Der Wuyi-Felsentee


Die Geschichten, die bis heute über den Tee aus dem Wuyi-Gebirge erzählt werden, sind keine Tee-Mythen im eigentlichen Sinne. Dennoch ist es beeindruckend, wie der Teeanbau diese Region bereits seit Jahrhunderten prägt und auch heute noch beeinflusst.

Der Wuyi-Felsentee

Bereits im 8. Jahrhundert etwa erwähnte Lu Yu die Region Jianzhu, wie die Gegend um das Wuyi-Gebirge damals genannt wurde, in Cha Jing, seinem berühmten Buch über den Tee. Zwar schwärmt er nicht ausdrücklich von der hohen Qualität der Tees, erwähnt jedoch immer wieder, dass er mehrmals wie sehr er von dem angenehmen Geschmack und Aroma der Sorten aus dem Wuyi-Gebirge zum Teil angenehm überrascht war. In der Zeit vom 10. – 13. Jahrhundert, während der Song-Dynastie wurde der Wuyi-Felsentee im ganzen Land bekannt. Als einer der ersten wurde er sogar zu einem der sogenannten „Tribut-Tees“ ernannt. Diese Ehre wurde nur ganz besonderen Sorten zuteil. Sie wurden an den Hof des Kaisers gebracht um dem jeweiligen Herrscher Tribut zu sollen. Der Tee war Zeichen der Unterwerfung und Bitte um Wohlwollen zugleich. Selbstverständlich wählte man nur die allerbesten Tees als speziellen Tee für den Kaiser aus.

Als die Song-Kaiser schließlich ihre Hauptstadt nach Hangzhou verlegen mussten, waren sie noch etwa 450 km vom Wuyi-Gebirge entfernt. Dies mag eine recht große Distanz sein, vor allem ohne moderne Fortbewegungsmittel. In einem riesigen Reich, wie China es bereits zu dieser Zeit war, relativieren sich solche Dinge jedoch und man kann durchaus behaupten, dass der Lebensmittelpunkt des Kaisers damit in die Nähe des Wuyi rückte. Dank der wunderschönen Landschaft und der einzigartigen Natur, wurde dieses Gebirge zu dieser Zeit ein beliebter Treffpunkt zahlreicher Intellektueller. Hier waren sie nicht allzu weit vom Kaiser entfernt und konnten sich dennoch ganz entspannt von der einzigartigen Landschaft inspirieren lassen und ganz entspannt eine Tasse Tee dazu trinken.

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Bald schon war das Wuyi-Gebirge ein regelrechter Treffpunkt der Intellektuellen geworden und der Tee war so beliebt, dass man sogar begann „Tee-Kämpfe“ zu veranstalten. Dabei wurden verschiedene Sorten zeitgleich zubereitet, in Porzellanschalen schaumig geschlagen und der Tee, der den weißesten und am längsten haltenden Schaum hatte, hatte gewonnen. Um den weißen Farbton des Schaums wirklich beurteilen zu können, war es am besten, wenn man dazu schwarze Schalen verwendete.

Diese Porzellanschalen mit schwarzer Glasur und die Tee-Kämpfe waren es schließlich auch, die den Bekanntheitsgrad des Teeanbaugebietes rund um das Wuyi-Gebirge nochmals steigerten. Im Jahre 1302 schließlich, als die Mongolen die Herrschaft über China hatten, ließ der damalige Regent sogar eine kaiserliche Teeplantage in diesem Gebiet anlegen. Selbst als die Mongolen das Land längst wieder verlassen hatten, gab es diesen Teegarten noch. Fast 200 Jahre später erst, wurde er aufgegeben.

Heute ist diese Region ein Nationalpark und gilt als das Anbaugebiet für Exporttee schlechthin. Außerdem zählt das Wuyi-Gebirge als Geburtsstätte des Oolong Tee.

Legende oder Wahrheit?

Diese Frage stellt sich hier nicht wirklich. Es handelt sich nicht um eine einzelne Geschichte oder Legende, sondern vielmehr um die historische Abfolge, um Zeitgeschehnisse, die das Wuyi-Gebirge geprägt haben und bis heute stark beeinflussen.

Die Landschaft des Gebirges und auch in der direkten Umgebung zeichnet sich in erster Linie durch zahlreiche, zum Teil recht große Felsformationen aus. Hier gibt es nicht, wie in anderen klassischen Teeanbaugebieten, große, grüne Weiten. Im Gegenteil, die Bauern waren hier von Anfang an darauf angewiesen, sprichwörtlich jede Felsritze für den Teeanbau zu nutzen. Dies war und ist nicht nur wesentlich aufwändiger, es beeinflusst selbstverständlich auch den Geschmack des Tees nachhaltig.

Fazit

Es müssen nicht immer sagenhafte Mythen sein, die beeindrucken. Manchmal ist es die wirkliche Geschichte, die beeindruckt. Wie wäre es wohl gewesen, wenn Lu Yu den Felsentee nicht in seinem Buch beschrieben hätte? Oder wenn der Tee nicht zu einem Tribut-Tee geworden wäre? Wenn sich die Intellektuellen einen anderen Ort für ihre Treffen erwählt hätten? Hätten die Menschen in dieser Region eine andere Einnahmequelle gefunden? Oder wäre es eine sehr ärmliche und dünn besiedelte Gegend geworden, die zwar landschaftlich viel zu bieten hätte, die aber kaum jemand kennt, weil man dort kaum überleben könnte?

Der Tee schaffte es, sich in dieser steinigen Region Nischen zu finden und wurde so zu einem Faktor, der das Leben im und um das Wuyi-Gebirge inzwischen seit Jahrhunderten nicht nur beeinflusst sondern bis heute entscheidend prägt. Beeindruckend, wie ein Getränk das Leben bestimmen kann. Viele Teearten Chinas genießen inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad in Europa. Ob der Oolong Tee, Pu-erh Tee oder viele andere, sie sind ein wichtiger Teil für unsere Teegenießer geworden. In Sachen Herstellung und Tee Wissen können wir trotzdem noch viel dazulernen.

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Bildnachweis: Der Wuyi-Felsentee © brinker_m – Fotolia.com

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