Genmaicha und der unachtsame Diener


Bei der Herstellung von grünem Tee ist es von jeher von enorm großer Bedeutung, dass als Basis der Fermentierungsprozess komplett unterbunden wird. Anders, als bei Oolong etwa, der häufig recht kurz Anfermentiert wird, gilt ein grüner Tee als verdorben, wenn selbst für noch so einen kleinen Augenblick die Fermentierung der Teeblätter einsetzt.

Genmaicha und der unachtsame Diener

Um dies zu verhindern, werden die frischen Blätter nach der Ernte zum Welken ausgelegt und im Anschluss erhitzt. Dies kann beispielsweise durch Rösten in einer heißen Pfanne geschehen. Die Wärmeeinwirkung zerstört die Enzyme, die die Fermentierung starten könnten. Doch auch dieser Röstprozess darf nicht zu lange dauern. Der Legende nach war es irgendwann im Laufe des 15. Jahrhunderts, als ein unachtsamer Diener die Teeblätter nicht nur viel zu lange in der heißen Pfanne ließ. Zu allem Überfluss vermischte er die edlen Teeblätter dabei auch noch mit einigen Reiskörnern.

Sein Herr, zum Unglück des ungeschickten Dieners ein Samurai, war über diesen sorglosen Umgang mit seinen wertvollen Teeblättern so erzürnt, dass er seinen Diener zur Strafe beim Anblick der scheinbar verdorbenen Ernte sofort köpfte. Doch obwohl er sich sicher war, dass der Tee verdorben und wertlos war, ließ es sich der Samurai nicht nehmen, dennoch eine Tasse zu probieren. Vielleicht war es ja der Respekt vor den Teeblättern, die so lange gewachsen waren, oder der Respekt vor der Arbeit seiner anderen Diener, die er nicht einfach so verwerfen wollte. Warum auch immer, der Samurai probierte den gerösteten Tee – und stellte beschämt fest, dass die Qualität des Tees sich nicht verschlechtert hat sondern er trotz dem starken Aroma immer noch ein Genuss war.


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Das Röstaroma ist herrlich malzig und kräftig und so beschloss der Samurai, dass sein Diener nicht umsonst gestorben sein sollte. Er nannte den Tee Genmaicha, „Genmai“ bedeutet übersetzt „Reis“, „Cha“ steht für „Tee“ und ließ ihn ab sofort ganz bewusst herstellen. Da er mit 30 – 50 % Reis vermischt wird, war der Genmaicha vor allem in Zeiten von Teeknappheit ganz besonders beliebt.

Legende oder Wahrheit?

Der tatsächliche Wahrheitsgehalt dieser Legende wird sich wohl nicht mehr eindeutig überprüfen und belegen lassen. Dennoch scheint der Hergang in sich sehr schlüssig und nachvollziehbar zu sein. Die Arbeiter und Diener hatten sich vielleicht ein Mittagessen in den Teepfannen zubereitet. Der Diener hat nicht Acht gegeben und die Teeblätter einfach in die nächste Pfanne gekippt, ohne zu merken, dass noch einige Reiskörner darin lagen.
Vielleicht ist er im Anschluss abgelenkt worden und hat den Tee in der heißen Pfanne schlichtweg vergessen. Vielleicht hat er auch versucht, die Reiskörner einzeln aus der Pfanne zu holen, während der Tee schon darin geröstet wurde. Dies hat so viel Zeit in Anspruch genommen, dass die Blätter länger als üblich der Hitze ausgesetzt waren. Viele Varianten sind denkbar und hätten sich gut so zutragen können.

Auch die schnelle, aufbrausende Wut des Samurai kann man sich vorstellen. Ehre, Gehorsam und Achtsamkeit, all diese Tugenden sind tief in der japanischen Kultur verwurzelt. Die Diener sollten Respekt vor ihrem Herrn haben, vor ihren Aufgaben, vor den Kräften der Natur, die ihnen dieser Tee schenkten. Sie sollten sich bei ihrer Arbeit konzentrieren und ganz bewusst ihre Pflicht erfüllen. Ihre Fehler bedeuteten zudem finanzielle Verluste führ ihren Herren. Aber auch dessen Ansehen hätte wohl darunter gelitten, wenn sich herumgesprochen hätte, dass er seine Arbeiter „nicht im Griff hat“.
Aus unserer heutigen Sicht sicher absolut übertrieben und ungerechtfertigt, für einen Samurai war es damals wohl die einzige Alternative, einem solch unachtsamen Diener den Kopf abzuschlagen. Bis heute wirken die Kultur und Tradition der Samurai vor allem auf uns in der westlichen Welt sehr mystisch und geheimnisvoll. Doch wohl jeder hält es für möglich, dass ein Samurai seinem Diener für solch ein Vergehen im 15. Jahrhundert den Kopf abgeschlagen hat.

Fazit

Selbst wenn die Geschichte reine Erfindung sein sollte, schon allein die Tatsache, dass sie möglich sein könnte, macht sie zu etwas besonderem. Und die Geschichte über die Entstehung des Genmaicha Tee ist bei Weitem nicht die einzige, vor allem wenn es um grünen Tee geht, von der wir lernen können, dass wir es manchmal dem puren Zufall zu verdanken haben, wenn wir etwas Gutes entdecken.
Vielleicht können wir aus dieser Legende aber auch noch lernen, dass es oft besser ist, erst einmal tief durchzuatmen und sich dann zu überlegen, was man macht. Häufig sind die Dinge doch nicht so schlimm, wie sie im ersten Moment erscheinen und haben eine positive Wirkung. Hat man jedoch bereits jemandem den Kopf dafür abgeschlagen, ist es zu spät.


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Bildnachweis: Genmaicha und der unachtsame Diener © hyunsuss – Fotolia.com

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