"Fett schmilzt, Muskeln wachsen, alles dank grünem Tee" klingt nach einem Werbeversprechen, hat aber einen nüchternen Forschungskern. Eine Studie der Universität São Paulo untersuchte, wie sich grüner Tee in Kombination mit Krafttraining auf Körperfett und Muskelmasse auswirkt. Wir erklären den Studienaufbau, die konkreten Zahlen zum Grundumsatz und warum Tee ein Begleiter bleibt, kein Ersatz für Sport und Ernährung.

Worum es bei dem Versprechen geht

Grüner Tee allein lässt keine Fettdepots dahinschmelzen, das ist der Ausgangspunkt jeder seriösen Betrachtung. Wer nur Tee trinkt und sonst nichts ändert, wird kaum einen Effekt bemerken. Gut belegt ist hingegen, dass grüner Tee den Abnehmprozess unterstützen kann, indem er den Stoffwechsel leicht anregt.

Die Universität São Paulo ging einen Schritt weiter und betrachtete nicht nur den Fettabbau, sondern parallel den Aufbau von Muskelmasse. Genau diese Kombination macht die Studie interessant, denn Muskeln verbrauchen auch in Ruhe Energie. Wie stark Tee gegenüber Kaffee als Wachmacher und Stoffwechselanreger wirkt, vergleicht der Beitrag Kaffee wirkt viel stärker als Tee.

Der Aufbau der São-Paulo-Studie

Untersucht wurden 36 Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren mit einem Body-Mass-Index von 23 bis 35, also übergewichtig bis adipös. Sie wurden in vier Gruppen aufgeteilt. Über zwölf Wochen erhielten alle zweimal täglich, um 10 und um 16 Uhr, ein Getränk: entweder grünen Tee mit einer Vitamin- und Mineralstoffmischung oder nur die Vitamin-Mineralstoff-Kombination als Scheingetränk.

Die Gruppen 1 und 2 beschränkten sich auf die Getränke, die Gruppen 3 und 4 absolvierten zusätzlich dreimal wöchentlich ein Krafttraining, das alle großen Muskelgruppen beanspruchte. Vor Beginn wurden Gewicht, Körperfettanteil, Muskelmasse, Blutwerte und der Grundumsatz, also der Kalorienverbrauch in Ruhe, ermittelt. Wie Grüntee im Leistungssport eingesetzt wird, beleuchtet der Beitrag Grüntee im Spitzensport.

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Die Ergebnisse in Zahlen

Ein Teil der Resultate war erwartbar: In den Gruppen mit grünem Tee verbesserten sich die Blutwerte, allen voran die Triglyceride. In den beiden Gruppen mit Krafttraining stieg der Grundumsatz, weil zusätzliche Muskelmasse auch im Ruhezustand Energie verbraucht. Mehr Muskeln bedeuten also automatisch einen höheren Energiebedarf.

Der entscheidende Befund: In der Sportgruppe mit grünem Tee stieg der Grundumsatz deutlich stärker an, im Schnitt um 561 Kilokalorien pro Tag, gegenüber 503 Kilokalorien ohne Tee. In den beiden Gruppen ohne Sport sank der Grundumsatz nach zwölf Wochen sogar, denn Muskeln bilden sich bei fehlender Belastung rasch zurück. Schon für den Erhalt der Muskulatur ist regelmäßiges Training nötig.

Wie der Effekt zu erklären ist

Die Studie legt nahe, dass bereits zwei Tassen grüner Tee pro Tag den Trainingseffekt messbar verstärken. Verantwortlich sind vor allem die Catechine, allen voran das EGCG, in Verbindung mit dem Koffein des Tees. Diese Inhaltsstoffe beeinflussen den Stoffwechsel so, dass der Körper Fettdepots etwas leichter abbaut und in aktive Muskelmasse investiert.

Bemerkenswert ist, dass der zugesetzte Vitamin- und Mineralstoffmix keinen Einfluss hatte, weil seine Konzentration zu niedrig war. Hätte man stattdessen Eiweißpräparate eingesetzt, wäre der reine Tee-Effekt verfälscht worden, da Muskeln aus Eiweiß bestehen. Der gemessene Unterschied geht also tatsächlich auf den grünen Tee zurück. Welche weiteren Effekte dem Getränk zugeschrieben werden, ordnet der Beitrag Grüner Tee, Allheilmittel oder nur ein Getränk ein.

Was das für die Praxis bedeutet

Das Fazit aus São Paulo ist ermutigend, aber nüchtern: Vom Teetrinken allein wird kein Körperfett weniger und keine Muskelmasse mehr. Der Tee wirkt nur als Verstärker, wenn die Grundlagen stimmen, also regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung. Wer aktiv wird, kann sich mit zwei Tassen Grüntee am Tag jedoch einen kleinen, messbaren Bonus sichern.

Für die Umsetzung reichen zwei Tassen frisch aufgebrühter Grüntee, idealerweise mit 70 bis 80 Grad heißem Wasser und zwei bis drei Minuten Ziehzeit, um Bitterkeit zu vermeiden. Wer auf Koffein empfindlich reagiert, trinkt die zweite Tasse nicht zu spät am Tag. Solche überzogenen Schlankheitsversprechen rund um Grüntee nimmt auch der Beitrag Ganz leicht abnehmen mit grünem Tee? kritisch unter die Lupe.

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Häufige Fragen

Kann man mit grünem Tee Fett verbrennen?
Grüner Tee kann den Stoffwechsel leicht anregen und so den Fettabbau unterstützen, allein bewirkt er aber keine Wunder. In der São-Paulo-Studie zeigte sich ein messbarer Effekt nur in Kombination mit Krafttraining, nicht bei reinem Teekonsum ohne Bewegung.

Was ergab die Studie aus São Paulo?
Bei 36 Frauen stieg der Grundumsatz in der Gruppe mit Krafttraining und grünem Tee im Schnitt um 561 Kilokalorien pro Tag, gegenüber 503 ohne Tee. Ohne Sport sank der Grundumsatz. Schon zwei Tassen täglich verstärkten den Trainingseffekt.

Wie viel grüner Tee ist für den Effekt nötig?
Laut Studie reichen bereits zwei Tassen grüner Tee pro Tag, um den Trainingseffekt messbar zu verstärken. Verantwortlich sind die Catechine, vor allem EGCG, zusammen mit dem Koffein. Entscheidend bleibt aber die Kombination mit Bewegung.

Ersetzt grüner Tee Sport und Ernährung?
Nein. Der Tee wirkt nur als Verstärker, wenn die Grundlagen stimmen. Ohne regelmäßige Bewegung und ausgewogene Ernährung bringt er kaum Veränderung. Vom Teetrinken allein wird weder Körperfett weniger noch Muskelmasse mehr.

Quellen

  • EFSA: Wissenschaftliche Bewertungen zu Grüntee-Catechinen
  • American Journal of Clinical Nutrition: Studien zu Grüntee und Energieverbrauch

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.