Legende oder Wahrheit?
Sowohl die Stadt Guilin, als auch die Quelle des weißen Drachen gibt es bis heute, den Tee sowieso. Nun wird sich jeder allerdings sicher sein, dass es keine Unsterblichen gibt oder je gegeben hat. Dazu muss man allerdings wissen, dass zur Zeit, als dieser Mythos entstand, jene Menschen als "Unsterbliche" bezeichnet wurden, die "die Erleuchtung erlangt" hatten. Damit war gemeint, dass diese Menschen, häufig buddhistische Mönche, durch ein asketisches Leben mit einem größtmöglichen Anteil an Meditation, eine andere Bewusstseinseben erlangten. Sie waren sehr spirituell, in sich gekehrt und waren deshalb zum Beispiel bei Ratsuchenden zu allen möglichen Lebensfragen, sehr beliebt. Liu könnte also wirklich gelebt haben. Wenn, dann war er vermutlich ein Mönch, der zurückgezogen in der näheren Umgebung der Quelle des weißen Drachen lebte und einen festen Tagesablauf mit Teezeremonie und Meditation verbrachte. Im Laufe dieser Mediationen ist es durchaus möglich, dass er meinte, in den Dampfschwaden des Tees einen weißen Drachen zu sehen. Auch ist es denkbar, dass ausgerechnet diese Quelle eine ganz besondere Mineralstoffzusammensetzung hatte und vielleicht sogar bis heute hat, aufgrund deren der Tee tatsächlich einen ganz besonderen Duft und Geschmack bekam.Fazit
Auch zu dem Mythos über Liu Xian Yan und die Quelle des weißen Drachen lässt sich letzten Endes also nichts anderes sagen, als über die meisten anderen Teemythen auch: Es gibt einen wahren Kern, der nicht von der Hand zu weisen ist. Dennoch sollte man auch diese Legende nicht wortwörtlich nehmen. Die Geschichten, die sich die Chinesen seit Jahrhunderten über ihre verschiedenen Tees erzählen reflektieren allesamt das damalige Leben wieder. Sie sind Abbilder dessen, was damals von Bedeutung war. Dabei wurden die sogenannten Unsterblichen zum Teil stärker verehrt, als die Götter, da die Unsterblichen ebenfalls Menschen waren und sich als solche auch ihrer Kräfte bewusst waren. So entwickelte sich nach und nach neben dem Buddhismus der Taoismus, eine der "Drei Lehren", die bis heute das Leben in China maßgeblich beeinflussen. Aber auch wir, in unserer westlichen Kultur können selbst oder ganz besonders in der heutigen Zeit, etwas aus diesen Geschichten und Legenden mitnehmen. Stress und Hektik sind zu einem gewissen Teil hausgemacht. Wir haben es oft schlicht und einfach verlernt, uns ganz bewusst für alltägliche aber deswegen nicht weniger schöne Dinge Zeit zu nehmen. Sicher ist eine Tasse Tee nichts allzu besonderes. Selbstverständlich kommt es auch stark auf die jeweilige Sorte an, die man gerade trinkt, aber im ganz normalen Alltag, ist Tee nichts Außergewöhnliches. Trotzdem sind wir uns häufig seines vollen Geschmacks gar nicht bewusst. Nehmen wir uns statt dessen aber mal nur wenige Minuten Zeit, trinken unseren Tee mit voller Aufmerksamkeit, fallen uns sicher Dinge auf, die wir vorher gar nicht wahr genommen haben. Schließen wir die Augen, intensivieren sich Geschmacks- und Geruchssinn. Hätten wir unseren Lieblingstee vorher an seinem Duft erkannt? Wer hat nicht als kleines Kind einmal im Gras gelegen, die Wolken beobachtet und war bereits nach kurzer Zeit erstaunt, wie viele verschiedene Dinge und Gestalten man plötzlich in den weißen Gebilden am blauen Himmel entdecken kann? Warum dies nicht auch einmal mit einer dampfend heißen Tasse Tee wiederholen? Und wer weiß, vielleicht sieht man so gedankenversunken bald selbst einen weißen Drachen in seinem Tee... Bildnachweis: Liu Xian Yan und der weiße Drache © leungchopan - Fotolia.comZubereitung des Liu Xian Yan Tees
Liu Xian Yan (留仙岩, „Unsterblicher bleibt auf dem Felsen") ist ein Wuyi-Yancha, benannt nach einem der charakteristischen Felsen des Wuyi-Gebirges. Als Felsentee der höchsten Kategorie (Zheng Yan, „echter Felsen") wird er nach der Gongfu-Cha-Methode zubereitet: Kochendes Wasser (95–100°C), kleines Gaiwan (100 ml), 8 g Tee. Der erste kurze Aufguss wird verworfen. Anschließend zieht man in schnellen Infusionen: 15 Sekunden für den zweiten, dann schrittweise verlängernd. Die Blätter eines guten Liu Xian Yan entfalten sich langsam und zeigen nach mehreren Aufgüssen vollständige grün-braune Blätter mit rotem Rand – ein Zeichen für traditionelle Verarbeitung. Das Getränk ist tiefgolden mit einem unverwechselbaren Mineral- und Raucharoma.
Mineralien und Gesundheit: Was der Felsen dem Tee gibt
Der Felsencharakter (Yan Yun) der Wuyi-Oolongs ist nicht nur metaphorisch: Das vulkanische Gestein des Wuyi-Gebirges ist reich an Mineralien wie Mangan, Zink, Selen und Kupfer, die über das Wurzelsystem in die Teeblätter gelangen. Diese Spurenelemente machen Wuyi-Yancha zu einem der mineralreichsten Tees der Welt. Selen, das in vielen Böden weltweit fehlt, ist in Wuyi-Tees in relevanten Konzentrationen vorhanden – Selen ist ein essenzielles Antioxidans, das Zellschäden abwehrt und das Immunsystem stärkt. Die Polyphenole des Yancha, kombiniert mit der Röstung, ergeben ein besonders stabiles Antioxidantienprofil, das auch nach mehreren Monaten Lagerung kaum abbaut.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber Yan Cha Felsentee. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu chinesische Teekultur. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Legende: Der Weise Drache und der Unsterbliche
Im Wuyi-Gebirge sind Legenden und Teekultur untrennbar verbunden. Die Geschichte des Liu Xian Yan erzählt von einem weisen Unsterblichen (Xian), der auf dem Felsen meditierte und so tief in den Zustand des Wu Wei (Nicht-Handeln, spontanes Fließen) versank, dass er die Zeit vergaß. Ein Drache, der das Wasser des nahegelegenen Baches hütete, beobachtete ihn respektvoll. Als der Unsterbliche erwachte, bot der Drache ihm Wasser und Teeblätter vom Felsenbusch an. Der Tee, geprägt von Mineralwasser und Drachenweisheit, erhielt besondere Kräfte – und der Felsen wurde nach dem Unsterblichen benannt, der dort rastete. Diese Art von Legenden, in denen Drachen, Unsterbliche und Tee zusammenkommen, ist charakteristisch für die taoistisch geprägte Teemythologie Fujians.
FAQ: Liu Xian Yan und der Weise Drache
Was bedeutet Zheng Yan (正岩) Klassifizierung? Zheng Yan bezeichnet Tees aus dem inneren Kern des Wuyi-Schutzgebiets – die teuerste und renommierteste Klassifizierung. Ban Yan (Halbfelsen) und Zhou Cha (Uferland) sind minderwertige Herkünfte, die aber günstiger sind.
Warum spielt der Drache in der chinesischen Teekultur eine so große Rolle? Der Drache ist in der chinesischen Mythologie das edelste Tier, das Weisheit, Wasser und kosmische Kräfte verkörpert. Tee, der mit einem Drachen assoziiert wird, erhält automatisch höchsten symbolischen Status.
Wie unterscheidet sich Liu Xian Yan von Da Hong Pao? Beide sind Zheng Yan Oolongs, aber Da Hong Pao ist der bekannteste und teuerste. Liu Xian Yan hat ein eigenständiges Aromaprofil, das von Da Hong Pao leicht abweicht – oft etwas blumiger und mit weniger dominanten Röstnoten.
Ist Wuyi-Tee wirklich ein Heilmittel? Wuyi-Tees haben wie alle hochwertigen Oolongs wissenschaftlich belegte gesundheitliche Vorteile. Als medizinisches Heilmittel im klinischen Sinne ist er jedoch nicht anerkannt.
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