Lung Ching, in China Longjing genannt, gilt vielen Experten als der beste Grüntee des Landes und führt die Liste der zehn berühmtesten chinesischen Tees an. Der Name bedeutet „Drachenbrunnentee" und verweist auf seinen Ursprungsort bei Hangzhou. Typisch sind die flachen, glatten Blätter, ein nussiges Kastanienaroma und kaum spürbare Bitterkeit. Hier erfahren Sie, was diesen Tee von der Ernte bis zur Tasse besonders macht.

Steckbrief
Pflanze/BasisCamellia sinensis, grüner Tee aus Zhejiang
Koffeingehaltmoderat, ca. 20-30 mg pro Tasse
Geschmacksprofilmild, nussig, an geröstete Kastanien erinnernd, kaum bitter
Wassertemperatur75-80 °C, nicht kochend
Ziehzeit1-2 Minuten
Dosierungca. 3 g pro 200 ml
Aufgüsse2-3 Aufgüsse
Preisspannestark qualitätsabhängig, ca. 8-40 € pro 100 g

Chinas berühmtester Grüntee

Lung Ching zählt für viele Teefachleute nicht nur zu den zehn besten Tees Chinas — er steht häufig an deren Spitze. Der chinesische Name Longjing bedeutet „Drachenbrunnentee". Die gelegentlich zu lesende Übersetzung „Drachentee" ist schlicht ein Fehler, der das namensgebende Wort für den Brunnen unterschlägt.

Was ihn von anderen Grüntees abhebt, ist sein außergewöhnlich niedriger Catechingehalt. Diese Bitterstoffe sind sonst maßgeblich für die Herbe grünen Tees verantwortlich. Bei Lung Ching treten sie zurück, dafür dominieren reichlich Aminosäuren und ein hoher Anteil an Vitamin C. Das Ergebnis ist ein milder, vollmundiger Aufguss, der an verwandte Spitzentees wie Pi Lo Chun erinnert.

Herkunft am Westsee bei Hangzhou

Der echte, ursprüngliche Lung Ching stammt ausschließlich aus der Provinz Zhejiang, genauer aus der Umgebung der Hauptstadt Hangzhou am berühmten Westsee. Südwestlich des Stadtzentrums liegt der kleine Hügel Long Jing, der dem Tee seinen Namen gab. Dort befindet sich ein Brunnen, dem eine sagenhafte Verbindung zum Ostchinesischen Meer nachgesagt wird.

Der Legende nach stieg einst ein Drache aus jenem Brunnen empor — so kam der Tee zu seinem Namen. Die ganze Geschichte erzählt unser Beitrag Der Drache im Brunnen und sein Tee. Die Anbaufläche für den klassischen Lung Ching beträgt nur etwa 150 Quadratkilometer und liefert jährlich rund 300 Tonnen Tee.

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Die strenge Ernte

Der Herstellungsprozess beginnt bereits bei der Pflückung. Für Lung Ching kommen nur Knospen mit höchstens zwei jungen Blättern in Frage, die insgesamt nicht länger als 1,5 Zentimeter sein dürfen. Das ist ein hartes Auswahlverfahren, das den Aufwand und den Preis erklärt.

Als am hochwertigsten gelten Tees, deren Blätter zwischen dem 5. und dem 25. April geerntet wurden. Diese frühe Frühjahrspflückung liefert besonders zarte, aromareiche Triebe. Mit jeder späteren Ernte nimmt die Qualität merklich ab.

Die zweistufige Pfannenröstung

Nach einer Vortrocknung bei Zimmertemperatur werden die Blätter in einer Gusseisenpfanne geröstet. Der erste Röstschritt dauert etwa 12 bis 15 Minuten bei 80 bis 100 °C. Dabei werden die Blätter immer wieder von Hand vorsichtig flach gepresst — daher die charakteristische glatte, schwertförmige Gestalt.

Nach einer Abkühlphase von 40 bis 60 Minuten folgt ein zweiter Röstvorgang bei 60 bis 70 °C, diesmal für 20 bis 25 Minuten, wieder unter ständigem Pressen. Diese Pfannen-Fixierung stoppt die Oxidation und bringt das nussige Aroma hervor, das an einen feinen Mao Feng erinnert, aber noch milder ausfällt.

Zubereitung Schritt für Schritt

Lung Ching verträgt kein kochendes Wasser. So gehen Sie vor: 1. Etwa 3 Gramm Blätter auf 200 ml Wasser abmessen. 2. Wasser auf 75 bis 80 °C abkühlen lassen. 3. Blätter übergießen und nur 1 bis 2 Minuten ziehen lassen — länger würde den Tee bitter machen.

Hochwertiger Lung Ching lässt sich zwei- bis dreimal aufgießen, wobei der zweite Aufguss oft als der aromatischste gilt. Schon beim ersten Kontakt überzeugt er durch einen intensiven Duft nach gerösteten Kastanien. Im Vergleich zu kräftigeren japanischen Grüntees wie Sencha bleibt er deutlich zurückhaltender und süßlicher.

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Qualität erkennen und lagern

Hierzulande ist häufig nur Lung Ching geringerer Qualität erhältlich. Gute Ware erkennen Sie an gleichmäßig flachen, glatten Blättern in einem zarten Gelbgrün und an einem klaren, nussigen Duft. Die Preise reichen je nach Pflückzeitpunkt und Herkunft von etwa 8 bis über 40 Euro pro 100 Gramm.

Bewahren Sie den Tee luftdicht, lichtgeschützt und kühl auf, fern von stark riechenden Lebensmitteln. Als empfindlicher Grüntee sollte Lung Ching innerhalb von sechs bis zwölf Monaten verbraucht werden, da er sein feines Aroma sonst verliert.

Häufige Fragen

Was bedeutet Lung Ching?
Lung Ching, chinesisch Longjing, heißt „Drachenbrunnentee". Der Name geht auf den Brunnen am Hügel Long Jing bei Hangzhou zurück, aus dem der Legende nach ein Drache emporstieg.

Warum ist Lung Ching so wenig bitter?
Er enthält ungewöhnlich wenige Catechine, die sonst für die Herbe grünen Tees sorgen. Stattdessen prägen viele Aminosäuren und Vitamin C den milden, nussigen Geschmack.

Mit welcher Temperatur bereite ich Lung Ching zu?
Mit Wasser von 75 bis 80 °C und einer Ziehzeit von nur ein bis zwei Minuten. Kochendes Wasser oder längeres Ziehen machen den Tee bitter.

Woher stammt echter Lung Ching?
Aus der Provinz Zhejiang, rund um Hangzhou am Westsee. Die klassische Anbaufläche umfasst nur etwa 150 Quadratkilometer mit rund 300 Tonnen Jahresertrag.

Wie oft kann man Lung Ching aufgießen?
Hochwertige Ware verträgt zwei bis drei Aufgüsse. Der zweite gilt vielen als der aromatischste, weil sich die Blätter dann voll entfaltet haben.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.