Chun Mee ist einer der meistgetrunkenen Grüntees Chinas. Sein Name bedeutet kostbare Augenbraue und spielt auf die gerollten, gebogenen Blätter an, die nach der Verarbeitung tatsächlich an feine Augenbrauen erinnern. Der Aufguss ist hell, frisch-herb und auffallend säuerlich — ein günstiger, charaktervoller Alltagstee. Hier lesen Sie, woher er stammt, wie er hergestellt wird und wie die Zubereitung gelingt.

Steckbrief
Pflanze/BasisCamellia sinensis, grüner Tee aus China
Koffeingehaltca. 20-40 mg pro Tasse (200 ml)
Geschmacksprofilfrisch-herb, leicht säuerlich, mitunter eine feine Rauchnote
Wassertemperatur75-85 °C, nicht kochend
Ziehzeit1-3 Minuten, kurz halten
Dosierung2-3 g (1 gehäufter TL) auf 200 ml Wasser
Aufgüsse2-3 Aufgüsse möglich
Preisspanneca. 2-5 € pro 100 g, Bio-Ware etwas darüber

Herkunft: aus Jiangxi in die ganze Welt

Ursprünglich stammt Chun Mee ausschließlich aus der Provinz Jiangxi im Südosten Chinas — mit ihren hohen jährlichen Niederschlagsmengen eine der feuchtesten Provinzen des Landes, was der Teequalität spürbar zugutekommt. Weil die Sorte in Asien so beliebt wurde, gibt es heute auch Kulturen in den Nachbarprovinzen sowie in Japan und Taiwan; zunehmend wird auf unbehandelten Anbau und Bio-Zertifizierung gesetzt.

Auffällig ist die Namensgebung: Während japanische Grüntees meist nüchtern nach Verarbeitungsschritten heißen, lieben die Chinesen poetische Bilder. Chun Mee, die kostbare Augenbraue, steht damit in einer Reihe mit Sorten wie Pi Lo Chun, der grünen Schnecke des Frühlings. Der Name beschreibt schlicht die Blattform nach dem Rollen und Biegen.

Herstellung: Erhitzen, Rollen, Biegen

Direkt nach der Ernte werden die frischen Blätter erhitzt, um die Oxidationsenzyme zu stoppen — bei Chun Mee traditionell schon vor dem eigentlichen Welken und Trocknen. Erst wenn die Restfeuchte ausreichend gering ist, folgt der entscheidende Schritt: Die Blätter werden gerollt und gebogen, bis sie ihre charakteristische, namensgebende Augenbrauenform haben.

Diese vergleichsweise minimalistische Verarbeitung lässt die Blätter nahezu naturbelassen und sorgt für den hellen Aufguss. Geschmacklich hebt sich Chun Mee damit deutlich von gedämpften japanischen Sorten wie Sencha ab, die grasiger und süßlicher ausfallen. Eng verwandt in Machart und Preisklasse ist dagegen der zu Kugeln gerollte Gunpowder.

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Geschmack: frisch-herb mit säuerlicher Note

Chun Mee überrascht beim ersten Schluck: Er schmeckt eher säuerlich und ist keinesfalls als süßlich zu bezeichnen — eine Eigenheit, die ihn von den meisten anderen Grüntees unterscheidet. Dazu kommen ein kräftig-frischer, herber Grundton, ein sehr heller Aufguss und je nach Charge eine dezente Rauchnote. Bei den übrigen Inhaltsstoffen hebt er sich kaum von anderen grünen Tees ab; vor allem die Geschmacksstoffe variieren.

In Nordafrika ist genau dieser robuste Charakter gefragt: Chun Mee und Gunpowder sind die klassischen Basistees für den süßen Minztee der maghrebinischen Teekultur, weil sie sich gegen Zucker und frische Minze geschmacklich behaupten. Pur getrunken passt er gut zu kräftigem Essen, etwa zu Gegrilltem oder würzigen Reisgerichten.

Zubereitung: kurz und nicht zu heiß

Verwenden Sie 2 bis 3 g Tee (einen gehäuften Teelöffel) auf 200 ml Wasser. Die Wassertemperatur sollte bei 75 bis 85 °C liegen — in China wird er teils heißer aufgegossen und die kräftigere Bitterkeit bewusst geschätzt, für den europäischen Geschmack fährt man mit der niedrigeren Temperatur besser. Die Ziehzeit beträgt nur 1 bis 3 Minuten, denn zu langes Ziehen verstärkt Säure und Herbe.

Zwei bis drei Aufgüsse sind möglich; der zweite fällt oft runder aus als der erste. Wer die Säure mildern will, dosiert etwas niedriger statt kürzer zu ziehen — so bleibt das Aroma vollständig. Ein Spritzer Zitrone erübrigt sich bei diesem Tee, die frische Note bringt er von selbst mit.

Koffein und Inhaltsstoffe

Beim Koffein steht Chun Mee anderen Grüntees in nichts nach: Eine Tasse liefert etwa 20 bis 40 mg, abhängig von Dosierung und Ziehzeit — genug für eine sanfte Belebung, deutlich weniger als Filterkaffee mit 80 bis 120 mg. Daneben enthält er die grünteetypischen Catechine und Gerbstoffe, die sich bei heißerem Wasser und längerer Ziehzeit verstärkt lösen.

Die Hauptkomponenten der klassischen Grüntee-Inhaltsstoffe sind in ähnlichen Konzentrationen vorhanden wie bei bekannteren Sorten, etwa dem berühmten Lung Ching. Wer empfindlich auf Koffein reagiert, trinkt Chun Mee besser vormittags und hält die Ziehzeit bei einer Minute.

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Kauf, Preis und Lagerung

Chun Mee ist ein erschwinglicher Alltagstee: Solide lose Ware kostet etwa 2 bis 5 Euro pro 100 g, Bio-Qualitäten liegen leicht darüber. Achten Sie auf gleichmäßig geformte, fest gerollte Blätter mit olivgrüner Farbe und frischem Duft; viel Bruch und Staub deuten auf einfache Exportqualität hin. Die Handelsbezeichnung trägt oft Nummern wie 41022 — sie bezeichnen Blattgrade des Exportstandards, nicht automatisch bessere Qualität.

Lagern Sie den Tee luftdicht, dunkel und trocken, am besten in einer Metall- oder Keramikdose. Wie alle Grüntees sollte er innerhalb von 6 bis 12 Monaten aufgebraucht werden, da Frische und Säurespiel mit der Zeit nachlassen.

Häufige Fragen

Was bedeutet der Name Chun Mee?
Chun Mee heißt übersetzt kostbare (oder wertvolle) Augenbraue. Der Name spielt auf die Form der Blätter an, die nach dem Rollen und Biegen gebogenen Augenbrauen ähneln.

Wie schmeckt Chun Mee?
Frisch-herb und auffallend säuerlich, keinesfalls süßlich, mit hellem Aufguss und manchmal einer leichten Rauchnote. Genau diese Eigenheit unterscheidet ihn von den meisten anderen Grüntees.

Mit welcher Temperatur bereitet man Chun Mee zu?
Mit 75 bis 85 °C heißem Wasser und nur 1 bis 3 Minuten Ziehzeit. Kochendes Wasser und langes Ziehen machen den Tee unangenehm bitter und betonen die Säure.

Woher kommt Chun Mee?
Ursprünglich aus der regenreichen Provinz Jiangxi in China. Wegen der großen Nachfrage wird er heute auch in anderen chinesischen Provinzen sowie in Japan und Taiwan angebaut.

Wie viel kostet Chun Mee?
Als Alltagstee ist er günstig: Gute lose Ware gibt es ab etwa 2 bis 5 Euro pro 100 g. Bio-zertifizierte Qualitäten kosten meist nur wenig mehr.

Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.

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André Schulze · Herausgeber Tee-Magazin.de

André Schulze betreibt das Tee-Magazin seit 2011 und verkostet, fotografiert und beschreibt Teesorten aus aller Welt. Jeder Beitrag wird redaktionell geprüft und regelmäßig aktualisiert — zuletzt am 11. Juni 2026.