Dass in Ostfriesland viel und gern Tee getrunken wird, ist bekannt, ebenso, dass die Ostfriesen sich ihre Mischungen gern selbst zusammenstellen. Der Ostfriesen-Sonntagstee ist eine solche Spezialität: Schon der Name verrät, dass es nicht um den Alltagstee geht, sondern um etwas Besonderes für den freien Tag. Was ihn auszeichnet, wie er mit Vanille verfeinert wird und wie die Zeremonie abläuft, lesen Sie hier.
| Pflanze/Basis | kräftiger Schwarztee, meist Assam, verfeinert mit Vanille |
|---|---|
| Koffeingehalt | hoch, ca. 50-90 mg pro Tasse (250 ml) |
| Geschmacksprofil | malzig, vollmundig, mit dezenter Vanillenote |
| Wassertemperatur | 100 °C (kochendes Wasser) |
| Ziehzeit | 3-5 Minuten je nach Stärke |
| Dosierung | ca. 1 TL (2-3 g) pro Tasse |
| Aufgüsse | 1 Aufguss |
| Preisspanne | ca. 4-9 € pro 100 g, mit echten Vanillestückchen mehr |
Ein eigener Tee für den Sonntag
Der gute Ruf der Ostfriesentees eilt ihnen weit voraus, sodass es ihre Mischungen längst auch außerhalb der Region zu kaufen gibt. Den Ostfriesen gelingt es durch ihr großes Wissen über Tee oft, Gutes noch besser zu machen, und der Sonntagstee ist ein schönes Beispiel dafür.
Der Sonntag ist der Tag, an dem alle frei haben, die Familie zusammenkommt und die Arbeit ruht. Gerade heute, wo die Grenzen zwischen Werktag und Wochenende verschwimmen, zelebrieren viele den Sonntag bewusst als Familientag. Zu einem besonderen Tag gehört etwas Besonderes auf dem Tisch, weshalb es naheliegt, ihm einen eigenen Tee zu widmen. Die regionale Trinkkultur dahinter beschreibt der Beitrag zur ostfriesischen Teekultur.
Vanille macht den Unterschied
Wie bei ostfriesischen Tees üblich, bildet ein guter Assam die Basis. Doch welche Zutat macht ihn zum Sonntagstee? Viele denken an die Sonntagsessen bei den Großeltern, an Braten und den Nachtisch für die Enkel, und bei kaum jemandem wecken Duft und Geschmack von Vanille nicht die schönsten Kindheitserinnerungen.
Naheliegend also, dass die Ostfriesen dem Assam ausgerechnet mit Vanille die Sonntagskrone aufsetzen. In günstigeren Mischungen wird nur das Aroma verwendet, in höherwertigem Tee finden sich dagegen echte Vanillestückchen. Wie sich ein Schwarztee mit Aromen sonst noch wandelt, zeigt der Klassiker Earl Grey.
So schmeckt der Sonntagstee
Bei einem guten Sonntagstee dominiert der Assam. Die Vanille riecht man nur leicht, wie eine vage Erinnerung, und auch beim Trinken bleibt sie mehr eine Ahnung. Der Tee ist längst nicht so bitter wie purer Assam, dennoch schmeckt man den Schwarztee trotz aller Süße der Vanille unverkennbar heraus.
Vorsicht ist bei der günstigen Version geboten, bei der nur das Aroma verwendet wird: Mitunter ist es rein chemisch erzeugt oder so intensiv, dass es alle anderen Noten übertönt und die Freude an der Vanille verdirbt. Anders als viele Kulturen haben die Ostfriesen ihren perfekten Tee im Schwarztee gefunden, ein grüner Tee begegnet einem beim Sonntagstee so gut wie nie. Zur Familie der norddeutschen Mischungen gehört auch der herbe Schietwetter Tee.
Die ostfriesische Teezeremonie
Auch der Sonntagstee wird nach ostfriesischer Art zubereitet. Zuerst kommt ein Stück weißer Kandis, der Kluntje, in die Tasse und knistert, sobald der heiße Tee darübergegossen wird. Anschließend lässt man über einen Sahnelöffel etwas Sahne hineingleiten, die als helle Wolke, das "Wulkje", wieder aufsteigt.
Gerührt wird nicht: So durchläuft jeder Schluck die drei Schichten aus sahniger Milde, kräftigem Tee und süßem Kandis. Gerade am Sonntag wird diese Zeremonie besonders gern und in Ruhe begangen. Welche Zutaten generell in norddeutsche Mischungen wandern, ordnet der Beitrag zur Ostfriesenmischung ein.
Zubereitung und für wen er sich eignet
Verwenden Sie sprudelnd kochendes Wasser und lassen Sie den Tee je nach gewünschter Stärke drei bis fünf Minuten ziehen. Für die Zeremonie geben Sie zuerst den Kluntje in die Tasse, gießen den Tee darüber und fügen zuletzt vorsichtig die Sahne hinzu, ohne umzurühren. Wer den Tee lieber pur trinkt, sollte ihn wegen seiner Kraft nicht zu lange ziehen lassen, damit er nicht zu herb wird.
Der Sonntagstee eignet sich für alle, die kräftigen, traditionellen Schwarztee schätzen und sich einen besonderen Genussmoment gönnen wollen. Wegen seines hohen Koffeingehalts passt er vor allem zu Vor- und Nachmittag und harmoniert wunderbar mit Kuchen und Gebäck.
Aufbewahrung und Haltbarkeit
Bewahren Sie den Tee kühl, trocken, lichtgeschützt und luftdicht verschlossen auf. So behält der kräftige Schwarztee sein Aroma gut ein bis zwei Jahre. Halten Sie ihn von stark riechenden Lebensmitteln fern, damit das feine Vanillearoma nicht überdeckt wird.
Bei Mischungen mit echten Vanillestückchen lohnt es sich, kleinere Mengen zu kaufen und zügig aufzubrauchen, da die feine Vanillenote mit der Zeit verfliegt. Eine dunkle Dose aus Zinn, Keramik oder gefärbtem Glas schützt das Aroma am besten vor Licht.
Häufige Fragen
Was ist der Ostfriesen-Sonntagstee?
Eine kräftige ostfriesische Schwarzteemischung auf Assam-Basis, die für den festlichen Anlass mit Vanille verfeinert wird. In hochwertiger Ware finden sich echte Vanillestückchen statt bloßem Aroma.
Wie unterscheidet er sich vom normalen Ostfriesentee?
Vor allem durch die feine Vanillenote. Der Sonntagstee bleibt kräftig und malzig, bekommt durch die Vanille aber eine dezente Süße, die ihn vom rein herben Alltagstee abhebt.
Wie trinkt man ihn traditionell?
Nach ostfriesischer Art mit Kandis (Kluntje) und einer Sahnewolke (Wulkje), ohne Umrühren. So durchläuft jeder Schluck drei Schichten aus Sahne, Tee und Kandis.
Enthält der Tee Koffein?
Ja, als kräftiger Schwarztee hat er einen hohen Koffeingehalt und eignet sich vor allem für den Vor- und Nachmittag, weniger für den späten Abend.
Schmeckt man die Vanille stark heraus?
Nein, bei guter Qualität dominiert der Assam. Die Vanille bleibt eine dezente Ahnung. Nur bei billigem, künstlichem Aroma kann sie aufdringlich werden und die anderen Noten übertönen.
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