Die südafrikanische Teekultur dreht sich nicht um schwarzen oder grünen Tee, sondern um zwei einheimische Sträucher: Rooibos (Rotbusch) und Honeybush. Beide Aufgüsse sind von Natur aus koffeinfrei, mild-süßlich und werden als unkompliziertes Alltagsgetränk getrunken, in etwa so selbstverständlich wie hierzulande Wasser oder Apfelschorle. Hier lesen Sie, woher die Pflanzen stammen, wie sie zubereitet werden und warum Südafrika trotz fehlender Zeremonie eine eigene Teekultur besitzt.
Rooibos: das Nationalgetränk vom Kap
Südafrika ist das Heimatland des Rotbuschtees, der dort Rooibos oder Rooibusch heißt und als inoffizielles Nationalgetränk gilt. Gewonnen wird er aus dem Strauch Aspalathus linearis, der ausschließlich in der Zederberg-Region nördlich von Kapstadt wächst. Das trockene Klima und der nährstoffarme, saure Sandboden dieser Bergwelt bieten Bedingungen, unter denen sonst nirgendwo auf der Welt Rooibos natürlich gedeiht.
Für den klassischen roten Rooibos werden die feinen Zweige geschnitten, gequetscht und fermentiert, wobei sich die rotbraune Farbe und das süßlich-holzige Aroma bilden. Daneben gibt es den grünen, unfermentierten Rooibos, der frischer und etwas grasiger schmeckt. Wie sich Rooibos geschmacklich neben anderen koffeinfreien Aufgüssen einordnet, zeigt der Vergleich Rooibos und Sencha.
Honeybush als zweiter heimischer Tee
Neben dem Rooibos kennt Südafrika den Honeybush, gewonnen aus Sträuchern der Gattung Cyclopia. Sein Name verweist auf den honigartigen Duft der gelben Blüten. Geschmacklich ist Honeybush noch etwas süßer und runder als Rooibos und ebenfalls völlig koffeinfrei.
Beide Tees gibt es pur, aromatisiert oder mit Früchten gemischt. Beliebt sind Varianten mit Vanille, Sahne, Karamell sowie fruchtige Noten wie Zitrone und Orange. Weil kein Koffein enthalten ist, können die Aufgüsse zu jeder Tageszeit und in größeren Mengen getrunken werden, in Südafrika sogar von Säuglingen aus dem Fläschchen. Ob Honeybush eine eigene Teeart darstellt, beleuchtet der Beitrag Ist Honeybush eine eigene Teeart?.
Zubereitung im südafrikanischen Alltag
Die Zubereitung ist bewusst schlicht. Die Teeblätter kommen in eine Kanne, werden mit heißem Wasser übergossen und nach der Ziehzeit abgegossen; die Blätter verbleiben für den nächsten Aufguss in der Kanne. Für den ersten Aufguss werden etwa fünf Minuten Ziehzeit empfohlen. Anders als bei schwarzem oder grünem Tee, wo Folgeaufgüsse länger ziehen, lässt man weitere Rooibos-Aufgüsse nur noch höchstens drei Minuten ziehen.
Rooibos lässt sich mehrfach aufgießen und schmeckt warm wie kalt. Genau diese Anspruchslosigkeit macht ihn zum Alltagsgetränk: Er wird pur, mit Milch, mit Honig oder als Eistee getrunken. Wer Rooibos im Sommer kalt genießen möchte, findet Anregungen unter selbst gemachtem Eistee.
Teegeschirr und Anlässe
Besonderheiten beim Teegeschirr gibt es nicht. Ob verzierte Porzellankanne, schlichte Glaskanne, Filter, Sieb oder Tee-Ei, allein die eigenen Vorlieben entscheiden. Welches Geschirr jemand besitzt, hängt eher von sozialem Status und kulturellem Hintergrund ab als von einer festen Regel. Häufig wird Rooibos auch einfach im Becher aufgegossen, wie hierzulande ein Beutelaufguss.
Auch der Anlass spielt eine Rolle: Für Gäste oder Feiern wird sorgfältiger serviert, im Alltag steht die schnelle, große Menge im Vordergrund. Ein meditativer oder spiritueller Hintergrund wie in der japanischen oder chinesischen Tradition fehlt hier weitgehend. Wie unterschiedlich Tee weltweit zelebriert wird, zeigt der Vergleich mit der japanischen Teekultur.
Hat Südafrika eine eigene Teekultur?
Fragt man nach dem Wie der Zubereitung, besitzt Südafrika keine ausgeprägte Teekultur: Es gibt keinen festen Ablauf, keine bestimmte Teezeit, keine vorgeschriebenen Speisen und keine Zeremonie. Tee ist hier ein praktisches Alltagsgetränk ohne Ritual.
Fragt man dagegen nach dem Was, gehört Südafrika zu den bedeutendsten Teenationen überhaupt. Es ist das einzige Land außerhalb Asiens, das mit Rooibos einen weltweit bekannten und beliebten eigenen Tee hervorgebracht hat. Heute ist der Anbau für viele Familien in den Zederbergen die wirtschaftliche Lebensgrundlage, und nachhaltige Bewirtschaftung sichert zugleich die seltene Pflanze. Genau diese Eigenständigkeit verdient es, als eigene Teekultur anerkannt zu werden, vergleichbar mit der Stellung des schwarzen Tees in der irischen Teekultur.
Häufige Fragen
Was ist das Nationalgetränk Südafrikas?
Rooibos, ein koffeinfreier Aufguss aus dem Strauch Aspalathus linearis, der nur in der Zederberg-Region nördlich von Kapstadt wächst. Er gilt als inoffizielles Nationalgetränk.
Enthält Rooibos Koffein?
Nein, Rooibos und Honeybush sind von Natur aus koffeinfrei. Deshalb können sie zu jeder Tageszeit und in größeren Mengen getrunken werden, auch von Kindern.
Wie lange lässt man Rooibos ziehen?
Der erste Aufguss zieht etwa fünf Minuten. Weitere Aufgüsse lässt man nur noch höchstens drei Minuten ziehen, anders als bei schwarzem oder grünem Tee.
Was ist der Unterschied zwischen Rooibos und Honeybush?
Beide sind koffeinfreie südafrikanische Sträucher. Honeybush stammt aus der Gattung Cyclopia, duftet honigartig und schmeckt noch etwas süßer und runder als Rooibos.
Gibt es in Südafrika eine Teezeremonie?
Nein. Tee ist dort ein schlichtes Alltagsgetränk ohne festen Ablauf oder Ritual. Die Besonderheit der südafrikanischen Teekultur liegt im einzigartigen Rooibos selbst.
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