Wie viel Tee trinken die Deutschen wirklich, wer produziert am meisten, und stimmt das Klischee vom Senioren-Getränk? Dieser Beitrag sammelt die wichtigsten Zahlen rund um den Tee: vom Weltmarkt über das deutsche Nord-Süd-Gefälle bis zur Frage, wo Tee eigentlich gekauft wird. Einige Statistiken räumen dabei gründlich mit verbreiteten Vorurteilen auf.

Tee weltweit: die Nummer zwei nach Wasser

Global betrachtet ist Tee das meistgetrunkene Getränk nach Wasser — noch vor Kaffee, Bier und Softdrinks. Die größten Produzenten sind China und Indien, die zusammen weit mehr als die Hälfte der Welternte stellen; dahinter folgen Kenia, Sri Lanka und die Türkei. Welche Pflanzen und Verarbeitungswege hinter dieser Vielfalt stehen, erklärt der Überblick zu den sechs echten Tee-Arten.

Beim Pro-Kopf-Verbrauch führen andere Länder: Spitzenwerte erreichen die Türkei, Irland und Kuwait, wo Tee mehrmals täglich selbstverständlich ist. Deutschland rangiert im internationalen Vergleich im Mittelfeld — mit einer markanten regionalen Ausnahme, die gleich folgt.

Deutschland: 27 Liter im Schnitt, 300 Liter in Ostfriesland

Der bundesweite Durchschnitt liegt bei rund 27 Litern schwarzem und grünem Tee pro Kopf und Jahr; rechnet man Kräuter- und Früchteaufgüsse hinzu, verdoppelt sich der Wert etwa. Das oft zitierte Nord-Süd-Gefälle ist dabei real: Im Süden wird Tee eher als gelegentlicher Genuss getrunken, im Norden gehört er zum Tagesablauf.

Den Extremfall bildet Ostfriesland. Dank der täglichen Teetied — bei der die goldene Regel gilt, dass jeder Gast mindestens drei Tassen trinkt — kommen die Ostfriesen auf etwa 300 Liter Schwarztee pro Kopf und Jahr, umgerechnet rund 2,5 kg Teeblätter. Damit liegen sie weltweit an der Spitze, noch vor Kuwait und Irland; der Bundesbürger verbraucht im Vergleich nur etwa 250 g Blattware jährlich. Wie das Ritual mit Kluntje und Sahnewölkchen funktioniert, beschreibt der Beitrag zur ostfriesischen Teekultur.

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Wer trinkt Tee? Das Altersklischee in Zahlen

Das Bild vom älteren Paar, das nachmittags mit Wolldecke auf der Veranda Tee schlürft, hält den Marktdaten nicht stand: Erhebungen von Marktforschungsinstituten zufolge sind 47 Prozent der Teetrinker jünger als 50 Jahre. Tee hat sich vom Krankheits- und Seniorengetränk zum Lifestyle-Produkt gewandelt — als bewusste Auszeit vom Alltagsstress ebenso wie als Wellness-Begleiter.

Zur Verjüngung tragen auch neue Formate bei: Wer es urban mag, ersetzt den Coffee to go durch Matcha Latte oder Bubble Tea. Was in letzterem tatsächlich steckt, untersucht der Artikel zum Bubble-Tea-Trend. Dass Konzerne den Markt längst entdeckt haben, zeigt die Analyse Tee ist der neue Kaffee.

Wo Tee gekauft wird: Supermarkt schlägt Fachhandel

Auch beim Einkaufsort widerlegen die Zahlen ein Vorurteil. 53,9 Prozent des schwarzen und grünen Tees wurden 2012 im Lebensmitteleinzelhandel oder beim Discounter gekauft; Teefachgeschäfte folgten mit 18,5 Prozent erst mit deutlichem Abstand auf Platz zwei. Gute Qualität gibt es eben längst nicht mehr nur im spezialisierten Laden.

Der Fachhandel punktet dafür mit Beratung, Probiermöglichkeit und größerer Sortenauswahl — Argumente, die vor allem bei hochwertiger loser Ware zählen. Welche Bezugsquelle wann sinnvoll ist, wägt der Beitrag Onlineshop oder Teeladen um die Ecke? ab.

Preisspannen: vom Discounter-Beutel zur Rarität

Kaum ein Lebensmittel deckt eine so große Preisspanne ab wie Tee. Einfache Beuteltees aus dem Supermarkt kosten umgerechnet oft unter 2 Euro pro 100 g, solide lose Ware liegt zwischen 4 und 10 Euro, und gesuchte Spitzenlagen — etwa First-Flush-Darjeelings oder handgefertigte China-Raritäten — erreichen 30 Euro und mehr pro 100 g. Bei Auktionen für prämierte Einzelpartien fallen regelmäßig vierstellige Kilopreise.

Bemerkenswert bleibt dabei die Ergiebigkeit: Aus 100 g losem Tee lassen sich je nach Dosierung 30 bis 50 Tassen aufgießen. Selbst ein 10-Euro-Tee kostet pro Tasse damit nur 20 bis 30 Cent — weniger als fast jedes andere Genussgetränk.

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Was die Zahlen bedeuten — und was nicht

Die Statistik räumt mit mehreren Vorurteilen auf: Die Deutschen trinken mehr Tee, als ihr Ruf vermuten lässt, das Publikum wird jünger, und gekauft wird mehrheitlich dort, wo es bequem ist. Für Händler und Hersteller sind solche Daten bares Geld wert, denn sie steuern Sortimente und Werbung.

Für alle anderen gilt: Kein Jahresverbrauch und kein Marktanteil sagt etwas darüber aus, ob die Tasse vor Ihnen schmeckt. Wer seine Sorte gefunden hat, seine Wassertemperatur kennt und sich die fünf Minuten Ruhe nimmt, hat von der Statistik genau das Wichtigste verstanden — nämlich dass sie beim Genuss keine Rolle spielt.

Häufige Fragen

Wie viel Tee trinken die Deutschen pro Jahr?
Im Bundesschnitt etwa 27 Liter schwarzen und grünen Tee pro Kopf; mit Kräuter- und Früchteaufgüssen ungefähr das Doppelte. Das entspricht rund 250 g Teeblättern jährlich pro Person.

Warum trinken Ostfriesen so viel Tee?
Die tägliche Teetied gehört dort fest zum Tagesablauf, und traditionell trinkt jeder mindestens drei Tassen. So kommen die Ostfriesen auf rund 300 Liter Schwarztee pro Kopf und Jahr — Weltspitze.

Welche Länder produzieren den meisten Tee?
China und Indien sind mit Abstand die größten Produzenten und stellen zusammen mehr als die Hälfte der Welternte. Dahinter folgen Kenia, Sri Lanka und die Türkei.

Ist Tee nur etwas für ältere Menschen?
Nein. Marktforschungsdaten zufolge sind 47 Prozent der Teetrinker jünger als 50 Jahre. Formate wie Matcha und Bubble Tea ziehen zusätzlich junges Publikum an.

Wo wird in Deutschland der meiste Tee gekauft?
Im Lebensmitteleinzelhandel und beim Discounter: 2012 entfielen 53,9 Prozent der Käufe von Schwarz- und Grüntee darauf. Teefachgeschäfte kamen auf 18,5 Prozent.

Wie viele Tassen ergeben 100 g loser Tee?
Je nach Dosierung 30 bis 50 Tassen. Selbst hochwertiger loser Tee für 10 Euro pro 100 g kostet damit nur 20 bis 30 Cent pro Tasse.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.