Kwan Yin, oder auch Kuan Yin oder Guanyin geschrieben, ist im buddhistischen Glauben Chinas die Göttin der Barmherzigkeit. Der Legende nach war sie zu Lebzeiten die dritte Tochter eines Königspaares und trug den Namen Miaoshan. Ihre Eltern hatten sehnsüchtig darauf gehofft, dass sich endlich der Wunsch nach einem Sohn erfüllen würde. Stattdessen bekamen sie die dritte Tochter, die zudem ihrem Vater den Gehorsam verwehrte. sich nicht mit einem für sie ausgesuchten Mann verheiraten, sondern stattdessen buddhistische Nonne werden wollte. Ihr Vater ließ sie ohne warme Kleidung und ohne Essen und Trinken in den Hof sperren, hielt ihre spätere Äbtissin an, sie nur die niedrigsten Arbeiten verrichten zu lassen, ließ ihr Kloster brandschatzen, nichts half Miaoshan von ihrem Glauben und ihrem gewählten Lebensweg abzubringen. Im Gegenteil, sie beklagte sich nie, zweifelte nicht an ihrer Entscheidung und blieb reinen Herzens. Schließlich geriet der König regelrecht in Rage. Gehorsamkeit gegenüber den Eltern war und ist schließlich eines der höchsten Gebote in der chinesischen Gesellschaft. So sandte der König Soldaten, die seine Tochter Miaoshan hinrichten sollten. Als sie die mörderische Gruppe anrücken sah, freut sie sich allerdings, dass sie bald im Himmel sein würde.Der Jade-Kaiser schickte zum Zeitpunkt ihres Todes einen Gott in Gestalt eines Tigers auf die Erde. Er trug den leblosen Körper Miaoshans in einen dunklen Wald und begrub sie dort. Ihre Seele wanderte, wie die aller Menschen, zunächst in die Unterwelt. Doch Miaoshan war zu Lebzeiten stets von so tugendhaft, hatte nur reine Gedanken und blieb ihrem Glauben gegen alle Widrigkeiten treu. Deshalb strahlte ihre Seele regelrecht und verwandelte dadurch sogar die düstere Unterwelt in ein wunderbares Paradies. Die Götter der Unterwelt waren regelrecht entsetzt darüber, dass Miaoshan dadurch sogar verdammte Seelen befreite. So baten sie Buddha, die Heilige zu sich zu nehmen. Der oberste Gott erhörte ihre Bitte und brachte Miaoshan nach Putuo auf der Insel Zhoushan. Dort vereinigte sich ihre Seele wieder mit ihrem Körper und Miaoshan verbrachte ihre Tage künftig ausschließlich mit Meditieren. Dadurch erlangte sie solche Vollkommenheit, dass sie Dinge sah, die anderen verborgen blieben. Erkannte sie, dass jemand in Gefahr schwebte, sandte sie ihre Diener aus und rettete die Menschen dadurch. So auch eines Tages ihren eigenen Vater, als dieser an Beulenpest erkrankt war. Als buddhistischer Mönch verkleidet gab sie ihm Rat, wie er geheilt werden könne. Daraufhin wollten seine beiden Schweigersöhne ihn töten lassen, um endlich an die Macht zu kommen. Auch dies verhinderte Miaoshan, versöhnte sich schließlich mit ihrem Vater und auch dieser lebte fortan in tiefen Glauben. Die Chinesen gaben Miaoshan irgendwann den Namen Guanyin, was so viel bedeutet, wie "die auf die Welt niederschaut und ihre Schreie hört". Seitdem gilt sie offiziell als Göttin der Barmherzigkeit.

Legende oder Wahrheit?

Der Wahrheitsgehalt dieser Legende dürfte nicht allzu hoch sein. Dennoch ist das Leben der "Göttin der Barmherzigkeit" bis heute tief im buddhistischen Glauben verwurzelt. Und das nicht nur in China. In Indien etwa kennt man diese wunderbare Göttin, die in Not geratenen Menschen so sehr hilft, schon länger, als in China. Ihr Glaube, ihr Leben, ihr ganzes Ich, einfach alles an Miaoshan war rein, klar und gut. Sie wich nie auch nur eine winzige Kleinigkeit von ihrem Weg ab, nie zeigte sie Zweifel oder Emotionen wie Trauer und Wut. Selbst ihrem größten Widersacher, ihrem eigenen Vater gegenüber, hegte sie keinerlei Groll. Tugenden, die den meisten von uns sicher mehr als schwer fallen dürften. Doch genau so, wie Miaoshan war, ist auch der perfekte Tee. Klar und rein im Aussehen und Geschmack, klar und rein werden aber auch die Gedanken beim Trinken dieses Tees. Kein Wunder also, dass einige der wertvollsten und qualitativsten Tees nach Guanyin benannt wurden. Dabei handelt es sich allerdings ausschließlich um Oolong.

Fazit

Sollte man also irgendwann einmal die Gelegenheit bekommen, einen Oolong zu probieren, der nach der Göttin der Barmherzigkeit benannt wurde, dann sollte man dieses Angebot unbedingt annehmen. Man sollte dieses Tee ganz bewusst und in Ruhe und Stille genießen. Vielleicht ist man genau dann beispielsweise an einem wichtigen Punkt in seinem Leben, an dem man nicht genau weiß, welchen Weg man einschlagen soll. Das "vernünftige" tun, das, was andere von einem erwarten? Oder doch auf sein Herz hören und tun, was einem das Bauchgefühl sagt? Vielleicht hilft Guanyin auch heute noch.Bildnachweis: Tee © Nik_Merkulov - Fotolia.com

Guanyin und der Tieguanyin-Tee

Tieguanyin (铁观音, Tiě Guānyīn) – „Eiserne Guanyin" oder „Eiserne Göttin der Barmherzigkeit" – ist einer der bekanntesten Oolong-Tees der Welt und trägt den Namen der buddhistischen Bodhisattva Guanyin (观音, Guānyīn), der Göttin der Barmherzigkeit und des Mitgefühls. Guanyin ist die asiatische Entsprechung der Mutter Maria – eine Figur der Güte, der Hilfsbereitschaft und des grenzenlosen Mitgefühls. Dass ein Tee nach ihr benannt wurde, ist kein Zufall: Tieguanyin ist sanft, floral, und hinterlässt eine lange, süße Nachnote – wie die Umarmung einer liebevollen Göttin. In Taiwan und Fujian ist Guanyin-Verehrung eng mit Teekultur verbunden; viele Teehäuser haben kleine Guanyin-Schreine.

Die Legende: Wie Guanyin den Tee schenkte

Die Entstehungslegende des Tieguanyin erzählt von einem armen Bauern namens Wei Yin in Anxi, Fujian. Wei Yin pflegte sorgfältig einen verfallenen Guanyin-Tempel und reinigte ihn täglich, obwohl er selbst arm war. Eines Nachts erschien ihm Guanyin im Traum und sagte: „Hinter dem Tempel wächst ein Schatz, der dein Leben und das deiner Nachbarn verwandeln wird." Am nächsten Morgen fand Wei Yin hinter dem Tempel eine unbekannte Teepflanze. Er pflanzte sie, pflegte sie sorgfältig und zog Ablegger für seine Nachbarn. Der daraus gewonnene Tee war außergewöhnlich: Er hatte die Güte und Tiefe einer Göttin. Wei Yin nannte ihn Tieguanyin – nach der eisernen Statue der Guanyin in seinem Tempel.

Tieguanyin: Aromen, Zubereitung und Bedeutung

Tieguanyin ist ein leicht bis mittelstark oxidierter Oolong aus der Anxi-Region in Fujian, China. Modernere Versionen sind heller und grüner (weniger Oxidation), traditionelle Varianten haben eine stärkere Röstung. Die Blätter sind eng gerollt wie kleine Kügelchen und entfalten sich beim Aufguss schön. Zubereitung: 5 Gramm auf 100 ml, 90–95 °C, erster Aufguss 30 Sekunden (Weckaufguss), dann 45 Sekunden bis 2 Minuten je nach Aufguss. Tieguanyin gibt 5–7 hervorragende Aufgüsse. Das Aroma: Orchideen, Milch, Butter, Jasmin – ein ungewöhnlich cremiges, blumiges Profil, das seinesgleichen sucht. In der Teekultur gilt Tieguanyin als einer der zehn klassischen Tees Chinas.

Häufig gestellte Fragen zu Guanyin und Tieguanyin

Was bedeutet Guanyin?
观音 (Guānyīn) = „Hörende Göttin" oder „Die, die die Schreie der Welt hört". Eine Bodhisattva des Mitgefühls im Mahayana-Buddhismus.

Gibt es verschiedene Arten von Tieguanyin?
Ja – „Qingxiang" (helles Aroma, wenig oxidiert, grün), „Nongxiang" (reiches Aroma, mehr oxidiert) und „Chen Xiang" (gereifter Geschmack nach Lagerung) sind die Hauptstile.

Ist Tieguanyin ein Grüntee oder Oolong?
Oolong – er ist teilweise oxidiert. Moderne leichte Versionen sehen fast wie Grüntee aus, sind aber dennoch Oolongs.

Wie lagert man Tieguanyin?
Für leichte Varianten: kühl und luftdicht (im Gefrierschrank ist möglich). Geröstete Varianten halten bei Raumtemperatur länger.

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