Legende oder Wahrheit
Traurige und unglückliche Liebesgeschichte sind ebenso alt, wie die Liebe selbst. Es hat sie schon immer gegeben und wird sie auch weiterhin geben. Und es ist ebenso gut vorstellbar, wie ein wohlhabender und einflussreicher Grundbesitzer und Gutsherr auf andere Leute Druck ausüben und Ansprüche geltend macht, um zu bekommen was er möchte. Auch solche Machtdemonstrationen und Spiele mit Beziehungen und sozialem Status hat es wohl schon ebenso lange gegeben. Manche Menschen sind so sehr auf das Besitzen fixiert, dass es für sie nicht einmal eine Rolle spielen würde, ob die Frau an ihrer Seite sie tatsächlich liebt, oder ob sie nur mit ihnen verheiratet ist, weil sie keine andere Wahl hatte. Die Frau wird dadurch eher zu einem Statussymbol, denn zu einem geliebten Menschen und Vertrauten an seiner Seite. Aber auch das hat es schon immer gegeben und wird auch in der Geschichte der Menschheit sicher noch öfter vorkommen. Auch, wenn in dem Mythos über die beiden Liebenden im Huang Shan Gebirge und ihrem Unglück keine Namen überliefert wurden, es ist durchaus vorstellbar, dass sich solch eine Geschichte zugetragen hat. Eine unglückliche Liebe ist immer möglich, es ist immer möglich, dass es jemanden gibt, der einem sein Glück nicht gönnt, der es lieber für sich selbst haben möchte. Es ist auch keineswegs abwegig, dass jemand seinen Konkurrenten tötet, um ihn für immer auszuschalten. Umso mehr, wenn es sich dabei auch noch um die eigentliche und wahre Liebe der angebeteten handelt. Definitiv in das Reich der Sagen und Legenden muss man aber wohl die Tatsache zählen, dass sich das Mädchen wegen seiner vielen Tränen in Regen und der Leichnam des Gelehrten deshalb in einen Teestrauch verwandelt haben. Würde die Geschichte bei uns erzählt werden, würde sich wohl eher damit enden, dass das Mädchen unglücklich an gebrochenem Herzen starb, sich am Grab ihres Geliebten das Leben nahm, oder ähnliches.Fazit
Auch wenn zumindest das Ende des Mythos über den Mao Feng sich keineswegs so zugetragen hat, so zeigt die Erzählung doch, welch einen hohen Stellenwert der Tee in China hat. Es wird deutlich, dass Tee für die Chinesen gleichbedeutend mit Leben und Hoffnung ist. In einem Moment, in dem alles ausweglos scheint, das Unglück gewonnen hat und man nur noch weinen kann, ist es der Tee, der Hoffnung und Trost spendet. Er ist Symbol dafür, dass es immer weiter geht, wie düster der Weg vor einem auch erscheinen mag. Dies ist eine wunderschöne Symbolik und gerade deshalb ist es herrlich, dass diese Legende bereits seit so langer Zeit immer weiter erzählt wurde und wird. Schließlich muss eine Geschichte nicht immer unbedingt wahr sein um aus ihr etwas lernen zu können. Bildnachweis: Eine unglückliche Liebe und Mao Feng © bayu harsa - Fotolia.comMao Feng Grüntee: Zubereitung und Profil
Huang Shan Mao Feng (黄山毛峰) – Haarspitzen vom Gelben Berg – ist einer der zehn klassischen Tees Chinas und ein Juwel unter den Grüntees der Anhui-Provinz. Zubereitung: 70–75 °C Wasser, 3 Gramm pro 200 ml, 2–3 Minuten. In einem Glastumbler sieht man, wie die spitzen, leicht gebogenen Blätter mit silbrigen Härchen sich schön entfalten. Der Aufguss ist hellgrün bis goldgelb, das Aroma frisch, orchideenartig und leicht nussig, der Abgang weich und süß. Mao Feng ist einer der seltensten Tees, bei dem der Duft des trockenen Blatts (nach Orchideen und frischen Äpfeln) den Tee bereits vor der Zubereitung ankündigt. Pre-Qingming Mao Feng (vor dem 5. April geerntet) gilt als die feinste Version.
Die Legende: Die unglückliche Liebe und Mao Feng
Eine der schönsten chinesischen Teegeschichten verbindet den Mao Feng Tee mit einer tragischen Liebesgeschichte vom Gelben Berg (Huang Shan). Eine junge Frau aus einem Teebauern-Dorf liebte einen Gelehrten mit leidenschaftlicher Hingabe. Als ihr Vater sie einem reichen alten Mann zur Frau gab, zerfiel ihr Herz vor Gram. Die Nacht vor der erzwungenen Heirat verbrachte sie am Teegarten, weinte und sprach zu den Teepflanzen. Am nächsten Morgen war sie verschwunden – verwandelt, so sagt die Legende, in eine junge Teepflanze. Ihre Tränen hatten sich in den Boden gesogen und gaben den Teepflanzen des Gelben Berges ihr einzigartiges, sanft-süßes Aroma. Deshalb, heißt es, schmeckt echter Huang Shan Mao Feng wie die Erinnerung einer tiefen, unvergänglichen Liebe.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Der Gelbe Berg (Huang Shan) als Terroir
Die Qualität des Mao Feng ist untrennbar mit dem Terroir des Gelben Berges verbunden. Huang Shan in der Anhui-Provinz gehört zu den UNESCO-Welterbestätten und ist für seinen Nebel, seine Kiefern auf Felsklippen und seine mystische Atmosphäre weltberühmt. Die Teepflanzen wachsen auf Höhen zwischen 700 und 1200 Metern im permanenten Nebel, der die UV-Strahlung filtert und die Teepflanzen zur Produktion von mehr Aminosäuren (besonders L-Theanin) anregt. Das Quellwasser der Bergbäche ist besonders weich und mineralklar. Diese Kombination schafft Teeblätter von außergewöhnlicher Feinheit und Aromatik. Echter Huang Shan Mao Feng ist eine Rarität; die meisten auf dem Markt erhältlichen Produkte kommen aus der breiteren Huang Shan-Region.
Häufig gestellte Fragen zu Mao Feng
Was bedeutet „Mao Feng"?
毛峰 (Máofēng) = Haarspitzen. Die feinen, silbrigen Haarspitzen der jungen Knospen geben dem Tee seinen Namen und seinen Glanz.
Wie erkenne ich echten Huang Shan Mao Feng?
Charakteristisch: spitze, leicht gedrehte Blätter mit weißlichen Härchen, olivgrüne Farbe, frischer Orchideen-Duft. Gefälschte Versionen haben oft gröbere Blätter.
Wann ist die beste Erntezeit für Mao Feng?
Pre-Qingming (vor dem 5. April) für die feinste Qualität. Second Flush (April-Mai) ist günstiger und ebenso angenehm.
Kann Mao Feng mehrfach aufgegossen werden?
2–3 Aufgüsse sind möglich. Der zweite Aufguss hat manchmal die vollsten Aromen.
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