Der unbekannte Mönch


Über Tee gibt es zahlreiche Zitate. Die Liste scheint nahezu unendlich. Aus jedem Teil der Erde, in dem Tee getrunken wird, aus jeder Epoche und von Menschen quer durch alle Schichte und gesellschaftliche Bedeutungen, gibt es Sprichwörter, Redewendungen oder auch Vergleiche, die mit Tee zu tun haben.

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Eine davon lautet: „Schützende Gottheiten werden helfen, Eltern werden respektiert und unterstützt, böse Geister werden vergehen, wenn der Schlaf nicht willkommen ist, wird man voller Lebenskraft sein, die inneren Organe werden in Einklang gebracht, Krankheit und Unglück enden, Freundschaft wird erneuert, Gedanke und Verhalten werden aufrichtig, Schwierigkeiten und Sorgen schwinden, im Angesicht des Todes wird man nicht im Chaos versinken.“

Als Quellenangabe zu dieser Lebensweisheit, die sich wohl auf die Wirkung von regelmäßigem Teegenuss bezieht, findet man lediglich den Hinweis, dass es sich dabei um einen buddhistischen Mönch handelt. Nähere zeit- oder Ortsangaben, oder gar ein Name, fehlen gänzlich.

Legende oder Wahrheit?

Kann man in so einem Fall solch einem Zitat trauen? Nun, was diese Frage betrifft, gibt es zwei Punkte, die beachtet werden müssen. Zum einen geht es sicher um die Herkunft, also um die Frage, ob diese Aussage tatsächlich von einem buddhistischen Mönch stammt. Der zweite Punkt dagegen betrifft den Inhalt. Ist das gesagte wirklich zutreffend? Oder vielleicht einfach nur so dahin gesagt?

Und was wäre eigentlich, wenn nur ein Teil davon zutrifft? Hätte tatsächlich ein Mönch, egal welche Glaubensrichtung er vertrat, etwas völlig falsches oder unzutreffendes gesagt, so hätte man sich sicher nicht die Mühe gemacht, dieses Zitat über Jahrzehnte, wahrscheinlicher sogar Jahrhunderte hinweg, zu bewahren und weiter zu geben. Im umgekehrten Fall dagegen müsste man sich hingegen Gedanken machen, ob des Wer? tatsächlich so bedeutend wäre, wenn das Was? doch stimmt.

Gleich beim ersten Lesen entsteht recht schnell der Eindruck, dass dieser Text von einer spirituellen Person stammt, die leidenschaftlich und viel Tee trinkt. Von buddhistischen Mönchen ist bekannt, dass sie täglich einen Großteil des Tages mit Mediationen verbrachten und dabei Tee tranken um sich wach zu halten. Ziel dieser Meditationen war es, eine „höhere Stufe“ zu erreichen. Die Mönche sollten sich dabei so viel Weisheit und einen solchen Weitblick die Dinge des Lebensbetreffend aneignen, dass sie den ratsuchenden aus der „normalen“ Bevölkerung ihre Fragen beantworten konnten. Lange Zeit war es üblich, dass sich Menschen, die in ihrem Leben nicht weiter wussten, oder die irgendeine Unwissenheit quälte, in ein Kloster gingen und dort einen der Mönche um Antwort oder Lösung baten.

Es war also üblich, dass die Mönche bei ihren Meditationen über das Leben nachdachten. Naheliegend, dass ihnen dabei irgendwann auch einmal der Tee in den Sinn kam, der ihnen so sehr bei ihrem stundenlangen In-sich-kehren half. Man kann sich also durchaus vorstellen, dass ein Mönch sich irgendwann über die Wirkungen von Tee Gedanken macht. Dieser Punkt des Zitates wäre damit zwar nicht bewiesen, aber immerhin schlüssig begründet.

Damit also zum Inhalt der Aussage. Vieles würde man zwar heute nicht mehr so formulieren, zieht man allerdings die Quintessenz daraus, wird wohl jeder Teefan zustimmen. Tee ist zwar einerseits anregend, man bleibt wach dabei. Andererseits wirkt er aber auch ungemein beruhigend. Gerade in Situationen, in denen viele verängstigt, verstört oder gar panisch reagieren, kann es mit Hilfe von Tee gelingen, sich zu beruhigen, seine Mitte wieder zu finden und so wesentlich souveräner mit dem Problem umzugehen.

Fazit

Nutzt man dieses alte Zitat des unbekannten buddhistischen Mönchs, um bei einer Tasse Tee darüber nachzudenken, dann machen sich wohl genau die Punkte bemerkbar, die der Mönch angesprochen hat. Sobald man nämlich seinen Tee nicht einfach so nebenbei und fast unbemerkt trinkt, sondern sich Zeit nimmt für bewussten Genuss, so wird man ganz schnell spüren, dass man sprichwörtlich mit jedem Schluck ruhiger wird.

Dazu ist tatsächlich keine stundenlange Mediation nötig. Man sollte einfach außer Tee trinken schlichtweg gar nichts tun. Konzentriert man sich auf den Tee, nimmt man den Duft intensiver wahr, spürt die warme Tasse in den Händen und fühlt den warmen Tee. Man kann sogar nachspüren, wie der Tee nach dem Schlucken durch die Speiseröhre fließt. Spätestens jetzt ist garantiert jeder noch so gehetzte und gestresste Teetrinker schon um einiges ruhiger geworden. „Böse Geister“ sind „vergangen“, „Gedanke und Verhalten wurden aufrichtig, Schwierigkeiten und Sorgen schwanden.

 

 

Bildquelle: Tibetan tea teapot in the hands of a monk in Nepal/cococinemacom/fotolia.com

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