China und der Tee


Wenn man die Geschichte und Bedeutung des Tees in einzelnen Ländern vorstellen möchte, dann ist es nicht nur selbstverständlich, dass China dabei eine große Rolle spielt. Es ist eigentlich schon ein regelrechtes Muss, mit China sogar den Anfang zu machen. Schließlich hatte der Tee auch dort seinen Anfang, bevor er bereits Jahrhunderte später, die ganze Welt eroberte und inzwischen nach Wasser zu dem Getränk wurde, das am zweithäufigsten getrunken wird.

China und der Tee

Geschichte des Tees in China

Die Legende von Kaiser Shen, der in seinem Garten spazieren ging und dem der Wind durch Zufall einige Teeblätter in seine Tasse mit heißem Wasser blies, ist auch bei uns vielen Teefans bekannt. Das sich die Entdeckung des Tees aber tatsächlich so abgespielt haben soll, ist wohl mehr als fragwürdig.

Auch, wenn die Geschichte von dem bis heute verehrten Kaiser recht schön klingt, die Version, dass einige Chinesen die Wirkung einiger Kräuter und Pflanzen auf den menschlichen Körper untersuchten und dabei Wurzeln und Blätter auf verschiedenste Weise zu sich nahmen, ist wohl die glaubwürdigere. Sie lässt sich auch durch einige historische Dokumente stützen. Bereits im Jahre 2780 v. Chr. soll das passiert sein.

Zwar stammten die ersten Teesträucher diesen Quellen nach ursprünglich aus Indien. Aber wirklich groß geworden ist der Tee zweifelsfrei in China. Es waren Chinesen, die den ersten Tee entdeckten. Es waren Chinesen, die den Tee weiter entwickelten, durch verschiedene Herstellungsprozesse neue Teearten kreierten und ebenso mit neuen Sorten die Vielfalt erweiterten. Und es waren die Chinesen, die die erste Teekultur schufen und sie in weiten Teilen bis heute leben. Und von China aus, hat der Tee schließlich die ganze Welt erobert. Zwar erst Jahrhunderte später, aber ohne China wäre Tee heute sicher nicht weltweit an Nummer zwei der Liste der meistverzehrten Getränke.

Dabei spielte der Tee auch eine bedeutende politische Rolle. Dank der Monopolstellung machte er China zusammen mit Seide und Porzellan im Handel mit Europa, vor allem mit Großbritannien, reich. Doch als die Verantwortlichen ihre Vorherrschaft zu sehr ausnutzten und sich stur weigerten, mit ihren Handelspartnern tatsächlich ein partnerschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe zu pflegen, brach sogar ein Krieg aus. Nach vielen Jahren und viel zu vielen Toten hatte China Hong Kong an Großbritannien verloren. Der Teehandel lief seitdem etwas gemäßigter ab und bald hatte China auch seine Monopolstellung als Teeproduzent verloren, aber das Gesicht und die Geschichte des Landes waren längst für immer durch, mit und wegen Tee geprägt. Wohl kein zweites Land wurde so sehr von einem Getränk beeinflusst.

Sicher haben auch andere Länder ihre „Nationalgetränke“ und garantiert wurde deswegen auch der ein oder andere Streit vom Zaun gebrochen. Aber keine weitere Nation und Kultur wurden dadurch so sehr zu dem, was sie bis heute sind, wie das große China.

Teeanbaugebiete

Teeanbaugebiete

©Thinkstock: iStockphoto

In China werden bis heute sechs verschiedene Teearten produziert. Neben grünem, weißem und gelben Tee, gibt es noch den schwarzen, der in China allerdings auch roter Tee genannt wird. Statt dem gelben Tee findet man in einigen Listen auch Jasmintee aufgeführt. Oolong Tee und Pu Erh schließen die Aufzählung ab.

Die klassischen Teeanbau-Gebiete Chinas liegen vor allem im Süden dieses riesigen Reiches. Zhejiang, Anhui und Fujian, drei Provinzen, die im Südosten liegen, sind ganz besonders für Anhänger des grünen Tees klangvolle Namen und Garanten für gute Qualität. Hunan dagegen ist eine typische Region für den Anbau und die Herstellung von gelben Tee, roter bzw. schwarzer Tee stammt in China in der Regel aus Sichuan oder Yunnan. Oolong wird stattdessen meist wie grüner Tee auch, in Fujian produziert. Es gibt aber auch gute Qualität aus Taiwan.

Zu den klassischen Teeanbauregionen Chinas müssen allerdings auch noch die Provinzen Gansu, Guangdong, Guangxi Zhuang, Guizhou, Hainan, Henan, Hubei, Hunan, Jiangsu, Jiangxi, Shaanxi, Shandong und Szechwan gezählt werden. Kurz gesagt, alle Bergprovinzen Zentral- und Südchinas sind meist auch Standorte der besten Tees der Welt. Dies ist zweifelsohne eine Konkurrenz, mit der manch andere Teeregionen der Welt nur schwer mithalten können.

Bekannte Sorten aus China

Wie bereits erwähnt, produziert China bis heute nicht weniger als sechs der bekanntesten Teearten weltweit. Sicher denken in Europa beim Stichwort schwarzer Tee viele sofort an „Darjeeling“, also Indien. Sein Verwandter aus Qimen, in der Provinz Anhui dagegen ist unter Kennern und Liebhabern nicht wesentlich weniger bekannt.

Für Liebhaber des grünen Tees dagegen ist Mao Feng einer der klangvollsten Namen. Wuyi-Shan und Anxi Ti Kuan Yin stammen aus der Provinz Fujian, die der größte Teeproduzent in China ist. Im Supermarkt wird man diese Namen mit Sicherheit nicht finden. Kenner der Teewelt wissen jedoch, dass mit diesen Namen Teesorten gemeint sind, die weltweit eine Besonderheit darstellen.

Phoenix Dancong Tee und Drachenbrunnen Tee sind ebenfalls nicht nur wohlklingende Namen sondern auch wohlschmeckende Tees, die ihren Ursprung in China haben. Der Pu Erh Tee wurde sogar nach der gleichnamigen Stadt benannt.

Und dabei ist dies nur eine sehr unvollständige Liste, die lediglich einen ersten Überblick über die Teevielfalt aus China gibt. Es ist nahezu unmöglich, wirklich alle Tees aus diesem Land aufzuzählen, ohne auch nur einen einzigen zu vergessen. Man muss wirklich zweifelsfrei zugeben, dass China nicht nur die Wiege und der Ursprung des Tees sind. Es ist auch bis heute das bedeutendste Teeland weltweit. Nicht nur was die Mengen, sondern auch was die Qualität und die Vielfalt der Tees betrifft.

Tee im täglichen Leben

Den Begriff „Yum Cha“ haben die Kantonchinesen nicht nur geprägt, sondern auch im gesamten Rest des riesigen Reiches verbreitet. Wörtlich übersetzt bedeutet Yum Cha „Tee trinken“ und genau das wird auch gemacht. Genauer gesagt handelt es sich dabei um eine Teemahlzeit, zu der neben Tee auch einige kleinere warme Speisen gereicht werden. Auf den Speisekarten sind sie unter dem Namen „Dim Sum“ geführt.

Tee im täglichen Leben

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Yum Chas werden vor allem in der Provinz Guangdong, sowie in den Städten Hongkong und Macao regelmäßig abgehalten. Während sie früher ausschließlich in Teehäusern angeboten wurden, sind es heutzutage in der Regel die größeren Restaurants, die ihre Gäste zu einem täglichen Yum Cha locken. Vor allem an den Wochenenden treffen sich Familien dort gerne zu einer Art Brunch und genießen über mehrere Stunden ihr Yum Cha mit leckerem Tee und den köstlichsten Dim Sum.

Alles andere wäre ja auch fast schon eine Art Skandal: England ist für seine nachmittägliche Tea-Time bekannt, in Ostfriesland gibt es ebenso die Tee-Tied und dann sollte es ausgerechnet im Ursprungsland des Tees kein entsprechendes Ritual geben? Wie intensiv und häufig dies tatsächlich im modernen Alltag auch stattfindet ist immer eine andere Frage. Klar ist dennoch, dass Tee in China nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert hat. So wie in Europa etwas Wasser getrunken und auch ganz selbstverständlich Gästen angeboten wird, so wird in China eben Tee gereicht.

Sicher hat Tee im Laufe der Jahrhunderte etwas von seinem mystischen Charme verloren. Selbst in China dürfte kaum noch jemand daran glauben, dass Drachen, Götter und andere phantastische Wesen aus Religion und Mystik bestimmte Teesorten zu uns gebracht haben. Dennoch ändert dies keineswegs etwas an der Wirkung auf unsere Gesundheit und auch unseren Geist. Bis heute eignet sich Tee hervorragend um zu sich selbst zu finden, ganz egal, ob für einen buddhistischen Mönch, der über Stunden hinweg in Meditation verbringen möchte, oder ob man als „ganz normaler Mensch“ einfach eine kleine Auszeit vom Alltag nehmen und ganz bewusst eine Tasse Tee genießen möchte. Und es ist einfach wunderbar die Gewissheit zu haben, dass dies wohl Tatsachen sind, die sich niemals ändern werden.

Wirtschaftsfaktor Tee

Laut einer Meldung des Deutschen Teeverbandes e.V. vom Juni 2013, wurden in China vergangenes Jahr sage und schreibe fast 2 Millionen Tonnen (genau 1.915.000 t) Tee produziert. Damit liegt China nicht nur unverändert an der weltweiten Spitze der Teeproduzenten. Es konnte sogar seinen eigenen Bestwert vom Vorjahr nochmals um 18 % steigern. Indien mit gut 1 Million Tonnen liegt da fast schon abgeschlagen auf Platz zwei, alle anderen Länder erreichen nicht einmal ganz 400.000 Tonnen.

Bleibt noch die Frage, wo geht der viele Tee hin, wo wird er letzten Endes getrunken? Bei der Geschichte China dürfte klar sein, dass die Chinesen einen Großteil ihres Tees quasi für den „Eigenbedarf“ ihres Landes brauchen. Alles andere wäre mehr als verwunderlich. Und tatsächlich: einmal abgesehen davon, dass China auf der Liste der Tee-Export-Könige „nur“ auf Platz 2 liegt, es sind tatsächlich im Vergleich zur produzierten Menge fast schon lächerlich wirkende 321.790 Tonnen, die China 2012 in den Rest der Welt verkauft hat. Und das waren auch noch fast 1.000 Tonnen weniger, als im Jahr zuvor. China produziert inzwischen also mehr Tee, exportiert aber auch weniger. Im Umkehrschluss muss dies also bedeuten, dass nicht nur hierzulande, sondern auch in der Heimat des Tees die Nachfrage stetig zunimmt.

Wirtschaftsfaktor Tee

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Mit gut 11.000 Tonnen Tee ist China auch der Teelieferant Nummer 1 für die Bundesrepublik Deutschland. Das macht etwa ein Fünftel des gesamten Teebedarfs unseres Landes aus. Auch, wenn die Chinesen bei solchen Mengen sicher nur ein mildes Lächeln übrig haben dürften, so ist und bleibt China derzeit unser wichtigster Partner in Sachen Tee. Dennoch gibt es zahlreiche wertvolle und köstliche Sorten, die wir bei uns wohl nie genießen werden können, aus dem einfachen Grund, dass diese Teespezialitäten China in der Regel niemals verlassen.

Aber ist das nicht ein bisschen „unfair“ von den Chinesen, qualitativ hochwertigen Tee zu produzieren, aber diesen ausschließlich selbst zu trinken und so gesehen „die 2. Wahl“ an die Geschäftspartner zu verkaufen? Nun, so sollte man das wirklich nicht interpretieren. Mal abgesehen davon, dass, sicher mit Ausnahme einiger schwarzer Schafe, die es aber überall gibt, Tee aus China immer eine gute Qualität hat, ist der Grund nicht etwa der, das China uns seine besten Tees quasi vorenthalten möchte.

In China gibt es nicht nur wenige, sehr große Teeproduzenten. Es gibt nach wie vor auch sehr zahlreiche, recht kleine Teebauern, die alle ihre köstlichen Besonderheiten herstellen. Die Mengen dabei sind allerdings so gering, dass sich ein internationales Geschäft damit schlichtweg nicht lohnen würde, bzw. regelrecht unmöglich ist. Die Nachfrage würde schnell das Angebot um ein Vielfaches übersteigen, die Preise würden explodieren und der weltweite Teemarkt würde langfristig nur darunter leiden. Wer also einmal solche Raritäten probieren möchte, wird sich wohl selbst auf den Weg nach China machen müssen.

Fazit

Wenn es um Tee geht, sollten wir es wirklich vermeiden, uns mit China zu vergleichen. Die Geschichte des Tees reicht in China bereits mehrere tausend Jahre zurück, bei uns gerade einmal wenige hundert. China produziert fast 2 Millionen Tonnen jährlich, ist unangefochten der größte Teeproduzent weltweit, wir könnten gerade einmal einige Kräutertees nennen. Geht es um die „echten“ Tees allerding, müssen wir auf unserem Produktionskonto eine dicke Null verbuchen.

Und auch unser Jahresverbrauch liegt bei Mengen, die in China wohl bereits in Wochen konsumiert werden. Und auch wer denkt, unsere Regale in den Teeläden seien inzwischen fast schon übervoll und die Vielfalt zu groß um noch einen Überblick bewahren zu können, dem wird bei einem Blick in einen chinesischen Teeladen, in dem gerne einmal um die 400 Teebauern ihre Waren anbieten, schnell der Kopf schwirren.

Nun, dann sollten wir uns einfach bemühen, auch in Zukunft Neuem gegenüber aufgeschlossen zu bleiben, jede Gelegenheit einen unbekannten Tee zu probieren nutzen und vielleicht sogar von einer Reise nach China zu träumen. Wir müssen keinesfalls den Lebensstil der Chinesen übernehmen und sollten dies vielleicht auch gar nicht.

Schließlich ist das Leben in Europa nun einmal ein völlig anderes. Aber wir könnten uns vielleicht ganz bewusst angewöhnen, in der ein oder anderen Situation Tee statt etwas anderem zu trinken. Vielleicht weckt dies ja dann auch das Interesse und man befasst sich etwas intensiver und ausführlicher mit dem Thema Tee. Es gibt sehr informative und auch unterhaltsame Bücher darüber. Zum Beispiel aus China, oft auch schon einige hundert Jahre alt oder älter…

 

 

Bildnachweis Titelbild: China und der Tee ©Thinkstock: iStockphoto

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