China ist das Ursprungsland des Tees und bis heute mit Abstand der größte Produzent der Welt. Wer verstehen will, warum Tee nach Wasser das meistgetrunkene Getränk der Erde wurde, kommt an diesem Land nicht vorbei: Hier wurden alle sechs Teearten entwickelt, hier liegen die berühmtesten Anbauregionen, und hier prägte der Tee Politik, Handel und Alltag über Jahrtausende.

Vom Kaiser-Mythos zur dokumentierten Geschichte

Die bekannteste Erzählung lässt Kaiser Shen Nung den Tee entdecken, als der Wind ihm einige Blätter in die Schale mit heißem Wasser wehte - eine hübsche, aber kaum belegbare Geschichte, die wir im Beitrag zum chinesischen Mythos zur Entstehung des Tees ausführlich nacherzählen. Glaubwürdiger ist die durch historische Dokumente gestützte Version, dass chinesische Heilkundige um 2780 v. Chr. systematisch Wurzeln und Blätter auf ihre Wirkung untersuchten und dabei auch die Teepflanze nutzten.

Einigen Quellen zufolge stammten die allerersten Teesträucher sogar aus Indien. Groß geworden ist der Tee aber unbestritten in China: Chinesen entwickelten die Herstellungsverfahren, schufen aus einer Pflanze sechs Teearten und begründeten die erste Teekultur der Welt. Von hier aus eroberte das Getränk - mit Jahrhunderten Verzögerung - den gesamten Globus.

Tee als Machtfaktor: Monopol, Reichtum und Krieg

Dank seiner Monopolstellung machte der Tee China im Handel mit Europa reich - zusammen mit Seide und Porzellan, und vor allem im Geschäft mit Großbritannien. Als China seine Vorherrschaft jedoch überreizte und einen Handel auf Augenhöhe verweigerte, eskalierte der Konflikt im 19. Jahrhundert bis zum Krieg: Am Ende des Ersten Opiumkriegs musste China 1842 Hongkong an die Briten abtreten.

Danach verlor das Land auch sein Produktionsmonopol, denn die Kolonialmächte bauten eigene Anbaugebiete in Indien und Ceylon auf. Wie eng Teehandel und Weltpolitik immer wieder verflochten waren, zeigt auch unser Artikel Tee als Kriegsgrund. Kaum ein zweites Land wurde so nachhaltig von einem Getränk geprägt wie China vom Tee.

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Anbaugebiete: die Bergprovinzen des Südens

Die klassischen Anbauregionen liegen in den Bergen Zentral- und Südchinas. Zhejiang, Anhui und Fujian im Südosten stehen vor allem bei Grüntee-Freunden für verlässliche Qualität, wobei Fujian zugleich der größte Teeproduzent des Landes ist und den Großteil des Oolong liefert. Hunan ist eine typische Region des gelben Tees, schwarzer - in China "roter" - Tee stammt meist aus Sichuan oder Yunnan.

Dazu kommen Gansu, Guangdong, Guangxi, Guizhou, Hainan, Henan, Hubei, Jiangsu, Jiangxi, Shaanxi und Shandong - praktisch jede Bergprovinz des Südens produziert Tee. China stellt als einziges Land alle sechs Teearten her: grünen, weißen, gelben, schwarzen und dunklen Tee sowie Oolong. Was die einzelnen Arten unterscheidet, erklärt der Überblick zu den sechs echten Tee-Arten.

Berühmte Sorten: von Qimen bis Drachenbrunnen

Beim Stichwort Schwarztee denken Europäer meist an Darjeeling - der Qimen aus der Provinz Anhui ist unter Kennern jedoch kaum weniger angesehen. Grüntee-Liebhaber schwören auf Mao Feng oder den Drachenbrunnentee Lung Ching aus Zhejiang; aus Fujian stammen der Wuyi-Felsentee und der Oolong Anxi Ti Kuan Yin. Der Phoenix Dancong aus Guangdong komplettiert die Riege der großen Namen.

Der dunkle Pu-Erh wurde sogar nach der gleichnamigen Handelsstadt in Yunnan benannt. Und das ist nur eine erste Auswahl: In einem chinesischen Teeladen bieten gern an die 400 Teebauern ihre Ware an - viele Spezialitäten entstehen in so kleinen Mengen, dass sie das Land nie verlassen, weil sich ein Export schlicht nicht rechnet. Wer solche Raritäten probieren will, muss tatsächlich nach China reisen.

Yum Cha: Tee im chinesischen Alltag

Die Kantonchinesen prägten den Begriff Yum Cha, wörtlich "Tee trinken": eine Teemahlzeit, zu der kleine warme Speisen gereicht werden, die auf den Karten als Dim Sum stehen. Verbreitet ist der Brauch vor allem in der Provinz Guangdong sowie in Hongkong und Macau; an Wochenenden treffen sich dort Familien zu einem stundenlangen Brunch aus Tee und Dim Sum, heute meist in großen Restaurants statt in den klassischen Teehäusern.

Auch jenseits dieses Rituals bleibt Tee allgegenwärtig: Was in Europa das selbstverständlich angebotene Glas Wasser ist, ist in China die Tasse Tee für den Gast. Den mystischen Charme früherer Jahrhunderte hat das Getränk dabei etwas verloren - als Mittel, eine bewusste Pause vom Alltag zu nehmen, taugt es vom meditierenden Mönch bis zum gestressten Büromenschen aber bis heute.

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Wirtschaftsfaktor Tee: China in Zahlen

Nach einer Meldung des Deutschen Teeverbands vom Juni 2013 produzierte China im Jahr zuvor 1.915.000 Tonnen Tee - Weltspitze und noch einmal 18 Prozent mehr als im eigenen Rekordjahr davor. Indien folgte mit gut 1 Million Tonnen, alle übrigen Länder blieben unter 400.000 Tonnen. Exportiert wurde davon erstaunlich wenig: nur 321.790 Tonnen, fast 1.000 Tonnen weniger als im Vorjahr. Der Löwenanteil wird im Land selbst getrunken, die Nachfrage wächst also auch in der Heimat des Tees.

Für Deutschland ist China mit rund 11.000 Tonnen jährlich der Teelieferant Nummer eins - das entspricht etwa einem Fünftel des hiesigen Bedarfs. Gemessen an chinesischen Maßstäben sind das freilich Kleinstmengen: Was Deutschland in einem Jahr verbraucht, trinkt China in wenigen Wochen.

Häufige Fragen

Warum gilt China als Ursprungsland des Tees?
Historische Dokumente belegen die Nutzung der Teepflanze in China bereits um 2780 v. Chr. Chinesen entwickelten zudem alle Herstellungsverfahren und begründeten die erste Teekultur, von der aus sich das Getränk weltweit verbreitete.

Wie viel Tee produziert China pro Jahr?
Schon 2012 waren es laut Deutschem Teeverband 1.915.000 Tonnen - mehr als jedes andere Land. Indien folgte mit rund 1 Million Tonnen auf Platz zwei.

Welche Teearten stellt China her?
Alle sechs: grünen, weißen, gelben, schwarzen und dunklen Tee sowie Oolong. Kein anderes Land deckt die komplette Bandbreite der Teearten ab.

Wo liegen Chinas wichtigste Anbaugebiete?
In den Bergprovinzen des Südens: Zhejiang, Anhui und Fujian für Grüntee und Oolong, Hunan für gelben Tee, Sichuan und Yunnan für schwarzen beziehungsweise dunklen Tee.

Warum exportiert China vergleichsweise wenig Tee?
Vom Riesenertrag gingen 2012 nur 321.790 Tonnen ins Ausland. Der Großteil wird im Land selbst getrunken, und viele kleine Teebauern produzieren Mengen, die zu klein wären, um den Export aufzubauen.

Was bedeutet Yum Cha?
Wörtlich "Tee trinken": eine vor allem in Guangdong, Hongkong und Macau verbreitete Teemahlzeit, bei der zum Tee kleine warme Speisen - Dim Sum - serviert werden.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.