Tausendgüldenkraut-Tee ist ein klassischer Bitterkräutertee aus der zierlichen Wildpflanze Centaurium erythraea, einem Enziangewächs. Sein ungewöhnlicher Name verweist auf den hohen Wert, den man der Pflanze früher beimaß. Reich an Bitterstoffglykosiden wird sie traditionell bei Appetitlosigkeit und Verdauungsbeschwerden verwendet. Da das Kraut unter Naturschutz steht, ist Selbstsammeln tabu. Hier lesen Sie zu Inhaltsstoffen, Geschmack und der besonderen Zubereitung als Kaltauszug.

Steckbrief
Pflanze/BasisEchtes Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea), Enziangewächse
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilausgeprägt bitter, herb
Wassertemperaturkalt angesetzt; in Mischungen heiß (90-100 °C)
ZiehzeitKaltauszug 6-8 Stunden; heiß 5-10 Minuten
Dosierung1/2 bis 1 TL pro Tasse
Aufgüsse1 Auszug
Preisspanneca. 4-8 € pro 100 g (Apotheke/Fachhandel)

Eine fast vergessene Bitterpflanze

Das Tausendgüldenkraut ist heute nur noch wenigen bekannt, oft nur von Zeichnungen aus Naturkundeführern. Dabei war diese zierliche Pflanze mit ihren kleinen rosafarbenen Blüten einst eine hochgeschätzte Heilpflanze der Volksmedizin. Wie ihr naher Verwandter, der Enzian, ist sie selten geworden, steht streng unter Naturschutz und darf nicht mehr frei gesammelt werden.

Der Name spielt auf ihren früher zugeschriebenen Wert an: Tausend Gulden galten sinnbildlich als Preis für ihre Bedeutung. Wer das überlieferte Wissen um Bitterkräuter bewahren möchte, greift deshalb auf zertifizierte Ware zurück, statt die Wildbestände zu plündern. Eine weitere geschützte Heilpflanze stellen wir mit dem Gelber-Enzian-Tee vor.

Inhaltsstoffe und traditionelle Anwendung

Charakteristisch sind die Bitterstoffglykoside, allen voran Secoiridoide wie Swertiamarin und Gentiopikrin. Hinzu kommen ätherische Öle, Zucker, Fettsäuren, Harze und weitere Begleitstoffe. Die ausgeprägte Bitterkeit regt über die Bittergeschmacksrezeptoren die Speichel- und Magensaftbildung an, was die traditionelle Verwendung erklärt.

Überliefert ist die Anwendung bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl, Blähungen und allgemeinen Verdauungsbeschwerden. Die Kommission E führt Tausendgüldenkraut (Centaurii herba) in einer Positivmonographie für genau diese Beschwerden. Wichtig: Bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren ist die Pflanze nicht geeignet, da Bitterstoffe die Magensaftproduktion zusätzlich anregen. Andere Magenfreundliche Kräuter stellen wir im Fencheltee vor.

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Der bittere Geschmack

Tausendgüldenkraut-Tee schmeckt ausgeprägt bitter und zählt zu den herbsten heimischen Kräutertees. Diese Bitterkeit ist gewollt, sie ist Trägerin der traditionellen Wirkung: Bitterstoffe entfalten ihren Reiz erst auf der Zunge und regen reflektorisch die Verdauungssäfte an. Wer ausschließlich milde, süßliche Aufgüsse gewohnt ist, sollte sich auf den kräftigen Charakter einstellen.

Die Intensität lässt sich über die Ziehzeit steuern: Kürzere Zeiten ergeben einen weniger herben Aufguss. In der Praxis wird das Kraut häufig mit anderen Pflanzen kombiniert, um die Bitternote abzurunden. Wer den Kontrast zu süßen Aromen sucht, findet eine ganz andere Geschmackswelt etwa im Süßholz-Tee.

Zubereitung als Kaltauszug

Reines Tausendgüldenkraut wird am besten als Kaltauszug zubereitet, weil dabei mehr Wirkstoffe erhalten bleiben: 1. Einen halben bis ganzen Teelöffel pro Tasse in kaltes Wasser geben. 2. Sechs bis acht Stunden ziehen lassen, etwa über Nacht. 3. Die Pflanzenteile abseihen. 4. Wer mag, erwärmt den Auszug vorsichtig auf Trinktemperatur, ohne ihn zu kochen.

Ist das Kraut Teil einer Teemischung, wird es ganz normal heiß zubereitet, also mit 90 bis 100 °C heißem Wasser für fünf bis zehn Minuten. Dabei geht zwar etwas Wirkkraft verloren, dafür ist die Zubereitung schneller. Zur traditionellen Anwendung wird der Tee schluckweise vor den Mahlzeiten getrunken.

Bezug, Naturschutz und Lagerung

Weil das Tausendgüldenkraut geschützt ist, sollten Sie den Tee in der Apotheke oder im Fachhandel kaufen, idealerweise mit nachvollziehbarer Herkunft aus kontrolliertem Anbau. Natürliche Restbestände finden sich vor allem im Mittelmeerraum sowie in Mittel- und Südeuropa auf kalkhaltigen, halbtrockenen Wiesen und Lichtungen, das Pflücken ist dort jedoch verboten.

Gewerblich wird das blühende Kraut in den Sommermonaten Juli und August geerntet, getrocknet und zerkleinert; nur die Wurzeln bleiben ungenutzt. Lagern Sie die getrocknete Ware luftdicht, trocken und dunkel, dann bleibt sie etwa ein Jahr aromatisch. Bei Vorerkrankungen oder in der Schwangerschaft holen Sie vor regelmäßiger Anwendung ärztlichen Rat ein. Weitere klassische Frauen- und Verdauungskräuter zeigt der Frauenmanteltee.

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Häufige Fragen

Woher kommt der Name Tausendgüldenkraut?
Er verweist auf den hohen Wert, den man der Pflanze früher beimaß. Tausend Gulden galten sinnbildlich als Preis für ihre Bedeutung als geschätzte Heilpflanze.

Wofür wird Tausendgüldenkraut-Tee traditionell verwendet?
Überliefert und in der Kommission-E-Monographie genannt ist die Anwendung bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl und Verdauungsbeschwerden. Die Bitterstoffe regen die Magensaftbildung an.

Wie schmeckt der Tee?
Ausgeprägt bitter und herb. Das Tausendgüldenkraut zählt zu den klassischen Bitterkräutern. Die Bitterkeit ist Trägerin der traditionellen Wirkung.

Wie bereite ich Tausendgüldenkraut-Tee zu?
Reines Kraut am besten als Kaltauszug: einen halben bis ganzen Teelöffel sechs bis acht Stunden in kaltem Wasser ziehen lassen, abseihen und nur leicht erwärmen.

Darf ich Tausendgüldenkraut selbst sammeln?
Nein. Die Pflanze steht streng unter Naturschutz und darf nicht gepflückt werden. Kaufen Sie den Tee in der Apotheke oder im Fachhandel aus kontrolliertem Anbau.

Quellen

  • Kommission E: Monographie Centaurii herba (Tausendgüldenkraut)

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.