Das wunderbare an Tee ist, dass er nicht nur ausgezeichnet schmeckt, oft ranken sich auch die herrlichsten Mythen und Geschichten um seine Vergangenheit. So soll Genmaicha etwa ein Zufallsprodukt aus dem 15. Jahrhundert sein. Bei Genmaicha handelt es sich um grünen Tee,eine Art Matcha, der aber mit gerösteten, teilweise sogar schon gepoppten braunen Reiskörnern vermischt ist. Dies soll durch einen etwas unachtsamen und tollpatschigen Diener passiert sein, der zuerst die Teeblätter versehentlich mit dem Reis vermischt haben soll. Zu guter Letzt soll er dann auch noch einen weiteren Fehler begangen und den Tee samt den Reiskörnern auch noch viel länger als üblich geröstet haben. Sein Herr war darüber angeblich so verärgert, dass er, ganz nach Samurai-Tradition in Japan, den unfähigen Untergebenen köpfte. Kurz danach trank er doch etwas von dem scheinbar verdorbenen Tee und war von dem malzigen Röstaroma angenehm überrascht.

Inhaltsstoffe

Genmaicha gehört sicher nicht zu den Teesorten, die wegen ihrer besonderen Inhaltsstoffe getrunken werden, obwohl er darin sicher von herkömmlichen Grünteesorten abweicht. In der Regel sind dem grünen Tee in Genmaicha etwa 30 Prozent Reiskörner beigemengt. Diese haben aber keine besonders effektiven Einfluss auf unseren Körper, zumal sie ja in diesem Falle nicht gegessen, sondern nur ihr Aufguss getrunken wird. Am auffälligsten machen sich da sicher noch die Aromastoffe bemerkbar, die für den angenehm malzigen Röstgeschmack verantwortlich sind. Ein besonderer Einfluss auf unseren Körper oder unsere Gesundheit ist durch den Genuss von Genmaicha nicht zu erwarten.

Anbaugebiete

Streng eingrenzbare Anbaugebiete für Genmaicha gibt es in diesem Sinne nicht, da die Grünteesorte, die als Basis verwendet wird, variieren kann. So wird in der Regel Bancha als Grundtee gewählt, aber auch Sencha wird von einigen Herstellern gerne genommen. Es lässt sich lediglich sagen, dass Genmaicha außerhalb Japans keine Rolle spielt und daher auch nur in Japan hergestellt wird.

Herstellung

Lange Zeit wurde Genmaicha weniger wegen seines Geschmacks, als vielmehr wegen der Einsparmöglichkeit von Tee getrunken. Als Tee knapp war, war Genmaicha eine gute Möglichkeit, den Tee zu strecken und so größere Mengen zu verkaufen. Heutzutage ist jedoch allein der Geschmack ausschlaggebend für seinen Genuss. Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten, diese Spezialität herzustellen. Zum Strecken von Tee wurden meist die Reiskörner separat geröstet und dann mit dem fertigen Tee vermischt. Es ist aber auch möglich, die Teeblätter, die ja zum Verhindern einer Fermentation ohnehin geröstet werden müssen, direkt mit den Reiskörnern in eine Pfanne zu geben und gemeinsam zu erhitzen.

Fazit

Außerhalb Japans wird man wohl kaum auf einen Genmaicha stoßen. Sollte man allerdings doch einmal die Möglichkeit haben, diesen Tee zu probieren, so kann man ihn beispielsweise hervorragend mittags zu einem Fischgericht genießen.Bildnachweis: Genmaicha - © Grafvision - Fotolia.com

Genmaicha richtig zubereiten: Temperatur, Ziehzeit und Dosierung

Bei der Zubereitung von Genmaicha gelten andere Regeln als bei reinen Grüntees, denn die gerösteten Reiskörner verlangen nach einer etwas anderen Behandlung. Die ideale Wassertemperatur liegt bei 85°C � etwas höher als bei reinem Sencha oder Gyokuro. Diese erhöhte Temperatur ist notwendig, um die Röstaromen des Reises vollständig freizusetzen. Pro Tasse von 200 ml empfehlen sich etwa 4 bis 5 Gramm Tee, wobei der Reisanteil das Gewicht natürlich beeinflusst.

Der erste Aufguss sollte 60 bis 90 Sekunden ziehen. Anders als bei vielen anderen Grüntees entfaltet Genmaicha seinen typischen Charakter bereits beim ersten Aufguss vollständig. Ein zweiter Aufguss ist bei 90°C und einer Ziehzeit von 30 Sekunden durchaus möglich, liefert aber ein deutlich milderes, vorwiegend vom Reis geprägtes Aroma. Ein dritter Aufguss lohnt sich bei Genmaicha in der Regel nicht, da die Grüntee-Komponente dann weitgehend erschöpft ist und nur noch fade Reisnoten verbleiben. Wer den Tee als Kaltaufguss genießen möchte, kann 5 Gramm Genmaicha in 500 ml kaltes Wasser geben und über Nacht im Kühlschrank ziehen lassen � das Ergebnis ist ein erfrischend nussiger Eistee.

Was Genmaicha einzigartig unter den Grüntees macht

Genmaicha nimmt unter den japanischen Grüntees eine absolute Sonderstellung ein, denn er ist der einzige traditionelle Grüntee, der mit einer Getreidezutat gemischt wird. Während alle anderen japanischen Teesorten � von Sencha über Gyokuro bis Matcha � ausschließlich aus der Teepflanze Camellia sinensis bestehen, bringt der geröstete Reis eine völlig neue Geschmacksdimension in die Tasse. Die teilweise gepoppten Reiskörner, die beim Rösten aufplatzen und an winziges Popcorn erinnern, geben Genmaicha seinen volkstümlichen Beinamen Popcorn-Tee.

Durch den Reisanteil von etwa 30 bis 50 Prozent enthält eine Portion Genmaicha naturgemäß weniger Teeblätter als eine vergleichbare Portion reinen Grüntees. Das bedeutet einen spürbar niedrigeren Koffeingehalt pro Tasse � ein Vorteil für alle, die Grüntee auch am Nachmittag oder Abend genießen möchten, ohne den Schlaf zu gefährden. Im Gegensatz zu Gunpowder, der für seinen besonders hohen Koffeingehalt bekannt ist, oder zu Shincha mit seinen konzentrierten Frühlingsnährstoffen, punktet Genmaicha vor allem durch seine Verträglichkeit und Zugänglichkeit.

Das Aromaprofil: Malzige Röstnoten treffen auf grasige Frische

Der Duft von trockenem Genmaicha erinnert unmittelbar an frisch geröstetes Getreide mit Nuancen von warmem Popcorn und Karamell. Bereits beim Öffnen der Dose breitet sich ein behagliches, warmes Aroma aus, das an eine herbstliche Backstube denken lässt. Nach dem Aufguss entfaltet sich ein vielschichtiges Geschmacksbild: Die malzig-nussigen Röstnoten des Reises verschmelzen mit der sanft grasigen Frische des Grüntees zu einer harmonischen Einheit.

Am Gaumen zeigt sich zunächst eine deutliche Getreidesüße, gefolgt von einer leichten, angenehm vegetabilen Bitterkeit der Teeblätter. Der Abgang ist überraschend sauber und kurz, ohne den anhaltenden adstringierenden Nachgeschmack, den viele reine Grüntees hinterlassen. Das Mundgefühl ist leicht und wässrig mit einer samtigen Textur, die vom Stärkegehalt der Reiskörner herrührt. Die Farbe des Aufgusses changiert zwischen einem hellen Strohgelb und einem warmen Goldton � heller als Gunpowder, aber dunkler als ein hochwertiger Sencha.

Nährstoffprofil: Wie der Reis die Teechemie verändert

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist Genmaicha ein Grüntee mit reduziertem Catechingehalt, da der Reisanteil die Menge an Teeblättern pro Portion verringert. Die Konzentration an EGCG und anderen Polyphenolen liegt daher deutlich unter der eines reinen Sencha oder Gunpowder. Allerdings bringt der geröstete Reis eigene Nährstoffe mit: Mangan, Selen sowie B-Vitamine, die beim Röstprozess teilweise erhalten bleiben.

Besonders bemerkenswert ist der hohe Gehalt an Gamma-Oryzanol im gerösteten Reis, einem pflanzlichen Antioxidans, das in keinem anderen Grüntee vorkommt. Diese Substanz wird mit einer cholesterinsenkenden Wirkung und entzündungshemmenden Eigenschaften in Verbindung gebracht. Der moderate Koffeingehalt von etwa 15 bis 20 mg pro Tasse macht Genmaicha zu einem idealen Begleiter für den gesamten Tag, während ein reiner Sencha mit 30 bis 40 mg pro Tasse deutlich stärker anregt.

Häufig gestellte Fragen zu Genmaicha

Kann man Genmaicha auch mit Matcha kombiniert kaufen und was bringt das?
Ja, die Variante Matcha-iri Genmaicha ist in Japan sehr beliebt. Dabei wird dem klassischen Genmaicha feines Matchapulver beigemischt, was den Aufguss intensiv grün färbt und den Umami-Geschmack deutlich verstärkt. Der Matcha-Zusatz erhöht gleichzeitig den Catechin- und L-Theanin-Gehalt, wodurch der Tee nährstoffreicher wird als die reine Genmaicha-Variante. Geschmacklich entsteht eine faszinierende Kombination aus Röstaromen, cremigem Umami und grasiger Frische.

Warum poppen manche Reiskörner im Genmaicha auf und andere nicht?
Ob die Reiskörner beim Rösten aufpoppen, hängt von der Feuchtigkeit im Korn und der Rösttemperatur ab. Körner mit höherem Wassergehalt platzen bei Hitze auf, ähnlich wie bei der Popcornherstellung. Die gepoppten weißen Körner sind charakteristisch für authentischen Genmaicha und kein Qualitätsmangel. Manche Hersteller verwenden bewusst Mochi-Reis, der besonders zuverlässig aufpoppt und eine stärkere Karamellnote liefert.

Eignet sich Genmaicha als Begleiter zu Speisen?
Genmaicha ist einer der besten Speisenbegleiter unter den Grüntees. Seine nussig-malzigen Aromen harmonieren hervorragend mit Sushi, gegrilltem Fisch und Reisgerichten. In Japan wird er traditionell zu einfachen Alltagsgerichten serviert. Auch zu westlichen Speisen wie leichten Pasta-Gerichten, Hühnchen oder sogar zu mildem Käse passt Genmaicha ausgezeichnet, da seine Getreidenoten eine Brücke zwischen Tee und Essen schlagen.

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