Der Odermennig (Agrimonia eupatoria), auch Ackerblume, Ackermännchen oder Kletterkraut genannt, ist heute fast vergessen. Im antiken Griechenland galt er als Pflanze der Göttin Pallas Athene, im Mittelalter zählte er bei uns zu den beliebtesten Heilpflanzen. Bis heute steckt er in Tees für Sänger und Redner. Dieser Beitrag erklärt Herkunft, Inhaltsstoffe, traditionelle Anwendung und die richtige Zubereitung dieses milden Krauts.

Steckbrief
Pflanze/BasisOdermennig (Agrimonia eupatoria), Rosengewächs
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilmild, leicht herb, dezent aprikosenartig
Wassertemperatur100 °C (kochendes Wasser)
Ziehzeit8-10 Minuten
Dosierung2-3 TL getrocknetes Kraut pro Tasse (250 ml)
Aufgüsse1 Aufguss
Preisspanneca. 3-7 € pro 100 g

Ein altes Heilkraut der Antike und des Mittelalters

Im antiken Griechenland wurde Odermennig als Pflanze der Göttin Pallas Athene verehrt und bei Beschwerden des Verdauungssystems geschätzt. Auch im europäischen Mittelalter gehörte er zu den am häufigsten genutzten Heilpflanzen und hatte in der Klosterheilkunde einen festen Platz.

Heute ist er weitgehend in Vergessenheit geraten, weil zahlreiche andere Kräuter ähnliche Anwendungsbereiche abdecken und leichter erhältlich sind. Erhalten hat sich vor allem die Verwendung bei Reizungen im Mund- und Rachenraum, weshalb Odermennig bis heute ein beliebter Bestandteil spezieller Tees für Sänger und professionelle Redner ist. Wie er sich in die heimische Kräutervielfalt einreiht, zeigt der Vergleich mit dem ebenfalls traditionsreichen Salbeitee.

Inhaltsstoffe

Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen des Odermennigs zählen Gerbstoffe, ätherische Öle, Schleimstoffe, Flavonoide und Kieselsäure. Die Gerbstoffe wirken zusammenziehend auf die Schleimhäute und prägen den leicht herben Geschmack. Besonders ist weniger die einzelne Substanz als ihre Kombination, die in dieser Form vergleichsweise selten vorkommt.

Traditionell wird der Aufguss bei Appetitlosigkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Reizungen im Mund- und Rachenraum verwendet. Belastbare klinische Studien zur Wirksamkeit fehlen weitgehend, sodass diese Anwendungen auf Erfahrungswissen beruhen. Der zusammenziehende Charakter der Gerbstoffe verbindet ihn mit anderen gerbstoffreichen Kräutern wie dem Frauenmantel.

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Herkunft und Verbreitung

Odermennig ist eine mehrjährige Pflanze, die bis zu einem halben Meter hoch wird und mit schlanken, leuchtend gelben Blütenähren am Wegrand und auf trockenen Wiesen wächst. Er fühlt sich nahezu überall in Nord- und Mitteleuropa heimisch, kommt aber auch in Teilen Südeuropas, Asiens und in kleineren Gebieten Nordamerikas vor.

Geerntet wird das blühende Kraut in den Monaten Mai und Juni. Danach wird es getrocknet und zerkleinert, meist für Teemischungen. Reinen Odermennig-Tee bekommt man am ehesten in der Apotheke oder im spezialisierten Teehandel. Wer selbst sammelt, sollte die Pflanze sicher bestimmen können und nur Exemplare abseits belasteter Flächen verwenden.

Zubereitung Schritt für Schritt

Für einen Odermennig-Tee verwenden Sie zwei bis drei Teelöffel des getrockneten Krauts pro Tasse. Übergießen Sie es mit kochendem Wasser und lassen Sie den Aufguss acht bis zehn Minuten ziehen, damit sich die Inhaltsstoffe gut lösen. Zum Süßen eignet sich Honig.

Wer gezielt die Stimmbänder behandeln möchte, kann mit dem abgekühlten Aufguss regelmäßig gurgeln, statt ihn zu trinken; so erreichen die Gerbstoffe direkt die gereizten Schleimhäute. Eine kurze Ziehzeit ergibt einen sehr milden Tee, eine längere einen kräftigeren. Da Odermennig recht mild ist, lässt er sich gut mit Minze, Melisse oder Kamille mischen; wie Letztere für sich wirkt, lesen Sie im Beitrag zum Kamillentee.

Genuss mit Maß

So traditionsreich der Odermennig ist, er bleibt ein Kräutertee und kein Medikament. Der gelegentliche Verzehr gilt als unbedenklich. Wegen des hohen Gerbstoffanteils sollte man ihn jedoch nicht dauerhaft in großen Mengen trinken, da Gerbstoffe die Aufnahme von Eisen und anderen Stoffen hemmen können.

Wer schwanger ist, Medikamente einnimmt oder unter chronischen Beschwerden leidet, hält vor der Anwendung am besten ärztliche Rücksprache. Bei anhaltenden Halsbeschwerden ersetzt der Aufguss keinen Arztbesuch. So bleibt der Odermennig ein angenehmes Genussmittel, ohne übertriebene Erwartungen.

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Kauf und Lagerung

Gute Ware erkennen Sie an gleichmäßig getrocknetem, grünlich-braunem Kraut mit dezent aprikosenartigem Duft. Da Odermennig ein Exot unter den Kräutertees ist, lohnt der Blick in Apotheke oder Teefachhandel; auf Reisen durch Osteuropa, wo das Kraut noch geschätzt wird, findet man ihn mitunter direkt.

Bewahren Sie das Kraut trocken, dunkel und gut verschlossen auf, dann hält es sein Aroma rund 12 bis 18 Monate. Selbst gesammelte Ware trocknen Sie luftig und schattig, bevor sie in ein dicht schließendes Gefäß wandert. Halten Sie sie von stark riechenden Lebensmitteln fern, damit das feine Aroma erhalten bleibt.

Häufige Fragen

Wofür wird Odermennig-Tee traditionell verwendet?
Überliefert ist vor allem die Anwendung bei Reizungen im Mund- und Rachenraum, etwa als Tee für Sänger und Redner. Daneben wurde er traditionell bei Appetitlosigkeit und Magen-Darm-Beschwerden genutzt. Belastbare Studien dazu fehlen weitgehend.

Wie bereite ich Odermennig-Tee zu?
Zwei bis drei Teelöffel getrocknetes Kraut pro Tasse mit kochendem Wasser übergießen und acht bis zehn Minuten ziehen lassen. Zum Süßen eignet sich Honig; zur Behandlung der Stimmbänder kann man mit dem abgekühlten Aufguss gurgeln.

Wie schmeckt Odermennig-Tee?
Mild und leicht herb, mit einer dezent aprikosenartigen Note. Die Gerbstoffe sorgen für den leicht zusammenziehenden Charakter, der ihn dennoch unkompliziert trinkbar macht.

Ist Odermennig-Tee unbedenklich?
Gelegentlich genossen gilt er als gut verträglich. Wegen des hohen Gerbstoffanteils sollte man ihn nicht dauerhaft in großen Mengen trinken. In der Schwangerschaft, bei Medikamenteneinnahme oder chronischen Beschwerden ist ärztliche Rücksprache ratsam.

Wo finde ich Odermennig-Tee?
Reinen Odermennig-Tee bekommt man am ehesten in der Apotheke oder im spezialisierten Teehandel, oft auch als Bestandteil von Hustentee-Mischungen. In Osteuropa ist das Kraut bis heute verbreiteter.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.