Teetrinken ist spießig… oder nur was bei Krankheit


Sicher, die Fangemeinde von Tee ist groß und wächst weltweit. dennoch gibt es auch einige Vorurteile über dieses Getränk, die sich sehr hartnäckig halten. Nicht selten hört man Aussagen, wie „Ich fühle mich nicht so gut, ich trinke heute lieber mal einen Tee.“ Allzu oft wird Tee noch mit Krankheit assoziiert. Trinkt man auch gesund und vor allem gerne Tee, gilt man schnell als spießig und langweilig.

Teetrinken ist spießig... oder nur was bei Krankheit

Kaffeetrinken scheint da viel hipper und trendiger zu sein. Vorausgesetzt man trinkt nicht einfach nur eine langweilige Tasse „normalen“ Kaffee. Wenn, dann muss es schon so ein In-Getränk aus einem der zahlreichen Coffee-Shops sein. Beim ersten Besuch in solch einem Laden sind viele erst mal völlig überfordert. Man kann zwischen verschiedenen Bohnenarten wählen, den Kaffee gibt es dann noch beispielsweise entkoffeiniert oder extrastark, Milch gibt es fettarm, fettfrei, laktosefrei, als Sojamilch und dann wäre da noch die scheinbar endlose Liste mit „Extra-Flavours“… Kompliziert, aber total in. Dann muss man nur noch mit seinem Kaffeebecher in der Hand leicht abgehetzt durch die Innenstädte laufen und schon gehört man zu der Gruppe von modernen jungen Leuten, die genau wissen, was Trend ist und wie Leben heutzutage funktioniert.

Da passt es wirklich nicht ins Bild, wenn man sich vorstellt, man sollte eine gemütliche Tasse Tee genießen, womöglich noch in aller Ruhe, statt „to go“. Befasst man sich dann auch noch ganz bewusst mit der Philosophie und den alten Weisheiten und Riten, die hinter Tee stehen, gilt man schnell als abgehoben, als jemand, der nicht im Hier und Jetzt leben kann.

Legende oder Wahrheit?

Aber beschreiben diese Klischees tatsächlich einen typischen Teetrinker? Handelt es sich dabei wirklich durch die Bank um verschrobene Existenzen, die sich mehr mit der Vergangenheit befassen, als mit Gegenwart und Zukunft? Für einzelne Personen mag solch eine Beschreibung durchaus zutreffend sein, verallgemeinern sollte man deswegen aber noch lange nichts.

Davon abgesehen, ist eine „Entschleunigung des Lebens“ manchmal nicht nur sinnvoll, sondern sogar unbedingt notwendig. Immer mehr Menschen geben an, sich grundsätzlich gestresst zu fühlen, die Ansprüche an uns und unsere Leistungsfähigkeit scheinen ständig zuzunehmen. In der Arbeit gelten Überstunden als selbstverständlich, gleichzeitig wird erwartet, dass man in der Freizeit soziale Kontakte pflegt, sich fit hält und dann vielleicht noch nebenbei Kinder erzieht und den Haushalt auf Vordermann bringt. Egal ob Mann oder Frau und auch unabhängig von der Altersgruppe, Stress und Belastungen nehmen zu, steigende Zahlen von Burn Out und Depressionen sind die Konsequenz.

Von diesem Standpunkt aus betrachtet, ist eine entspannte Tasse Tee eine hervorragende Möglichkeit, sich eine Auszeit zu gönnen um zu regenerieren und neue Kräfte zu tanken. Wenn man sich dadurch etwas intensiver mit den Heimatländern seiner Lieblingssorten, der Lebensweise und den Philosophien, die dahinter stecken, beschäftigt, umso besser.

Wegen Tee allein wird wahrscheinlich niemand zum Yogi werden und sicher sind Auszeiten oder auch nette Gesprächsrunden als Pause vom Alltag auch mit anderen Getränken oder überhaupt auf anderen Wegen möglich. Aus irgendeinem Grund ist es allerdings so, dass sich viele, wenn es um Tee geht, scheinbar ganz automatisch mehr Zeit nehmen.

Fazit

Tee ist spießig, Kaffee ist hip. So einfach sollte man es sich nicht machen. Und man lässt sich wirklich viel entgehen, wenn man Tee nur als Hausmittelchen bei diversen Beschwerden und Krankheiten sieht. Es gibt so viele verschiedene Sorten mit den unterschiedlichsten Geschmäckern und Aromen, die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos. Und nicht selten verbergen sich hinter dem Tee noch zahlreiche, wunderschöne Geschichten und Legenden, die es ebenso wert sind, von Generation zu Generation weitergegeben zu werden, wie der Tee selbst.

Vielleicht findet man ganz in der Nähe einen netten Teehändler, der beraten kann, mit welchem Tee man sozusagen „einsteigen“ kann, wenn man von den klassischen Supermarkt-Teebeuteln wechseln möchte. Wenn man es sich dann angewöhnt, wenigstens einmal in der Woche zu einem festen Zeitpunkt, sich diesen Tee ganz bewusst zuzubereiten, ihn dann in aller Ruhe zu genießen und dabei seinen Gedanken nachzuhängen, wird man schnell Veränderungen bemerken. Man wird ruhiger, erholter und entspannter und schon ganz bald möchte man diese Teestunde sicher nicht mehr missen. Ein Versuch ist es allemal wert. Und Kaffee kann man deswegen immer noch trinken, wenn man möchte.

 

Bildnachweis: Teetrinken © Africa Studio – Fotolia.com

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