Frauenmanteltee wird aus dem Kraut des Frauenmantels (Alchemilla) bereitet, einem heimischen Rosengewächs mit charakteristisch gefalteten Blättern. Der herbe, gerbstoffreiche Aufguss ist von der Kommission E bei leichten Durchfallerkrankungen monographiert und hat daneben eine lange — wissenschaftlich allerdings nicht belegte — Tradition in der Frauenheilkunde. Hier lesen Sie, was die Pflanze enthält, wie Sie den Tee zubereiten und worauf Sie achten sollten.

Steckbrief
Pflanze/BasisFrauenmantel (Alchemilla vulgaris/xanthochlora), Rosengewächs; verwendet wird das Kraut
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilherb, leicht bitter, grasig-erdig
Wassertemperatur100 °C (kochend)
Ziehzeit5-10 Minuten, abgedeckt
Dosierung1-2 TL getrocknetes Kraut (ca. 2-4 g) pro 250 ml
Aufgüsse1 Aufguss; bis zu 3 Tassen täglich
Preisspanneca. 2-5 € pro 100 g

Die Pflanze: gefaltete Blätter und der Tau der Alchemisten

Der Frauenmantel wächst auf feuchten Wiesen, Weiden und an Wegrändern fast ganz Europas, wird bis zu 50 cm hoch und blüht von Mai bis September mit unscheinbaren gelbgrünen Blütenständen. Unverwechselbar sind die rundlichen, gefältelten Blätter, die an einen drapierten Umhang erinnern — daher der deutsche Name.

Der botanische Name Alchemilla erzählt eine zweite Geschichte: Die Pflanze presst nachts aktiv Wassertropfen aus ihren Blatträndern (Guttation), die sich morgens wie Perlen in der Blattmitte sammeln. Mittelalterliche Alchemisten hielten diese Tropfen für besonders reinen „Himmelstau“ und sammelten sie für ihre Experimente — so wurde aus dem Wiesenkraut das „kleine Alchemistenkraut“.

Inhaltsstoffe und Studienlage

Frauenmantelkraut enthält 6 bis 8 % Gerbstoffe, vor allem Ellagitannine wie Agrimoniin, dazu Flavonoide und Spuren von Bitterstoffen. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend auf Schleimhäute — darauf stützt sich die Kommission E, die das Kraut bei leichten, unspezifischen Durchfallerkrankungen positiv monographiert hat. Das Kraut ist zudem im Europäischen Arzneibuch beschrieben.

Davon zu trennen ist die volksheilkundliche Tradition: Vom Mittelalter bis heute wird Frauenmantel bei Menstruationsbeschwerden, Zyklusschwankungen und in den Wechseljahren verwendet; erstmals schriftlich taucht der Tee in Kräuterbüchern der Renaissance auf, populär wurde er im 19. Jahrhundert. Kontrollierte klinische Studien, die diese Anwendungen stützen, fehlen jedoch. Wer den Tee deshalb rund um den Zyklus trinkt, tut das auf Basis von Überlieferung — bei echten Beschwerden gehört die Abklärung in die gynäkologische Praxis.

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Geschmack: herb mit grasiger Note

Die Gerbstoffe geben dem Aufguss einen herben, leicht zusammenziehenden Charakter, begleitet von grasig-erdigen Tönen und dezenter Bitterkeit. Die Tasse zeigt ein helles Gelbgrün bis Bernstein. Aufdringlich ist der Tee nie, aber spürbar adstringenter als etwa Melisse oder Kamille.

Wem der Aufguss zu trocken am Gaumen wirkt, der verkürzt die Ziehzeit auf fünf Minuten oder mischt zu gleichen Teilen mit milderen Partnern. Bewährt haben sich fruchtige Komponenten — etwa Himbeerblätter, die auch im Himbeertee stecken — oder würzige wie Schafgarbentee, der in der Volkskunde derselben Kräutergruppe zugerechnet wird.

Zubereitung Schritt für Schritt

1. Ein bis zwei Teelöffel getrocknetes, zerkleinertes Kraut (2 bis 4 g) in eine Tasse geben. 2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen. 3. Abgedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen lassen — je länger, desto herber und gerbstoffreicher der Aufguss. 4. Abseihen und ungesüßt oder mit etwas Honig trinken; üblich sind bis zu drei Tassen täglich.

Eine Alternative ist der Kaltauszug: Dafür das Kraut 6 bis 8 Stunden in kaltem Wasser ziehen lassen und den Sud vor dem Trinken einige Minuten aufkochen und abseihen. Frisches Kraut funktioniert ebenso wie getrocknetes; es sollte vor dem Aufgießen grob zerkleinert werden, damit die Inhaltsstoffe besser in Lösung gehen.

Sammeln oder kaufen?

Wer die Pflanze sicher bestimmt, kann Frauenmantel selbst sammeln: Geerntet werden die oberirdischen Teile zur Blütezeit zwischen Mai und Juli, am besten an sauberen Standorten abseits gedüngter Felder und stark befahrener Straßen. Getrocknet wird locker ausgebreitet an einem luftigen, schattigen Ort; danach hält das Kraut in dunklen Gläsern etwa ein Jahr.

Im Handel kostet geschnittenes Frauenmantelkraut etwa 2 bis 5 Euro pro 100 g; Apotheken führen Ware in Arzneibuchqualität. Gute Qualität erkennen Sie an gleichmäßig graugrünem Schnitt mit erkennbaren Blattstücken und einem frischen, heuartigen Geruch — bräunliche, stark zerbröselte Ware hat ihr Aroma bereits verloren.

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Hinweise für Schwangerschaft und Alltag

Rund um Kinderwunsch und Schwangerschaft wird Frauenmantel häufig empfohlen — gerade hier ist aber Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme wichtig, bevor Sie den Tee regelmäßig trinken. Was von Kräutermischungen mit Babywunsch-Versprechen zu halten ist, ordnet unser Beitrag zum Fruchtbarkeitstee ein; welche Aufgüsse in den neun Monaten generell als geeignet gelten, zeigt der Artikel zum Schwangerschaftstee.

Zwei Alltagspunkte verdienen Beachtung: Gerbstoffreiche Tees können die Aufnahme von Eisen aus pflanzlicher Nahrung verringern — trinken Sie den Tee daher mit Abstand zu den Mahlzeiten, wenn Sie auf Ihre Eisenversorgung achten. Und hält Durchfall länger als zwei bis drei Tage an, ersetzt kein Kräutertee die ärztliche Abklärung.

Häufige Fragen

Wofür wird Frauenmanteltee traditionell verwendet?
Die Kommission E nennt leichte, unspezifische Durchfallerkrankungen. Daneben hat der Tee eine lange volksheilkundliche Tradition bei Zyklus- und Wechseljahresbeschwerden, die klinisch nicht belegt ist.

Darf man Frauenmanteltee in der Schwangerschaft trinken?
Nur nach Rücksprache mit Ärztin, Arzt oder Hebamme. Die Datenlage zu Kräutertees in der Schwangerschaft ist dünn, deshalb gilt grundsätzlich Zurückhaltung bei regelmäßiger Anwendung.

Wie schmeckt Frauenmanteltee?
Herb, grasig-erdig und durch die Gerbstoffe leicht zusammenziehend. Eine kürzere Ziehzeit von fünf Minuten oder das Mischen mit milden Kräutern macht den Aufguss weicher.

Wann sammelt man Frauenmantel?
Zur Blütezeit zwischen Mai und Juli, an sauberen Standorten abseits von Straßen und gedüngten Flächen. Verwendet werden die oberirdischen Pflanzenteile, die schattig und luftig getrocknet werden.

Warum heißt die Pflanze Alchemilla?
Die Blätter pressen nachts Wassertropfen aus, die sich morgens in der Blattmitte sammeln. Alchemisten hielten diesen „Himmelstau“ für besonders rein und gaben der Pflanze ihren Namen.

Quellen

  • Kommission-E-Monographie Alchemillae herba (Frauenmantelkraut)
  • Europäisches Arzneibuch: Monographie Alchemillae herba

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.