Hierzulande ist weißer Tee noch etwas relativ neues. In seiner Heimat China jedoch, hat er eine nahezu ebenso lange Tradition wie schwarzer und grüner Tee auch. Es gibt insgesamt vier verschiedene Sorten, teilweise unter verschiedenen Namen auf dem Markt. Shou Mei wird als weißer Tee der vierten Qualitätsstufe bewertet. Da sich diese Qualitätseinstufung an dem Zustand der Blattknospen orientiert, bedeutet dies aber keinesfalls, Shou Mei sei der schlechteste der weißen Tees. Er wird lediglich als letzter der weißen Tees geerntete und hat deshalb eine etwas dunklere Färbung.

Inhaltsstoffe

Wie grünem Tee auch, wird dem weißen Tee neben zahlreichen weiteren positiven Eigenschaften nachgesagt, er könne sogar Tumore bekämpfen. Ob dies tatsächlich zutrifft oder nur eine Legende ist, muss erst noch ausreichend durch Studien überprüft und gesichert werden. Da weißer Tee aber erst nach und nach in der westlichen Welt an Bekanntheit gewinnt, war er bisher kaum Gegenstand entsprechender wissenschaftlicher Untersuchungen. Prinzipiell ist vor allem der Gehalt an Koffein zwischen grünem, schwarzem und weißem Tee nahezu gleich. Lediglich die Catechine, also die antibakteriell wirkenden Inhaltsstoffe sind im weißen Tee stärker vertreten. Davon abgesehen liefert weißer Tee als Bonus große Konzentrationen der Aminosäure Theanin, die nicht zuletzt wegen ihrer stimmungsaufhellenden und entspannenden Wirkung sehr geschätzt wird.

Anbaugebiete

Weißer Tee kommt eigentlich immer aus China. Shou Mei wird hauptsächlich in den Provinzen Fujian und Guangxi produziert. Auch wenn weißer Tee als Spezialität gilt, lohnt die Herstellung in anderen Gebieten bisher kaum. Möglich allerdings, dass sich dies irgendwann ändern wird, wenn die Nachfrage auch bei uns steigt.

Herstellung

Für weißen Tee werden ausschließlich Blattknospen, möglichst noch geschlossen, geerntet. Um die Knospen nicht zu beschädigen und somit die Qualität des Tees zu mindern, wird nur von Hand geerntet. Eine weitere Besonderheit ist, dass grundsätzlich in den frühen Morgenstunden geerntet wird. Anschließend welken die Teeknospen gut belüftet in Welkkörben, gefolgt von einem ersten Trocknungsvorgang. Nachdem die Knospen von Hand aussortiert wurden, wird ein zweites Mal getrocknet. Nun kann der Tee verpackt werden. Eine möglichst schonende Herstellung ist das A und O bei der Produktion von weißem Tee. Die Blattknospen sollen möglichst in ihrem ursprünglichen Zustand belassen werden.

Fazit

Von den Sorten weißen Tees, zeichnet sich Shou Mei durch das fruchtigste Aroma aus, hinterlässt allerdings auch einen leicht pelzigen Nachgeschmack. Da er zum spätest möglichen Zeitpunkt geerntet wird, hat er auch den kräftigsten Geschmack und ähnelt damit auch dem Oolong. Sicher eine reizvolle Kombination, um mal eine Tasse von dieser Sorte zu probieren.

Bildnachweis: Shou Mei — ©emer - Fotolia.com

Shou Mei zubereiten: Der Weißtee für den täglichen Genuss

Shou Mei, der „Augenbrauen des alten Mannes" genannte Weißtee, lässt sich etwas robuster zubereiten als seine edeleren Geschwister Bai Hao Yinzhen oder Bai Mu Dan. Die ideale Wassertemperatur liegt bei 80 bis 85 Grad Celsius – etwas höher als bei den feinen Silbernadeln. Pro 250 ml Wasser zwei bis drei Gramm Shou Mei verwenden. Die erste Ziehzeit beträgt zwei bis drei Minuten. Da die Blätter von Shou Mei weniger zart sind als bei Premium-Weißtees, geben sie ihre Aromen etwas kräftiger ab und vertragen auch längere Ziehzeiten.

Shou Mei kann zwei bis drei Mal aufgegossen werden, wobei jeder Aufguss neue Aspekte zeigt. Der erste Aufguss ist blumig-süßlich, der zweite earthy und voller, der dritte leicht holzig. Als Kaltaufguss über Nacht im Kühlschrank entfaltet Shou Mei eine natürliche Süße, die besonders gut als Sommertee geeignet ist. Im Unterschied zu japanischen Weißtees werden chinesische Weißtees wie Shou Mei häufig in kleinen Gaiwan oder Glaskannen zubereitet, um die Farbe des Aufgusses zu genießen.

Was macht Shou Mei besonders? Qualität und Charakter

Shou Mei ist der zugänglichste der chinesischen Weißtees, da er aus den reiferen Blättern und kleineren Knospen besteht, die beim Sortieren übrig bleiben. Das macht ihn günstiger als Bai Hao Yinzhen (Silbernadeln) oder Bai Mu Dan, nicht aber schlechter in Bezug auf den Genuss. Sein Charakter ist kräftiger und erdiger als die feineren Weißtees, mit fruchtig-blumigen Noten und einem angenehm weichen Mundgefühl. Der Koffeingehalt ist moderat – etwas höher als bei den zarten Silbernadeln, aber immer noch deutlich unter dem von Schwarztee.

Eine besondere Qualität von Shou Mei ist seine Lagerfähigkeit. Wie Pu-erh-Tee verbessert sich Shou Mei mit dem Alter – reifer Shou Mei aus mehreren Jahren Lagerung entwickelt tiefere, komplexere Aromen mit honigartiger Süße und würziger Tiefe. In China ist gereifter weißer Tee als „Alter Weißtee" (Lao Bai Cha) zunehmend beliebt und wird ähnlich wie Vintage-Wein gesammelt und gehandelt.

Shou Mei in der Traditionellen Chinesischen Medizin

Weißer Tee allgemein und Shou Mei im Besonderen haben in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) einen festen Platz. Er gilt als „kühlend" im TCM-Sinne und wird traditionell verwendet, um Fieber zu senken, die Lunge zu stärken und Entzündungen zu bekämpfen. Wissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass Weißtee tatsächlich antioxidative und antimikrobielle Eigenschaften besitzt – ein Gehalt, der bei Shou Mei durch die größere Blattmasse teilweise kompensiert wird.

Der Gehalt an Catechinen und Polyphenolen ist in Weißtee gut erhalten, da die Blätter kaum verarbeitet werden. Shou Mei enthält zudem Fluorid, das zur Zahngesundheit beitragen kann. Als koffeinärmere Alternative zu Schwarztee und Grüntee ist Shou Mei für Menschen geeignet, die auf ihren Koffeinkonsum achten möchten. In China gilt der tägliche Konsum von weißem Tee als gesundheitsfördernd – besonders für die Herzgesundheit und die Stärkung des Immunsystems.

Häufig gestellte Fragen zu Shou Mei

Was ist der Unterschied zwischen Shou Mei und Bai Mu Dan?
Bai Mu Dan (White Peony) besteht aus einer Knospe und zwei jungen Blättern und gilt als feinerer Weißtee mit ausgeprägtem Blütenduft. Shou Mei besteht aus reiferen Blättern und ist kräftiger im Geschmack, aber weniger fein. Shou Mei ist günstiger und eignet sich gut für den täglichen Konsum, während Bai Mu Dan eher für besondere Momente geschätzt wird.

Kann Shou Mei gelagert werden?
Ja, Shou Mei eignet sich hervorragend zur Lagerung. Wie Pu-erh-Tee entwickelt er mit der Zeit komplexere Aromen. Bei korrekter Lagerung – trocken, dunkel, luftdicht, bei Zimmertemperatur – kann Shou Mei jahrelang aufbewahrt werden und verbessert sich qualitativ. Gereifter Shou Mei ist in China sehr geschätzt.

Enthält Shou Mei viel Koffein?
Shou Mei enthält weniger Koffein als die zarten Silbernadeln und deutlich weniger als Schwarztee – schätzungsweise 15-25 mg pro Tasse. Durch die reiferen Blätter (die weniger Koffein enthalten als Knospen) ist sein Koffeingehalt auch innerhalb der Weißtee-Familie vergleichsweise niedrig.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema: