Se Chung ist ein leicht anfermentierter Oolong aus der südchinesischen Provinz Fujian. Der Name steht für eine ganze Gruppe von Kulturvarietäten aus dem Kreis Anxi, die neben dem berühmten Tie Guan Yin angebaut werden. In der Tasse bietet Se Chung blumigen Hyazinthenduft, Honig- und Aprikosennoten und einen nussigen Abgang — und das über mehrere Aufgüsse hinweg, zu einem erfreulich moderaten Preis.
| Pflanze/Basis | Camellia sinensis, Kulturvarietäten der Se-Chung-Gruppe (u. a. Benshan, Maoxie, Huangjin Gui) aus Anxi, Fujian |
|---|---|
| Koffeingehalt | ca. 30-50 mg pro Tasse (200 ml) |
| Geschmacksprofil | blumig (Hyazinthe), Honig, Aprikose; nussiger Abgang nach Walnuss und Marone |
| Wassertemperatur | 85-90 °C, nicht sprudelnd kochend |
| Ziehzeit | 1-2 Minuten (1. Aufguss), danach jeweils etwas länger |
| Dosierung | 1 TL (ca. 3 g) pro 200 ml — die gerollten Blätter quellen stark auf |
| Aufgüsse | 3-5, auch der dritte Aufguss noch aromatisch |
| Preisspanne | ca. 4-9 € pro 100 g |
Herkunft: die Se-Chung-Gruppe aus Anxi in Fujian
Se Chung — wörtlich etwa "bunte Sorten" — ist kein einzelner Strauch, sondern ein Sammelbegriff aus dem Kreis Anxi im Süden der Provinz Fujian, dem wichtigsten Oolong-Gebiet Chinas. Unter diesem Namen werden die Kulturvarietäten zusammengefasst, die nicht vom berühmten Tie-Guan-Yin-Strauch stammen, darunter Benshan, Maoxie und Huangjin Gui.
Das hügelige, felsdurchsetzte Gelände der Region zwingt die Sträucher in kleinteilige Lagen statt in großflächige Plantagen; zusammen mit dem feucht-subtropischen Klima prägt das den späteren Charakter des Tees. Geschmacklich steht Se Chung seinem großen Bruder nahe — was den Anxi-Stil ausmacht, zeigt das Porträt des China Tie Guan Yin Oolong.
Herstellung: schwach anfermentiert, von Hand gerollt
Entscheidend für den zarten Charakter ist die kurze Oxidation: Die gewelkten Blätter werden wiederholt geschüttelt, damit die Blattränder anbrechen, und schon bei einem Oxidationsgrad von etwa 15 bis 30 Prozent wird der Prozess durch Erhitzen gestoppt. Anschließend rollen die Hersteller die Blätter zu kleinen Kugeln — traditionell in Handarbeit.
Durch das Rollen schrumpft das Volumen erheblich; ein Teelöffel enthält deshalb deutlich mehr Blattmasse, als das Auge vermuten lässt, und sollte sparsam bemessen werden. Trotz der kompakten Form gibt der Tee seine Aromen schnell ans Wasser ab. Wie das halboxidierte Verfahren historisch entstand, erzählt der Beitrag über die Entstehung des Oolong.
Geschmack: Hyazinthe, Honig, Aprikose
Schon beim Öffnen der Packung steigt ein blumiger Duft auf, den viele Verkoster mit Hyazinthen vergleichen. Der erste Schluck ist fruchtig-süß mit Anklängen von Honig und Aprikose, die Textur weich bis cremig. Im Abgang folgt statt der brotig-herben Note mancher Oolongs ein nussiger Nachhall, der an Walnüsse und heiße Maronen erinnert.
Reizvoll ist, dass jeder Aufguss eine etwas andere Facette betont — mal die Blumigkeit, mal die Frucht. Damit steht Se Chung am grünen, duftigen Ende des Oolong-Spektrums, während die stark gerösteten Felsentees aus dem Wuyi-Gebirge das dunkle, mineralische Ende markieren; den Kontrast beschreibt der Artikel über den Wuyi-Felsentee.
Zubereitung Schritt für Schritt
1. Dosieren Sie 1 Teelöffel (etwa 3 g) pro 200 ml — wegen der gerollten Blätter nicht mehr. 2. Wasser auf 85 bis 90 °C abkühlen lassen; sprudelnd kochendes Wasser macht den Aufguss unnötig herb. 3. Erster Aufguss: 1 bis 2 Minuten ziehen lassen. 4. Blätter abgießen und für weitere Aufgüsse aufheben. 5. Jeden Folgeaufguss um etwa 30 Sekunden verlängern.
Drei bis fünf Aufgüsse sind problemlos möglich, und selbst der dritte überzeugt noch mit klarem Aroma — ein Grund, weshalb sich die Investition in lose Blattware auszahlt. In einem Glas- oder Porzellankännchen lässt sich zudem beobachten, wie sich die Kugeln zu erstaunlich großen Blättern entfalten.
Inhaltsstoffe
Als halboxidierter Tee liegt Se Chung auch bei den Inhaltsstoffen zwischen Grün- und Schwarztee: Eine Tasse (200 ml) enthält etwa 30 bis 50 mg Koffein, dazu Polyphenole, die Aminosäure L-Theanin und Fluorid. Die kurze Oxidation erhält einen vergleichsweise hohen Anteil an Catechinen, wie sie für grünen Tee typisch sind.
Mit zunehmender Zahl der Aufgüsse sinkt der Koffeingehalt spürbar, da das Koffein größtenteils in den ersten beiden Aufgüssen ins Wasser übergeht. Wer empfindlich reagiert, trinkt also bevorzugt den dritten und vierten Aufguss oder greift abends zu einem koffeinfreien Kräuteraufguss.
Kauf und Lagerung
Se Chung gehört zu den günstigeren China-Oolongs: Solide Qualitäten beginnen bei etwa 4 Euro pro 100 g, sehr gute Lagen liegen um 8 bis 9 Euro — deutlich unter den Preisen für Spitzen-Tie-Guan-Yin. Gute Ware erkennen Sie an gleichmäßig gerollten, dunkelgrün glänzenden Kugeln und einem frischen, blumigen Duft ohne muffige Note. Wer kugelgerollte Oolongs mag, findet im taiwanischen Dong Ding Oolong einen ähnlich geformten, etwas röstigeren Verwandten.
Gelagert wird der Tee luftdicht, lichtgeschützt und trocken, etwa in einer Zinndose abseits von Gewürzen und Kaffee. So hält er sich 1 bis 2 Jahre; angebrochene Packungen brauchen Sie am besten innerhalb von sechs Monaten auf, bevor die blumigen Spitzennoten verfliegen.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Name Se Chung?
Übersetzt etwa "bunte Sorten". In Anxi in der Provinz Fujian bezeichnet der Begriff alle Oolong-Kulturvarietäten außer Tie Guan Yin, darunter Benshan, Maoxie und Huangjin Gui.
Wie oft kann man Se Chung aufgießen?
Drei bis fünf Mal. Der erste Aufguss zieht 1 bis 2 Minuten, jeder weitere etwa 30 Sekunden länger. Auch der dritte Aufguss liefert noch ein klares, blumig-fruchtiges Aroma.
Wie viel Koffein enthält Se Chung Oolong?
Etwa 30 bis 50 mg pro Tasse (200 ml) — mehr als die meisten Grüntees, weniger als Filterkaffee. Der Großteil löst sich in den ersten beiden Aufgüssen.
Warum sollte man Se Chung sparsam dosieren?
Die Blätter sind zu kompakten Kugeln gerollt, ein Teelöffel enthält daher viel Blattmasse. Beim Aufgießen entfalten sich die Kugeln zu überraschend großen Blättern; 3 g auf 200 ml genügen.
Wie schmeckt Se Chung im Vergleich zu anderen Oolongs?
Deutlich blumiger und zarter als geröstete Sorten: Hyazinthenduft, Honig- und Aprikosennoten, dazu ein nussiger Abgang. Wuyi-Felsentees wirken dagegen dunkel, röstig und mineralisch.
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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