Fazit
Gerade bei den vier höchsten Qualitätsstufen - TGFOP, FTGFOP, FTGFOP1 und SFTGFOP, dürfte es dem durchschnittlichen Teetrinker äußerst schwer fallen mit bloßem Auge einen Unterschied zu erkennen und auch der Geschmack wird keine schwerwiegenden Unterschiede aufweisen. Wer eher misstrauisch ist, sollte sich deshalb solch einen Tee vielleicht nicht unbedingt im Internet bestellen, sondern bei einem kundigen Teehändler, der sich gerne Zeit nimmt und anhand von Beispielen in den einzelnen Qualitätsstufen die Unterschiede nochmals verdeutlicht. Für den Alltagsgebrauch ist man sicher auch nicht schlecht beraten, wenn man sich einen nicht ganz so hochwertigen Tee kauft. Ein First Flush von einem Grün- oder Schwarztee ist in jedem Fall von guter Qualität und von gutem Geschmack. Das letzte Wort hat am Ende immer der eigene Gefallen.Bildnachweis: Qualitäts-Kennzeichnung bei Tee © D. Ott - Fotolia.comVon FTGFOP bis BOP: Das Grading-System erklärt
Das Qualitätskennzeichnungssystem für Schwarztee – hauptsächlich aus Indien und Sri Lanka – ist für Einsteiger verwirrend, folgt aber einer internen Logik. Die Buchstaben beschreiben primär die Größe und Art des verwendeten Teeblatts. „Flowery" (F) bezeichnet Tees mit besonders vielen Blütenspitzen (Tipps); „Golden" (G) bedeutet goldgefärbte Tipps – ein Zeichen von jung geernteten Knospen; „Tippy" (T) heißt einfach, dass viele Tipps enthalten sind; „Orange Pekoe" (OP) beschreibt ein bestimmtes Blattformat (mittelgroß, ganz, unverdreht). Die Kombination FTGFOP (Finest Tippy Golden Flowery Orange Pekoe) ist theoretisch die höchste Qualitätsstufe – obwohl Teescherze auch sagen, es stehe für „Far Too Good For Ordinary People". Darunter kommen TGFOP, GFOP, FOP, OP und schließlich BOP (Broken Orange Pekoe), P (Pekoe) und D (Dust, Teestaub).
Diese Bezeichnungen sagen jedoch mehr über die Blattgröße als über den Geschmack aus. Broken-Tees (B-Klassen) geben tatsächlich schneller und intensiver Farbe und Aroma ab – ideal für Teebeutel und starken Frühstückstee. Ganze Blatt-Tees (OP-Klassen) entwickeln ihr Aroma langsamer und nuancierter, sind aber nicht automatisch „besser" – sie sind einfach anders. Das Grading-System ist kein vollständiges Qualitätsmaß; es fehlen Angaben über Erntezeitpunkt (First Flush vs. Second Flush), Anbauregion, Meereshöhe und Verarbeitungsqualität – allesamt entscheidende Geschmacksfaktoren.
Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel ueber chinesische Teekultur. Einen ausfuehrlichen Ueberblick bietet unser Beitrag zu Yan Cha Felsentee. Lesen Sie dazu auch unseren Ratgeber zu Jiaogulan Tee.
Zertifizierungen und ihr wirklicher Wert
Neben dem Grading-System gibt es eine Reihe von Zertifizierungen, die Qualität, Ethik oder Nachhaltigkeit signalisieren. Die wichtigsten im Überblick: EU-Bio-Siegel (kontrollierter Verzicht auf synthetische Pestizide und Dünger, regelmäßige Kontrollen); Fairtrade-Siegel (Mindestpreisgarantien, faire Arbeitsbedingungen, Gemeinschaftsentwicklungsfonds); Rainforest Alliance (Biodiversitätsschutz, bessere Arbeitsbedingungen, aber kein Preisgarantie-Element); UTZ (jetzt Teil von Rainforest Alliance, fokussiert auf landwirtschaftliche Gute-Praxis); Demeter (Biodynamischer Anbau nach Rudolf Steiners Prinzipien, strengste Kriterien). Die Bedeutung von Direkthandels-Labels (Direct Trade) wächst: Hier kauft der Händler direkt beim Garten, zahlt mehr als Marktpreis und garantiert Transparenz – aber es gibt keine unabhängige Zertifizierung.
FAQ: Qualitätskennzeichnungen bei Tee
Was bedeutet „First Flush"? First Flush bezeichnet die erste Ernte des Jahres, typischerweise im März–April in Darjeeling. Die Blätter sind besonders jung, zart und aromatisch; der Tee hat oft florale, leicht muskatige Noten. Er gilt als Delikatesse und ist entsprechend teuer. Second Flush (Mai–Juni) ist kräftiger; Autumnal (Herbsternte) erdiger und voller.
Was bedeutet „Single Estate" oder „Single Origin"? Tee aus einer einzigen Plantage (Estate) oder Region (Origin), nicht gemischt. Dieser Begriff garantiert Rückverfolgbarkeit und Terroircharakter – ähnlich wie Single-Malt-Whisky oder Single-Origin-Kaffee. Blended Teas (z.B. English Breakfast, Earl Grey) sind Mischungen aus verschiedenen Ursprüngen für Konsistenz des Geschmacks.
Ist Bio-Tee automatisch besser als konventioneller? Bio-Tee ist frei von synthetischen Pestiziden und oft aus nachhaltigerem Anbau – das sind ethische und gesundheitliche Vorteile. Geschmacklich muss Bio nicht besser sein; viele der besten Teegärten verwenden traditionelle, minimale Eingriffsmethoden, die nicht formal zertifiziert sind. Umgekehrt kann billiger Bio-Tee geschmacklich enttäuschen.
Was sagt mir die Farbe des Trockenblatts über die Qualität? Farbe allein sagt nicht alles, aber gleichmäßige Farbe (ohne braune, schwarze oder weiße Flecken) ist ein gutes Zeichen. Goldene Tipps in einem Schwarztee deuten auf sorgfältige Ernte junger Blätter hin. Weiße Flaumbehaarung (Pekoe) bei Weißtees und beschattetem Grüntee zeigt sehr junge Blätter. Staubbehaftete oder uneinheitliche Blätter deuten auf minderwertige Verarbeitung oder falsche Lagerung hin.
Verwandte Artikel
Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:
- Die Tee Nerds (Wissenswertes)
- Beschatteter Grüntee - einfach nur ein Splin oder doch etwas ganz besonderes? (Wissenswertes)
- Wie entfernt man alte Gerüche und Schmutzreste aus einer Thermoskanne? (Wissenswertes)
- Was ist ein Tee-Sommelier? (Wissenswertes)
- Wenn Tee so gesund ist, kann man ihn auch in unbegrenzten Mengen trinken? (Wissenswertes)
- Südafrikanische Teekultur (Teekulturen)
- Gong Mei (Weißer Tee)
- "Das Drachengift aus China" (Mythen)