Lotus-Tee ist ein duftender Aufguss aus den Blüten, Blättern oder Staubgefäßen des Indischen Lotus (Nelumbo nucifera), der in ganz Asien wächst und als Symbol für Reinheit gilt. Daneben steht der Name für mit Lotusduft aromatisierten Grüntee aus Vietnam. Der Geschmack ist zart und blumig. Hier lesen Sie, woher der Lotus stammt, welche Inhaltsstoffe er liefert und wie der Tee gelingt.

Steckbrief
Pflanze/BasisIndischer Lotus (Nelumbo nucifera): Blüten, Blätter, Staubgefäße
Koffeingehaltreiner Blütentee koffeinfrei; Lotus-Grüntee ca. 20-40 mg/Tasse
Geschmacksprofilzart, blumig, fein-süßlich; Grüntee-Variante zudem grasig
WassertemperaturBlütentee 90-95 °C; Lotus-Grüntee 70-80 °C
ZiehzeitBlütentee 5-7 Min.; Lotus-Grüntee 2-3 Min.
Dosierung1 TL (ca. 2 g) auf 250 ml
AufgüsseBlütentee 1; Lotus-Grüntee 2-3
PreisspanneBlütentee ca. 4-8 €/100 g; echter Lotus-Grüntee deutlich teurer

Herkunft: der Lotus in Asien

Trotz des offiziellen Namens „Indischer Lotus“ wächst Nelumbo nucifera in ganz Asien wild — von Indien und Nepal über China, Korea und Japan bis Pakistan, nach Westen sogar bis zum Kaspischen Meer und Aralsee. Auch im Südosten Nordamerikas wurde er gezielt angesiedelt. Die Pflanze braucht mindestens 60 Zentimeter tiefes, sonniges Stillwasser und verträgt keinen Frost.

In der Kultur der Region steht der Lotus für Reinheit und Schönheit, weil er sich aus schlammigem Wasser zu makelloser Blüte erhebt. Bekannt ist auch der „Lotuseffekt“: Dank ihrer feinen Blattstruktur perlen Wasser und Schmutz an den Blättern ab. Wie eng Pflanzen mit Symbolik und Trinkkultur verwoben sein können, zeigt der Vergleich mit der chinesischen Teekultur.

Vom Blütentee bis zum Lotus-Grüntee

Unter „Lotus-Tee“ fallen mehrere Getränke. Reiner Blütentee wird aus getrockneten Blütenblättern oder den gelben Staubgefäßen aufgegossen; aus Blättern und Wurzeln lassen sich ebenfalls Aufgüsse bereiten. Die Blätter sammelt man im Sommer, die Wurzeln im Herbst und Winter.

Eine eigene Spezialität ist mit Lotus aromatisierter Grüntee, vor allem aus Vietnam: Über Nacht werden Grünteeblätter in die Blüten geschichtet, sodass sie deren Duft aufnehmen. Für ein Kilo dieses Tees braucht es Hunderte Blüten, was den hohen Preis erklärt. Anders als der koffeinfreie Blütentee enthält diese Variante das Koffein des Grüntees und schmeckt zugleich grasig — vergleichbar mit dem aromatisierten Jasmintee.

Anzeige

Geschmack: zart und blumig

Reiner Lotusblütentee schmeckt zart, blumig und fein-süßlich, mit einem leichten, fast cremigen Nachklang. Er ist deutlich milder als kräftige Kräutertees und färbt die Tasse hellgelb. Die Grüntee-Variante legt über diese Blütennote die frische, grasige Basis des japanischen oder vietnamesischen Grüntees.

In unserer Verkostung trat der Lotusduft beim aromatisierten Grüntee am deutlichsten im Aufstieg des ersten Aufgusses hervor. Wer das blumige Profil pur erleben möchte, bleibt beim reinen Blütentee; wer zusätzlich die belebende Wirkung sucht, greift zur Grüntee-Variante. Eine Brücke zwischen Genuss und Esskultur schlägt der Beitrag Grüntee und Sushi.

Inhaltsstoffe und Hinweise

Die Lotuspflanze enthält zahlreiche Säuren, darunter Fett-, Gerb-, Linol- und Linolensäure, sowie Flavonoide. Aus pharmakologischer Sicht interessant sind die Alkaloide Nuciferin und Nornuciferin, die vor allem in Blättern und Embryonen der Samen vorkommen. Alkaloide gehören grundsätzlich zu den stark wirksamen Pflanzenstoffen und sind nur in geringen Spuren im Aufguss enthalten.

Traditionell wird Lotus in Asien bei Unruhe und Verdauungsbeschwerden verwendet; belastbare klinische Studien zum Teeaufguss fehlen weitgehend. Wegen der alkaloidhaltigen Bestandteile sollten Sie reine Blatt- und Samen-Aufgüsse maßvoll dosieren und in der Schwangerschaft darauf verzichten. Der reine Blütentee gilt als unkritisch und koffeinfrei.

Zubereitung Schritt für Schritt

Je nach Variante unterscheidet sich die Zubereitung deutlich, vor allem bei Temperatur und Ziehzeit. Für reinen Blütentee gehen Sie so vor:

1. Einen Teelöffel getrocknete Blütenblätter oder Staubgefäße (ca. 2 g) auf 250 ml abmessen. 2. Wasser aufkochen und auf rund 90 bis 95 °C abkühlen lassen. 3. Übergießen und 5 bis 7 Minuten ziehen lassen. 4. Abseihen und pur genießen.

Den aromatisierten Lotus-Grüntee behandeln Sie wie hochwertigen Grüntee: nur 70 bis 80 °C heißes Wasser, 2 bis 3 Minuten ziehen, zwei bis drei Aufgüsse. Zu heißes Wasser löst hier rasch Bitterstoffe und überdeckt das feine Lotusaroma. Grundsätzliche Tipps zur Wassertemperatur liefert der Ratgeber Muss es weiches Wasser sein?.

Anzeige

Kauf und Qualitätsmerkmale

Reiner Lotusblütentee ist in Europa noch wenig verbreitet und am ehesten im Asia-Laden oder bei spezialisierten Teehändlern zu finden; übliche Preise liegen bei 4 bis 8 Euro pro 100 Gramm. Achten Sie auf ganze, unzerbrochene Blütenblätter mit klarem, blumigem Duft.

Beim echten Lotus-Grüntee lohnt der genaue Blick: Authentische, mit frischen Blüten aromatisierte Ware ist aufwendig und entsprechend teuer, während günstige Produkte oft nur mit Aroma versetzt sind. Ein dezenter, natürlicher Lotusduft und ein hochwertiger Grüntee als Basis sind die wichtigsten Qualitätsmerkmale. Wer den aromatisierten Stil grundsätzlich mag, findet im Jasmintee eine breiter verfügbare Alternative.

Häufige Fragen

Was ist Lotus-Tee?
Der Begriff steht für zwei Getränke: einen koffeinfreien Aufguss aus Blüten, Blättern oder Staubgefäßen des Indischen Lotus sowie mit Lotusduft aromatisierten Grüntee, vor allem aus Vietnam. Beide schmecken zart-blumig.

Enthält Lotus-Tee Koffein?
Reiner Lotusblütentee ist koffeinfrei. Die mit Lotus aromatisierte Grüntee-Variante enthält dagegen das Koffein des Grüntees, etwa 20 bis 40 Milligramm pro Tasse.

Wie wird Lotus-Grüntee zubereitet?
Wie hochwertiger Grüntee: mit 70 bis 80 °C heißem Wasser übergießen und nur 2 bis 3 Minuten ziehen lassen. Zu heißes Wasser löst Bitterstoffe und überdeckt das feine Lotusaroma.

Warum ist echter Lotus-Grüntee so teuer?
Für die Aromatisierung werden Grünteeblätter über Nacht in frische Lotusblüten geschichtet. Ein Kilogramm dieses Tees erfordert Hunderte Blüten, was den hohen Aufwand und Preis erklärt.

Ist Lotus-Tee in der Schwangerschaft geeignet?
Reiner Blütentee gilt als unkritisch. Blatt- und Samenaufgüsse enthalten jedoch Alkaloide und sollten maßvoll dosiert und in der Schwangerschaft gemieden werden.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

Verwandte Artikel

Entdecken Sie weitere interessante Beiträge zu diesem Thema:

AS

André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.