In der Gegend rund um das Huangshan Berges, genau dort, wo der berühmte Mao Feng wächst, erzählt man sich auch heute noch den Mythos über ein Mädchen namens Luo Xiang und ihren Tee. Der Mao Feng ist für diese Region so bedeutend, früher sogar noch mehr als heute, dass er auch "grünes Gold" oder "Teeschatz" genannt wird. Luo Xiang lebte am Fuße des Huangshan und musste bereits sehr früh ein schweres Schicksal tragen. Als sie noch ein ganz kleines Kind war, verlor sie bereits ihre Eltern und musste von nun an als Waise ihr Leben meistern. Sie verdiente sich ihren Lebensunterhalt als Teepflückerin und war äußerst fleißig dabei. Es ist überliefert, dass sie "zart wie junge Teeblätter und schön wie eine Blume" war, außerdem hatte sie "eine Stimme wie Gold". Kein Wunder, dass die Verehrer Schlange standen. Jeder hätte Luo Xiang gerne zu seiner Frau gehabt, egal ob der Sohn reicher Gutsherren oder Beamter, junge Gelehrte oder junge Männer aus einfachsten und ärmlichen Verhältnissen. Doch anstatt sich angesichts der riesigen Zahl von Verehrern geschmeichelt zu fühlen, fühlte Luo Xiang sich belästigt und unter Druck gesetzt. So ließ sie eines Tages verkünden, dass sie beschlossen hatte, den Tee für sich einen Verlobten suchen zu lassen. Sie setzte einen Tag fest, an dem alle Kandidaten sich vor ihrem Haus versammeln sollten. Sie sollten sich alle nebeneinander an einen langen Tisch stellen und bekamen alle eine Tasse Tee von ihr. Wer in seinem Tee ihr Abbild erblicken würde, sollte ihr Verlobter werden. Jeder der jungen Männer starrte in seine Tasse, konnte jedoch außer Tee nichts erkennen. Nur bei einem Brennholzsammler namens Shi Yong entfaltete sich ein Teeblatt und verwandelte sich in der Tasse in einen Teestrauch. Da sah er, wie Luo Xiang die Blätter erntete und sie war dabei so real, dass er nicht mit Sicherheit sagen konnte, welches der Mädchen nun die echte Luo Xiang war. So verlobten sich die beiden. Von dieser Prozedur hatte jedoch auch der Kreisvorsteher gehört. Er wollte sich gerne am Kaiserhof beliebt machen und seinen Einfluss vergrößern. Möglicher weise gab es ja auch bei Hofe einen geeigneten Heiratskandidaten für Luo Xiang. Deshalb ließ der Kreisvorsteher etwas von Luo Xiangs Teeschatz zum Kaiser bringen. Als dort aber niemand eine Mädchengestalt in seiner Teetasse erkennen konnte, verhaftete der Kreisvorsteher Shi Yong. Er wollte ihn zwingen das Geheimnis zu verraten, folterte ihn dabei aber zu Tode. Von diesen Neuigkeiten entsetzt, eilte Luo Xiang zu ihrem totem Verlobten und flößte seinem leblosen Leib Mao Feng ein, den sie wie immer mit Quellwasser des Huangshan Berges zubereitet hatte. Da erwachte Shi Yong wieder zum Leben und es war klar, dass sich Luo Xiangs Gestallt nur in dem Tee zeigen konnte, wenn er auch mit Huangshan Quellwasser zubereitet wurde.

Legende oder Wahrheit?

Natürlich ist es vorstellbar, dass ein junges, wunderschönes Mädchen eine große Zahl an Verehrern hat. Es wäre eher sonderbar, wenn nicht. Und irgendwie ist es auch vorstellbar, dass man in seiner Verliebtheit Dinge sieht, die nicht real sind. Möglicher Weise war Shi Yong auch gar nicht Tod, sondern bewusstlos und von den Misshandlungen geschwächte. In diesem Fall wäre es durchaus denkbar, dass der warme Tee mit seiner anregenden Wirkung ihm gut getan und ihn wieder gestärkt hat. Genauso, wie diese Geschichte erzählt wird, hat sie sich sicher nicht zugetragen. Aber wenn man berücksichtigt, dass Legenden und Mythen, vor allem wenn sie über einen so lange Zeit weitergegeben werden, immer etwas abgewandelt und ausgeschmückt werden, muss man doch zugeben, dass die Kernaussage über Luo Xiang und ihr Leben tatsächlich wahr sein könnten.

Fazit

Geschichten über Liebe, Tod und Schicksalsschläge haben die Menschen seit jeher am tiefsten berührt. Es sind immer solche Themen, die über Generationen hinweg oder gar für mehrere Jahrhunderte, weitergegeben werden. Luo Xiang und ihre Suche nach der wahren Liebe mit Hilfe des Tees ist ein Beispiel dafür, wie bedeutend Tee in China schon vor langer Zeit war und welche Wunderkräfte diesem Getränk zugeschrieben wurden. Tee ist Ratgeber und Lebensspender, wenn man sein Schicksal zum Guten wenden möchte, ist Tee aus dem Leben nicht wegzudenken. Nicht ohne Grund galt China von Anfang an als Getränk der Götter. Sie brachten ihre Weisheit mit dem Tee zu Erde, wer ihn trinkt, kann von dieser Weisheit profitieren. Bildnachweis: Die Legende vom Teeschatz © Vitaliy Hrabar - Fotolia.com

Teeschatz zubereiten: Seltene Tees richtig genießen

Wer einen echten „Teeschatz" besitzt – einen seltenen, alten oder besonders wertvollen Tee – sollte ihn mit der gleichen Sorgfalt zubereiten wie ein Koch einen Trüffel. Alte gelagerte Pu-Erh-Tees, die häufigste Art des „Teeschatzes", werden mit kochendem Wasser (95–100°C) zubereitet. Der erste Aufguss dient zum Wecken und Reinigen des Tees: 5–10 Sekunden, dann weggießen. Ab dem zweiten Aufguss: 15–30 Sekunden pro Infusion, schrittweise verlängernd. Guter Pu-Erh kann 15–20 Aufgüsse überstehen. Bei grünen Teeschätzen (z.B. alter Dragon Well) ist vorsichtigeres Wasser (80°C) angebracht. Teeservice aus Yixing-Ton ist ideal – die Poren des Tons nehmen über Jahre die Aromen des Tees auf und verbessern jeden Aufguss.

Wertvoller Tee als Gesundheitsschatz

Gereifter Pu-Erh-Tee – oft der „Schatz" aus alten chinesischen Teehäusern und Sammlungen – entwickelt durch die Fermentation einzigartige Gesundheitseigenschaften. Studien zeigen, dass Lovastatin-ähnliche Substanzen im gereiften Pu-Erh den Cholesterinspiegel senken können. Die Gallenflussförderung durch spezifische Teigallussäure-Verbindungen hilft bei der Fettverdauung. Probiotische Bakterienkulturen, die während der Fermentation entstehen, unterstützen die Darmflora. In Yunnan, der Heimat des Pu-Erh, gibt es eine lange Tradition des Teesammelns als Investment: Ein 357-g-Bing-Kuchen aus den 1980er Jahren kann heute 5.000–50.000 Euro erzielen, je nach Herkunft und Lagerbedingungen.

Legenden rund um verborgene Teeschätze

In der chinesischen Teekultur gibt es zahlreiche Legenden über verborgene Teeschätze – Vorräte kaiserlicher Qualitätstees, die in Kellern, Höhlen oder Tempeln lagern. Die bekannteste beschreibt die kaiserlichen Teelager der Qing-Dynaste: Zehntausende von Pu-Erh-Kuchen, für Kaiser konserviert, wurden nach dem Fall der Qing 1912 auf Märkten verkauft. Manche Exemplare fanden ihren Weg in private Hände – und werden heute als Antiquitäten des Teemarkts für astronomische Preise gehandelt. Auch in Taiwan gibt es Geschichten über Teeschätze, die mit der chinesischen Republik 1949 auf die Insel gebracht wurden und in privaten Kellern reifen. Diese Legenden verbinden Tee mit Geschichte, Geheimnis und Wert – sie machen ihn zu mehr als nur einem Getränk.

FAQ: Die Legende vom Teeschatz

Was macht einen Tee zum „Schatz"? Alter, Seltenheit, Herkunft und Lagerungsbedingungen. Pu-Erh-Tees aus bestimmten Lagen und Jahrgängen können sich im Geschmack verbessern – ähnlich wie Wein – und damit an Wert gewinnen.

Kann man in Tee investieren? Ja, besonders in gereiften Pu-Erh. Der Markt ist jedoch spezialisiert und anfällig für Fälschungen. Expertise und vertrauenswürdige Händler sind unerlässlich.

Wie lagert man wertvolle Tees richtig? Dunkel, bei konstanter Temperatur (18–25°C), bei 60–75% Luftfeuchtigkeit, fernab von Gerüchen. Pu-Erh braucht etwas Luftzirkulation, grüne Schätze müssen luftdicht und kühl gelagert werden.

Gibt es staatlich geschützte Teesorten in China? Ja, die sechs Mutterpflanzen des Da Hong Pao im Wuyi-Gebirge stehen unter Staatsschutz. Ihre Ernte wurde 2006 offiziell eingestellt.

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