Die Deutschen sind kein Teetrinker-Volk. Tee ist nur was für ältere Leute. Tee kauft man am besten im Fachhandel, wenn man gute Qualität will. Das sind nur ein paar Beispiele für typische Vorurteile rund um das Thema Tee, die man bei und über uns immer wieder einmal gerne hört. Aber sind das wirklich alles nur Vorurteile oder ist da doch mehr dran?

Das klassische Nord-Süd-Gefälle

Dieser Begriff muss immer dann herhalten, wenn es darum geht, nicht nur signifikante, sondern durchaus sehr große Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland zu beschreiben. Dies ist auch öfter der Fall, wenn es um unsere Ernährungs- und Trinkgewohnheiten geht. Sei es beim Fischverzehr, als auch bei der Jodversorgung, der Norden liegt dabei immer eindeutig vorne. Und so ist es auch beim Teekonsum. Während man in Süddeutschland noch etwas zurückhalten ist, werden im Norden ganz andere Mengen getrunken. Im Süden der Republik wird zwar auch Tee getrunken, in erster Linie aber zum Genuss, d.h. gerne zwar täglich, beispielsweise in einer Entspannungspause, aber eben nicht in großen Mengen. Im Norden dagegen, genauer gesagt in Ostfriesland, herrscht dank der täglichen Tee-Tied eine regelrechte Hochburg, wenn man sich die Zahlen des Schwarztee-Konsums ansieht. Da es für dieses täglich stattfindende gesellige Beisammensein die goldene Regel gibt, dass jeder mindestens drei Tassen Tee zu trinken hat, schaffen es die Ostfriesen auf einen Jahresverbrauch an schwarzem Tee von sage und schreibe 300 Liter pro Jahr und Kopf. Damit sind sie Teenation Nummer Eins, gefolgt von Kuwait und Irland. Im Vergleich dazu: der bundesweite Durchschnitt liegt bei 27 Litern! Dadurch wird das Nord-Süd-Gefälle mehr als eindrucksvoll beschrieben.

Immer jüngeres Publikum

Ein anderes Vorurteil zum Thema Tee malt ein Bild von einem älteren Pärchen, das nachmittags mit Decken auf den Beinen auf der Veranda sitzt und seinen Tee schlürft. Doch auch dieses Bild ist so nicht ganz korrekt. Aktuelle Zahlen von Marktforschungsinstituten belegen, dass 47% der Teetrinker jünger als 50 Jahre sind. Dazu passt der Eindruck, dass Tee immer mehr zum Wellnessgetränk wird. Man nutzt seine Tasse Tee um dabei eine kurze Auszeit vom Alltagsstress zu nehmen. Gleichzeitig möchte man seiner Gesundheit etwas Gutes tun. Tee ist so längst mehr, als einfach nur ein Getränk. Tee wandelt sich immer mehr zu einem regelrechten Lifestyle. Tee ist eine Lebenseinstellung geworden. und das zieht zunehmend junges Publikum an. Wer es etwas "hipper" mag, der trinkt einfach statt einem "Coffee to go" einen Bubble Tea. Aber nicht nur für jeden Geschmack und jede Altersgruppe hat Tee etwas zu bieten. Auch für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Ob "0815-Tee" aus dem Supermarkt oder die edelsten Sorten aus dem exklusiven Teeladen, ob lose Ware oder Teebeutel, Tee ist einerseits für jedermann, andererseits kann man sich mit der Wahl seines Tees ganz eindeutig einer Gruppe zugehörig fühlen.

Nur im Fachhandel gibt es akzeptable Qualität

Einige Teefans scheinen regelrecht ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn sie ihren Tee im Supermarkt um die Ecke, anstatt im spezialisierten Teeladen kaufen. Doch 53,9% des schwarzen und grünen Tees wurden 2012 bei uns im Lebensmitteleinzelhandel oder sogar beim Discounter gekauft. Die Teefachgeschäfte landeten dabei zwar auf dem zweiten Platz, mit 18,5% dagegen war der Unterschied dazu aber mehr als eindeutig und klar.

Fazit

Sicher mag es auch Vorurteile geben, die absolut zutreffend sind. Doch manchmal ist man durchaus überrascht, wenn man diese gefestigten Meinungen zu überprüfen beginnt und letzten Endes doch feststellt, wie sehr sich die Dinge inzwischen geändert, oder wir uns schlichtweg getäuscht haben. Doch eigentlich muss man zugeben, dass all diese Daten und Fakten nicht ernsthaft wichtig sind. Für diejenigen, die mit Tee ihr Geld verdienen mit Sicherheit. Für alle anderen dagegen, die einfach nur ihren Tee genießen wollen, sollten weniger Zahlen, als vielmehr Geschmack und Aroma im Vordergrund stehen. Bildnachweis: Teesorten © macroart - Fotolia.com

Tee verstehen: Zubereitung mit Messbecher und Timer

Zahlen und Präzision spielen bei der Teequalität eine unterschätzte Rolle. Die wichtigsten Parameter: Wassertemperatur (±5°C kann den Geschmack entscheidend verändern), Tee-zu-Wasser-Verhältnis (2–3 g/200 ml für Schwarztee; 3–5 g/200 ml für Weißtee; 2–3 g/150 ml für Oolong im Gongfu-Stil), Ziehzeit (30 Sekunden bis 5 Minuten je nach Tee). Für Präzision: Küchen-Feinwaage (1g-Genauigkeit), Thermometer oder smarter Wasserkocher, Timer. Für Standardisierung: Eigene bevorzugte Zubereitung notieren und reproduzieren. Wissenschaftlich gesehen: Eine Veränderung von 10°C Wassertemperatur verändert die Catechin-Extraktion um ca. 20–30% – genug, um den Geschmack deutlich zu verändern. Präzision ist kein Snobismus, sondern der Weg zur konsistent besten Tasse.

Tee in Zahlen: Die globale Tee-Ökonomie

Die Zahlen hinter dem globalen Teemarkt sind beeindruckend. Weltproduktion: ca. 6,2 Millionen Tonnen Tee pro Jahr (2022). Größte Produzenten: China (3,2 Millionen Tonnen/Jahr, 51% der Weltproduktion), Indien (1,3 Millionen Tonnen), Kenia (600.000 Tonnen), Sri Lanka (300.000 Tonnen). Weltkonsum: Ca. 5,6 Milliarden Liter täglich – nach Wasser das meistkonsumierte Getränk der Erde. Pro-Kopf-Verbrauch: Türkei führt mit über 3 kg/Person/Jahr, gefolgt von Irland, Großbritannien und Pakistan. Deutschland: ca. 200 g/Person/Jahr (ca. 0,2 kg – deutlich weniger als Teeländer). Marktgröße: Globaler Teemarkt ~60 Milliarden Euro (2023), mit Wachstumstrend durch Specialty Tea und RTD (Ready to Drink) Tees.

Tee-Statistiken für Liebhaber und Kenner

Weitere faszinierende Zahlen: Der älteste Teebaum der Welt soll über 3.200 Jahre alt sein und wächst in Yunnan, China. Der teuerste Tee der Welt: Panda-Dünger-Tee aus China wurde 2012 für 70.000 USD pro kg angeboten (ein Marketingstunt). Da Hong Pao von den Mutterpflanzen: Der letzte Erntesäckel (20g, 2006) wurde für 30.000 RMB (ca. 4.000 EUR) versteigert. 2,7 Milliarden Teebeutel werden täglich weltweit verbraucht. In Großbritannien: 100 Millionen Tassen Tee pro Tag – 35 Milliarden im Jahr. Japan: 100.000 Tonnen Grüntee produziert, fast ausschließlich für den Inlandsmarkt. India exportiert ca. 250 Millionen kg Tee jährlich. Diese Zahlen illustrieren die wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung, die Tee weltweit hat.

FAQ: Tee in Zahlen

Wie viele Tassen Tee trinkt die Welt täglich? Schätzungen zufolge ca. 5,6 Milliarden Tassen täglich – nach Wasser das meistkonsumierte Getränk der Welt (sogar mehr als Kaffee).

Welches Land produziert am meisten Tee? China mit über 3 Millionen Tonnen pro Jahr (ca. 51% der globalen Produktion), gefolgt von Indien, Kenia, Sri Lanka, Vietnam und der Türkei.

Wie viel Tee braucht man für eine normale Tasse? 2–3 g loser Schwarztee auf 200 ml Wasser; 3–5 g Grüntee auf 150 ml; 2–3 g Oolong auf 100–150 ml (Gongfu). Eine 100g-Packung Schwarztee ergibt 33–50 Tassen.

Wie groß ist der deutsche Teemarkt? Deutschland ist einer der größten Tee-Importmärkte Europas mit einem Handelsumsatz von ca. 400 Millionen Euro jährlich. Besonders stark: Kräutertees und Grüntee-Segment.

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