Masala Chai – Sinnbild der Indischen Teekultur


Eine richtige Teezeremonie im Sinne von festgelegten Ritualen und spirituellen Wurzeln, wie etwa in China und Japan, gab es in Indien nie. Dies liegt zum einen darin begründet, dass Indien im Vergleich zu Ostasien erst recht spät zum Tee kam, zum anderen war der Genuss dieses Getränks eine sehr lange Zeit ein Privileg, das sich nur die Maharadschas, die indische Oberschicht sowie die Kolonialbeamten erlauben durften. Erst mit der Gründung der Assam Tea Company im Jahre 1840 stieg die Teeproduktion und eine Teekultur entwickelte sich zunehmend. Diese war jedoch nie so asiatisch geprägt, wie die chinesische und die japanische. Der Einfluss der Kolonialmächte war von Anfang an sehr groß.

Indische Teekultur

Geschichte der Zeremonie: Varianten der Zubereitung des Tees

In Indien gibt es keine einheitliche Teekultur oder -zeremonie die überall auf die gleiche oder zumindest wenigstens recht ähnliche Art und Weise abgehalten wird. Genauer betrachtet gibt es mindestens drei verschiedene Teekulturen. Zum einen gibt es immer noch die Oberschicht, die bei der Teezubereitung und dem Teegenuss sehr stark die alte britische Kolonialmacht imitiert. Von diesem Bevölkerungsteil Indiens wird der Tee quasi genauso getrunken, wie in Großbritannien auch. Besondere kulturelle Eigenheiten gibt es dabei kaum.

Von einem Großteil der indischen Bevölkerung wird dagegen ein Getränk namens Masala Chai zubereitet und regelmäßig genossen. Der Name, der „gemischter Tee“ bedeutet, legt bereits nahe, dass es sich dabei nicht um einen reinen schwarzen Tee handelt. Vielmehr werden dem Tee noch Gewürze wir Kardamom, Zimt, Langkornpfeffer, Kurkuma und einigen weiteren, beigemengt. Diese Mischung wird in Milch aufgekocht und vor dem Genuss mit Honig gesüßt. Die Dauer vom kochen ist entscheidend für die Stärke des Geschmacks. Auch außerhalb Indiens ist der Masala Chai bekannt. Dann wird er jedoch in der Regel ohne Milch getrunken. Zudem wird er meist unter anderen, teils irreführenden Namen gehandelt. Bei Teemischungen, die bei uns etwa als „Yogi Tee“ geführt werden, handelt es sich um nichts anderes als Masala Chai. Hilfreiche Rezepte und Videos gibt es zu genüge im Internet. Hat man sich selbst erst mal einen Tee richtig zubereitet, schmeckt er in der Regel sehr lecker.

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Ganz im Nordwesten Indiens, in der Region Kaschmir, gibt es noch eine weitere, völlig eigenständige Teekultur. Der Kashmiri Chai, der dort getrunken wird, ist ein grüner Tee aus Himal Pradesh mit einem besonders herben, gleichzeitig aber auch würzigen Geschmack. Er wird mit einigen Safranblüten und einer grünen Kardamomfrucht gemischt. Die Region Kaschmir ist leider immer wieder Schauplatz blutiger Gräueltaten und befindet sich seit Jahren in erbitterten Bürgerkriegskämpfen. Viele Bewohner dort haben weitaus größere Probleme, als Tee trinken zu können. Dennoch hat diese Tradition dort überlebt und wird nach Möglichkeit immer noch abgehalten.

Der Ablauf der Teezeremonie

Einen speziellen, ritualgleichen Ablauf gibt es bei den verschiedenen Teezeremonien in Indien eigentlich kaum. Sicher hat jeder seine Gewohnheiten und wird seinen Tee in immer wieder gleicher, oder zumindest ähnlicher Weise zu sich nehmen. Allerdings gibt es dafür kein Regelwert oder ähnliches, das die Rahmenbedingungen festlegt. Einzig die Oberschicht, die sich an der britischen Teekultur orientiert, wird den Ablauf ihrer Teestunde möglichst identisch mit der Britischen gestalten.

Teegeschirr und Zubehör

Große Besonderheiten bei Geschirr und Zubehör gibt es nicht. Hier gilt wieder ähnliches, wie beim Ablauf der Zeremonie. Die Oberschicht kopiert möglichst originalgetreu die ehemalige Kolonialmacht. Die restliche Bevölkerung Indiens dagegen bereitet ihren Tee mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln zu.

Bedeutung der Teezeremonie

Für die indische Oberschicht lag und liegt der Zweck in der Nachahmung der britischen Teekultur sicherlich darin, sich bis zu einem gewissen Grad anzupassen und sich dadurch bestimmt auch dem Rest Indiens gegenüber in gewisser Weise überlegen zu fühlen. Es wird quasi ein Statement gesetzt und gezeigt, dass man „etwas besseres ist“.

Da der indischen Teekultur eine spirituelle Grundlage wie in Ostasien üblich, vollkommen fehlt, liegt das Hauptaugenmerk beim Teegenuss sicher nicht auf Meditation oder innerer Einkehr. Trotzdem ist es gut möglich, dass auch hier der Genuss einer Tasse Tee als Auszeit vom Alltag und Gelegenheit für gute Gespräche gesehen und genutzt wird. Die Zutaten Indischer Getränke sind unterschiedlich je nach Geschmack, überall zu finden.

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Bildnachweis: Indische Teekultur – © Eva Gruendemann – Fotolia.com

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