Earl Grey gehört zu den bekanntesten Teesorten der Welt. Sein unverwechselbares Bergamottearoma macht ihn zum Klassiker. Benannt ist er nach Charles Grey, dem zweiten Earl dieses Titels, der von 1764 bis 1845 lebte und 1830 britischer Premierminister wurde. Wie sein Name an den Tee kam, erzählt eine Legende rund um den regen Teehandel mit China. Wir erzählen sie nach und ordnen sie ein.

Der Namensgeber Charles Grey

Benannt ist der Tee nach Charles Grey, einem britischen Adeligen, der von 1764 bis 1845 lebte. Er trug den Titel eines Earls, engagierte sich früh in der Politik und wurde 1830 britischer Premierminister. In diese bewegte Zeit fällt die Verbindung seines Namens mit dem heute weltbekannten Tee.

Im Gedächtnis blieb Charles Grey vor allem aus zwei Gründen: Er setzte sich gegen den Sklavenhandel in den britischen Kolonien ein und hob das Teehandels-Monopol der East India Company auf. So belebte neue Konkurrenz den Markt, und auch andere Unternehmen begannen, mit Tee zu handeln, ein Wandel, der die britische Teekultur prägte.

Eine Zeit des Teehandels

Zur Lebenszeit von Charles Grey herrschte reger Handel mit China. Beinahe ununterbrochen waren Schiffe mit Tee und anderen Köstlichkeiten auf dem langen Weg von Asien nach England unterwegs. Manche gerieten in Unwetter, einige sanken, andere schafften es beschädigt in den Heimathafen.

Tee war damals ein begehrtes und wertvolles Gut. Die enge Handelsbeziehung zu China prägte die britische Teekultur dieser Epoche maßgeblich, ähnlich wie sie auch die Geschichte rund um die Mitgift der Katharina von Braganza bestimmte.

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Die Legende vom verschütteten Bergamotteöl

Der Überlieferung nach wurde der Earl eines Tages in den Londoner Hafen gerufen. Ein Handelsschiff hatte einen Sturm überstanden, doch dabei hatte sich das mitgeführte Bergamotteöl über die gestapelten Teeballen ergossen. Da die Fracht von hohem Wert war, sollte der Earl entscheiden, wie zu verfahren sei.

Statt den Tee über Bord werfen zu lassen, zögerte Charles Grey und probierte ihn zunächst. Zu seiner Überraschung schmeckte ihm der Tee ausgezeichnet, und auch seine Freunde waren voll des Lobes. Da beschloss der Earl, ihn künftig bewusst aromatisiert herstellen und unter seinem Namen verkaufen zu lassen, der Beginn einer Erfolgsgeschichte.

Was Earl Grey ausmacht

Das Besondere am Earl Grey ist sein Aroma, das durch das Öl der Bergamotte entsteht. Diese kleine, eher saure Zitrusfrucht liefert aus ihrer Schale ein aromatisches Öl mit frischem, leicht blumigem Duft. Ohne die Bergamotte wäre der Earl Grey nicht das, was ihn so beliebt macht.

Traditionell dient ein kräftiger Schwarztee als Grundlage. Die Kombination aus herbem Tee und fruchtiger Bergamotte macht ihn unverwechselbar. Aromatisierter Tee war bis dahin in Europa eine Seltenheit, in Asien kannte man vor allem den Jasmintee als aromatisierte Variante.

Varianten und Zubereitung

Im Lauf der Zeit sind zahlreiche Abwandlungen entstanden, etwa der Lady Grey mit zusätzlichen Zitrusnoten oder Varianten auf Basis von grünem Tee. Diese Vielfalt zeigt, wie wandelbar der Klassiker ist, für nahezu jeden Geschmack findet sich eine passende Interpretation.

Als Schwarztee verträgt der klassische Earl Grey heißes Wasser und eine Ziehzeit von einigen Minuten, so entfaltet sich sein volles, aromatisches Profil. Manche genießen ihn pur, andere mit einem Schuss Milch oder einer Scheibe Zitrone. Mit seinem belebenden Bergamottearoma passt er zu vielen Tageszeiten, ähnlich vielseitig wie ein klassischer English Breakfast.

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Legende oder Wahrheit?

Charles Grey, den zweiten Earl Grey, gab es belegt. Da der Tee während seiner Amtszeit getrunken wurde, ist auch sicher, dass die Sorte nach genau diesem Earl benannt wurde. Ob sich die Geschehnisse aber tatsächlich so zugetragen haben, ist ungewiss, auffällig ist, dass die Legende meist ohne genaue Jahreszahl überliefert wird.

Vielleicht war der Earl auch einfach eitel und wollte sich ein Denkmal setzen, indem er den herb-bitteren Bergamottegeschmack bewusst zu seinem Tee machte. So oder so gehört Earl Grey bis heute zu den beliebtesten Sorten, und gerade die geheimnisumwitterte Entstehung verleiht ihm zusätzlichen Reiz, wie bei vielen britischen Tee-Geschichten.

Häufige Fragen

Woher hat der Earl Grey seinen Namen?
Er ist nach Charles Grey benannt, dem zweiten Earl dieses Titels, einem britischen Premierminister, der von 1764 bis 1845 lebte.

Was macht den Earl Grey aus?
Sein typisches Aroma stammt vom Öl der Bergamotte, das einem kräftigen Schwarztee seine frische, fruchtige Note verleiht.

Was ist Bergamotte?
Eine kleine, saure Zitrusfrucht, deren Schalenöl für den unverwechselbaren Duft und Geschmack des Earl Grey sorgt.

Gibt es Varianten des Earl Grey?
Ja, etwa den Lady Grey mit zusätzlichen Zitrusnoten oder Versionen auf Basis von grünem Tee.

Wie bereite ich Earl Grey zu?
Als Schwarztee mit heißem Wasser und einigen Minuten Ziehzeit. Er lässt sich pur, mit Milch oder mit Zitrone genießen.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.