Teufelskrallen-Tee wird aus den getrockneten Speicherwurzeln der Afrikanischen Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) bereitet, einer Wildpflanze aus den Savannen Namibias, Botswanas und Südafrikas. Ihren Namen verdankt sie ihren krallenartig bewehrten Früchten. Der Aufguss schmeckt ausgesprochen bitter, ist im Europäischen Arzneibuch monographiert und verlangt eine ungewöhnliche Zubereitung: mehrere Stunden Standzeit statt weniger Minuten.

Steckbrief
Pflanze/BasisAfrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens), Sesamgewächs
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilstark bitter, erdig, leicht holzig
Wassertemperatur100 °C (kochendes Wasser)
Ziehzeit5-8 Stunden Standzeit, dann abseihen
Dosierungca. 4,5 g geschnittene Wurzel (2-3 TL) auf 300 ml
Aufgüsse1 Aufguss, über den Tag in 3 Portionen getrunken
Preisspanneca. 3-6 € pro 100 g, Apothekenqualität bis ca. 8 €

Herkunft: eine Wildpflanze aus der Kalahari

Die Teufelskralle ist im südlichen Afrika beheimatet, vor allem in Namibia, Botswana und der südafrikanischen Kalahari-Region. Das Sesamgewächs ist perfekt an Hitze und Trockenheit angepasst: Neben einer dicken Hauptwurzel bildet es bis zu mehrere Dezimeter tief liegende Sekundär- oder Speicherwurzeln aus, die Wasser und Wirkstoffe bevorraten — genau diese Knollen werden geerntet. Versuche, die Pflanze in anderen Klimazonen dauerhaft zu kultivieren, sind bisher weitgehend gescheitert; der Welthandel stützt sich daher fast ausschließlich auf Wildsammlung, mit Namibia als wichtigstem Exportland.

Das hat Folgen für den Bestand: Wegen der starken Nachfrage ist die Teufelskralle regional selten geworden, zumal manche Sammler auch die Hauptwurzel ausgraben und die Pflanze damit zerstören. Nachhaltige Projekte schreiben deshalb vor, nur einen Teil der Seitenknollen zu entnehmen und die Grube wieder zu verschließen. Der Name übrigens stammt von den verholzten Früchten mit ihren langen Widerhaken, die sich im Fell vorbeistreifender Tiere verankern und so für die Verbreitung der Samen sorgen.

Geschmack: Bitterkeit als Programm

Teufelskrallen-Tee gehört zu den bittersten Kräuteraufgüssen überhaupt — verantwortlich sind Iridoidglykoside, allen voran das Harpagosid. Der Aufguss ist hellbraun bis bernsteinfarben, riecht erdig und schmeckt herb, holzig und lang anhaltend bitter; eine Süße oder Fruchtnote fehlt völlig. Wer milde Kräutertees gewohnt ist, sollte sich auf ein echtes Kontrastprogramm einstellen.

Etwas abmildern lässt sich die Herbe mit einem Teelöffel Honig oder durch Mischungen, in denen die Wurzel mit Fenchel, Süßholz oder Pfefferminze kombiniert wird — handelsübliche Mischtees schmecken deutlich zugänglicher, enthalten aber entsprechend weniger Wurzelanteil. In der traditionellen Kräuterkunde gilt der bittere Geschmack ohnehin nicht als Makel, sondern als Merkmal der Bitterdrogen, zu denen etwa auch das Tausendgüldenkraut und der Wermut zählen.

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Zubereitung Schritt für Schritt: der lange Ansatz

Die feste Speicherwurzel gibt ihre Inhaltsstoffe nur langsam ab, deshalb genügen drei Minuten Ziehzeit hier nicht. Bewährt hat sich folgendes Vorgehen: 1. Etwa 4,5 g fein geschnittene, getrocknete Wurzel (zwei bis drei Teelöffel) in eine Kanne geben. 2. Mit 300 ml kochendem Wasser übergießen. 3. Abgedeckt fünf bis acht Stunden bei Zimmertemperatur stehen lassen — praktisch ist der Ansatz am Abend für den nächsten Tag. 4. Abseihen und die Menge über den Tag verteilt in drei Portionen trinken, am besten in kleinen Schlucken und vor den Mahlzeiten.

Mehr als ein bis drei Tassen täglich sollten es nicht sein, und nach spätestens sechs Wochen Daueranwendung wird traditionell eine Pause empfohlen. Der fertige Aufguss hält sich abgedeckt im Kühlschrank etwa einen Tag. Wer es weniger streng mag, kann ihn lauwarm statt heiß trinken — das dämpft die Bitterkeit ein wenig.

Inhaltsstoffe und Studienlage

Charakteristische Inhaltsstoffe sind die Iridoidglykoside Harpagosid, Harpagid und Procumbid, daneben Phytosterine, Flavonoide wie Kämpferol, Ursolsäure und Zuckerstoffe. Das Europäische Arzneibuch führt die Droge als Harpagophyti radix und verlangt für Arzneibuchware einen Mindestgehalt von 1,2 Prozent Harpagosid. Die Kommission E des damaligen Bundesgesundheitsamtes hat die Wurzel 1989 positiv monographiert und nennt als traditionelle Anwendungsgebiete Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und die unterstützende Anwendung bei Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates; auch die europäische Fachgesellschaft ESCOP hat eine Monographie vorgelegt.

Klinische Studien existieren vor allem zu konzentrierten Extraktpräparaten, nicht zum Tee selbst — Ergebnisse lassen sich also nicht eins zu eins auf den deutlich schwächeren Aufguss übertragen. Wichtig zu wissen: Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren wird von der Anwendung abgeraten, bei Gallensteinleiden, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei dauerhafter Medikamenteneinnahme gehört die Frage vorab in die ärztliche Sprechstunde. Ein Ersatz für eine Behandlung ist der Tee in keinem Fall.

Kauf und Qualitätsmerkmale

Teufelskrallenwurzel gibt es als geschnittene lose Ware im Kräuterfachhandel und in Apotheken; 100 Gramm kosten je nach Qualität etwa 3 bis 6 Euro, geprüfte Arzneibuchware bis rund 8 Euro. Gute Ware besteht aus harten, hellbraunen bis graubraunen Wurzelscheiben oder -stücken mit deutlich bitterem Geruch nach dem Anfeuchten; viel Staub und dunkle, weiche Stücke deuten auf alte oder falsch gelagerte Ware hin.

In der Apotheke erhalten Sie Droge in Arzneibuchqualität mit garantiertem Harpagosid-Gehalt und dokumentierter Herkunft — bei einer reinen Wildsammelpflanze ein echtes Plus, auch im Hinblick auf nachhaltige Erntepraxis. Daneben ist die Teufelskralle als Fertigpräparat in Kapseln, als Tinktur und als Salbe im Handel; diese Formen sind höher dosiert als der Tee und gehören erst recht in beratene Hände.

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Lagerung

Die getrocknete Wurzel ist vergleichsweise unempfindlich, verlangt aber denselben Schutz wie andere Kräuterdrogen: luftdicht verschlossen, lichtgeschützt und trocken, etwa in einer Keramik- oder Blechdose im Küchenschrank abseits von Herd und Spüle. So gelagert bleibt sie 18 bis 24 Monate verwendbar, ohne nennenswert an Bitterstoffgehalt zu verlieren.

Feuchtigkeit ist der größte Feind: Zieht die harte Wurzel Wasser, kann sie schimmeln, ohne dass man es sofort sieht. Prüfen Sie angebrochene Vorräte deshalb gelegentlich auf muffigen Geruch und entsorgen Sie zweifelhafte Ware großzügig. Wer kleine Mengen von 50 bis 100 Gramm kauft, hat das Problem ohnehin selten.

Varianten und Alternativen

Wem der pure Wurzelaufguss zu herb ist, der findet fertige Mischungen mit Fenchel, Brennnessel oder Pfefferminze, die milder schmecken, aber weniger Wurzelanteil liefern. Als Darreichungsformen konkurrieren außerdem Kapseln und Tabletten mit standardisiertem Extrakt sowie Tinkturen — sie umgehen den bitteren Geschmack komplett, sind jedoch Arzneimittel und keine Genussgetränke.

Geschmacklich angenehmere Begleiter aus derselben Weltgegend sind der fermentierte Rooibos-Tee aus den südafrikanischen Zederbergen, der völlig koffeinfrei und mild-süßlich daherkommt. Und wer sich generell für traditionsreiche Bitterkräuter interessiert, kann mit der heimischen Schafgarbe eine deutlich sanftere Einstiegsstufe wählen, bevor er sich an die afrikanische Wurzel wagt.

Häufige Fragen

Wie lange muss Teufelskrallen-Tee ziehen?
Deutlich länger als andere Kräutertees: Die geschnittene Wurzel wird mit kochendem Wasser übergossen und steht abgedeckt fünf bis acht Stunden, bevor abgeseiht wird. Kurzes Ziehen löst die Inhaltsstoffe nur unvollständig.

Wie schmeckt Teufelskrallen-Tee?
Stark bitter, erdig und holzig, ohne jede Süße. Verantwortlich sind Iridoidglykoside wie das Harpagosid. Honig oder Mischungen mit Fenchel und Pfefferminze mildern die Herbe etwas ab.

Wofür wird die Teufelskralle traditionell verwendet?
Die Kommission E nennt in ihrer Monographie von 1989 Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden und die unterstützende Anwendung bei Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates. Klinisch untersucht sind vor allem Extraktpräparate, nicht der Tee.

Wer sollte auf Teufelskrallen-Tee verzichten?
Bei Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren wird von der Anwendung abgeraten. Bei Gallensteinleiden, in Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Medikamenteneinnahme sollte vorher ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wie viel kostet Teufelskrallenwurzel?
Lose, geschnittene Ware kostet etwa 3 bis 6 Euro pro 100 Gramm. Apothekenware in Arzneibuchqualität mit mindestens 1,2 Prozent Harpagosid liegt bei bis zu 8 Euro.

Quellen

  • Kommission E: Monographie Harpagophyti radix (Teufelskrallenwurzel), 1989
  • Europäisches Arzneibuch: Monographie Harpagophyti radix
  • ESCOP: Monographie Harpagophyti radix

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.