Legende oder Wahrheit?
Diese Frage stellt sich hier nicht wirklich. Es handelt sich nicht um eine einzelne Geschichte oder Legende, sondern vielmehr um die historische Abfolge, um Zeitgeschehnisse, die das Wuyi-Gebirge geprägt haben und bis heute stark beeinflussen. Die Landschaft des Gebirges und auch in der direkten Umgebung zeichnet sich in erster Linie durch zahlreiche, zum Teil recht große Felsformationen aus. Hier gibt es nicht, wie in anderen klassischen Teeanbaugebieten, große, grüne Weiten. Im Gegenteil, die Bauern waren hier von Anfang an darauf angewiesen, sprichwörtlich jede Felsritze für den Teeanbau zu nutzen. Dies war und ist nicht nur wesentlich aufwändiger, es beeinflusst selbstverständlich auch den Geschmack des Tees nachhaltig.Fazit
Es müssen nicht immer sagenhafte Mythen sein, die beeindrucken. Manchmal ist es die wirkliche Geschichte, die beeindruckt. Wie wäre es wohl gewesen, wenn Lu Yu den Felsentee nicht in seinem Buch beschrieben hätte? Oder wenn der Tee nicht zu einem Tribut-Tee geworden wäre? Wenn sich die Intellektuellen einen anderen Ort für ihre Treffen erwählt hätten? Hätten die Menschen in dieser Region eine andere Einnahmequelle gefunden? Oder wäre es eine sehr ärmliche und dünn besiedelte Gegend geworden, die zwar landschaftlich viel zu bieten hätte, die aber kaum jemand kennt, weil man dort kaum überleben könnte? Der Tee schaffte es, sich in dieser steinigen Region Nischen zu finden und wurde so zu einem Faktor, der das Leben im und um das Wuyi-Gebirge inzwischen seit Jahrhunderten nicht nur beeinflusst sondern bis heute entscheidend prägt. Beeindruckend, wie ein Getränk das Leben bestimmen kann. Viele Teearten Chinas genießen inzwischen einen hohen Bekanntheitsgrad in Europa. Ob der Oolong Tee, Pu-erh Tee oder viele andere, sie sind ein wichtiger Teil für unsere Teegenießer geworden. In Sachen Herstellung und Tee Wissen können wir trotzdem noch viel dazulernen.Bildnachweis: Der Wuyi-Felsentee © brinker_m - Fotolia.comZubereitung von Wuyi Yancha: Die Kunst des Felsenwassers
Wuyi Yancha – der „Felsentee" aus dem Wuyi-Gebirge in Fujian – gehört zu den komplexesten und wertvollsten Tees der Welt. Traditionell wird er in winzigen Tonkannen oder Gaiwans zubereitet, um das konzentrierte Bouquet vollständig zu erleben. Erhitzen Sie Wasser auf 95–100°C: Die starke Oxidation und Röstung des Yancha verträgt hohes Wasser problemlos. Verwenden Sie großzügige 8–10 g Tee auf 150 ml Wasser. Der erste Aufguss dauert nur 5–10 Sekunden, um den Tee zu „erwecken" und eventuelle Staubrückstände zu entfernen. Ab dem zweiten Aufguss: 15–20 Sekunden, dann schrittweise verlängern. Guter Wuyi Yancha lässt bis zu 10 Aufgüsse zu – ein Erlebnis, das sich über Stunden entfaltet.
Felsterroitr und Gesundheit: Das Geheimnis des Wuyi-Tees
Der Begriff „Yan Yun" – Felsengeschmack oder Felsenklang – beschreibt das einzigartige Mineral-Erlebnis des Wuyi Yancha. Dieser Charakter entsteht durch das besondere Terroir: vulkanisches Gestein, mineralreiche Böden und die charakteristischen Mikroklimate der Wuyi-Schlucht. Wissenschaftlich gesehen enthält Felsentee besonders hohe Konzentrationen an Mineralien wie Magnesium, Kalzium und Mangan, die direkt aus dem Gestein über das Wurzelsystem in die Blätter gelangen. Diese Mineraliendichte, kombiniert mit den hohen Polyphenolgehalten des Oolongs, macht Wuyi-Tee zu einem der mineral- und antioxidantienreichsten Tees. Zudem enthält er Theabrownine und komplexe Aromastoffe, die durch den Röstprozess entstehen und die Verdauung fördern sollen.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Yan Cha Felsentee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu chinesische Teekultur. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Die Geschichte des heiligen Teeberges
Das Wuyi-Gebirge (武夷山) in Fujian ist eine der ältesten Teeregionen Chinas und seit 1999 UNESCO-Weltnaturerbe. Bereits zur Han-Dynastie (206 v.Chr.–220 n.Chr.) wurde hier Tee angebaut und als Tributgabe an den Kaiser geschickt. In der Song-Dynastie (960–1279) war Wuyi-Tee so begehrt, dass Kaiserliche Gärten eigens im Gebirge angelegt wurden. Da Hong Pao – der bekannteste Wuyi-Yancha – hat eine Geschichte, die zu den romantischsten der Teewelt gehört: Ein kranker kaiserlicher Prüfungskandidat wurde von einem Mönch mit Tee geheilt und breitete seinen roten Umhang über den Büschen aus, um sie zu ehren. Heute sind die sechs Mutterpflanzen des echten Da Hong Pao unter Staatsschutz gestellt.
FAQ: Wuyi Yancha – der Felsentee
Was ist Yancha genau? Yancha (岩茶) bedeutet wörtlich „Felsentee" – ein Oberbegriff für Oolong-Tees aus dem Wuyi-Gebirge, die auf mineralreichem Felsgestein wachsen und geröstet werden.
Was sind die bekanntesten Yancha-Sorten? Da Hong Pao (Großer Roter Umhang), Rou Gui (Zimtrinde), Shui Xian (Narzisse) und Tie Luo Han sind die „Vier großen Yanchas" – alle mit ausgeprägtem Mineralcharakter.
Warum ist echter Da Hong Pao so teuer? Die Original-Mutterpflanzen existieren nur noch als sechs Büsche. Tee von diesen Büschen wurde 2005 für 30.000 USD pro 20 g versteigert. Im Handel erhältlicher Da Hong Pao stammt von Klonen dieser Pflanzen.
Wie erkenne ich guten Yancha? Guter Yancha hat fest verdrehte Blätter, ein deutliches Mineralaroma (der „Yan Yun"), eine tiefgoldene bis bernsteinfarbene Liquorfarbe und hinterlässt einen langen, angenehmen Abgang im Gaumen.
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