Was ist drin?
Wie bei Ostfriesen Tees grundsätzlich üblich, bildet ein guter Assam Tee die Basis der Mischung. Aber welche Zutat macht den Assam nun zum Sonntagstee? Viele von uns denken gerne an die Sonntagsessen bei den Großeltern zurück. Häufig gab es leckeren Braten oder ähnliches und selbstverständlich hatte Oma auch an einen leckeren Nachtisch für die Enkel gedacht. Und bei wem wecken Duft und Geschmack von Vanille nicht die herrlichsten Kindheitserinnerungen? Naheliegend also, dass die Ostfriesen ausgerechnet mit Vanille dem Assam die Sonntags-Krone aufsetzen. Bei günstigeren Mischungen wird lediglich das Aroma verwendet, in Tee höherer Qualität findet man allerdings tatsächlich Vanillestückchen.Fazit
Vanille ist sehr beliebt und leider auch recht teuer. Doch gerade bei der günstigeren Version, bei der ausschließlich das Aroma verwendet wird, läuft man Gefahr, sich die Freude an der Vanille zu verderben. Aromatisierter schwarzer Tee gibt es überall zu finden. Zum einen ist es möglich, dass rein chemisch produziertes Aroma verwendet wurde. Zum anderen ist das zugesetzte Aroma teilweise so intensiv, dass es alle anderen Aromen übertönt. Bei einem guten Sonntagstee dominiert allerdings der Assam. Die Vanille riecht man nur leicht, wie eine wage Erinnerung und auch beim Trinken ist die Vanille mehr eine Ahnung. Der Tee ist lange nicht so bitter, wie purer Assam, dennoch schmeckt man den schwarztee trotz aller Süße der Vanille unverkennbar heraus. Im Gegensatz zu vielen anderen Kulturen, haben die Ostfriesen ihren perfekten Tee im schawarztee gefunden, man wird wohl selten auf einen grüntee am Ostfriesen Sonntagstee treffen.Bildnachweis: Ostfriesen Sonntagstee © cirquedesprit - Fotolia.comZubereitung und Empfehlung
Für die optimale Zubereitung von Ostfriesen Sonntagstee empfiehlt es sich, einen bis zwei Teelöffel der Teemischung mit 250 ml frisch gekochtem Wasser zu übergießen. Je nach Zusammensetzung der Mischung variiert die empfohlene Ziehzeit zwischen fünf und zehn Minuten.
Teemischungen sind häufig so komponiert, dass sich die Aromen der einzelnen Zutaten gegenseitig ergänzen und verstärken. Die richtige Ziehzeit ist dabei entscheidend: Zu kurz, und die tieferen Aromen entfalten sich nicht vollständig; zu lang, und die Balance der Mischung kann durch dominante Einzelnoten gestört werden.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Jiaogulan Tee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Yan Cha Felsentee.
Aufbewahrung und Haltbarkeit
Ostfriesen Sonntagstee sollte wie alle Teemischungen kühl, trocken und lichtgeschützt aufbewahrt werden. Eine luftdichte Teedose schützt vor Feuchtigkeit und Fremdgerüchen und bewahrt das Aroma für zwölf bis achtzehn Monate.
Achten Sie beim Kauf auf die Qualität der einzelnen Zutaten. Hochwertige Teemischungen verwenden ganze oder nur leicht gebrochene Blätter, Blüten und Früchte, während minderwertige Produkte oft stark zerkleinerte Reste enthalten.
Zubereitung von Ostfriesen-Sonntagstee
Der Ostfriesen-Sonntagstee ist die festlichste und hochwertigste Variante des ostfriesischen Schwarztees. Während Ostfriesische Mischung der alltägliche Tee des Ostfriesen ist, wird der Sonntagstee nur zu besonderen Anlässen genossen und zeichnet sich durch noch feinere, handverlesene Teeblätter aus. Die traditionelle ostfriesische Teezubereitung ist ein Ritual: Zuerst wird die Teekanne aus hochwertigem Porzellan mit heißem Wasser ausgespült und vorgewärmt. Dann werden pro Tasse (circa 150 ml) ein Teelöffel feiner Ostfriesen-Sonntagstee eingemessen. Das Wasser muss frisch aus dem Hahn und sprudelnd kochen, bevor es über den Tee gegossen wird. Ziehzeit: fünf bis sieben Minuten. Entscheidend für die ostfriesische Teezeremonie ist das sogenannte „Kluntje" (großes Stück Kandiszucker), das in die Tasse gelegt wird. Dann wird Sahne (keine Milch!) über den Tee gegeben, sodass eine Sahnewolke entsteht. Gerührt wird nicht – man trinkt durch die Schichten. Drei Tassen sind Tradition, mehr ist unhöflich zu verweigern.
Wirkung und Bedeutung des Ostfriesen-Sonntagstees
Der Ostfriesen-Sonntagstee ist nicht nur ein Getränk, sondern ein kulturelles Phänomen. Ostfriesland ist die teetrinkende Region Deutschlands schlechthin: Pro Kopf werden dort jährlich fast drei Kilogramm Tee getrunken – mehrfach mehr als im deutschen Durchschnitt. Der Schwarztee enthält Koffein und Theophyllin, die wachmachend wirken und die Konzentration fördern. L-Theanin, auch im Schwarztee vorhanden, mildert die Koffeinwirkung und sorgt für ruhige Wachheit. Theaflavine und Thearubigine, die für die rote Farbe des Schwarztees verantwortlich sind, wirken antioxidativ und können Herz und Kreislauf schützen. Der hohe Gerbstoffgehalt wirkt adstringierend auf den Verdauungstrakt und kann bei Durchfall lindernd wirken. Die kulturelle und soziale Wirkung des Sonntagstees ist mindestens so bedeutsam wie die biochemische: Er schafft Gemeinschaft, symbolisiert Gastfreundschaft und Gastlichkeit und ist tief in der ostfriesischen Identität verwurzelt. Die UNESCO hat die ostfriesische Teekultur 2016 in die Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen.
Geschichte und Kulturgeschichte des Ostfriesen-Tees
Tee kam im 17. Jahrhundert durch niederländische Händler nach Ostfriesland, das damals unter niederländischem Einfluss stand. Von Anfang an begeisterten sich die Ostfriesen für das neue Getränk und entwickelten eine eigene, unverwechselbare Teekultur. Im 18. Jahrhundert war Teetrinken in Ostfriesland so verbreitet, dass Friedrich der Große vergeblich versuchte, es durch Verbote und Porzellaneinfuhrzölle einzuschränken. Die ostfriesische Mischung – eine Mischung aus kräftigen Assam-Tees und anderen Schwarz-Sorten – entwickelte sich im 19. Jahrhundert als Reaktion auf das harte ostfriesische Wasser, das nur kräftige Tees gut zur Geltung bringen kann. Der Sonntagstee entwickelte sich als Premium-Variante für besondere Anlässe. Ostfriesische Teehäuser wie Bünting, Thiele und Onno Behrends sind seit Generationen bekannte Marken. Heute ist der Ostfriesen-Tee mit seinem rituellen Genuss ein UNESCO-Kulturerbe und Touristenmagnet der Region.
Häufige Fragen zum Ostfriesen-Sonntagstee
Was unterscheidet Ostfriesen-Sonntagstee von normaler Ostfriesischer Mischung?
Der Sonntagstee verwendet feinere, handverlesene Blätter und ist oft aus einer selektiveren Ernte. Er hat ein komplexeres, feineres Aroma und ist für besondere Anlässe bestimmt, während die alltägliche Mischung kraftvoller und zugänglicher ist.
Warum wird Sahne statt Milch verwendet?
Sahne verleiht dem Tee eine cremigere Textur und einen milderen, runderen Geschmack. In Ostfriesland hat sich diese Tradition über Jahrhunderte entwickelt. Die Sahnewolke soll zudem ästhetisch schön sein und ist Teil des Rituals.
Wie viele Tassen Tee trinkt man beim ostfriesischen Teeritual?
Traditionell werden drei Tassen getrunken. Die erste Tasse begrüßt den Gast, die zweite ist für das Gespräch und die dritte verabschiedet ihn. Den Löffel in die Tasse zu legen bedeutet, man möchte keine weitere Tasse.
Kann ich Ostfriesen-Sonntagstee online kaufen?
Ja, alle großen ostfriesischen Teemanufakturen (Bünting, Thiele, Onno Behrends) verkaufen ihre Tees online. Auch in spezialisierten deutschen Teeshops und auf Amazon sind ostfriesische Mischungen erhältlich.
Verwandte Artikel
Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:
- Chai Tee (Teemischung)
- Adventstee und Weihnachtstee (Teemischung)
- Stehauf Männchen Tee (Teemischung)
- Nieren und Blasen Tee (Teemischung)
- Erkältungstee (Teemischung)
- Hagebuttentee (Früchtetee)
- Was wäre England heute ohne Tee? (Mythen)
- Kamillentee (Kräutertee)