Alter Tee schmeckt nicht


Tee ist ein sehr sensibles und äußerst empfindliches Naturprodukt. Bei falscher oder auch zu langer Lagerung „raucht der Tee aus“, was nichts anderes bedeutet, als dass die ursprünglich wohlschmeckenden Blätter nahezu sämtliches Aroma und jeden Geschmack verlieren. Noch schlimmer, wenn der Tee evtl. sogar modrig nach altem Keller schmeckt.

Alter Tee schmeckt nicht

Diese bekannten Tatsachen lassen sicher nur eine Schlussfolgerung zu: Tee muss man möglichst frisch trinken. Je älter ein Tee bereits ist, desto geringer automatisch seine Qualität. Aroma und Geschmack gehen im Laufe der Zeit zunehmend verloren, weshalb man Tee möglichst frisch trinken sollte. Ganz im Gegensatz zum Wein, der ja mit dem Alter immer besser wird, sollte man von altem Tee also besser die Finger lassen, oder?

Legende oder Wahrheit?

Überraschender Weise lässt sich diese Aussage eben nicht so eindeutig in jedem Fall bestätigen. Auch beim Wein kommt es bekannter Masen auf die richtige Lagerung an. Steht eine Flasche zu warm oder zu kalt, trocknet der Korken aus,… es gibt viele Möglichkeiten, wie ein Wein mit den Jahren statt immer besser zu werden, doch ganz schnell verderben kann. Und bei Tee scheint es ähnlich zu sein, dass man mit der richtigen Lagerung die Qualität nicht nur bewahren, sondern sogar verbessern kann. Und noch eine Parallele zum Wein scheint es zu geben: Nicht jeder Wein ist für lange Lagerzeiten gemacht. Und auch beim Tee kommt es entscheidend auf die Sorte an.

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Seit einiger Zeit gibt es unter Teekennern nämlich einen Begriff, der fast schon für eine kleine Revolution steht: „Vintage Teas“. Vintage ist scheinbar nicht nur in der Mode und in Sachen Möbel derzeit ein Renner. Aber was um alles in der Welt ist ein Vintage Tee?

Damit sind ausnahmslos die chinesischen Pu-Erh-Tees gemeint, die bereits mehrere Jahrzehnte alt sind. Und das ist für die Teehändler tatsächlich ein äußerst lukratives Geschäft. So findet man beispielsweise Angebote für einen Yiwu Pu-Erh, Jahrgang 1960, bei denen 20 Gramm mehr als 30 Euro kosten. Für 100 Gramm zahlt sogar mehr als stolze 160 Euro.

Eigentlich war dieser Pu Erh aus der Region Yiwu in China ausschließlich den Teebauern vorbehalten. Doch die waren scheinbar nicht so durstig, wie gedacht. Warum auch immer, es sind noch kleine Restbestände dieses Tees, der inzwischen stolze 53 Jahre alt ist, übrig. Dank des milden Klimas in seiner Heimat, ist dieser Tee nicht nur immer noch genießbar, er hat auch einige Eigenschaften, die auch seinen alten Teebauern Chinas zugeschrieben werden.

Die Fans dieses Tees schwören, dass dieser Pu Erh Tee ganz und gar die Zeit vergessen hat, ebenso wie ein alter Teebauer. Zudem gibt er seine Aromenvielfalt nur nach und nach ab. So schmeckt jede Tasse, jeder Aufguss anders. Von süßem Sandelholz bis hin zu kräftigen Erdtönen sind alle Geschmacksvarianten vertreten. Das schafft kaum ein junger Tee.

Fazit

Sicher ist es nicht ratsam, seine Teebeutel z. B. 10 Jahre oder länger im Schrank liegen zu lassen und dann zu erwarten, dass sich einem ein wunderbares Geschmackserlebnis offenbart, wenn man sich nach all der Zeit wieder eine Tasse davon zubereitet. Andererseits bleibt auch die Frage offen, ob es wirklich gerechtfertigt ist, für so alten Tee, auch wenn er noch so aromatisch ist, ein Vielfaches des „normalen“ Preises zu bezahlen.

Aber auch in diesem Fall entscheidet einfach der individuelle Geschmack. Wer es sich leisten kann und gerne einmal so einen Vintage Tee probieren möchte, kann und sollte das auch gerne tun. Vielleicht ergibt sich sogar die Gelegenheit zu einem direkten Geschmacksvergleich alter Tee gegen neuen Tee. Und dann kann man immer noch beurteilen, ob die teure Vintage Variante wirklich so viel anders und vor allem auch besser schmeckt, dass man weiterhin bereit wäre, den Preis dafür zu bezahlen.

Doch selbst dann wird man es wohl auch hier wieder handhaben, wie beim Wein: so einen besonderen und edlen Tropfen hebt man sich für ganz besondere Anlässe auf. Wohl niemand wird auf die Idee kommen, sich seinen wertvollen Vintage Pu-Erh im Büro schnell, schnell zwischen Meeting, E-Mails schreiben und Telefonkonferenz zuzubereiten. Für so einen Tee wählt man auf jeden Fall einen ruhigen Ort und eine ruhige Zeit. Schon die Zubereitung wird ein ganz besonderes Ritual und Aufguss für Aufguss wird jeder einzelne Schluck ganz bewusst genossen.

Warum nicht auch mal einen auf „Tee-Nerd“ machen, sich Freunde einladen, eine kleine Teezeremonie mit Teekännchen abhalten und sich stundenlang beim Vintage Tee über dessen Besonderheiten und das tragende Aroma des aktuellen Aufgusses unterhalten?

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Bildnachweis: verschiedene Teesorten ©Thinkstock: iStockphoto

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