Wer im Teefachhandel stöbert, stößt schnell auf Buchstabenkürzel wie FTGFOP oder BOP. Sie wirken wie ein Code für Eingeweihte, beschreiben aber lediglich Blattgröße und Beschaffenheit eines Schwarztees, nicht zwingend den Geschmack. Hier erfahren Sie, was die einzelnen Kürzel bedeuten, wie das Grading-System aufgebaut ist und worauf Sie beim Kauf wirklich achten sollten.
Was die Kürzel überhaupt bedeuten
Die Buchstabenkombinationen stammen vor allem aus dem Handel mit Schwarztee aus Indien und Sri Lanka. Sie beschreiben die Blattgröße und den Anteil bestimmter Pflanzenteile. Vereinfacht gilt: je mehr Buchstaben, desto höher die Einstufung. Eine lange Buchstabenfolge bedeutet aber nicht automatisch besseren Geschmack.
Grundlage ist das P für Pekoe. Woher das Wort genau stammt, ist nicht gesichert; vermutlich geht es auf das Chinesische zurück und bedeutet "weißes Haar", was sich auf den feinen Haarflaum an der Blattunterseite bezieht. Tee der Stufe P besteht aus kleinen Blättern mit ebendiesem Flaum. Wie wichtig solche Hintergründe für bewussten Genuss sind, zeigt auch unser Beitrag über die sechs echten Tee-Arten.
Orange Pekoe und das Grading-System
OP steht für Orange Pekoe und bezeichnet ein langes, gleichmäßiges Blatt von etwa eineinhalb bis zwei Zentimetern Länge. Das O hat nichts mit Orangen zu tun, sondern geht vermutlich auf das niederländische Königshaus Oranien zurück. Ein verbreiteter Irrtum ist, OP-Tee schmecke nach Orange.
Zusätzliche Buchstaben verfeinern die Beschreibung: F für Flowery (feine Blattknospen), T für Tippy (hoher Anteil feiner Blattspitzen, sogenannter Tips), G für Golden (golden schimmernde Spitzen). Je mehr dieser Kürzel auftauchen, desto höher ist in der Regel der Anteil junger, feiner Blattspitzen.
Von FTGFOP bis BOP
FTGFOP, ausgeschrieben Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe, gilt als hochwertige Klassifizierung: Hier werden die Blätter einzeln von Hand verlesen, nur feinste und makellose Exemplare kommen infrage. Die Steigerung FTGFOP1 erreichen in der Regel nur Tees aus Darjeeling, selten ein Assam. SFTGFOP setzt mit dem Zusatz Special noch eins drauf.
BOP hingegen steht für Broken Orange Pekoe, also gebrochenes Blatt. Gebrochene Blätter ergeben einen kräftigeren, schneller ziehenden Aufguss, während ganze Blätter feiner und langsamer ihr Aroma entfalten. Beide haben ihre Berechtigung, je nachdem, was man sucht.
Ganzes Blatt gegen gebrochenes Blatt
Ganzblatttees wirken edler und liefern ein nuanciertes, mildes Aroma. Sie eignen sich für alle, die Zeit und Muße für den vollen Geschmack mitbringen und den Tee bewusst genießen wollen, etwa einen feinen Darjeeling.
Gebrochene Blätter und der noch feinere Fannings- oder Dust-Grade landen oft in Teebeuteln. Sie ziehen schnell und kräftig, was sie für den schnellen Alltagstee praktisch macht. Gerade bei den vier höchsten Stufen fällt es dem durchschnittlichen Teetrinker mit bloßem Auge schwer, Unterschiede zu erkennen.
Was die Kennzeichnung nicht verrät
Trotz aller Kürzel bleibt eine wichtige Einschränkung: Das Grading sagt nichts über Anbau, Pflücktermin oder die Sorgfalt bei der Verarbeitung aus. Ein einfaches OP von einem guten Garten kann besser schmecken als ein hochgradiges Blatt von minderer Herkunft.
Das beschriebene System gilt zudem vor allem für klassischen Schwarztee. Grüntee, besonders aus China und Japan, wird nach ganz anderen Kriterien beurteilt, etwa nach Pflückzeitpunkt, Region und Verarbeitungsart. Hier zählen Namen wie Sencha oder Longjing mehr als Buchstabenkürzel.
Siegel, Herkunft und der eigene Geschmackstest
Neben dem Grading begegnen Käufern Siegel für biologischen Anbau oder fairen Handel. Diese sagen weniger über die Blattqualität als über die Bedingungen aus, unter denen der Tee erzeugt und gehandelt wurde. Für viele Verbraucher sind solche Aspekte heute ebenso wichtig wie der Geschmack.
Auch die Herkunftsangabe gewinnt an Bedeutung: Ein konkreter Garten oder eine Anbauregion wie Darjeeling sagt oft mehr über den zu erwartenden Charakter aus als jedes Kürzel. Am sinnvollsten ist es, die Kennzeichnung als ein Merkmal unter mehreren zu betrachten. Den endgültigen Test aber liefert nur die eigene Tasse, wie auch unser Beitrag über die verschiedenen Namenszusätze zeigt.
Häufige Fragen
Was bedeutet OP bei Tee?
OP steht für Orange Pekoe und bezeichnet ein langes, gleichmäßiges Blatt von etwa eineinhalb bis zwei Zentimetern. Das Wort Orange hat dabei nichts mit der Frucht zu tun.
Ist FTGFOP besser als BOP?
FTGFOP weist mehr feine, von Hand verlesene Blattspitzen auf, BOP besteht aus gebrochenem Blatt. Besser oder schlechter ist relativ: Beide haben je nach Vorliebe und Zubereitung ihre Berechtigung.
Sagt die Kennzeichnung etwas über den Geschmack?
Nur bedingt. Sie beschreibt vor allem Blattgröße und Beschaffenheit, nicht aber Anbau, Pflückzeitpunkt oder Verarbeitungssorgfalt. Der Geschmackstest bleibt entscheidend.
Gilt das System auch für Grüntee?
Kaum. Das Grading stammt aus dem Schwarzteehandel. Grüntees werden nach Region, Pflückzeitpunkt und Verarbeitungsart beurteilt, etwa als Sencha oder Longjing.
Was sagen Bio- und Fairtrade-Siegel aus?
Sie beziehen sich auf Anbau- und Handelsbedingungen, nicht auf die Blattqualität. Für viele Käufer sind sie eine wichtige Ergänzung zur klassischen Kennzeichnung.
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