Ginseng-Tee wird aus der Wurzel des Echten Ginsengs (Panax ginseng) gewonnen, einer der wichtigsten Pflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin. Über niederländische Seefahrer gelangte die Wurzel im 17. Jahrhundert nach Europa. Der erdig-bittere Aufguss wird traditionell als Stärkungsmittel bei Müdigkeit verwendet. Dieser Beitrag erklärt den Unterschied zwischen weißem und rotem Ginseng, die Inhaltsstoffe und die richtige Zubereitung.

Steckbrief
Pflanze/BasisWurzel des Echten Ginsengs (Panax ginseng)
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilerdig, deutlich bitter, leicht süßlicher Nachklang
Wassertemperatur90-100 °C
Ziehzeit5-10 Minuten (Pulver); Wurzelstücke länger ziehen oder köcheln
Dosierung1-2 g getrocknete Wurzel pro 250 ml
Aufgüsse1-2 Aufgüsse
Preisspanneca. 5-15 € pro 100 g, hochwertige Wurzel deutlich mehr

Herkunft und Geschichte

Ginseng hat seinen festen Platz in der Traditionellen Chinesischen Medizin. In Korea begann der gezielte Anbau bereits um 11 v. Chr., zuvor wurde die Wurzel über Jahrhunderte aus Wildbeständen gesammelt. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet umfasst die Gebirgs- und Waldregionen Nordkoreas, das nordöstliche China und das südöstliche Sibirien.

Nach Europa kam die Wertschätzung erst spät: Bis ins 17. Jahrhundert dauerte es, ehe sich das positive Bild auch hier durchsetzte, maßgeblich durch niederländische Seefahrer. Heute wird Ginseng für die medizinische Nutzung weltweit kultiviert. Eine andere ostasiatische Blattpflanze mit langer Geschichte stellt der Ginkgo-Tee vor.

Weißer und roter Ginseng

Im Handel wird zwischen weißem und rotem Ginseng unterschieden, beide stammen von derselben Pflanze. Roter Ginseng ist die frische Wurzel, die nach der Ernte gedämpft und getrocknet wird. Weißer Ginseng wurde ursprünglich geschält, gebleicht und erst dann getrocknet; um die Inhaltsstoffe zu schonen, verzichtet man heute meist auf das Schälen und Bleichen.

Dadurch enthält weißer Ginseng etwa doppelt so viel der wertvollen Ginsenoside wie roter, was nicht bedeutet, dass roter Ginseng weniger leistet, denn er bringt durch das Dämpfen ein eigenes Spektrum mit. Geerntet werden Wurzeln von Pflanzen, die zwischen drei und sieben Jahre alt sind. Diese lange Wachstumszeit erklärt mit, warum gute Wurzel teurer ist als die meisten Lapacho-Tees.

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Inhaltsstoffe und Studienlage

Charakteristisch für Ginseng sind die Ginsenoside, eine Gruppe von Saponinen, dazu kommen das Glykosid Panaquilon sowie die Vitamine B1 und B2. Diese Wirkstoffkombination ist der Grund, warum Ginseng traditionell als Stärkungsmittel für den gesamten Organismus gilt.

Die Kommission E und ESCOP führen die Ginsengwurzel als traditionell verwendet bei Müdigkeit und Schwächegefühl sowie in der Rekonvaleszenz. Viele andere, weit darüber hinausgehende Zuschreibungen sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und sollten kritisch betrachtet werden. Wie stark pflanzliche Aufgüsse im Vergleich anregen, ordnet unser Beitrag Kaffee wirkt viel stärker als Tee ein.

Geschmack und Zubereitung

Ginseng-Tee schmeckt erdig und deutlich bitter mit einem leicht süßlichen Nachklang, weshalb man ihn eher der Wirkung als des Geschmacks wegen trinkt. Im Handel findet man ihn häufig als Instantpulver in Portionsbeuteln; daneben gibt es einen dickflüssigen Wurzelsirup, der wegen seiner Bitterkeit gern mit Honig gesüßt wird.

Für losen Tee übergießen Sie ein bis zwei Gramm getrocknete Wurzel mit heißem Wasser von 90 bis 100 °C und lassen den Aufguss fünf bis zehn Minuten ziehen; größere Wurzelstücke dürfen länger ziehen oder leise köcheln. Ein Löffel Honig mildert die Bitterkeit spürbar. Süße auf andere Weise bringt der fruchtige Grüne Ingwer mit.

Kauf und Qualitätsmerkmale

Beim Kauf entscheidet die Herkunft über die Qualität. Koreanischer Ginseng gilt als besonders hochwertig, ebenso Wurzeln mit ausgewiesenem Erntealter von sechs Jahren. Achten Sie auf einen klaren Hinweis, ob es sich um weißen oder roten, gepulverten oder ganzen Ginseng handelt, und meiden Sie Instantpulver mit hohem Zuckeranteil.

Bio-Qualität verringert das Risiko von Pflanzenschutzmittel-Rückständen, die bei der intensiven Kultivierung vorkommen können. Die Preisspanne ist groß und beginnt bei rund fünf Euro pro 100 Gramm, gute ganze Wurzel kostet ein Vielfaches. Worauf es bei der Lagerung trockener Wurzeln und Kräuter ankommt, lesen Sie unter wo und wie hebe ich meinen Tee am besten auf.

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Sicherheit und Wechselwirkungen

Ginseng gilt in üblichen Mengen als gut verträglich, ist aber nicht für jeden geeignet. Bei dauerhaft hoher Dosierung können Schlafstörungen, Nervosität oder erhöhter Blutdruck auftreten, weshalb eine durchgehende Anwendung über mehrere Monate nicht empfohlen wird.

Wechselwirkungen sind unter anderem mit blutverdünnenden Mitteln und mit Blutzuckermedikamenten möglich; Diabetikerinnen und Diabetiker sollten die Anwendung ärztlich abklären. In Schwangerschaft und Stillzeit wird von Ginseng abgeraten. Bei bestehenden Erkrankungen ersetzt der Tee keine ärztliche Behandlung.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen weißem und rotem Ginseng?
Beide stammen von derselben Pflanze. Roter Ginseng wird gedämpft und getrocknet, weißer nur getrocknet. Weißer Ginseng enthält etwa doppelt so viele Ginsenoside, roter bringt durch das Dämpfen ein eigenes Wirkstoffspektrum mit.

Wie wird Ginseng-Tee zubereitet?
Ein bis zwei Gramm getrocknete Wurzel mit 90 bis 100 °C heißem Wasser übergießen und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Größere Wurzelstücke dürfen länger ziehen oder köcheln. Etwas Honig mildert die deutliche Bitterkeit.

Wofür wird Ginseng traditionell verwendet?
Kommission E und ESCOP führen die Ginsengwurzel als traditionell verwendet bei Müdigkeit, Schwächegefühl und in der Rekonvaleszenz. Weitergehende Zuschreibungen sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.

Gibt es Wechselwirkungen mit Ginseng?
Ja. Ginseng kann mit blutverdünnenden Mitteln und Blutzuckermedikamenten in Wechselwirkung treten. In Schwangerschaft und Stillzeit wird abgeraten, und eine dauerhafte hohe Dosierung kann Schlafstörungen oder erhöhten Blutdruck begünstigen.

Quellen

  • Kommission E des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes: Monographie Ginseng radix
  • ESCOP Monographs: Ginseng radix

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.