Grüner Tee gilt vielen als gesundes Alltagsgetränk, doch sein natürliches Koffein vertragen nicht alle. Verschiedene Entkoffeinierungs-Verfahren entfernen den größten Teil davon, ohne den Geschmack stark zu verändern. Ein an einer Schweizer Hochschule entwickeltes Verfahren arbeitet sogar ganz ohne chemische Lösungsmittel. Hier erfahren Sie, wie die Methoden funktionieren, wie viel Koffein übrig bleibt und welche natürlichen Alternativen es gibt.

Warum manche Menschen koffeinfreien Grüntee suchen

Eine Tasse grüner Tee enthält je nach Sorte und Zubereitung etwa 20 bis 45 mg Koffein. Bei empfindlichen Menschen kann das zu Unruhe, Herzklopfen oder Einschlafproblemen führen. Auch in der Schwangerschaft wird die tägliche Koffeinmenge bewusst begrenzt.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) nennt für gesunde Erwachsene Einzeldosen von etwa 3 mg Koffein pro Kilogramm Körpergewicht als unbedenklich. Wer Grüntee dennoch am Abend oder in größeren Mengen genießen möchte, greift zu entkoffeinierter Ware. Wie belebend Koffein im Tee überhaupt wirkt, beschreibt der Beitrag Der Wachmacher: Grüner Tee für mehr Leistung und Konzentration.

Diese Entkoffeinierungs-Verfahren gibt es

Klassisch wird Tee mit Kohlendioxid unter Druck oder mit dem aus Früchten gewonnenen Lösungsmittel Ethylacetat behandelt. Beide Verfahren lösen das Koffein aus den Blättern heraus. Der Nachteil: Mit dem Koffein gehen oft auch Aroma- und Wirkstoffe verloren, etwa ein Teil der Catechine.

Forscher der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) entwickelten gemeinsam mit dem Teehersteller Infré ein rein wässriges Verfahren. Dabei filtert eine speziell ausgewählte Aktivkohle das Koffein aus dem Aufguss, ohne chemische Lösungsmittel. Die wertvollen Inhaltsstoffe bleiben weitgehend erhalten. Bis ein solches Verfahren im großen Maßstab marktreif ist, vergeht jedoch Zeit.

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Wie viel Koffein bleibt übrig?

Vollständig koffeinfrei ist entkoffeinierter Tee nicht. Nach der Aufbereitung dürfen Reste bleiben: Üblich sind Restmengen, die meist deutlich unter 2 mg Koffein pro Tasse liegen. Das ist ein Bruchteil des Ausgangsgehalts und für die meisten Menschen vernachlässigbar.

Wer ganz auf Koffein verzichten muss, sollte die Angaben auf der Packung prüfen. Entkoffeiniert bedeutet stark reduziert, nicht null. Für einen echten Nullwert kommen nur koffeinfreie Kräuter- und Früchtetees infrage, etwa ein milder Sommertee.

Geschmack und Zubereitung

Entkoffeinierter Grüntee schmeckt dem Original ähnlich, fällt je nach Verfahren aber etwas flacher aus, weil ein Teil der Aromastoffe mitentfernt wird. Schonende, wässrige Verfahren bewahren den Geschmack besser als aggressive Methoden.

Zubereitet wird er wie gewöhnlicher Grüntee: Wasser auf 70 bis 80 Grad abkühlen lassen, etwa 2 Gramm Tee auf 200 Milliliter geben und nur ein bis zwei Minuten ziehen lassen. So bleibt der Aufguss mild und wird nicht bitter.

Koffein im Tee selbst steuern

Auch ohne Entkoffeinierung lässt sich der Koffeingehalt einer Tasse beeinflussen. Koffein löst sich rasch und gut in heißem Wasser, Gerb- und Aromastoffe langsamer. Ein kurzer Voraufguss, der nach 30 bis 45 Sekunden weggegossen wird, spült deshalb einen Teil des Koffeins aus den Blättern, bevor der eigentliche Aufguss erfolgt. Vollständig koffeinfrei wird der Tee dadurch allerdings nicht.

Niedrigere Wassertemperaturen und kürzere Ziehzeiten verringern die Koffeinausbeute zusätzlich. Wer Grüntee kalt aufgießt, extrahiert ebenfalls weniger Koffein und weniger Bitterstoffe. Wie sich Temperatur und Zeit auf das Ergebnis auswirken, zeigt der Beitrag Genmaicha am Beispiel eines koffeinarmen Grüntees.

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Natürliche Alternativen ohne Koffein

Statt entkoffeinierten Grüntee zu kaufen, können Sie auch zu von Natur aus koffeinfreien Aufgüssen greifen. Rooibos, Kräuter- und Früchtetees enthalten keinerlei Koffein und bieten dennoch volles Aroma. Sie eignen sich besonders für den Abend.

Wer den grünen, grasigen Charakter sucht, findet ihn in manchen Kräutermischungen wieder. Auch koffeinarme Grüntees wie Genmaicha mit hohem Reisanteil sind eine Option, wenn es nicht völlig koffeinfrei sein muss. Einen ausführlichen Koffeinvergleich liefert der Beitrag Kaffee wirkt viel stärker als Tee.

Häufige Fragen

Gibt es wirklich grünen Tee ohne Koffein?
Es gibt entkoffeinierten Grüntee, dem der größte Teil des Koffeins entzogen wurde. Restmengen bleiben, liegen aber meist deutlich unter 2 mg pro Tasse. Völlig koffeinfrei sind nur Kräuter- und Früchtetees.

Wie funktioniert die Entkoffeinierung?
Üblich sind Verfahren mit Kohlendioxid oder dem Lösungsmittel Ethylacetat. Ein an der ZHAW entwickeltes Verfahren filtert das Koffein dagegen rein wässrig über Aktivkohle, ohne chemische Lösungsmittel.

Bleiben die gesunden Inhaltsstoffe erhalten?
Bei schonenden, wässrigen Verfahren bleibt ein Großteil der Catechine und Aromastoffe erhalten. Aggressivere Methoden entfernen mit dem Koffein auch mehr Wirk- und Geschmacksstoffe.

Schmeckt entkoffeinierter Grüntee anders?
Er ähnelt dem Original, kann aber je nach Verfahren etwas flacher schmecken. Schonend entkoffeinierte Tees behalten ihren Charakter besser.

Welche Alternativen sind ganz koffeinfrei?
Rooibos, Kräuter- und Früchtetees enthalten von Natur aus kein Koffein. Wer es nur reduzieren will, kann zu koffeinarmen Grüntees wie Genmaicha greifen.

Quellen

  • EFSA Scientific Opinion on the safety of caffeine (2015)

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.