Labkraut-Tee ist ein Kräuteraufguss aus dem Echten Labkraut (Galium verum), einer alten Wiesenpflanze, die früher sogar in der Käseherstellung diente. Getrunken wird der Tee weniger wegen seines herb-grasigen Geschmacks als wegen seiner traditionellen Verwendung als harntreibendes Hausmittel. Hier erfahren Sie, welche Inhaltsstoffe im Kraut stecken, wann gesammelt wird und wie der Aufguss zubereitet wird.
| Pflanze/Basis | Echtes Labkraut (Galium verum), ein Rötegewächs; auch Weißes Labkraut und Klettenlabkraut werden verwendet |
|---|---|
| Koffeingehalt | koffeinfrei |
| Geschmacksprofil | herb-grasig, leicht heuartig; der Duft erinnert an Honig |
| Wassertemperatur | 100 °C, kochend aufgießen |
| Ziehzeit | 5-10 Minuten, abgedeckt |
| Dosierung | 1-2 TL getrocknetes Kraut (ca. 2 g) pro Tasse (250 ml) |
| Aufgüsse | 1 Aufguss |
| Preisspanne | ca. 3-6 € pro 100 g (Apotheke/Kräuterhandel) |
Was ist Labkraut? Vom Käsekessel in die Teetasse
Seinen Namen verdankt das Labkraut einem Enzym: In frisch geschnittenem Kraut wurde ein Lab-Enzym nachgewiesen, wie es sonst aus Kälbermägen gewonnen wird und Milch zum Gerinnen bringt. Bauern nutzten die Pflanze deshalb über Jahrhunderte in der Käseherstellung; die gelben Blüten des Echten Labkrauts dienten dabei zugleich als Farbgeber. In der modernen Käserei spielt das Kraut keine Rolle mehr.
Botanisch gehört Labkraut zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae) — und ist damit ein entfernter Verwandter des Kaffeestrauchs. Auffällig ist der Duft der Blüten: Sie riechen deutlich nach Honig, was der Aufguss geschmacklich allerdings nicht einlöst.
Drei Arten und ihre Standorte
Für Tee werden drei Arten praktisch gleichrangig genutzt, die sich in Geschmack und überlieferter Anwendung kaum unterscheiden. Das Echte Labkraut (Galium verum) wächst in ganz Eurasien auf Magerrasen, in Gebüschsäumen und auf Moorwiesen. Das Weiße Labkraut besiedelt ähnliche Standorte, bevorzugt aber meernahe Regionen.
Das Klettenlabkraut (Galium aparine), streng genommen kein echtes Labkraut, stellt dagegen hohe Ansprüche an den Boden: Es benötigt viel Stickstoff und Phosphat, sein Vorkommen gilt Landwirten daher als Zeiger für fruchtbare, lehmhaltige Böden. Alle drei Arten wachsen so reichlich wild, dass ein feldmäßiger Anbau nie nötig wurde — der gesamte Handelsbedarf stammt aus Wildsammlung.
Inhaltsstoffe und traditionelle Verwendung
Im Kraut stecken Gerbstoffe, Chlorogensäure, das Flavonoid Hesperidin und das Iridoidglykosid Asperulosid, dazu auffallend viel Kieselsäure und Spuren ätherischer Öle. In der Volksheilkunde wird Labkraut-Tee vor allem als harntreibendes Mittel zur Durchspülung bei Blasen- und Nierenbeschwerden verwendet; auch bei Gallen- und Nierengrieß wurde er traditionell eingesetzt.
Wichtig zur Einordnung: Anders als etwa bei Birke oder Goldrute fehlt dem Labkraut eine anerkannte arzneiliche Monographie, die Studienlage ist dünn. Anhaltende Beschwerden der Harnwege gehören in ärztliche Behandlung. Bewährte monographierte Alternativen stellen die Beiträge über Goldruten-Tee und Birkentee vor.
Geschmack: Honigduft, herber Aufguss
Labkraut-Tee dürfte kaum jemand zum Lieblingstee erklären: Der Aufguss duftet zwar angenehm honigartig, schmeckt aber herb-grasig mit heuartigem Grundton — die Erwartung, die der Duft weckt, erfüllt der Geschmack nicht. Die Tassenfarbe ist ein helles Gelbgrün.
Gegen die Herbe haben sich drei Strategien bewährt: ein Teelöffel Honig, der die Honigassoziation des Dufts aufgreift, das Mischen mit Pfefferminze oder Melisse zu gleichen Teilen oder eine kürzere Ziehzeit von fünf Minuten, die weniger Gerbstoffe ins Wasser bringt. Wer es generell milder mag, kombiniert das Kraut in fertigen Blasen-Nieren-Mischungen, wo es nur einen Teil der Rezeptur stellt.
Zubereitung und Dosierung
1. Dosieren Sie 1 bis 2 Teelöffel getrocknetes, geschnittenes Kraut (etwa 2 g) pro 250-ml-Tasse. 2. Mit kochendem Wasser übergießen. 3. Abgedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen lassen, damit die flüchtigen Bestandteile nicht mit dem Wasserdampf entweichen. 4. Abseihen und ungesüßt oder mit Honig trinken. Üblich sind in der traditionellen Anwendung 2 bis 3 Tassen täglich über begrenzte Zeit; zur Durchspülung gehört zusätzlich reichlich Wasser auf den Tagesplan.
Frisch geerntetes, klein geschnittenes Kraut gilt als aromatischer und gehaltvoller als getrocknete Ware — wer einen Garten in Wiesennähe hat, gießt es direkt heiß auf. Eine fertig abgestimmte Rezeptur mit mehreren Durchspülungskräutern bietet der klassische Nieren- und Blasen-Tee.
Sammeln, Trocknen und Kaufen
Die Erntefenster unterscheiden sich je nach Art: Klettenlabkraut wird von Juni bis in den Spätsommer geschnitten, Echtes und Weißes Labkraut ab Juli bis fast zum Jahresende. Gesammelt wird das blühende Kraut — die Blütenfarben reichen von Weiß bis Goldgelb — an unbelasteten Standorten abseits von Straßen und gedüngten Feldern.
Getrocknet wird locker gebündelt an einem luftigen, schattigen Ort; danach hält das Kraut in Dosen oder Papiertüten dunkel gelagert 12 bis 18 Monate. Wer nicht selbst sammelt, bekommt geschnittenes Labkraut in Apotheken und im Kräuterhandel für etwa 3 bis 6 Euro pro 100 g. Ein weiteres traditionsreiches Wildkraut mit ähnlich unscheinbarem Auftritt porträtiert übrigens der Beitrag über Löwenzahn-Tee.
Häufige Fragen
Wofür wird Labkraut-Tee traditionell verwendet?
In der Volksheilkunde dient er als harntreibender Aufguss zur Durchspülung bei Blasen- und Nierenbeschwerden. Eine anerkannte arzneiliche Monographie fehlt allerdings; anhaltende Beschwerden gehören zum Arzt.
Wie schmeckt Labkraut-Tee?
Herb-grasig mit heuartiger Note — deutlich weniger angenehm, als der honigartige Duft vermuten lässt. Honig, Pfefferminze oder Melisse als Mischpartner mildern die Herbe spürbar.
Wann kann man Labkraut sammeln?
Klettenlabkraut von Juni bis in den Spätsommer, Echtes und Weißes Labkraut ab Juli bis fast zum Jahresende. Geschnitten wird das blühende Kraut an unbelasteten Standorten.
Warum heißt Labkraut eigentlich Labkraut?
Frisches Kraut enthält ein Lab-Enzym, das Milch gerinnen lässt — wie das Lab aus Kälbermägen. Bauern nutzten die Pflanze deshalb früher in der Käseherstellung, auch als gelben Farbgeber.
Wie viel Labkraut-Tee darf man trinken?
Traditionell üblich sind 2 bis 3 Tassen täglich über begrenzte Zeit, dosiert mit 1 bis 2 Teelöffeln Kraut pro Tasse. Zur Durchspülung sollte zusätzlich viel Wasser getrunken werden.
Gesundheitlicher Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und dem Genuss von Tee. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht den Rat einer Ärztin oder eines Arztes. Bei gesundheitlichen Beschwerden, in der Schwangerschaft, bei der Einnahme von Medikamenten oder vor der Anwendung von Heilkräutern halten Sie bitte ärztliche Rücksprache.
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