Mistel-Tee wird aus den Blättern und Zweigen der Weißbeerigen Mistel (Viscum album) gewonnen, einem Halbschmarotzer, der vielen aus der Weihnachtszeit vertraut ist. Die Pflanze ist schwach giftig, weshalb von einer Selbstzubereitung abzuraten ist und der Aufguss traditionell nur kalt angesetzt wird. Hier lesen Sie, welche Stoffe die Mistel enthält, woher sie geerntet wird und warum ärztlicher Rat bei diesem Thema unverzichtbar ist.
| Pflanze/Basis | Weißbeerige Mistel (Viscum album), Sandelholzgewächs |
|---|---|
| Giftigkeit | schwach giftig (Viscotoxine, Mistellektine) |
| Geschmacksprofil | herb-bitter, leicht muffig-krautig |
| Wassertemperatur | kalt angesetzt (Kaltauszug), nicht erhitzen |
| Ziehzeit | über Nacht, ca. 8-12 Stunden |
| Dosierung | nur nach fachkundiger Rücksprache |
| Aufgüsse | ein Kaltauszug je Ansatz |
| Preisspanne | ca. 3-6 € pro 100 g (Apotheke/Fachhandel) |
Die Mistel: Halbschmarotzer in den Baumkronen
Die Weißbeerige Mistel wächst als immergrüner, kugelförmiger Busch in den Kronen von Laub- und Nadelbäumen. Als Halbschmarotzer entzieht sie ihrer Wirtspflanze mit Saugorganen Wasser und Mineralstoffe, betreibt aber selbst Fotosynthese. Botanisch zählt sie zu den Sandelholzgewächsen. Besonders im Winter, wenn Apfel-, Pappel- oder Kiefernkronen kahl sind, fallen ihre weißen Beeren und die typischen Kugelformen schon von Weitem auf.
Für die Tee- und Arzneigewinnung wird die Mistel überwiegend in der Türkei, in Russland und auf dem Balkan geerntet. Inzwischen gelingt es auch, Apfelbäume gezielt mit Mistelsamen zu besiedeln. Wer sich für weitere heimische Heilkräuter mit eigener Geschichte interessiert, findet im Mädesüßtee ein gut dokumentiertes Beispiel.
Inhaltsstoffe: Lektine, Viscotoxine und Zink
Die Mistel enthält ein ungewöhnliches Stoffgemisch. Auffällig ist der Zinkgehalt, dem eine Rolle im Immunsystem zugeschrieben wird. Dazu kommen Mistellektine und Viscotoxine, beides Eiweißverbindungen, die für die schwache Giftigkeit verantwortlich sind, sowie Alkaloide, Saponine, Bitterstoffe und Schleimstoffe.
Gerade die Lektine und Viscotoxine sind hitzeempfindlich und teils giftig. Mistelextrakte werden in der anthroposophischen Medizin begleitend in der Krebstherapie eingesetzt, allerdings ausschließlich als verschreibungspflichtige Injektion unter ärztlicher Aufsicht und nicht als selbst gebrühter Tee. Eine ähnliche Vorsicht gilt für stark wirksame Pflanzen wie das giftige Adonisröschen.
Warum die Mistel schwach giftig ist
Die Giftwirkung der Mistel geht vor allem von den Beeren und in geringerem Maß von Blättern und Stängeln aus. Größere Mengen können zu Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden führen. Aus diesem Grund ist die Pflanze kein harmloses Küchenkraut und gehört nicht in den unbedachten Selbstgebrauch.
Anders als bei milden Aufgüssen lassen sich Dosis und Wirkung hier nicht zuverlässig abschätzen. Wer Pflanzen sammelt, braucht zudem sicheres Bestimmungswissen, um Verwechslungen auszuschließen. Bei Heilpflanzen mit Frauenheilkunde-Bezug zeigt der Traubensilberkerzen-Tee, wie wichtig eine fachkundige Einordnung ist.
Traditionelle Zubereitung als Kaltauszug
In der Volksheilkunde wird Misteltee nicht aufgekocht, sondern kalt angesetzt. Der Grund: Hitze würde einen Teil der Inhaltsstoffe zerstören. Üblich ist, ein bis zwei Teelöffel getrocknete Mistel mit kaltem Wasser zu übergießen und den Ansatz über Nacht, also etwa acht bis zwölf Stunden, ziehen zu lassen. Am Morgen wird abgeseiht.
Der Kaltauszug schmeckt herb-bitter und wenig aromatisch, weshalb Misteltee nie ein Genussgetränk im eigentlichen Sinn war. Wegen der Giftigkeit ist auch beim Kaltansatz Zurückhaltung geboten, und eine Anwendung sollte stets mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden.
Anwendung nur unter fachkundiger Kontrolle
Mistel-Tee ist kein Heilmittel für die Selbstbehandlung und ersetzt keine ärztliche Therapie. Auch wenn der Pflanze traditionell beruhigende und krampflösende Eigenschaften zugeschrieben werden, fehlen für den Hausgebrauch gesicherte Daten zu Dosis und Sicherheit. In der Schwangerschaft, bei Kindern und bei bestehenden Erkrankungen ist von einer Anwendung abzuraten.
Wer Beschwerden hat, sollte ärztlichen Rat suchen, statt auf einen selbst gebrühten Aufguss zu vertrauen. Apotheken führen standardisierte Mistelpräparate und beraten zu Dosierung und Risiken. Für unbedenklichen Teegenuss eignen sich harmlose Kräuter wie der milde Schlüsselblumen-Tee deutlich besser.
Die Mistel im Brauchtum
Über die Heilkunde hinaus ist die Mistel ein Symbol der Weihnachtszeit. Der Brauch, sich unter einem aufgehängten Mistelzweig zu küssen, stammt aus dem englischsprachigen Raum und ist bis heute lebendig. Schon die Druiden schrieben der immergrünen Pflanze, die selbst im kahlen Winterbaum grün bleibt, besondere Bedeutung zu.
Als Dekoration ist die Mistel unbedenklich, solange Beeren außer Reichweite von Kindern und Haustieren bleiben. So lässt sich die Pflanze gefahrlos genießen, nämlich mit den Augen statt in der Tasse.
Häufige Fragen
Kann man aus der Mistel Tee zubereiten?
Grundsätzlich ja, traditionell als Kaltauszug. Da die Mistel schwach giftig ist, ist von einer Selbstanwendung jedoch abzuraten. Eine Anwendung sollte stets ärztlich begleitet werden.
Warum ist die Mistel giftig?
Sie enthält Mistellektine und Viscotoxine, Eiweißverbindungen mit zelltoxischer Wirkung. Größere Mengen können Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden auslösen, vor allem die Beeren.
Warum wird Misteltee nur kalt angesetzt?
Hitze zerstört einen Teil der Inhaltsstoffe. Deshalb wird die getrocknete Mistel mit kaltem Wasser übergossen und über Nacht etwa acht bis zwölf Stunden ziehen gelassen.
Wird die Mistel in der Medizin eingesetzt?
Ja, Mistelextrakte werden in der anthroposophischen Medizin begleitend in der Krebstherapie verwendet. Das geschieht ausschließlich als verschreibungspflichtige Injektion unter ärztlicher Aufsicht, nicht als selbst gebrühter Tee.
Woher stammt die Mistel für Tee?
Sie wird überwiegend in der Türkei, in Russland und auf dem Balkan geerntet. Zunehmend werden auch Apfelbäume gezielt mit Mistelsamen besiedelt.
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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