Wer bei trüber Stimmung oder Unruhe nach einem pflanzlichen Aufguss sucht, stößt schnell auf Johanniskraut. Der Tee wird aus den leuchtend gelben Blüten des Echten Johanniskrauts gewonnen und traditionell als Stimmungsaufheller verwendet. Zugleich ist Vorsicht geboten, denn Johanniskraut kann die Wirkung vieler Medikamente abschwächen und die Haut lichtempfindlicher machen. Dieser Beitrag zeigt Herkunft, Inhaltsstoffe, Zubereitung und die wichtigsten Sicherheitshinweise.

Steckbrief
Pflanze/BasisEchtes Johanniskraut (Hypericum perforatum), Blüten und Kraut
Koffeingehaltkoffeinfrei
Geschmacksprofilleicht bitter, herb-aromatisch mit fruchtiger Note
Wassertemperatur100 °C (kochendes Wasser)
Ziehzeit5-10 Minuten, abgedeckt
Dosierung1-2 TL getrocknetes Kraut pro 250 ml
Aufgüsse1 Aufguss üblich
Preisspanneca. 3-6 € pro 100 g

Die Pflanze und ihr Name

Das Echte Johanniskraut (Hypericum perforatum) ist eine heimische Staude mit leuchtend gelben Blüten. Zerreibt man eine Blüte zwischen den Fingern, tritt ein roter Saft aus, dieses Merkmal hilft, die Heilpflanze sicher zu erkennen. Seinen Namen verdankt das Kraut der Tatsache, dass es um den Johannistag am 24. Juni in voller Blüte steht.

Verbreitet ist die Pflanze in ganz Europa, Westasien und Nordafrika; in viele andere Regionen wurde sie eingeschleppt. Weil der Bedarf hoch ist, wird Johanniskraut längst unter Feldbedingungen als Kulturpflanze angebaut, da der Wildbestand die Nachfrage nicht mehr deckt.

Inhaltsstoffe

Für die Wirkung verantwortlich gemacht werden vor allem Hypericin und Hyperforin sowie zahlreiche Flavonoide. Hinzu kommen Bitter- und Gerbstoffe, ätherische Öle und Harz, die dem Tee seinen leicht bitteren, herb-fruchtigen Geschmack geben. Traditionell wird der Aufguss bei niedergeschlagener Stimmung und innerer Unruhe verwendet.

Gut zu wissen: Die im trockenen Kraut enthaltenen Wirkstoffe lösen sich im Tee nur teilweise und in geringerer Menge als in standardisierten Arzneimitteln. Wer eine gezielte Anwendung wünscht, sollte das mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, statt allein auf den Tee zu setzen.

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Wechselwirkungen und Lichtempfindlichkeit

Johanniskraut ist die pflanzliche Substanz mit den am besten dokumentierten Arzneimittel-Wechselwirkungen. Es regt körpereigene Abbauenzyme an und kann dadurch die Wirkung zahlreicher Medikamente abschwächen, darunter die Anti-Baby-Pille, Blutgerinnungshemmer, bestimmte Herz- und HIV-Medikamente sowie andere Antidepressiva. Wer Medikamente einnimmt, sollte vor dem regelmäßigen Genuss unbedingt ärztlichen Rat einholen.

Zudem kann Johanniskraut die Haut lichtempfindlicher machen (Photosensibilisierung). Hellhäutige Menschen sollten daher bei intensiver Sonne oder im Solarium vorsichtig sein. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist von der Anwendung ohne ärztliche Rücksprache abzuraten.

Zubereitung Schritt für Schritt

Geben Sie ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Johanniskraut pro Tasse (etwa 250 ml) in ein Sieb und übergießen Sie es mit sprudelnd kochendem Wasser. Decken Sie die Tasse ab, damit die ätherischen Öle nicht entweichen, und lassen Sie den Aufguss fünf bis zehn Minuten ziehen.

Anschließend das Kraut entfernen. Wer den herben Geschmack mildern möchte, kombiniert das Kraut mit Melisse, was den entspannenden Charakter unterstreicht. Üblich ist eine kurmäßige Anwendung über mehrere Wochen, da sich die traditionell beschriebene Wirkung erst allmählich einstellt.

Johanniskraut im Brauchtum

Schon lange vor der modernen Kräuterkunde galt Johanniskraut als besondere Pflanze. Um den Johannistag, die Mittsommerzeit, rankten sich zahlreiche Bräuche: Man flocht Kränze, hängte das Kraut über Türen oder warf es ins Sonnwendfeuer. Der rote Saft der Blüten wurde dabei symbolisch gedeutet.

Diese kulturelle Verwurzelung erklärt mit, warum das gelb blühende Kraut bis heute einen festen Platz in der Pflanzenheilkunde hat. Weitere traditionell genutzte Heilpflanzen stellt unser Beitrag zum Sonnenhut-Tee vor.

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Geschmack und Mischungen

Pur schmeckt Johanniskraut-Tee leicht bitter und herb mit einer überraschend fruchtig-süßen Unternote, die von ätherischen Ölen und Harzanteilen herrührt. Vielen ist der reine Aufguss zu kräftig, weshalb er oft in Mischungen angeboten wird. Beliebt sind Kombinationen mit Melisse, Lavendel oder Hopfen, die den entspannenden Charakter unterstreichen und den Geschmack abrunden.

Wer den Tee selbst mildert, gibt einen Teelöffel Honig oder einen Spritzer Zitrone hinzu. Da das Kraut traditionell als langsam wirkend gilt, trinkt man es meist nicht gegen akute Beschwerden, sondern über einen längeren Zeitraum, etwa als abendliches Ritual in der dunklen Jahreszeit. Eine weitere beruhigende Pflanze ist der Lavendeltee.

Kauf, Qualität und Lagerung

Achten Sie beim Kauf auf Arzneibuchqualität aus der Apotheke oder auf Bio-Ware mit klarer Herkunftsangabe, da Wildsammlungen mit anderen Pflanzen verwechselt sein können. Gute Ware enthält erkennbare gelbe Blüten und feine Blattanteile sowie wenig Stängel. Wer einen ruhigeren Abendtee sucht, findet im Baldrian-Tee eine Alternative ohne die typischen Wechselwirkungen des Johanniskrauts.

Lagern Sie das Kraut trocken, dunkel und luftdicht. Licht baut die empfindlichen Wirkstoffe besonders schnell ab. So bleibt der Tee rund zwölf Monate verwendbar.

Häufige Fragen

Wofür wird Johanniskraut-Tee traditionell verwendet?
Er wird überliefert bei niedergeschlagener Stimmung und innerer Unruhe getrunken. Belegte arzneiliche Effekte beziehen sich vor allem auf standardisierte Präparate; im Tee sind die Wirkstoffe geringer dosiert.

Welche Wechselwirkungen hat Johanniskraut?
Es kann die Wirkung vieler Medikamente abschwächen, darunter die Pille, Blutgerinnungshemmer sowie Herz- und HIV-Mittel. Wer Medikamente nimmt, sollte vor dem Genuss ärztlichen Rat einholen.

Macht Johanniskraut die Haut lichtempfindlich?
Ja, es kann die Haut empfindlicher gegenüber UV-Licht machen. Vor allem hellhäutige Menschen sollten bei intensiver Sonne oder im Solarium vorsichtig sein.

Wie bereitet man Johanniskraut-Tee zu?
Ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Kraut mit kochendem Wasser übergießen, abdecken und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Das Abdecken bewahrt die flüchtigen ätherischen Öle.

Dürfen Schwangere Johanniskraut-Tee trinken?
In Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf die Anwendung ohne ärztliche Rücksprache verzichtet werden. Hier ist besondere Zurückhaltung angebracht.

Quellen

  • Kommission E: Monographie Hyperici herba (Johanniskraut)
  • ESCOP Monographs: Hyperici herba (St. John's Wort)

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.