Legende oder Wahrheit?
Aber ist das nicht doch ein wenig übertrieben? Nahm ein Mord damals in China einen so verhältnismäßig geringen Stellenwert ein? Konnte man es wirklich eher verzeihen, dass einem unschuldigen Menschen das Leben genommen wurde, als dass jemand beispielsweise seine Hand über die Tasse legte, um nicht noch einmal nachgeschenkt zu bekommen? War es wirklich schlimmer, seinen Tee nicht leer zu trinken, als jemanden aus niederen Beweggründen gewaltsam zu töten? Muss man dieses alte Sprichwort wirklich wörtlich nehmen, oder ist es doch mehr als übertriebener Vergleich gemeint? Da weder eine Zeit, noch eine Region Chinas überliefert sind, aus denen diese Redewendung stammt, dürfte es schwierig sein, diese Fragen endgültig und vor allem eindeutig zu beantworten. Eine Person, sozusagen einen konkreten "Erfinder" gibt es schon gar nicht. Diese Daten hätten aber sehr hilfreich sein können. Wäre die Aussage beispielsweise jemandem zugeschrieben worden, der als besonders streng und schon regelrecht über-konsequent galt, was die Regeln bei Tee betraf, dass hätte man wohl darauf schließen können, dass "Ein Mord mag verziehen werden, eine Unhöflichkeit beim Tee nie!" wohl tatsächlich wortwörtlich verstanden werden sollte. Wüsste man dagegen, dass diese Aussage aus einer Zeit stammt, in der es in China sehr gewaltsam zuging, die Bevölkerung beim Anblick all der Gräuel verständlicher Weise regelrecht abgestumpft war und etwas wie Mord als fast schon zum Alltag gehörend angesehen wurde, so könnte man daraus ebenfalls Schlüsse ziehen. Der Satz wäre dann zwar sicher nicht weniger ernst gemeint, allerdings würde er doch etwas relativiert, da Mord wohl zu dieser Zeit als nicht so schwerwiegend betrachtet wurde.Fazit
Doch selbst, wenn diese doch recht drastische Redewendung weder einem Ort, noch einer Zeit oder gar einer Person zugeordnet werden kann, sollte man sie doch ernst nehmen. In China wird sie auch heute noch teilweise als Sprichwort genutzt. Ebenso sind Tradition und vor allem Ehre fest verwurzelte Werte, die in dieser Kultur nahezu über allem stehen. Ein Fehlverhalten während einer Teezeremonie mag heutzutage vielleicht nicht ganz so unverzeihlich gesehen werden, wie ein Mord, dennoch sollte man das Regelwerk sehr ernst nehmen, sollte man einmal die Gelegenheit bekommen, bei einem Chinesen Tee zu trinken. Die "Do's and Dont's" sind kein Geheimnis. Und da schon bekannt ist, wie bedeutend diese Höflichkeiten speziell für Chinesen sind, sollte man sich auch die Mühe machen, sich vorab ausreichend über die entsprechenden Verhaltensweisen zu informieren. Es ist kein großer Aufwand die Traditionen zu studieren und selbst wenn man nur die Grundzüge kennt, beweist man seinem Gastgeber damit bereits, dass man ihn schätzt, für die Einladung ehrlich dankbar ist und seine Kultur und Traditionen respektiert und zumindest keine bewussten Fehler machen möchte. Sollte einem dann doch ein Ausrutscher passieren, weiß der Gastgeber immerhin, dass es nicht als Kränkung gemeint war. In einem offenen Gespräch kann man dann das entsprechende Missverständnis sicher schnell aus der Welt schaffen. Bildquelle: Girl in japanese style/Alex Azarov/fotolia.comGiftige Pflanzen, die wie Tee aussehen
Nicht jedes Kraut, das wie Tee aussieht oder riecht, ist genießbar – einige Pflanzen sind hochgiftig und wurden in der Geschichte tatsächlich für Vergiftungen verwendet. Der bekannteste „Mordstee" in der europäischen Geschichte ist Schierling (Conium maculatum), der zum Tod des Sokrates führte, aber auch der Eisenhut (Aconitum), Tollkirsche (Atropa belladonna) und der Fingerhut (Digitalis) wurden als Giftpflanzen in Tees eingesetzt. In der kriminellen Nutzung waren diese Pflanzen attraktiv, weil ihr Geschmack durch Kräuter oder Gewürze leicht überdeckt werden konnte. In Detektivromanen – von Agatha Christie bis zu modernen Thrillern – spielt vergifteter Tee eine klassische Rolle als Mordmittel.
Historische Vergiftungsfälle durch Kräutertees
Die Geschichte kennt erschreckende Verwechslungen zwischen essbaren und giftigen Kräutern. Beinwell (Symphytum officinale) enthält Pyrrolizidinalkaloide, die lebertoxisch sind – jahrzehntelang wurde Beinwell als Kräutertee gegen Gelenkschmerzen eingenommen, bis die Schäden offensichtlich wurden. Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea) wächst auf Wiesen und sieht harmlos aus, ist aber hochgradig lebertoxisch. In der modernen Welt ist die Verwechslungsgefahr durch mangelnde Pflanzenkenntnisse gestiegen: Wer unbekannte Pflanzen pflückt und als Tee aufbrüht, riskiert schwere Vergiftungen. Besonders gefährlich: Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) ähnelt im Frühjahr dem Bärlauch – Verwechslungen mit tödlichem Ausgang sind dokumentiert.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Sicherheit beim Kräutertee-Sammeln
Wildkräuter-Tees selbst zu sammeln ist ein schönes Hobby, aber mit Respekt für die Risiken zu betreiben. Grundregeln: Nur Pflanzen pflücken, die man mit 100%iger Sicherheit identifizieren kann. Im Zweifelsfall weglassen. Bestimmungsbücher kaufen und idealerweise einen Kräuter-Kurs belegen. Pflanzen in umweltverschmutzten Gebieten (Straßenränder, alte Industriegelände) meiden. Kinder von giftig-ähnlichen Pflanzen fernhalten. Auch scheinbar harmlose Mengen einiger Giftpflanzen können bei Kindern lebensbedrohlich sein. Die Giftnotrufzentrale (Deutschland: 030 19240) ist bei Verdacht auf Vergiftung sofort zu kontaktieren. Im Zweifel: lieber guten Bio-Kräutertee aus dem Handel kaufen.
Häufig gestellte Fragen zu giftigen Kräutern und Tee
Welche Kräuter sind als Tee absolut verboten?
Eisenhut, Tollkirsche, Schierling, Herbstzeitlose, Fingerhut, Jakobskreuzkraut – alle hochgiftig, kein kulinarischer Einsatz möglich.
Was mache ich bei Vergiftungsverdacht durch Kräutertee?
Sofort Giftnotruf anrufen (030 19240 in Deutschland). Die Pflanze wenn möglich mitbringen oder fotografieren. Kein Erbrechen selbst einleiten ohne ärztlichen Rat.
Ist Beinwell-Tee gefährlich?
Innerlicher Gebrauch wird wegen Pyrrolizidinalkaloiden nicht empfohlen. Äußerlich als Salbe ist er weiter gebräuchlich.
Was ist der giftigste legale Tee, der in Europa verkauft wird?
Kein legaler Tee sollte giftig sein. Aber Produkte mit zu hohem Gehalt an Pyrrolizidinalkaloiden (in manchen Kräutermischungen) können bei regelmäßigem Konsum leberschädigend sein.
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