Legende oder Wahrheit?
Der Wahrheitsgehalt dieser Legende dürfte nicht allzu hoch sein. Dennoch ist das Leben der "Göttin der Barmherzigkeit" bis heute tief im buddhistischen Glauben verwurzelt. Und das nicht nur in China. In Indien etwa kennt man diese wunderbare Göttin, die in Not geratenen Menschen so sehr hilft, schon länger, als in China. Ihr Glaube, ihr Leben, ihr ganzes Ich, einfach alles an Miaoshan war rein, klar und gut. Sie wich nie auch nur eine winzige Kleinigkeit von ihrem Weg ab, nie zeigte sie Zweifel oder Emotionen wie Trauer und Wut. Selbst ihrem größten Widersacher, ihrem eigenen Vater gegenüber, hegte sie keinerlei Groll. Tugenden, die den meisten von uns sicher mehr als schwer fallen dürften. Doch genau so, wie Miaoshan war, ist auch der perfekte Tee. Klar und rein im Aussehen und Geschmack, klar und rein werden aber auch die Gedanken beim Trinken dieses Tees. Kein Wunder also, dass einige der wertvollsten und qualitativsten Tees nach Guanyin benannt wurden. Dabei handelt es sich allerdings ausschließlich um Oolong.Fazit
Sollte man also irgendwann einmal die Gelegenheit bekommen, einen Oolong zu probieren, der nach der Göttin der Barmherzigkeit benannt wurde, dann sollte man dieses Angebot unbedingt annehmen. Man sollte dieses Tee ganz bewusst und in Ruhe und Stille genießen. Vielleicht ist man genau dann beispielsweise an einem wichtigen Punkt in seinem Leben, an dem man nicht genau weiß, welchen Weg man einschlagen soll. Das "vernünftige" tun, das, was andere von einem erwarten? Oder doch auf sein Herz hören und tun, was einem das Bauchgefühl sagt? Vielleicht hilft Guanyin auch heute noch.Bildnachweis: Tee © Nik_Merkulov - Fotolia.comGuanyin und der Tieguanyin-Tee
Tieguanyin (铁观音, Tiě Guānyīn) – „Eiserne Guanyin" oder „Eiserne Göttin der Barmherzigkeit" – ist einer der bekanntesten Oolong-Tees der Welt und trägt den Namen der buddhistischen Bodhisattva Guanyin (观音, Guānyīn), der Göttin der Barmherzigkeit und des Mitgefühls. Guanyin ist die asiatische Entsprechung der Mutter Maria – eine Figur der Güte, der Hilfsbereitschaft und des grenzenlosen Mitgefühls. Dass ein Tee nach ihr benannt wurde, ist kein Zufall: Tieguanyin ist sanft, floral, und hinterlässt eine lange, süße Nachnote – wie die Umarmung einer liebevollen Göttin. In Taiwan und Fujian ist Guanyin-Verehrung eng mit Teekultur verbunden; viele Teehäuser haben kleine Guanyin-Schreine.
Die Legende: Wie Guanyin den Tee schenkte
Die Entstehungslegende des Tieguanyin erzählt von einem armen Bauern namens Wei Yin in Anxi, Fujian. Wei Yin pflegte sorgfältig einen verfallenen Guanyin-Tempel und reinigte ihn täglich, obwohl er selbst arm war. Eines Nachts erschien ihm Guanyin im Traum und sagte: „Hinter dem Tempel wächst ein Schatz, der dein Leben und das deiner Nachbarn verwandeln wird." Am nächsten Morgen fand Wei Yin hinter dem Tempel eine unbekannte Teepflanze. Er pflanzte sie, pflegte sie sorgfältig und zog Ablegger für seine Nachbarn. Der daraus gewonnene Tee war außergewöhnlich: Er hatte die Güte und Tiefe einer Göttin. Wei Yin nannte ihn Tieguanyin – nach der eisernen Statue der Guanyin in seinem Tempel.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Tieguanyin: Aromen, Zubereitung und Bedeutung
Tieguanyin ist ein leicht bis mittelstark oxidierter Oolong aus der Anxi-Region in Fujian, China. Modernere Versionen sind heller und grüner (weniger Oxidation), traditionelle Varianten haben eine stärkere Röstung. Die Blätter sind eng gerollt wie kleine Kügelchen und entfalten sich beim Aufguss schön. Zubereitung: 5 Gramm auf 100 ml, 90–95 °C, erster Aufguss 30 Sekunden (Weckaufguss), dann 45 Sekunden bis 2 Minuten je nach Aufguss. Tieguanyin gibt 5–7 hervorragende Aufgüsse. Das Aroma: Orchideen, Milch, Butter, Jasmin – ein ungewöhnlich cremiges, blumiges Profil, das seinesgleichen sucht. In der Teekultur gilt Tieguanyin als einer der zehn klassischen Tees Chinas.
Häufig gestellte Fragen zu Guanyin und Tieguanyin
Was bedeutet Guanyin?
观音 (Guānyīn) = „Hörende Göttin" oder „Die, die die Schreie der Welt hört". Eine Bodhisattva des Mitgefühls im Mahayana-Buddhismus.
Gibt es verschiedene Arten von Tieguanyin?
Ja – „Qingxiang" (helles Aroma, wenig oxidiert, grün), „Nongxiang" (reiches Aroma, mehr oxidiert) und „Chen Xiang" (gereifter Geschmack nach Lagerung) sind die Hauptstile.
Ist Tieguanyin ein Grüntee oder Oolong?
Oolong – er ist teilweise oxidiert. Moderne leichte Versionen sehen fast wie Grüntee aus, sind aber dennoch Oolongs.
Wie lagert man Tieguanyin?
Für leichte Varianten: kühl und luftdicht (im Gefrierschrank ist möglich). Geröstete Varianten halten bei Raumtemperatur länger.
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