Lindenblütentee wird aus den goldgelben, honigsüß duftenden Blüten von Sommer- und Winterlinde gewonnen, die in Mitteleuropa weit verbreitet sind. Der koffeinfreie Aufguss schmeckt mild und zart-süßlich und gehört zu den klassischen Hausmitteln der Erkältungszeit. Hier erfahren Sie, welche Inhaltsstoffe darin stecken, wie der Tee richtig zieht und wie Sie die Blüten selbst sammeln und trocknen.

Steckbrief
Pflanze/BasisBlüten von Sommer- (Tilia platyphyllos) und Winterlinde (Tilia cordata)
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilmild, zart-süßlich, mit honigartigem Duft
Wassertemperatur95-100 °C
Ziehzeit8-10 Minuten, abgedeckt
Dosierung2 TL (ca. 2 g) getrocknete Blüten auf 250 ml
Aufgüsse1
Preisspanneca. 3-6 € pro 100 g; Selbstsammeln kostenlos

Herkunft: Sommer- und Winterlinde

Für Lindenblütentee werden vor allem die Blüten der Sommerlinde (Tilia platyphyllos) und der einige Wochen später blühenden Winterlinde (Tilia cordata) verwendet. Beide Arten sind in ganz Europa verbreitet und besonders häufig in den mittleren Gebirgslagen Mitteleuropas. Die goldgelben Blüten öffnen sich im Früh- bis Hochsommer und verströmen dann einen intensiven Honigduft.

Die Linde ist mehr als ein Teebaum: Als Dorflinde stand sie über Jahrhunderte im Mittelpunkt von Versammlungen, und ihre Blüten zählen zu den ergiebigsten Nektarquellen für Bienen — Lindenhonig stammt direkt von ihnen. Wie tief solche Bäume und Kräuter im häuslichen Alltag verwurzelt sind, zeigt auch die ostfriesische Teekultur mit ihren festen Trinkritualen.

Geschmack: mild und honigsüß

Lindenblütentee schmeckt ausgesprochen mild und zart-süßlich, mit einer feinen Honignote, die an den Duft der frischen Blüten erinnert. Bittere oder herbe Anteile fehlen fast vollständig, was den Tee auch für Kinder und am Abend angenehm macht. Der Aufguss färbt sich hellgelb bis goldbraun.

Wegen seiner natürlichen Süße braucht der Tee kaum Zuckerzusatz. Ein Löffel Honig unterstreicht den Charakter zusätzlich und passt geschmacklich perfekt zur Blüte. Wichtig ist die richtige Erntereife: Voll aufgeblühte oder bereits bräunliche Dolden machen den Aufguss schnell schal und strohig, junge hellgelbe Blüten dagegen aromatisch. Wer einen ähnlich milden, fruchtig-runden Aufguss sucht, findet ihn im Holunderblütentee, der ebenfalls zu den klassischen Blütentees zählt.

Anzeige

Inhaltsstoffe und traditionelle Verwendung

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Lindenblüte sind ätherische Öle, Schleimstoffe, Flavonoide und verschiedene Säuren. Vor allem die Schleimstoffe legen sich beruhigend über die gereizten Schleimhäute, weshalb der Tee traditionell bei Erkältungen, Halskratzen und Reizhusten verwendet wird. Die Blüten gelten zudem als schweißtreibend.

Die Kommission E führt Lindenblüten bei Erkältungskrankheiten und damit verbundenem Husten. Ein Heilmittel ersetzt der Tee aber nicht: Bei hohem Fieber oder anhaltenden Beschwerden gehört die Abklärung in ärztliche Hände. Als koffeinfreies, mild wärmendes Getränk lässt er sich gut in eine Mischung weiterer Sorten der Erkältungszeit einbinden, wie sie der Beitrag Erkältungstee vorstellt.

Zubereitung Schritt für Schritt

Damit sich die schleimhautberuhigenden Stoffe und das feine Aroma lösen, sollte Lindenblütentee ausreichend lange und abgedeckt ziehen. So gelingt er:

1. Zwei Teelöffel getrocknete Blüten (rund 2 g) auf 250 ml abmessen. 2. Frisches Wasser aufkochen und über die Blüten gießen. 3. Die Tasse oder Kanne abdecken, damit die ätherischen Öle nicht entweichen. 4. 8 bis 10 Minuten ziehen lassen. 5. Abseihen und bei Erkältung möglichst heiß trinken, gern mit etwas Honig.

Zwei bis drei Tassen über den Tag verteilt sind in der Erkältungszeit üblich. Damit die schweißtreibende Wirkung greift, trinkt man den Tee möglichst heiß und ruht anschließend warm zugedeckt. Da Lindenblüten so mild sind, lassen sie sich problemlos mit Holunderblüten oder Thymian kombinieren, um das Wirkspektrum einer Hausmittel-Mischung zu verbreitern.

Blüten selbst sammeln und trocknen

Lindenblütentee lässt sich kaum einfacher selbst herstellen, denn Linden stehen vielerorts in Parks, an Alleen und in Gärten. Geerntet wird zur Blütezeit im Früh- bis Hochsommer, sobald sich die Blüten gerade geöffnet haben und noch hellgelb sind. Wählen Sie Standorte abseits stark befahrener Straßen und pflücken Sie an trockenen Tagen am Vormittag.

Zum Trocknen die Blüten locker in einen luftdurchlässigen Stoffbeutel — etwa ein zusammengenähtes Geschirrtuch — geben und an einem schattigen, gut belüfteten Ort aufhängen, ohne die Blüten zu quetschen. Nach dem Durchtrocknen werden sie luftdicht, trocken und dunkel aufbewahrt. So gelagert halten sich die Blüten bis zur nächsten Erkältungssaison; im Handel kostet fertige Ware 3 bis 6 Euro pro 100 Gramm.

Anzeige

Häufige Fragen

Wofür wird Lindenblütentee traditionell getrunken?
Lindenblütentee gilt als klassisches Hausmittel der Erkältungszeit. Seine Schleimstoffe legen sich beruhigend über gereizte Schleimhäute, und die Blüten gelten als schweißtreibend. Ein Arztbesuch wird dadurch nicht ersetzt.

Wie lange muss Lindenblütentee ziehen?
Acht bis zehn Minuten abgedeckt. Das längere Ziehen löst die schleimhautberuhigenden Stoffe, das Abdecken hält die flüchtigen ätherischen Öle und damit das Aroma in der Tasse.

Kann ich Lindenblüten selbst sammeln?
Ja. Geerntet wird zur Blütezeit im Früh- bis Hochsommer an Standorten abseits stark befahrener Straßen. Anschließend trocknet man die Blüten luftig im Schatten, ohne sie zu quetschen.

Enthält Lindenblütentee Koffein?
Nein, der reine Blütentee ist koffeinfrei. Dank seines milden, zart-süßlichen Geschmacks eignet er sich auch für Kinder und für den Abend.

Womit lässt sich Lindenblütentee verfeinern?
Am besten mit etwas Honig, der die natürliche Honignote des Tees unterstreicht. Für ein breiteres Hausmittel lässt er sich mit Holunderblüten oder Thymian mischen.

Quellen

  • Kommission E: Monographie Tiliae flos (Lindenblüten)

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:

AS

André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.