Legende oder Wahrheit?
Den Tee Da Fang gibt es, ganz unbestritten. Und seine Heimat liegt wohl ebenfalls zweifelsfrei auf dem Berg Laozhu in der Provinz Anhui. Es finden sich auch zahlreiche Quellen, die übereinstimmend davon berichten, dass Da Fang ein Mönch war, der gleichzeitig der Schöpfer und Namensgeber dieses Tees gewesen sein soll. Doch einige besagen, Da Fang habe zu Zeiten der Song-Dynastie gelebt, während andere wiederum einen Zeitraum im 17. Jahrhundert nennen. Von diesen Unstimmigkeiten abgesehen, findet sich über die Person Da Fang nichts weiter, als der Bezug zum gleichnamigen Tee. Es findet sich kein Lebenslauf, keine Angaben zu seiner Familie, seiner Ausbildung oder sonstigen Punkten und Aspekten in seinem Leben, die erwähnenswert wären. Dies lässt sofort die Vermutung aufkommen, dass es Da Fang nicht wirklich gegeben hat und seine Person nur eine Legende ist. Warum sonst, sollten sich abgesehen von dem Tee, keine weiteren Hinweise oder Belege für seine Existenz finden? Nun, zum einen waren buddhistische Mönche schon allein wegen ihrer Lebensphilosophie sehr bescheiden und strebten ganz sicher nicht nach Ruhm und Ehre. Vielleicht fand Da Fang es bereits mehr als genug, dass der Tee auf ewig seinen Namen tragen würde und wollte nun nicht auch noch als Person Da Fang der Geschichte erhalten bleiben. Vielleicht erschien die Person Da Fang den Teeliebhabern seiner Zeit und den darauf folgenden Jahren auch einfach nicht wichtig genug. Es gab den Tee, seine Entstehungsgeschichte wurde weiter überliefert, aber was für ein Leben sein Schöpfer genau führte, hatte keine Relevanz. Weder für den Tee, noch für seine Anhänger. ein weiterer Grund könnte allerdings sein, dass es den einen Da Fang tatsächlich nicht gab. Der Tee entstand aber trotzdem, so viel ist sicher. Vielleicht gab es auf dem Berg Laozhu ein Kloster und es war einen ganze Gruppe von Mönchen, die den Tee kreierten. Dies wäre ein einleuchtender Grund, weshalb sich keine näheren Angaben zu einem einzelnen Mönch finden lassen.Fazit
Wie oft trinken oder essen wir etwas, ohne uns Gedanken darüber zu machen, wie es überhaupt dazu kam, dass wir nun genau dieses genießen können. Vor allem bei Tee gibt es so viele Sorten, die nicht nur fantastisch schmecken, sondern auch noch ganz bezaubernde Namen haben, über deren Entstehung es mindestens ebenso viele wunderbare Geschichten gibt. Sicher macht es Spaß, eine Tasse Tee zu genießen und sich dabei Gedanken zu machen, wie genau diese Sorte entstand, und was der Name vielleicht bedeuten mag. Aber ist das tatsächlich wichtig? Herkunft und Ursprung verleihen zweifelsfrei wichtige, haltgebende Wurzeln und die zahlreichen Mythen und Legenden die es zum Thema Tee gibt sollten keinesfalls in Vergessenheit geraten. Doch manchmal sollte man sich vielleicht auch einfach nur damit zufrieden geben, dass es etwas gibt, ohne noch weitere Details zu kennen. Irgendwann gab es mindestens einen Menschen, der die Teesträucher auf dem Laozhu gut genug kannte, um aus ihren Blättern einen hervorragenden, wohlschmeckenden Tee zu machen, der sich seitdem einer stets wachsenden Fangemeinde erfreut. Der Tee würde nicht besser oder schlechter schmecken, wenn mehr über seine Herkunft und Entstehung bekannt wären. Im Gegenteil, manchmal sind es genau die Geheimnisse und Ungewissheiten, die einen ganz besonderen Reiz ausüben.Bildnachweis: Mönch © fragreg - Fotolia.comZubereitung traditioneller chinesischer Mönchstees
Tees, die mit der Überlieferung buddhistischer Mönche verbunden sind, haben oft eine besondere Zubereitungsphilosophie. Der Fokus liegt auf Langsamkeit und Achtsamkeit – der Teezubereitung als meditativer Praxis. Erhitzen Sie frisches Quellwasser auf 80–85°C und nehmen Sie sich Zeit für jeden Schritt: das Erwärmen der Kanne, das Abmessen der Blätter, das langsame Einschenken. Für Grüntees wie jene, die Mönche traditionell anbauten, genügen 3 g pro 200 ml. Die Ziehzeit beträgt 2–3 Minuten. Besonders in der Chan-Tradition (Zen-Buddhismus) ist Tee Teil des Alltags und der spirituellen Übung. Die Stille beim Teetrinken gilt als Einladung zur Kontemplation.
Tee und Buddhismus: Eine untrennbare Verbindung
Buddhistische Mönche spielten eine Schlüsselrolle in der Geschichte des Tees. Es waren Mönche wie Da Fang, die auf Berggipfeln Tee anbauten, um ihn für ihre meditativen Übungen zu nutzen. Tee half, während langer Meditationssitzungen wach und konzentriert zu bleiben. Die Catechine und L-Theanin im Tee fördern tatsächlich fokussierte Entspannung – eine ideale Kombination für Kontemplation. Mönche experimentierte auch mit Teekultur, entwickelten neue Anbau- und Verarbeitungsmethoden und gaben ihr Wissen über Generationen weiter. Viele der berühmtesten chinesischen Tees – Huangshan Maofeng, Liu An Gua Pian, Qimen Roter Tee – haben ihre Wurzeln in klösterlichen Gärten.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Die Geschichte des Mönchs Da Fang und sein Vermächtnis
Da Fang war ein buddhistischer Mönch der Ming-Dynastie, der im Huang Shan Gebirge (Gelbes Gebirge) in Anhui lebte und lehrte. Er gilt als einer der ersten, der auf den nebelverhangenen Berghängen systematisch Tee kultivierte. Der nach ihm benannte Liu An Gua Pian (Kürbiskernscheiben-Tee) ist bis heute einer der „Zehn berühmten Tees Chinas". Da Fangs Methode, einzelne Blätter ohne Stiele und Knospen zu verarbeiten – einzigartig unter allen chinesischen Grüntees – war revolutionär und erforderte besonderes handwerkliches Geschick. Sein Erbe lebt in den Teegärten des Huang Shan fort, die heute noch mit denselben Traditionen bewirtschaftet werden wie zu seiner Zeit.
FAQ: Der Mönch Da Fang und sein Tee
Welcher Tee ist mit Da Fang verbunden? Liu An Gua Pian, der „Kürbiskernscheiben-Tee" aus Anhui. Er ist der einzige chinesische Grüntee, der ausschließlich aus einzelnen Blättern ohne Knospe und Stiel besteht.
Warum tranken Mönche Tee? Hauptsächlich um während langer Meditationssitzungen wach zu bleiben. Tee galt als Hilfe zur Erleuchtung – er schärfte den Geist, ohne ihn zu überreizen.
Gibt es heute noch Mönchstees? Ja, viele chinesische Klöster unterhalten eigene Teegärten, und in Taiwan, Japan und Vietnam ist die Verbindung zwischen Tempel und Tee nach wie vor lebendig.
Wie unterscheidet sich Mönchstee von normalem Grüntee? Oft wird er in Höhenlagen mit besonderem Terroir angebaut, von Hand gepflückt und in kleinen Mengen verarbeitet. Das Resultat ist häufig komplexer und aromatischer als industriell produzierter Tee.
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