Nachtkerzen-Tee wird aus den Blättern der Gewöhnlichen Nachtkerze (Oenothera biennis) gewonnen, einer zweijährigen Pflanze mit leuchtend gelben Blüten, die sich erst am Abend öffnen. Daher stammt ihr Name. Bekannt ist die Pflanze vor allem für das aus den Samen gewonnene Nachtkerzenöl. Hier lesen Sie, welche Stoffe Blätter und Samen enthalten, wann man die Blätter sammelt und wie der milde Aufguss gelingt.
| Pflanze/Basis | Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis), zweijährig |
|---|---|
| Koffeingehalt | koffeinfrei |
| Geschmacksprofil | mild, leicht krautig, zurückhaltend |
| Wassertemperatur | ca. 90-100 °C |
| Ziehzeit | 5-8 Minuten |
| Dosierung | 1-2 TL getrocknete Blätter pro 250 ml |
| Aufgüsse | 1 Aufguss |
| Preisspanne | ca. 3-6 € pro 100 g getrocknete Blätter |
Die Nachtkerze: blühen, wenn andere schließen
Die Gewöhnliche Nachtkerze fällt durch ein ungewöhnliches Verhalten auf: Während die meisten Pflanzen ihre Blüten bei Sonnenuntergang schließen, öffnet sie ihre strahlend gelben Blüten erst in der Dämmerung. An lauen Sommerabenden leuchten sie weithin sichtbar und locken Nachtfalter an, die sie bestäuben.
Botanisch ist die Nachtkerze eine zweijährige Pflanze, die im ersten Jahr eine Blattrosette bildet und erst im zweiten bis zu einem Meter hoch blüht. Sie ist anspruchslos und gedeiht selbst auf kargem, trockenem Boden, wo kaum etwas anderes wächst. Wer naturnahe Kräuter mag, findet im Frauenmanteltee ein weiteres Beispiel aus heimischen Wildpflanzen.
Herkunft und Verbreitung
Ursprünglich stammt die Nachtkerze vom amerikanischen Kontinent, wo sie von Nord- bis Südamerika verbreitet war. Über Saatgut und Schiffsballast gelangte sie nach Europa und hat sich hier längst eingebürgert. Heute wächst sie an Wegrändern, Bahndämmen, Brachflächen und auf Schotter, bevorzugt an sonnigen, sandigen Standorten.
Weil sie so genügsam ist, besiedelt sie auch Ödland, das für andere Pflanzen zu ungemütlich ist. Diese Robustheit macht sie zu einem häufigen Anblick in unseren Breiten. Ähnlich anspruchslos wächst der heimische Storchenschnabel an vergleichbaren Standorten.
Inhaltsstoffe: von Gamma-Linolensäure bis Gerbstoffen
Welche Stoffe überwiegen, hängt stark vom verwendeten Pflanzenteil ab. Die Samen sind vor allem wegen ihrer hohen Konzentration an Gamma-Linolensäure begehrt, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure. Am wirksamsten wird sie als Nachtkerzenöl genutzt, das in Kosmetika für empfindliche Haut und als Nahrungsergänzung verarbeitet wird.
Die Blätter, die für den Tee verwendet werden, enthalten dagegen vor allem Gerbstoffe. Den Wurzeln, die meist als Gemüse gegessen werden, kommt durch Eiweiß, Stärke und Mineralstoffe Bedeutung zu. Der Hautbezug, der oft mit der Pflanze verbunden wird, betrifft fast ausschließlich die äußerliche Anwendung des Öls, nicht den Tee.
Blätter sammeln und Tee zubereiten
Für den Tee eignen sich die Blätter am besten. Die Sammelzeit reicht von Juni bis Oktober; geerntet werden gesunde, unbeschädigte Blätter, die anschließend an einem luftigen, schattigen Ort getrocknet werden. Im Herbst lassen sich zusätzlich die Wurzeln ausgraben, die jedoch eher in der Küche als in der Teekanne landen.
Für den Aufguss übergießen Sie ein bis zwei Teelöffel getrocknete Blätter mit knapp kochendem Wasser und lassen den Tee fünf bis acht Minuten ziehen. Das Ergebnis ist ein milder, leicht krautiger Aufguss mit zurückhaltendem Aroma. Decken Sie die Tasse beim Ziehen ab, ähnlich wie beim Weiden-Tee.
Kauf und sicheres Bestimmen
Wer nicht selbst sammelt, findet getrocknete Nachtkerzenblätter in Apotheken und im Kräuterfachhandel, üblicherweise für etwa 3 bis 6 Euro pro 100 Gramm. Wichtig beim Selbstpflücken ist sicheres Bestimmungswissen, damit keine Verwechslung mit anderen Pflanzen passiert. Im Zweifel führt der Weg über den Fachhandel.
Gute getrocknete Ware riecht frisch-krautig und ist frei von Schimmel oder muffigem Geruch. Sammeln Sie nur abseits von stark befahrenen Straßen und gespritzten Feldern. Wer lieber zu zertifizierter Ware greift, findet im Ratgeber zum Bio-Tee die wichtigsten Kaufkriterien.
Tee als Genuss, nicht als Heilmittel
Nachtkerzen-Tee ist ein mildes Genussgetränk und kein Heilmittel. Auch wenn die Pflanze traditionell genutzt wird, sind viele der ihr zugeschriebenen Eigenschaften nicht durch gesicherte Studien belegt. Bei gesundheitlichen Beschwerden ist ärztlicher Rat die bessere Wahl als das Vertrauen auf einen Kräutertee.
Im Sinne eines bewussten Genusses lässt sich Nachtkerze gut mit aromatischeren Kräutern wie Melisse oder Minze kombinieren, die ihr dezentes Aroma ergänzen. So entsteht ein abwechslungsreicher, koffeinfreier Aufguss für den Abend.
Häufige Fragen
Was ist Nachtkerzen-Tee?
Ein milder, koffeinfreier Kräutertee aus den getrockneten Blättern der Gewöhnlichen Nachtkerze (Oenothera biennis), einer zweijährigen Pflanze mit leuchtend gelben Blüten, die sich am Abend öffnen.
Woher kommt der Name Nachtkerze?
Von der Eigenheit, die Blüten erst in der Dämmerung zu öffnen, wenn die meisten anderen Pflanzen sie schließen. Die gelben Blüten leuchten dann im Halbdunkel und locken Nachtfalter an.
Wann sammelt man die Blätter?
Die Sammelzeit für die Blätter reicht von Juni bis Oktober. Im Herbst lassen sich zusätzlich die Wurzeln ernten, die jedoch meist als Gemüse verwendet werden.
Was ist der Unterschied zwischen Tee und Nachtkerzenöl?
Der Tee wird aus den gerbstoffreichen Blättern gebrüht. Das Nachtkerzenöl stammt aus den Samen und ist wegen seiner Gamma-Linolensäure vor allem in Hautpflege und Nahrungsergänzung gefragt.
Ist Nachtkerzen-Tee ein Heilmittel?
Nein, er ist ein mildes Genussgetränk. Viele der traditionell zugeschriebenen Eigenschaften sind nicht gesichert. Bei Beschwerden sollte man ärztlichen Rat einholen.
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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