Da Fang ist zweierlei: ein chinesischer Grüntee aus der Provinz Anhui, der in Spitzenqualität als Ding Gu Da Fang gehandelt wird — und der Name eines buddhistischen Mönchs, der diesen Tee der Legende nach auf dem Berg Laozhu erschuf. Hier lesen Sie die Geschichte des Mönchs, was über ihren Wahrheitsgehalt bekannt ist und wie Sie den Tee erkennen, zubereiten und genießen.

Steckbrief
Pflanze/BasisCamellia sinensis, Grüntee aus der Provinz Anhui (China)
Koffeingehaltca. 20-40 mg pro Tasse (200 ml)
Geschmacksprofilmild-süßlich, kastanienartig, leicht röstig
Wassertemperatur75-80 °C, nicht kochend
Ziehzeit2-3 Minuten, beim zweiten Aufguss kürzer
Dosierung1 gehäufter TL (ca. 2 g) pro 200 ml
Aufgüsse2-3 Aufgüsse möglich
Preisspanneca. 8-20 € pro 100 g, Ding Gu Da Fang im oberen Bereich

Die Legende: Ein Mönch und seine Teesträucher

Der Überlieferung nach lebte Da Fang zur Zeit der Song-Dynastie, also irgendwann zwischen 960 und 1279, als buddhistischer Mönch in einem Kloster auf dem Berg Laozhu in der Provinz Anhui. Neben Gebet und Meditation widmete er sich der Natur: Er beobachtete Pflanzen und Jahreszeiten und kultivierte eigene Teesträucher, die er so genau kennenlernen wollte, dass er ihnen den bestmöglichen Tee entlocken konnte.

Die geernteten Blätter verarbeitete er mit größter Sorgfalt und schenkte den fertigen Tee an Pilger aus, die zum Beten in seinen Tempel kamen. Sein Aufguss sprach sich herum, bis Reisende aus dem ganzen Land eigens den Berg erklommen, um ihn zu probieren. Später begann man, den Tee zu verkaufen und auch andernorts herzustellen — die Qualität des Ursprungsortes, so heißt es, erreichte keine der Kopien.

Legende oder Wahrheit?

Den Tee Da Fang gibt es unbestritten, und seine Heimat am Berg Laozhu in Anhui gilt als gesichert. Auch dass ein Mönch dieses Namens als Schöpfer und Namensgeber gilt, berichten mehrere Quellen übereinstimmend — uneins sind sie allerdings beim Zeitraum: Manche nennen die Song-Dynastie, andere das 17. Jahrhundert. Über die Person selbst findet sich darüber hinaus nichts, kein Lebenslauf, keine Familie, keine Ausbildung.

Dafür gibt es mehrere mögliche Erklärungen. Buddhistische Mönche strebten aus Überzeugung nicht nach Nachruhm; vielleicht genügte Da Fang, dass der Tee seinen Namen trägt. Denkbar ist auch, dass eine ganze Klostergemeinschaft den Tee entwickelte und die Erzählung ihn später zu einer einzelnen Gestalt verdichtete — ein Muster, das viele Teelegenden teilen, etwa die Geschichte in unserem Beitrag Der unbekannte Mönch.

Anzeige

Der Tee heute: Herkunft und Herstellung

Da Fang wird bis heute rund um den Berg Laozhu im Kreis She der Provinz Anhui erzeugt, inzwischen auch in angrenzenden Gebieten der Nachbarprovinz Zhejiang. Die beste Qualität trägt den Namen Ding Gu Da Fang, eine geschützte Herkunftsangabe, die auf die ursprünglichen Lagen verweist. Geerntet wird im Frühjahr, bevorzugt eine Knospe mit zwei jungen Blättern.

Charakteristisch ist die Verarbeitung: Die Blätter werden im heißen Wok von Hand flach an die Wand gedrückt und dabei getrocknet. Das ergibt die typisch glatten, schwertförmigen Blätter und eine feine Röstnote — eine Technik, die als Vorläufer der berühmten flachen Blattform des Lung Ching gilt. Anhui zählt ohnehin zu den großen Grüntee-Provinzen Chinas: Vom Huang-Shan-Gebirge stammt auch der Mao Feng, dessen kuriose Entstehung wir in einem eigenen Artikel erzählen.

Geschmack und Zubereitung

In der Tasse zeigt Da Fang ein helles Gelbgrün und einen milden, süßlichen Charakter mit der oft zitierten Kastaniennote und einem leichten Röstton aus der Wok-Trocknung. Die Bitterkeit bleibt gering, solange das Wasser nicht zu heiß ist: 75 bis 80 °C sind ideal, kochendes Wasser löst zu viele Gerbstoffe.

Dosieren Sie etwa 2 g — einen gehäuften Teelöffel — auf 200 ml und lassen Sie den ersten Aufguss zwei bis drei Minuten ziehen. Zwei bis drei Aufgüsse sind möglich; beim zweiten genügt rund eine Minute, da die flachen Blätter ihr Aroma dann schneller abgeben. In unserer Verkostung gefiel der zweite Aufguss sogar am besten: weniger Röstnote, mehr Süße. Das oft empfohlene Wegschütten des ersten Aufgusses ist bei einem Tee dieser Klasse Verschwendung — warum, erklärt unser Beitrag zur Frage, ob man den ersten Aufguss verwerfen sollte.

Kauf und Qualitätsmerkmale

Gute Ware erkennen Sie an flachen, glatten, gleichmäßig gelbgrünen Blättern mit leichtem Glanz und einem frischen Duft nach Heu und gerösteten Kastanien. Viel Bruch, stumpfe braune Blätter oder muffiger Geruch sprechen gegen den Händler. Rechnen Sie für ordentlichen Da Fang mit etwa 8 bis 20 Euro pro 100 g; echter Ding Gu Da Fang aus den Ursprungslagen liegt am oberen Ende.

Lagern Sie den Tee luftdicht, lichtgeschützt und kühl, getrennt von stark riechenden Lebensmitteln, und brauchen Sie angebrochene Packungen innerhalb von sechs bis acht Monaten auf — Grüntee verliert seine Frische schneller als Schwarztee. Wer die Familie der chinesischen Grüntees weiter erkunden will, findet im porträtierten Tian Mu Quing Ding einen weiteren Bergtee mit Klostervergangenheit.

Anzeige

Inhaltsstoffe und Studienlage

Wie alle Grüntees enthält Da Fang Koffein — je nach Dosierung etwa 20 bis 40 mg pro Tasse, deutlich weniger als Filterkaffee mit 80 bis 120 mg — sowie die Aminosäure L-Theanin und Catechine, allen voran EGCG. Diesen Polyphenolen werden antioxidative Eigenschaften zugeschrieben; die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat sich 2018 mit der Sicherheit von Grüntee-Catechinen befasst und sieht beim normalen Teetrinken keine Bedenken, mahnt aber bei hochdosierten Extrakten ab 800 mg EGCG pro Tag zur Vorsicht.

Ein Heilmittel ist der Tee nicht, und wer koffeinempfindlich ist, trinkt ihn besser nicht am späten Abend. Als Faustregel gelten drei bis fünf Tassen Grüntee täglich als unproblematischer Genuss — angenehm milder als viele kräftige Sencha-Qualitäten und damit auch für Einsteiger geeignet.

Häufige Fragen

Wer war der Mönch Da Fang?
Der Legende nach ein buddhistischer Mönch, der zur Song-Zeit (960-1279) auf dem Berg Laozhu in Anhui lebte, dort Teesträucher kultivierte und seinen Tee an Pilger ausschenkte. Historisch belegt ist seine Person nicht.

Was bedeutet Ding Gu Da Fang?
So heißt die Spitzenqualität des Tees; der Zusatz ist zugleich eine Herkunftsbezeichnung für die ursprünglichen Lagen am Berg Laozhu im Kreis She der Provinz Anhui.

Wie schmeckt Da Fang Tee?
Mild und süßlich mit einer typischen Kastaniennote und einem feinen Röstton, der von der Trocknung im heißen Wok stammt. Die Bitterkeit bleibt bei korrekter Wassertemperatur gering.

Wie bereitet man Da Fang richtig zu?
Etwa 2 g pro 200 ml mit 75 bis 80 °C heißem Wasser aufgießen und zwei bis drei Minuten ziehen lassen. Zwei bis drei Aufgüsse sind möglich, der zweite mit verkürzter Ziehzeit.

Was hat Da Fang mit Lung Ching zu tun?
Die flach an die Wokwand gepressten Blätter des Da Fang gelten als Vorläufer der berühmten flachen Blattform des Lung Ching aus Zhejiang — die Technik wanderte vermutlich von Anhui dorthin.

Quellen

  • EFSA: Scientific opinion on the safety of green tea catechins, EFSA Journal 2018

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:

AS

André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.