Niederländische Teekultur


Den Niederländern hat Europa es zu großen Teilen mit zu verdanken, dass wir Tee überhaupt kennen und schätzen. Kaum vorstellbar, dass die alte Seefahrernation selbst keinen Tee mögen könnte und nicht über die Jahrhunderte auch eine eigene Teekultur entwickelt haben sollte. Doch interessanter Weise scheinen die Holländer und Niederländer Tee zwar von China nach Europa gebracht zu haben, jedoch ohne ihm jemals selbst eine besondere Bedeutung in Form einer eigenen Kultur oder Zeremonie, zukommen zu lassen.

Niederländische Teekultur

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

Zahlreiche Quellen und historische Dokumente belegen zweifelsfrei, dass 1610 mit einem holländischen Schiff der erste grüne Tee aus China nach Europa kam. Seit dem wurde Tee vor allem von Amsterdam aus gehandelt und in ganz Europa verbreitet. Die anfängliche Skepsis gegenüber dem neuen Getränk baute sich zunehmend ab, die Akzeptanz wuchs und die Nachfrage stieg. Bald schon wurde auch schwarzer Tee gehandelt. Es lassen sich jedoch keinerlei Aufzeichnungen darüber finden, ob und wie die Niederländer selbst den von ihnen importierten und gehandelten Tee getrunken haben. Fast könnte man meinen, die Holländer seien nur Zwischenhändler gewesen, ohne selbst eine Schwäche für die trockenen Teeblätter zu entwickeln.

Unabhängig davon, wie die Geschichte des Tees ab 1610 in Holland verlaufen sein mag, fest steht, dass die Niederländer zumindest inzwischen Tee lieben. Anfang der frühen achtziger des letzten Jahrhunderts kamen sie so richtig auf den Geschmack. Nach und nach verbreitete sich immer mehr die Tradition der Teegärten aus England. Inzwischen werden die Teegärten in den Niederlanden immer zahlreicher, einige sogar mit einem eigenen Bootsanlegesteg. Vor allem entlang beliebter Fahrradstrecken erfreuen sich überwiegend zwischen Ostern und September nicht nur Einheimische, sondern auch immer mehr Touristen an einer gemütlichen Tasse Tee inmitten eines blumenreichen Gartens. Natürlich darf ein Stück selbstgemachter Kuchen dazu nicht fehlen. Auf Wunsch kann man es aber häufiger gerne noch britischer haben und bekommt zum Tee Sandwiches, Muffins und Scones mit Whipped Cream.

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Der Ablauf der Teezeremonie

Steife Protokolle und Regeln sind sicher nicht der geeignete Rahmen für Niederländer um eine Tasse Tee zu trinken. Hier steht eindeutig die Gemütlichkeit im Vordergrund. Man schätzt das gesellige Beisammensein, die Eindrücke der freien Natur und genießt dabei Tee und Kuchen. Da die meisten Teegärten nur während der Sommermonate geöffnet haben, wird im Winter wesentlich weniger Tee getrunken. Zumindest wenn es um solche Gesellschaftsrunden geht. Sicher wissen die Holländer auch im Winter eine wärmende Tasse Tee zu schätzen.

Teegeschirr und Zubehör

Da die niederländische Teekultur äußerst stark an die britische angelehnt ist, ist auch das Teegeschirr und das Zubehör quasi identisch. Davon abgesehen steht die Zubereitung keinesfalls im Vordergrund, wie dies etwa in der japanischen oder auch maghrebinischen Teekultur, wo der Tee vor den Augen der Gäste zubereitet wird, der Fall ist. So werden Teekannen aus Porzellan mit mehr oder weniger Verzierungen zum Servieren benutzt. Getrunken wird ebenfalls aus Porzellantassen. Muster, Farbe und Form sind dabei absolute Geschmackssache und sind sicher ebenso vielfältig, wie bei uns.

Bedeutung der Teezeremonie

Die niederländische Teekultur zählt sicher nicht zu denjenigen auf der Welt, die sich durch uralte Dokumente und Aufzeichnungen belegen lassen. Auch war sie nie so unabhängig und individuell, dass sie als Vorbild für andere Kulturkreise diente. Nennenswerte Gebräuche rund um das Thema Tee scheint es gar erst seit rund 30 Jahren zu geben. Trotzdem schwer vorstellbar, dass in Holland zwischen 1610 und 1980 kein Tee getrunken wurde. Er stand nur eben nie so im Mittelpunkt, wie dies in anderen Ländern der Fall war und ist. Umso liebenswerter ist es doch, dass man erkannt hat, wie schön es sein kann, nach einer Radtour oder einem Bootsausflug in freier Natur eine leckere Tasse Tee zu trinken und ein gutes Stück Kuchen dazu zu essen.

Mittelpunkt in der niederländischen Teekultur ist also auch, wie in vielen westlichen Teekulturen, nicht Spiritualität und Meditation, sondern Geselligkeit und Beisammensein. Tee trinken ist eine wunderbare Gelegenheit, Natur zu genießen, beisammen zu sitzen, nette Gespräche zu führen und einfach das Leben zu genießen. Muss eine Teekultur also unbedingt eine Jahrhunderte alte Tradition aufweisen? Oder kann sie nicht auch, gerade weil sie so jung ist, mit ihrer Art den Nerv der Zeit treffen und deshalb ein Stück Ruhe und Entspannung in unseren Alltag bringen? Für viele sicher mehr, als die verhältnismäßig aufwändigen Riten der alten Kulturen aus dem Osten, die sich sicher kaum in unser westliches Leben integrieren lassen.

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Bildnachweis: Niederländische Teekultur – © MartinW – Fotolia.com

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