Der Stamm der Guarani, der schon lange im heutigen Staatsgebiet von Paraguay lebte, ernährte sich schon vor Jahrhunderten von den Erträgen, die sie selbst mit Ackerbau erwirtschaften konnten. In erster Linie waren es Maniok und verschiedene Getreidearten, die sie anbauten. Der Stamm konnte gut davon leben, allerdings waren die Böden nach einigen Jahren so ausgelaugt, dass die Ernten rückläufig wurden. Die Guarani mussten weiterziehen, um einen neuen Lagerplatz und neue fruchtbare Felder finden. Verständlich, dass dies vor allem für die älteren Stammesmitglieder teilweise extrem beschwerlich war. Eines Tages war ein alter Guarani am Ende seiner Kräfte. Er beschloss alleine zurück zu bleiben und sein Volk ohne ihn weiter ziehen zu lassen. Er hatte eine wunderschöne Tochter namens Jary. Sie war sein jüngstes Kind und überlegte verzweifelt was sie nun tun sollte. Mit den anderen weiter ziehen und ihren Vater zurück lassen. Oder bei ihrem Vater bleiben und völlig auf sich alleine gestellt versuchen zu überleben. Sie entschied sich schließlich für ihren Vater. Der Gott Pa´i Shume fand den Entschluss von Jary sehr rührend und lobenswert. Deshalb gab er sich die Gestalt eines Schamanen, ging zu dem Mädchen und ihrem Vater und fragte Jary, welchen Wunsch er ihr erfüllen könne. Ihr fiel nichts ein, deshalb wünschte sich ihr Vater, dass er wieder zu Kräften käme um seinem Stamm folgen und mit seiner Tochter wieder in der Gemeinschaft leben zu können.Pa´i Shume gab den beiden eine Pflanze und sagte ihnen, sie sollten die Pflanze in die Erde setzten, die Blätter nach der Ernte über Feuer trocknen. Anschließend sollten sie die Blätter fein mahlen und in einer traditionellen Kürbisflasche mit heißem Wasser übergießen. Jary und ihr fanden taten alles, was ihnen der Schamane aufgetragen hatte und schon bald nach dem Genuss dieses ersten Mate-Tees fühlte sich der alten Mann kraftvoll und fit wie schon lange nicht mehr. Gemeinsam mit seiner Tochter konnte er zum Stamm der Guarani zurückkehren. Sie erzählten allen von der Wirkung dieses neuen Getränks und schon bald wurde Mate-Tee von den Guarani zu allen erdenklichen Gelegenheiten getrunken, was ihn schließlich zu dem Volksgetränk Südamerikas schlechthin werden ließ.

Legende oder Wahrheit?

Auch, wenn heute wohl kaum jemand ohne Zweifel daran glaubt, dass es tatsächlich ein Gott gewesen sein soll, der den Menschen das Rezept für den Mate-Tee gab, so kann auch diese Legende durchaus einen wahren Kern haben. Die Tatsache, dass die Guarani früher ihre Lagerplätze für die Suche nach fruchtbaren Böden häufig wechseln mussten, ist historisch sicher belegt. Dass gerade die älteren Stammesmitglieder dabei häufig an die Grenzen ihrer Kräfte kamen, ist nachvollziehbar. Gut vorstellbar also, dass einer der Ältesten zurückblieb, um nicht den ganzen Stamm aufzuhalten. Auch in anderen Kulturen ist es bekannt, dass sie die älteren Mitglieder zum Sterben ganz bewusst zurückziehen, ihre letzten Tage und Stunden alleine verbringen. Sicher kann man sich aber auch in die Lage der Angehörigen hineinversetzten und wohl viele können verstehen, warum Jary ihren Vater nicht alleine lassen wollte. Wie man selbst sich in dieser Situation entschieden hätte ist zweitrangig. Viel bedeutender ist, dass es durchaus der Tatsache entsprechen könnte, dass eine Tochter ihren Vater nicht alleine zurücklassen möchte. Völlig auf sich gestellt, ohne die Unterstützung der anderen Stammesmitglieder, wäre es auch denkbar, dass Jary und ihr Vater versuchten, sich am Leben zu halten, indem sie beispielsweise Wurzeln und Blätter aßen, die sonst nicht auf dem Speiseplan der Guarani standen. Möglicher Weise haben sie in ihrem Hunger und Durst den Schamanen auch halluziniert. Wie auch immer, wenigstens ein Großteil des Mythos über die Entstehung des Mate-Tees könnte absolut den Tatsachen entsprechen.

Fazit

Die meisten Legenden, egal um was oder wen sie sich ranken, haben wohl einen Teil Wahrheit und einen Teil Dichtung. Auffallend ist, dass auch bei der Geschichte über die Entstehung des Mate-Tees, wie auch häufig bei asiatischen Mythen um und über Tee, die Götter, oder zumindest ein Gott eine große Rolle spielt. Dies mag wohl daran liegen, dass die Menschen, egal in welcher Kultur sie auch lebten, sich früher scheinbar unerklärliches gerne mit einer höheren Macht begründeten. Teilweise waren sie auch zutiefst ehrfürchtig vor der Macht der Natur und trauten es wohl keinem Menschen zu, bewusst nur mit Hilfe seiner eigenen Gedanken, so wirkungsvolle Dinge wie den Mate-Tee zu entdecken. Da schien es plausibler, dass der Mensch in diesem Moment in seinem Handeln von einem Gott gelenkt wurde, um das Rezept für Mate-Tee zu erkennen. Auch in anderen Kulturen zum Beispiel in Argentinien oder Brasilien hat Mate-Tee eine besondere Stellung und wird wegen seiner belebenden Wirkung auf den Stoffwechsel gern getrunken.Bildnachweis:  Guarani, Mate-Tee und die Götter © eAlisa - Fotolia.com

Die Guaraní und ihr heiliges Getränk Yerba Mate

Die Guaraní sind ein indigenes Volk Südamerikas, das ursprünglich das Gebiet des heutigen Paraguay, Nordargentiniens, Südbrasiliens und Boliviens bewohnte. Yerba Mate (Ilex paraguariensis) war für sie weit mehr als ein Getränk – es war ein heiliges Mittel, das von den Göttern geschenkt worden war, um den Menschen Energie, Gesundheit und Gemeinschaft zu geben. Die Guaraní tranken Mate bei rituellen Zeremonien, bei der Jagd als Energiespender und als Mittel zur Kontaktaufnahme mit dem Übernatürlichen. Die Caá-Pflanze (der Guaraní-Name für Mate) wurde als beseelt angesehen – der Geist der Pflanze war ein gutmütiger Beschützer. Schamanen (Pajé) nutzten Mate-Aufgüsse in ihrer Heilarbeit, um den Geist zu klären und die Verbindung zwischen der physischen und der spirituellen Welt herzustellen.

Die Götter-Legende: Wie Mate zur Menschheit kam

Die bekannteste Guaraní-Legende über Mate erzählt von Yasí (dem Mondgott) und Araí (dem Wolkengeist), die in Menschengestalt die Erde besuchten. Sie gerieten in Gefahr – einer Version zufolge durch einen Jaguar, einer anderen durch feindliche Menschen. Ein alter Mann rettete sie mutig. Als Dank erschuf Yasí einen neuen Baum, der Caá-Baum (Mate), und lehrte den Mann, wie man daraus ein Getränk bereitet, das Kraft, Gesundheit und ewige Freundschaft schenkt. Die Guaraní erzählen, dass deshalb Mate immer in Gesellschaft getrunken wird – es ist das Getränk der Verbindung zwischen den Menschen und zwischen Menschen und Göttern. Die Geste, den Mate-Kelch weiterzureichen, ist ein Akt heiliger Gemeinschaft.

Mate in der modernen Welt: Vom indigenen Ritual zum globalen Trend

Heute ist Yerba Mate das Nationalgetränk Argentiniens und Paraguays und eines der beliebtesten Heißgetränke Südamerikas. Ein Liter täglich ist für viele Argentinier normal. Das traditionelle Ritual – Mate wird in einem Kürbiskelch (Mate-Kalebasse) mit einem Metallstrohhalm (Bombilla) zubereitet und reihum weitergegeben – ist ein tiefes soziales Symbol. In Deutschland, Österreich und der Schweiz erlebt Mate seit den 2010er Jahren einen Boom, besonders als Energy-Alternative zu Red Bull. Marken wie Club-Mate haben Mate-Tee in der Clubkultur etabliert. Die gesundheitlichen Vorteile sind real: Mate enthält Matein (ein Koffein-Isomer), Theobromin, Theophyllin, Antioxidantien und zahlreiche Vitamine und Mineralstoffe.

Häufig gestellte Fragen zu Mate und Guaraní-Kultur

Ist Yerba Mate ein echter Tee?
Botanisch nicht – Mate stammt von Ilex paraguariensis, einer Stechpalmen-Art, nicht von der Teepflanze Camellia sinensis. Er wird aber „Tee" genannt.

Warum wird Mate im Kreis weitergereicht?
Das ist ein soziales Ritual der Guaraní und der argentinischen Kultur: Mate teilen bedeutet Vertrauen, Freundschaft und Gemeinschaft. Den Kelch abzulehnen gilt als unhöflich.

Wie viel Koffein hat Mate?
Ca. 30–50 mg pro Portion – ähnlich wie Kaffee, aber mit Theobromin und Theophyllin, was die Wirkung sanfter und länger anhaltend macht.

Kann man Mate und grünen Tee mischen?
Ja – manche Mischungen kombinieren beides für ein komplexes Aroma und kombinierten Koffein/Matein-Kick.

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