Legende oder Wahrheit?
Überraschender Weise lässt sich diese Aussage eben nicht so eindeutig in jedem Fall bestätigen. Auch beim Wein kommt es bekannter Masen auf die richtige Lagerung an. Steht eine Flasche zu warm oder zu kalt, trocknet der Korken aus,... es gibt viele Möglichkeiten, wie ein Wein mit den Jahren statt immer besser zu werden, doch ganz schnell verderben kann. Und bei Tee scheint es ähnlich zu sein, dass man mit der richtigen Lagerung die Qualität nicht nur bewahren, sondern sogar verbessern kann. Und noch eine Parallele zum Wein scheint es zu geben: Nicht jeder Wein ist für lange Lagerzeiten gemacht. Und auch beim Tee kommt es entscheidend auf die Sorte an.Seit einiger Zeit gibt es unter Teekennern nämlich einen Begriff, der fast schon für eine kleine Revolution steht: "Vintage Teas". Vintage ist scheinbar nicht nur in der Mode und in Sachen Möbel derzeit ein Renner. Aber was um alles in der Welt ist ein Vintage Tee? Damit sind ausnahmslos die chinesischen Pu-Erh-Tees gemeint, die bereits mehrere Jahrzehnte alt sind. Und das ist für die Teehändler tatsächlich ein äußerst lukratives Geschäft. So findet man beispielsweise Angebote für einen Yiwu Pu-Erh, Jahrgang 1960, bei denen 20 Gramm mehr als 30 Euro kosten. Für 100 Gramm zahlt sogar mehr als stolze 160 Euro. Eigentlich war dieser Pu Erh aus der Region Yiwu in China ausschließlich den Teebauern vorbehalten. Doch die waren scheinbar nicht so durstig, wie gedacht. Warum auch immer, es sind noch kleine Restbestände dieses Tees, der inzwischen stolze 53 Jahre alt ist, übrig. Dank des milden Klimas in seiner Heimat, ist dieser Tee nicht nur immer noch genießbar, er hat auch einige Eigenschaften, die auch seinen alten Teebauern Chinas zugeschrieben werden. Die Fans dieses Tees schwören, dass dieser Pu Erh Tee ganz und gar die Zeit vergessen hat, ebenso wie ein alter Teebauer. Zudem gibt er seine Aromenvielfalt nur nach und nach ab. So schmeckt jede Tasse, jeder Aufguss anders. Von süßem Sandelholz bis hin zu kräftigen Erdtönen sind alle Geschmacksvarianten vertreten. Das schafft kaum ein junger Tee.Fazit
Sicher ist es nicht ratsam, seine Teebeutel z. B. 10 Jahre oder länger im Schrank liegen zu lassen und dann zu erwarten, dass sich einem ein wunderbares Geschmackserlebnis offenbart, wenn man sich nach all der Zeit wieder eine Tasse davon zubereitet. Andererseits bleibt auch die Frage offen, ob es wirklich gerechtfertigt ist, für so alten Tee, auch wenn er noch so aromatisch ist, ein Vielfaches des "normalen" Preises zu bezahlen. Aber auch in diesem Fall entscheidet einfach der individuelle Geschmack. Wer es sich leisten kann und gerne einmal so einen Vintage Tee probieren möchte, kann und sollte das auch gerne tun. Vielleicht ergibt sich sogar die Gelegenheit zu einem direkten Geschmacksvergleich alter Tee gegen neuen Tee. Und dann kann man immer noch beurteilen, ob die teure Vintage Variante wirklich so viel anders und vor allem auch besser schmeckt, dass man weiterhin bereit wäre, den Preis dafür zu bezahlen. Doch selbst dann wird man es wohl auch hier wieder handhaben, wie beim Wein: so einen besonderen und edlen Tropfen hebt man sich für ganz besondere Anlässe auf. Wohl niemand wird auf die Idee kommen, sich seinen wertvollen Vintage Pu-Erh im Büro schnell, schnell zwischen Meeting, E-Mails schreiben und Telefonkonferenz zuzubereiten. Für so einen Tee wählt man auf jeden Fall einen ruhigen Ort und eine ruhige Zeit. Schon die Zubereitung wird ein ganz besonderes Ritual und Aufguss für Aufguss wird jeder einzelne Schluck ganz bewusst genossen. Warum nicht auch mal einen auf "Tee-Nerd" machen, sich Freunde einladen, eine kleine Teezeremonie mit Teekännchen abhalten und sich stundenlang beim Vintage Tee über dessen Besonderheiten und das tragende Aroma des aktuellen Aufgusses unterhalten?Bildnachweis: verschiedene Teesorten ©Thinkstock: iStockphotoWarum alter Tee nicht schmeckt – und was man dagegen tun kann
Tee verliert mit der Zeit sein Aroma und kann abgestanden, flach oder sogar ranzig schmecken. Das gilt für alle Teesorten, besonders aber für empfindliche Grün- und Weißtees. Die Hauptursachen für geschmacklichen Qualitätsverlust sind Oxidation (Kontakt mit Sauerstoff), Licht, Feuchtigkeit und Geruchsabsorption. Um die Haltbarkeit zu maximieren, sollte Tee in luftdichten, lichtundurchlässigen Behältern (Teedosen aus Metall oder dunklem Glas) kühl und trocken gelagert werden. Ferngekaufte Tees sollten nach dem Öffnen innerhalb von sechs bis zwölf Monaten aufgebraucht werden. Hochwertige Oolongs und Pu-Erh-Tees können unter bestimmten Bedingungen sogar jahrelang gelagert werden und profitieren dabei von Reifeprozessen. Für einen Tee, der leicht abgestanden ist, aber noch nicht verdorben: als Basis für stark aufgebrühten Eistee mit viel Fruchtsaft verwenden, als Gewürz beim Kochen einsetzen oder zum Aromatisieren von Reis verwenden. Eindeutig verdorbener Tee (muffiger Geruch, Schimmel) sollte entsorgt werden.
Wie lange ist Tee haltbar?
Die Haltbarkeit von Tee variiert je nach Sorte und Lagerung. Schwarztee ist am lagerstabilsten: Optimal gelagert hält er zwei bis fünf Jahre, kann aber oft länger genossen werden. Pu-Erh-Tee ist berühmt für seine jahrzehntelange Lagerfähigkeit – guter Pu-Erh gewinnt mit der Zeit an Qualität. Oolong-Tee hält gut gelagert ein bis drei Jahre, hochoxidierte Varianten länger. Grüntee und Weißtee sind am empfindlichsten: Diese sollten innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach dem Kauf aufgebraucht werden, da die wertvollen Catechine und Chlorophylle oxidieren. Kräutertees halten getrocknet in Dosen ein bis zwei Jahre, Früchtetees etwas länger. Ein guter Test für die Frische: Der Tee sollte noch klar und intensiv duften. Flacher, dumpfer Geruch oder unangenehme Töne deuten auf Qualitätsverlust hin. Das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Verpackung ist nur ein Richtwert – sensorische Prüfung ist zuverlässiger.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Optimale Teelagerung für maximale Frische
Richtiges Lagern ist der Schlüssel zu langanhaltend frischem Tee. Die wichtigsten Feinde des Tees sind: Sauerstoff (führt zu Oxidation der empfindlichen Aromastoffe und Catechine), Licht (UV-Licht beschleunigt den Abbau von Chlorophyll und Antioxidantien), Feuchtigkeit (fördert Schimmelbildung und beschleunigt chemische Abbauprozesse) und starke Gerüche (Tee ist ein ausgezeichneter Geruchsabsorber). Die ideale Teedose ist aus Metall, undurchsichtig und hat einen dicht schließenden Deckel. Alternativ: dunkles Glas mit gutem Verschluss. Tee sollte nicht im Kühlschrank gelagert werden (Feuchtigkeitsproblem, Geruchsabsorption), es sei denn sehr luftdicht verpackt im Tiefkühler für japanische Premiumtees. Verschiedene Teesorten sollten getrennt gelagert werden, damit sich keine Aromen vermischen.
Häufige Fragen zu altem Tee
Kann man abgelaufenen Tee noch trinken?
Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein „Verfallsdatum" – abgelaufener Tee ist meist noch trinkbar, nur qualitativ vermindert. Schimmel oder muffiger Geruch bedeuten: Tee entsorgen. Flacher Geschmack allein ist kein Gesundheitsrisiko.
Wie erkenne ich guten frischen Tee?
Frischer Tee duftet intensiv und charakteristisch für seine Sorte. Die Blätter sehen lebendig und aromatisch aus. Der Aufguss hat eine klare Farbe ohne muffige Trübung. Frischer Tee schmeckt deutlich aromatischer als alter Tee.
Kann ich alten Tee noch für irgendetwas verwenden?
Ja – alter Tee eignet sich als Dünger für Pflanzen (stickstoffreich), als Naturfarbe für Papier oder Stoff, als Geruchsneutralisierer im Kühlschrank oder als Teebad für Füße.
Welcher Tee hält am längsten?
Schwarztee und Pu-Erh-Tee halten am längsten. Guter Pu-Erh verbessert sich über Jahre oder Jahrzehnte. Grüntee und Weißtee sind die flüchtigsten und sollten am frischesten konsumiert werden.
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