Earl Grey ist der bekannteste aromatisierte Tee der Welt: Schwarztee, dem Öl aus der Schale der Bergamotte seine unverwechselbare zitrisch-blumige Note verleiht. Benannt ist er nach Charles Grey, dem britischen Premierminister der Jahre 1830 bis 1834. Hier erfahren Sie, wie die Mischung der Legende nach entstand, woran Sie gute Qualität erkennen und wie der britische Klassiker in der Tasse am besten gelingt.
| Pflanze/Basis | Schwarztee (China, Ceylon oder Mischungen) mit Bergamotteöl |
|---|---|
| Koffeingehalt | ca. 40-60 mg pro Tasse (250 ml) |
| Geschmacksprofil | kräftig-herb mit zitrisch-blumiger Bergamottenote |
| Wassertemperatur | 95-100 °C, sprudelnd aufgegossen |
| Ziehzeit | 3-4 Minuten |
| Dosierung | 1 gehäufter TL (ca. 2,5 g) pro Tasse |
| Aufgüsse | üblicherweise 1, hochwertige Blatttees auch 2 |
| Preisspanne | ca. 3-9 € pro 100 g, mit echtem Bergamotteöl ab ca. 5 € |
Die Legende: ein Sturm, ein Schiff und verdorbener Tee
Der Name geht auf die Familie Grey aus der nordenglischen Grafschaft Northumberland zurück. Sir Charles Grey erhielt 1806 für seine Verdienste in den Kriegen der Krone den erblichen Earl-Titel; sein Sohn Charles, der 2. Earl Grey, wurde 1830 britischer Premierminister. Ihm verdankt der Tee seinen Namen — erfunden haben soll er ihn allerdings nicht.
Der Legende nach geriet um 1833 ein Schiff auf der Fahrt von China nach England in einen schweren Sturm. Die Ladung wurde durcheinandergeworfen, Bergamottöl lief aus und tränkte die mitgeführten Teekisten. Statt die scheinbar verdorbene Ware zu vernichten, ließ Grey den Tee probieren — und war mit seinen Vertrauten so begeistert, dass er Schwarztee fortan bewusst mit dem Öl aromatisieren ließ. Welche weiteren Versionen der Geschichte kursieren, schildert der Beitrag Wie Earl Grey zu seinem Tee kam.
Die Bergamotte: das Aroma aus Kalabrien
Die Bergamotte (Citrus bergamia) ist eine bittere, kaum roh genießbare Zitrusfrucht, die fast ausschließlich an einem schmalen Küstenstreifen Kalabriens in Süditalien gedeiht — von dort stammt der Großteil der Weltproduktion des Öls. Gewonnen wird es durch Kaltpressung der Fruchtschalen; für ein Kilogramm Öl werden rund 200 Kilogramm Früchte benötigt.
Auf dem Etikett trennt sich hier die Qualität: Hochwertige Mischungen nennen "natürliches Bergamottöl" oder "natürliches Aroma aus Bergamotte", Billigvarianten begnügen sich mit naturidentischen Aromen aus dem Labor. Der Unterschied ist schmeckbar — echtes Öl wirkt runder und blumiger, künstliches Aroma oft parfümartig und flach.
Herstellung und Teebasis
Ursprünglich wurde ausschließlich chinesischer Schwarztee aromatisiert, etwa rauchig-milder Keemun. Heute dienen je nach Hersteller auch Ceylon-, Assam- oder Mischungsbasen als Grundlage; kräftige Sorten tragen das intensive Öl am besten. Der fertig produzierte Schwarztee wird dazu gleichmäßig mit dem Bergamottöl vermengt oder besprüht.
Eine feste Rezeptur gibt es nicht — "Earl Grey" ist keine geschützte Bezeichnung, sondern steht schlicht für Schwarztee mit Bergamottearoma. Entsprechend groß sind die Unterschiede zwischen den Marken, von dezent zitrisch bis aufdringlich parfümiert. Wer die Basis pur kennenlernen will, findet im Artikel über Ceylon-Tee einen typischen Grundtee im Porträt.
Zubereitung: so gelingt der Klassiker
Earl Grey ist unkompliziert: 1. Frisches Wasser sprudelnd aufkochen — Schwarztee verträgt 95 bis 100 °C. 2. Einen gehäuften Teelöffel (etwa 2,5 g) pro 250-ml-Tasse ins vorgewärmte Gefäß geben. 3. Aufgießen und 3 bis 4 Minuten ziehen lassen. 4. Blätter entnehmen, damit die Gerbstoffe das Zitrusaroma nicht überdecken.
Ob Milch dazugehört, ist Geschmackssache: In Großbritannien ist der Schuss Milch üblich und rundet die Herbe ab, Puristen trinken ihn pur oder mit einer Zitronenscheibe. Kalt funktioniert der Tee ebenfalls ausgezeichnet — doppelt dosiert und auf Eis gegossen wird er zum zitrusfrischen Sommergetränk, wie es der Beitrag über selbst gemachten Eistee beschreibt.
Varianten: von Lady Grey bis Rotbusch
Rund um den Klassiker ist eine ganze Familie entstanden. Lady Grey, in den 1990er-Jahren von Twinings eingeführt, ergänzt Orangen- und Zitronenschalen sowie Kornblumenblüten und schmeckt milder. Earl Grey Green setzt auf Grüntee als Basis, Smoky Earl Grey mischt rauchigen Lapsang Souchong unter, und French Earl Grey verfeinert mit Rosenblüten.
Wer abends auf Koffein verzichten will, greift zur Rotbusch-Variante: Das Bergamottearoma harmoniert mit der natürlichen Süße des südafrikanischen Rooibos-Tees, der von Natur aus koffeinfrei ist. So lässt sich der vertraute Geschmack über den ganzen Tag verteilen, ohne dass der Schlaf leidet.
Kauf, Koffein und Lagerung
Beim Einkauf lohnt der Blick auf drei Punkte: die Aromaangabe (natürliches Bergamottöl statt naturidentischem Aroma), die Teebasis (ganzes Blatt schlägt Fannings im Beutel) und die Frische. Lose Spitzenware kostet etwa 5 bis 9 Euro pro 100 g, solide Beutelqualität gibt es ab rund 3 Euro. Da ätherisches Öl flüchtig ist, verliert Earl Grey schneller an Duft als purer Schwarztee — kaufen Sie kleine Mengen und lagern Sie sie luftdicht, dunkel und getrennt von anderen Tees, die das Aroma sonst annehmen.
Mit 40 bis 60 mg Koffein pro Tasse liegt Earl Grey im typischen Schwarztee-Bereich und damit unter Filterkaffee (80 bis 120 mg). In der Verkostung zeigt frische Ware einen klaren, sofort erkennbaren Bergamotteduft schon an der trockenen Blattmischung; riecht die Packung nur noch schwach zitrisch, ist das Öl bereits verflogen.
Häufige Fragen
Was ist Earl Grey für ein Tee?
Ein Schwarztee, der mit dem ätherischen Öl der Bergamotte aromatisiert wird. Die bittere Zitrusfrucht aus Kalabrien verleiht ihm die typische zitrisch-blumige Note.
Woher hat Earl Grey seinen Namen?
Vom 2. Earl Grey, Charles Grey, britischer Premierminister von 1830 bis 1834. Der Legende nach entstand die Mischung, als auf einem Sturm geschüttelten Schiff Bergamottöl in eine Teeladung lief.
Wie lange muss Earl Grey ziehen?
3 bis 4 Minuten in sprudelnd heißem Wasser von 95 bis 100 °C. Zieht er deutlich länger, überdecken die Gerbstoffe das feine Bergamottearoma und der Tee wird bitter.
Wie viel Koffein enthält Earl Grey?
Etwa 40 bis 60 mg pro Tasse, abhängig von Dosierung und Teebasis. Das ist typisch für Schwarztee und etwa halb so viel wie in einer Tasse Filterkaffee.
Trinkt man Earl Grey mit Milch oder Zitrone?
Beides ist verbreitet: In Großbritannien gehört traditionell ein Schuss Milch dazu, Puristen bevorzugen ihn pur oder mit einer Scheibe Zitrone, die die Zitrusnote betont.
Woran erkenne ich guten Earl Grey?
An natürlichem Bergamottöl statt naturidentischem Aroma auf der Zutatenliste, an ganzer Blattware und an einem deutlichen Zitrusduft der trockenen Mischung.
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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