Anis zählt zu den ältesten Heil- und Gewürzpflanzen und ist vielen vom griechischen Ouzo oder aus der Weihnachtsbäckerei vertraut. Als Tee findet man den Doldenblütler selten pur, dafür umso häufiger in Husten- und Erkältungsmischungen. Hier erfahren Sie, welche Inhaltsstoffe die Anisfrüchte so wertvoll machen, warum Sie sie vor dem Aufguss anstoßen sollten und worauf in der Schwangerschaft zu achten ist.

Steckbrief
Pflanze/BasisAnis (Pimpinella anisum), Doldenblütler; verwendet werden die Früchte
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilsüßlich-würzig, lakritzartig, an Fenchel erinnernd
Wassertemperaturkochend (100 °C)
Ziehzeit10-15 Minuten zugedeckt
Dosierungca. 1-2 g (1 TL) angestoßene Früchte pro 250 ml
Aufgüsseeinmalig; Früchte vorher leicht anmörsern
Preisspanneca. 1,50-4 € pro 100 g

Herkunft und Verbreitung

Die ursprüngliche Heimat des Anis liegt in Vorderasien und im östlichen Mittelmeerraum. Heute wird der Doldenblütler in vielen warmen Regionen kultiviert; eine der größten Anbauregionen liegt traditionell in Südrussland, wo die Pflanze ideale Wachstumsbedingungen findet. In Mitteleuropa gedeiht Anis in Gärten, verwildert hier aber kaum.

Anis ist nicht mit dem optisch und geschmacklich ähnlichen Sternanis verwandt, der von einem ostasiatischen Baum stammt. Beide schmecken nach Anethol, gehören botanisch aber völlig verschiedenen Familien an. Geschmacklich am nächsten steht der heimische Fenchel-Tee, der ebenfalls dieses ätherische Öl enthält.

Inhaltsstoffe der Anisfrüchte

Den charakteristischen süßlich-würzigen Geschmack verdankt Anis seinem ätherischen Öl, das zu über 80 Prozent aus Anethol besteht. Hinzu kommen Begleitstoffe wie Estragol, Anissäure und Cumarine sowie fettes Öl und Eiweiß. Der hohe Anteil ätherischer Öle ist der Grund für die schleimlösende und blähungstreibende Wirkung, die Anis traditionell zugeschrieben wird.

Wegen dieser Eigenschaften ist Anis ein beliebter Bestandteil von Husten-, Erkältungs- und Verdauungstees. Hebammen empfehlen ihn zudem traditionell zur Unterstützung der Milchbildung - oft in Kombination mit Fenchel und Kümmel, wie in vielen Milchbildungstees üblich.

Anzeige

Ernte und Herstellung

Für den Tee werden die Früchte des Anis verwendet, die man wegen ihres Aussehens leicht für Samen hält. Geerntet wird im Frühherbst, sobald die Dolden ausgereift sind. Die Früchte werden getrocknet und können dann mehrere Jahre gelagert werden, sofern man sie luftdicht und dunkel aufbewahrt.

Ein entscheidender Schritt vor dem Aufguss: Die Früchte haben eine harte Schale, die das ätherische Öl einschließt. Stoßen Sie sie deshalb kurz im Mörser an oder zerdrücken Sie sie leicht. Erst dann kann das heiße Wasser die Wirkstoffe wirklich herauslösen - ein Detail, das bei vielen Kümmel-Tees ebenso gilt.

Zubereitung Schritt für Schritt

So gelingt der Aufguss: 1. Einen Teelöffel (1 bis 2 g) Anisfrüchte im Mörser leicht anstoßen. 2. Mit 250 ml kochendem Wasser übergießen. 3. Zugedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, damit das flüchtige ätherische Öl nicht entweicht. 4. Abseihen und warm trinken.

Der Geschmack ist deutlich süßlich-lakritzartig, weshalb sich Anis hervorragend mit Fenchel und Kümmel zum klassischen Verdauungstrio kombinieren lässt. Zwei bis drei Tassen über den Tag verteilt gelten als übliches Maß. In Erkältungsmischungen wird Anis gern mit Thymian oder Spitzwegerich ergänzt, wie in vielen Erkältungstees.

Geschmack und Kombinationen

Pur getrunken ist Anis-Tee für viele recht intensiv, da das Anethol eine kräftige, an Lakritz erinnernde Süße mitbringt - ganz ohne zugesetzten Zucker. Genau diese natürliche Süße macht ihn zum dankbaren Partner herberer Kräuter, die er geschmacklich abrundet.

In der Praxis harmoniert Anis besonders gut mit Fenchel, Kümmel und Koriander zum milden Magentee sowie mit Thymian, Spitzwegerich und Süßholz in Hustenmischungen. Auch ein Schuss Anis in einer Schwarztee-Gewürzmischung oder im winterlichen Früchtetee verleiht dem Aufguss eine weihnachtliche Note. Wer es kräftiger mag, gibt eine Scheibe frische Ingwerwurzel hinzu.

Anzeige

Anwendung und wichtige Hinweise

Traditionell wird Anis-Tee bei festsitzendem Husten, Blähungen und leichten Magen-Darm-Krämpfen verwendet. Die Kommission E führt zur Anisfrucht eine entsprechende positive Monographie. Für Kinder eignen sich milde, fenchelbetonte Mischungen besser als reiner Anis.

Vorsicht ist in der Schwangerschaft geboten: Auf größere Mengen Anis-Tee sollte hier verzichtet werden. Auch eine - wenn auch seltene - Anisallergie ist möglich; treten Haut- oder Schleimhautreaktionen auf, ist der Tee zu meiden. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, hält im Zweifel ärztliche Rücksprache, bevor er Anis-Tee als Kur trinkt.

Häufige Fragen

Warum muss man Anisfrüchte vor dem Aufguss anstoßen?
Die Früchte haben eine harte Schale, die das ätherische Öl einschließt. Erst wenn man sie im Mörser leicht anstößt oder zerdrückt, kann das heiße Wasser die wertvollen Inhaltsstoffe herauslösen.

Wofür wird Anis-Tee verwendet?
Anis-Tee wird traditionell bei festsitzendem Husten, Blähungen und leichten Magen-Darm-Krämpfen genutzt. Verantwortlich ist das ätherische Öl mit dem Hauptbestandteil Anethol, das schleim- und blähungslösend wirkt.

Darf man Anis-Tee in der Schwangerschaft trinken?
Auf größere Mengen Anis-Tee sollte in der Schwangerschaft verzichtet werden. In kleinen Mengen als Gewürz gilt Anis als unbedenklich. Im Zweifel halten Sie ärztliche oder Hebammen-Rücksprache.

Wie schmeckt Anis-Tee?
Anis-Tee schmeckt deutlich süßlich-würzig und lakritzartig, ähnlich wie Fenchel. Dadurch lässt er sich gut mit Fenchel und Kümmel zu einem milden Verdauungstee kombinieren.

Ist Anis dasselbe wie Sternanis?
Nein. Beide schmecken nach Anethol, gehören aber verschiedenen Pflanzenfamilien an. Anis ist ein heimischer Doldenblütler, Sternanis stammt von einem ostasiatischen Baum. Verwechseln sollte man sie nicht.

Quellen

  • Kommission E: Monographie Anisi fructus (Anis)

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:

AS

André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.