China Oriental Beauty Superior ist ein stark oxidierter Oolong mit honigsüßem, an reife Früchte erinnerndem Aroma — und einer der wenigen Tees, deren Geschmack ein Insekt erzeugt. Erst der Biss einer kleinen Zikade löst in den Blättern die Aromabildung aus. Hier erfahren Sie, woher der Tee stammt, warum er ohne Pflanzenschutz auskommen muss und wie der Aufguss gelingt.

Steckbrief
Pflanze/BasisCamellia sinensis; stark oxidierter Oolong (ca. 50-70 %)
Koffeingehaltca. 30-50 mg pro Tasse (200 ml)
Geschmacksprofilhonigsüß, vollmundig, Noten von reifen Früchten und Muskat
Wassertemperatur85-95 °C, nicht sprudelnd kochend
Ziehzeitwestlich 2-3 Minuten; Gongfu 30-45 Sekunden je Aufguss
Dosierung2-3 g pro 200 ml; Gongfu: ca. 5 g auf 100-150 ml
Aufgüsse4-6 Aufgüsse, Ziehzeit jeweils leicht verlängern
Preisspanneca. 10-25 € pro 100 g, Spitzenqualitäten darüber

Was Oriental Beauty Superior auszeichnet

Oriental Beauty, chinesisch Dongfang Meiren, gehört mit einem Oxidationsgrad von rund 50 bis 70 Prozent zu den am stärksten oxidierten Oolongs und nähert sich geschmacklich einem Schwarztee an, behält aber die typische Vielschichtigkeit seiner Teefamilie. Der Zusatz Superior kennzeichnet im Handel die höhere Blattqualität mit vielen weißspitzigen Knospen.

Der Tee zeigt ein fünffarbiges Blatt aus Weiß, Grün, Gelb, Rot und Braun und ergibt einen bernsteinfarbenen Aufguss. Sein Markenzeichen ist die natürliche Honignote mit Anklängen von reifen Früchten und Muskat — entstanden ganz ohne Aromatisierung. Wie unterschiedlich Oolongs ausfallen können, zeigt der Vergleich mit dem cremig-leichten Milky Oolong.

Das Geheimnis der Zikade

Das große Geheimnis dieses Tees hat sechs Beine: Kleine Blattzikaden (in Taiwan die Art Jacobiasca formosana) stechen die jungen Triebe an und saugen den Pflanzensaft wie durch einen Strohhalm. Was nach verdorbener Ernte aussieht, bewirkt das Gegenteil — die angestochenen Blätter beginnen zu welken, und die für Oolong unerlässliche Oxidation setzt bereits am Strauch ein.

Zugleich bildet die Pflanze als Abwehrreaktion Duftstoffe, die dem fertigen Tee seine charakteristische Honig- und Fruchtsüße verleihen. Verarbeitet werden gezielt die angebissenen Triebspitzen mit ein bis zwei Blättern, gepflückt im Hochsommer, wenn die Zikaden am aktivsten sind. Diese Auslese macht die Ernte aufwendig und erklärt den vergleichsweise hohen Preis.

Anzeige

Herkunft: Taiwan als Wiege, Anhui als Adresse

Seinen Ursprung hat Oriental Beauty in Taiwan, vor allem in den Bezirken Hsinchu und Miaoli, wo er auch unter Namen wie Bai Hao Oolong oder Pengfeng-Tee gehandelt wird. Der Legende nach soll eine britische Königin dem honigsüßen Tee begeistert den Namen Oriental Beauty gegeben haben — belegen lässt sich das nicht, erzählt wird es gern.

Die hier vorgestellte China-Variante stammt dagegen vom Festland: Im Teegarten Wangjia in der ostchinesischen Provinz Anhui hat man sich auf die Produktion dieser Rarität spezialisiert. Dass die Entstehung des Tees einem vermeintlichen Schädlingsbefall zu verdanken ist, passt zu seiner Teefamilie — auch die Entstehung des Oolong selbst wird auf glückliche Zufälle zurückgeführt.

Anbau ohne Pflanzenschutz

Damit die Zikaden überhaupt an den Blättern saugen, dürfen die Gärten keinerlei Insektizide einsetzen — die Anwesenheit der Tiere ist Voraussetzung für die Qualität, nicht ihr Feind. Der Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz ist hier also kein Verkaufsargument, sondern Produktionsbedingung.

Das macht die Erträge unkalkulierbar: Die Aromabildung hängt von Wetter, Zikadenpopulation und dem richtigen Pflückzeitpunkt ab, und trotz moderner Technik lässt sich der Prozess nicht unabhängig von der Umwelt nachbauen. Felder mit starkem Zikadenbesatz liefern weniger, aber deutlich aromatischere Blätter — ein Tausch, auf den sich die Produzenten bewusst einlassen.

Zubereitung: westlich oder Gongfu

Für die westliche Kanne genügen 2 bis 3 g Blätter auf 200 ml Wasser von 85 bis 95 °C bei zwei bis drei Minuten Ziehzeit — sprudelnd kochendes Wasser verbrennt die feine Süße. Kürzere Ziehzeiten betonen die Honignote, längere bringen mehr Körper und Würze.

Sein volles Spektrum entfaltet der Tee in der Gongfu-Methode: etwa 5 g auf 100 bis 150 ml im Gaiwan oder in einer kleinen Kanne, erster Aufguss 30 bis 45 Sekunden, danach jeweils leicht verlängern. Vier bis sechs Aufgüsse sind üblich, wobei sich das Profil von honigsüß zu fruchtig-würzig verschiebt. Wie sehr Anbauregion und Rollung das Ergebnis prägen, zeigt der Gegenvergleich mit den kugelig gerollten Formosa Oolong Jade Pearls.

Anzeige

Kauf, Preis und Lagerung

Gute Ware erkennen Sie am mehrfarbigen, unversehrten Blatt mit silbrigen Spitzen und am honigartigen Duft schon im trockenen Zustand. Realistische Preise beginnen bei etwa 10 Euro pro 100 g; taiwanesische Spitzenpflückungen kosten ein Mehrfaches. Auffällig billige Angebote enthalten oft stark oxidierte Standard-Oolongs ohne Zikadeneinfluss — ein Blick auf Herkunftsangabe und Erntejahr schafft Klarheit. Hintergründe zur Vielfalt der Teefamilie liefern die drei Theorien zum Oolong.

Dank der starken Oxidation ist Oriental Beauty lagerstabiler als grüne Oolongs: Luftdicht, dunkel und trocken aufbewahrt hält er 18 bis 24 Monate, ohne merklich abzubauen. Eine Dose aus Zinn oder Keramik abseits von Gewürzen und Kaffee bewahrt die Honignote am besten.

Häufige Fragen

Warum heißt Oriental Beauty auch Zikaden-Tee?
Weil kleine Blattzikaden die jungen Triebe anstechen. Die Pflanze reagiert mit Duftstoffen und beginnender Welke, wodurch die typische Honig- und Fruchtnote des Tees überhaupt erst entsteht.

Wie stark ist Oriental Beauty oxidiert?
Mit rund 50 bis 70 Prozent gehört er zu den am stärksten oxidierten Oolongs. Geschmacklich steht er damit näher am Schwarztee als an grünen, blumigen Oolong-Sorten.

Woher stammt China Oriental Beauty Superior?
Die Ursprungsregion des Stils ist Taiwan, vor allem Hsinchu und Miaoli. Die China-Variante wird im Teegarten Wangjia in der Provinz Anhui produziert.

Wie viele Aufgüsse verträgt der Tee?
In der Gongfu-Zubereitung sind vier bis sechs Aufgüsse üblich, beginnend mit 30 bis 45 Sekunden. Mit jedem Durchgang verschiebt sich das Aroma von honigsüß zu fruchtig-würzig.

Warum ist Oriental Beauty so teuer?
Die Ernte verlangt den Verzicht auf Pflanzenschutz, hängt von der Zikadenaktivität ab und beschränkt sich auf angebissene Triebspitzen in Handpflückung. Das senkt die Erträge und treibt den Preis ab etwa 10 Euro pro 100 g.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:

AS

André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.