Fontane und der Kampf gegen das Gewöhnliche


Bei dem Stichwort „Theodor Fontane“ kommt vielen fast gleichzeitig auch noch der Name „Effie Briest“ in den Sinn. Wessen Schulzeit noch nicht ganz so lange her ist und wer vielleicht sogar einmal ein Referat über diesen großen deutschen Schriftsteller gehalten hat, der kann vielleicht noch sagen, dass Fontane zu den Vertretern des „poetischen Realismus“ gehört und dass er, zur Überraschung vieler, zunächst approbierter Apotheker war, der nach zahlreichen Angestelltenverhältnissen sogar seine eigene Apotheke führte.

Fontane und der Kampf gegen das Gewöhnliche

Eine Verbindung zwischen Fontane und Tee scheint man dagegen nur recht schwer herstellen zu können. Und dennoch finde man immer wieder ein Zitat von Theodor Fontane zum Tee. So soll er einmal gesagt haben: „Der Gewöhnlichkeit gehört die Welt. Es tangiert mich aber nicht, solang ich ein Bett und ein Glas Tee habe.“

Aber passt so eine Aussage überhaupt zu einer Persönlichkeit wie Fontane? War er so sehr gegen alles gewöhnliche einerseits und auf der anderen Seite dann aber doch wieder tolerant genug, dass er sich nicht darüber aufregte? Hat er diesen Satz vielleicht anders gemeint, als er heute verstanden wird? Oder ist er gar aus dem Zusammenhang gerissen?

Legende oder Wahrheit?

Heutzutage ist mit dem Satz „Das ist so gewöhnlich.“ garantiert kein Lob gemeint. Abgesehen davon, dass wohl jeder gerne etwas besonders wäre oder zumindest eine Charaktereigenschaft oder eine Fähigkeit besitzen möchte, um die er von anderen beneidet wird, wird damit beispielsweise auch ein Lebensstil abgewertet. Der Damen seines Herzens einen Strauß Blumen und ein paar Pralinen mitzubringen ist „gewöhnlich“, oder anders formuliert: es ist langweilig, keine packende Idee und der arme Kerl mit seinen Blumen in der Hand gilt entweder als einfallslos oder ihm wird unterstellt, dass er sich einfach keine Gedanken machen wollte.

Aber verstand man das Wort „Gewöhnlichkeit“ zu Fontanes Zeiten schon ebenso? Nun, unumwunden positiv kann es jedenfalls nicht gemeint gewesen sein, sonst hätte der große Schriftsteller kaum erwähnen müssen, dass ihn diese Tatsache aber nicht „tangiert“.

Fontane selbst stammte zwar aus einer angesehenen Apothekersfamilie, doch er hatte bereits in seiner Kindheit auch Erfahrungen mit Armut und Geldknappheit machen müssen. Als Theodor gerade einmal 7 Jahre alt war, musste die Familie Fontane sogar umziehen, weil der Vater so hohe Spielschulden hatte, dass er sich keinen anderen Ausweg mehr sah, als seine Apotheke zu verkaufen. Fontane brauchte auch lange, ehe er sich tatsächlich traute, den Entschluss zu fassen, seine einkommenssichere Arbeit als Apotheker aufzugeben und stattdessen als freiberuflicher Schriftsteller zu arbeiten. Und selbst dann arbeitete er jahrelang als Auslandskorrespondent für eine Zeitung und lebte in England. In dieser Zeit und auch noch, als er bereits wieder in Deutschland lebte, machte sich Fontane in erster Linie mit Reiseliteratur und politischen Schriften einen Namen.

Die Werke, für die er dagegen heute noch regelmäßig im Deutschunterricht zum Thema wird, entstanden erst zum Ende seiner Lebenszeit hin. Bis dahin hatte Fontane nicht nur einige finanzielle Engpässe und veränderte Lebenssituationen für seine Familie hinnehmen müssen. Er musste auch den Tod einiger seiner Kinder verkraften und nicht zuletzt eine eigene schwere Erkrankung. Er erkrankte an einer Gehirnischämie und hätten ihm die Ärzte damals nicht geraten, zu schreiben, um sich von der Krankheit abzulenken, wer weiß, ob es beispielsweise „Effie Briest“ überhaupt geben würde.

Fazit

Bei so einem Lebenslauf kann man schon verstehen, wenn Fontane sich etwas über Mitmenschen aufregt, die ein ganz „gewöhnliches“, also normales Leben leben. Ohne Krieg, den Fontane ebenfalls hautnah erlebt hatte, ohne finanzielle Ängste und Nöte,… es war wohl auch bereits zu Fontanes Zeiten so, dass die meisten Menschen stets etwas zum Jammern fanden und dabei völlig außer Acht ließen, wie gut es ihnen doch im Vergleich zu anderen ging.

Fontane dagegen hatte wohl für sich beschlossen, dass er sich weder darüber aufregen, noch sich mit diesen Menschen streiten wollte. Stattdessen war er froh, wenn er immer noch ein Bett hatte, in dem er schlafen konnte und eine Tasse Tee, um sich zu beruhigen und auch zu wärmen.

Vielleicht sollten wir uns ein Beispiel an Theodor Fontane nehmen. Völlig unabhängig davon, ob man nun seine Literatur mag oder nicht, in einem hat er sicher Recht. Statt sich über andere aufzuregen, wie sie sich aufregen, sollten wir uns einfach mit einer Tasse Tee selbst ausbremsen. Wesentlich schöner ist es doch, seinen Tee zu genießen und sich bewusst zu machen, wie gut man es hat und welche wunderbaren Besonderheiten man eigentlich jeden Tag erlebt.

 

 

Bildnachweis: Tasse Tee ©Thinkstock: iStockphoto

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