogaole. Für einen kräftigen Tee sind dünne Scheiben frischer Knolle die erste Wahl.

Quellen

  • Europäisches Arzneibuch: Monographie Zingiberis rhizoma (Ingwerwurzelstock)
  • ESCOP Monographs: Zingiberis rhizoma (Ginger)

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.