Legende oder Wahrheit?
Ikkyū Sōjun lebte von 1394 - 1481, das ist zweifelsfrei durch mehrere historische Dokumente belegt. Und auch die Art und Weise, wie er sein lebte, gilt als gesichert. Bis heute zählt er zu den einflussreichsten, wenn nicht sogar als der populärste Zen-Meister überhaupt. Gerade wegen ihrer fabelhaften Geschichten waren und sind die Zen-Mönche bis heute so beliebt. Sie hatten eine besonders feine Art, den Menschen eher über ein zum Teil sogar provokantes Handeln Dinge näher zu bringen. Sie diskutierten nicht ewig mit ihren wissbegierigen Zuhörern und sie versuchten auch nicht mühselig ihnen irgendwelche geistreichen Zusammenhänge zu erklären. Statt dessen suchten sie einen Weg, durch ihr Verhalten ihre Schüler so zu schocken oder wenigstens wach zu rütteln, dass diesen dadurch von alleine die Antwort auf ihre Fragen einfiel. Sicher hätte Ikkyū dem Kaiser erzählen können, dass seine Wachen ihn in seiner normalen Mönchskleidung abgewiesen hatten. Aber wahrscheinlich wären dann nur die Wachen bestraft worden und dem Kaiser wäre kaum bewusst geworden, dass seine Soldaten so handelten, weil er es ihnen so vorlebte. Sich vor dem Kaiser und seinen Gästen zu entkleiden und dem Herrscher auch noch vorzuwerfen, es ginge ihm nicht um seine Gäste, sondern um deren Kleidung ist ungeheuerlich und ein x-beliebiger Gast wäre sicher hart dafür bestraft worden. Ikkyū allerdings ist es tatsächlich zuzutrauen, dass er den Mut dazu hatte und der Kaiser ihm diese Bloßstellung durchgehen ließ.Fazit
Das Äußere ist das erste, was wir von einem Menschen wahrnehmen. Wir können in diesem Moment noch nichts über seinen Charakter sagen. Wir haben nur die Möglichkeit, seine Kleidung und sein Aussehen mit unseren Erfahrungen abzugleichen und unser Gegenüber dadurch einordnen. Das ist ein automatischer Prozess, der in Sekundenschnelle in unseren Köpfen abläuft, ohne dass wir ihn groß beeinflussen können. Dennoch sollten wir uns die Mühe machen und trotzdem bewusst offen und möglichst unbefangen auf jemanden zugehen um ihm die Chance zu geben, unsere erste Meinung zu ändern. Die hat sich, sicher zu Ikkyū's Leidwesen, bis heute nicht geändert. Bildnachweis: Teezeremonie ©Thinkstock: iStockphotoTee und Garderobe: Wenn der Anlass den Tee bestimmt
Die Frage, was man zu einer Teeeinladung anzieht, scheint trivial, ist aber ein Fenster in die Geschichte und Gegenwart der Teekultur. Bei einer formellen japanischen Teezeremonie trägt man typischerweise Kimono (oder zumindest gepflegte westliche Kleidung ohne Muster, um den ästhetischen Raum nicht zu stören). Bei einem Afternoon Tea im britischen Stil empfahl die Etikette bis in die 1950er Jahre Handschuhe und Hut für Damen, Jacket und Krawatte für Herren. In chinesischen Teehäusern der Song-Dynastie gab es inoffizielle Kleidercodes, die den sozialen Status des Gastes signalisierten. Diese Verbindung von Tee und äußerer Erscheinung zeigt: Tee ist Kultur, und Kultur hat Codes.
Tee-Etikette heute: Was gilt, was gilt nicht?
Die meisten formellen Tee-Etikette-Regeln des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind heute überholt. Niemand muss mehr Handschuhe zum Teetrinken tragen, und „smart casual" hat formelle Garderobe in den meisten Teekon texten ersetzt. Was geblieben ist: ein Grundverständnis von Angemessenheit. Beim High Tea in einem traditionellen englischen Hotel (z.B. Ritz London oder Savoy) wird gepflegte Kleidung erwartet – Flip-Flops und Shorts sind fehl am Platz. Bei einer japanischen Teezeremonie signalisiert sorgfältig gewählte Kleidung Respekt für den Gastgeber und den Raum. In Marokko ist beim Minztee-Ritual lockere, aber saubere Kleidung angemessen. Der Grundsatz: Tee ist Gastfreundschaft, und für Gastfreundschaft kleidet man sich mit Rücksicht auf den Gastgeber.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Yan Cha Felsentee.
Mode und Teekultur: Wechselseitige Inspiration
Teekultur und Mode haben sich gegenseitig beeinflusst. Der Kimono der japanischen Teezeremonie ist gleichzeitig eines der Meisterwerke japanischer Textilkunst – Textilfärbetechniken wie Yuzen und Shibori wurden speziell für Teezeremonien-Kimono entwickelt. Im viktorianischen England wurden Tee-Kleider (Tea Gowns) – fließende, weniger korsettierende Roben – für den informellen Afternoon Tea entwickelt. Der Afternoon Tea war somit auch ein Kontext für Mode-Experimente. In der chinesischen Teehaus-Kultur des 20. Jahrhunderts war Kleidung ein Signal politischer Zugehörigkeit – Mao-Suit oder traditionelle Robe. Heute nutzen japanische und chinesische Modemarken Teeästhetik (Wabi-Sabi, Celadon-Farben, organische Formen) als Design-Inspiration.
Häufig gestellte Fragen zu Tee-Einladungen und Kleidung
Was zieht man zu einem High Tea in England an?
Smart casual oder formeller – Jacke und Hose oder Kleid für Damen. Im Ritz oder Savoy gilt ein Dresscode: keine Jeans oder Sportkleidung.
Was trägt man bei einer japanischen Teezeremonie?
Kimono ist traditionell und wird bevorzugt; saubere westliche Kleidung ohne laute Muster ist ebenfalls akzeptiert. Keine spitzen Schuhe (Tatami-Schutz).
Gibt es bei deutschen Kaffeekränzchen/Teetrinken Kleidercodes?
Traditionell „sonntäglich" gepflegt, aber heute kaum formell. Gastgeber-Erwartungen variieren stark.
Was ist ein Tea Gown?
Ein fließendes, weit geschnittenes Kleid des späten 19./frühen 20. Jahrhunderts, speziell für den informellen Afternoon Tea entwickelt – weniger korsetierend als Tageskleidung.
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